02.02.04

2.2.2004: Wochenrückblick: UmweltBank verdoppelt Gewinn - Windkraft: Vestas und REpower gewinnen Marktanteile - farmatic baut ein Drittel des Personals ab

Die Aktienindizes gaben in der vergangenen Woche nach. Der DAX sank um zwei Prozent, der japanische Nikkei-225 um drei Prozent. In den USA verlor der Dow Jones Industrial Average Index ein Prozent und der Nasdaq Combined Composite drei Prozent. Der deutsche TecDAX hat sich von dieser Entwicklung abgekoppelt, er legte ein Prozent zu. Für einen Euro wurden zum Wochenschluss 1,248 US-Dollar bezahlt, ein Prozent weniger als vor einer Woche.

Gerard Piasko, Chief Investment Officer des Schweizer Bankhauses Julius Bär, sagte eine neue Baisse der US-amerikanischen Aktien voraus. Das gegenwärtige Gewinnwachstum der Unternehmen sei ein "Aufschwung auf Pump"; es werde sich nach der Präsidentenwahl in den USA wahrscheinlich deutlich verlangsamen. Der Dow Jones werde noch in diesem Jahr "kippen". Europäische Aktien hätten die Chance, sich vom US-Aktienmarkt abzukoppeln. Dazu müsse aber die europäische Binnenkonjunktur gestärkt werden - anderen Falls würde Europa vom US-amerikanischen Gängelband an das chinesische Gängelband weitergereicht, so Piasko.

Ähnlich äußerte sich der Milliardär und Finanzinvestor George Soros: Die Weltwirtschaft sei gegenwärtig "aufgepumpt", der Preis dafür werde später bezahlt werden müssen. Amerikanische Aktien seien im historischen Vergleich wieder recht hoch bewertet; dieser Umstand werde sich nach Soros" Worten jedoch erst nach der Präsidentenwahl auswirken.

In der zurückliegenden Woche sind einige politische Entscheidungen gefallen, die sich auf den Geschäftsgang von Unternehmen im Umweltbereich auswirken können:
· Das Europäische Parlament hat eine verschärfte Verpackungsrichtlinie angenommen, mit der ab 2008 die stoffliche Wiederverwertung von 60 Prozent der Verpackungsabfälle vorgeschrieben wird. Gegenwärtig beträgt die Quote 25 Prozent. Müllverbrennung gilt nach der neuen Vorgabe nur dann als Verwertung, wenn damit Energie erzeugt wird.
· Die Europäische Kommission hat einen Aktionsplan beschlossen, um die Entwicklung von Umwelttechnologien zu unterstützen. Insbesondere sollen Hindernisse bei der weiteren Verbreitung solcher Technologien abgebaut werden. Dazu zählt die Kommission unter anderem wirtschaftliche Einzelinteressen, unzureichende Verfügbarkeit von Risikokapital "für den Schritt vom Zeichenbrett zur Produktion" und Marktpreise, die die externen Kosten nicht enthalten. Noch im Jahr 2004 sollen zu den Bereichen Wasserstoff und Brennstoffzellen sowie Photovoltaik Technologieplattformen eingerichtet werden, die Wissenschaft, Industrie, Finanziers und andere Beteiligte zusammenbringen. Die Themen Klimaänderung, Energie und kleine und mittlere Unternehmen bilden die Schwerpunkte.
· In Deutschland wurde eine Verordnung zur Förderung von Biokraftstoffen beschlossen. Sie regelt unter anderem die Zumischung von Bioethanol und Biodiesel zu den herkömmlichen Kraftstoffen.

Gestritten wird derzeit auch um den sogenannten Allokationsplan für Emissionsrechte. Hier sind in den kommenden Wochen Entscheidungen mit weit reichenden Folgen zu erwarten. Das Gesetz für den Emissionshandel soll Ende April 2004 in Kraft treten und der Emissionshandel 2005 beginnen. Die Interessen liegen aber noch weit auseinander, nicht nur zwischen Industrie, Wirtschafts- und Umweltministerium, sondern auch innerhalb der Wirtschaft.

In Deutschland wurden im vergangenen Jahr Windenergieanlagen mit einer Gesamtnennleistung von 2645 Megawatt neu installiert. Das sind 18 Prozent weniger als 2002, jedoch mehr als erwartet, wie aus einer Mitteilung des Bundesverbandes Windenergie (BWE) und des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau hervorgeht. In einem durchschnittlichen Windjahr decke die Windenergie nunmehr fast 6 Prozent des Strombedarfs in der Bundesrepublik, sagte BWE-Präsident Dr. Peter Ahmels. Unter den gegebenen Marktbedingungen mit einem zu 80 Prozent abgeschriebenen deutschen Kraftwerkspark sei Strom aus Wind heute noch nicht wettbewerbsfähig. Der Auftragsbestand der Windturbinen-Hersteller sei gut. Für das Jahr 2004 erwarten die Verbände im Inland deshalb ein etwa gleichbleibendes Niveau. Die Exportquote liege gegenwärtig bei 23 Prozent, sie soll mittelfristig die im deutschen Maschinen- und Anlagenbau übliche Marke von 70 Prozent erreichen.

Eine Untersuchung des Deutschen Windenergie-Instituts, Wilhelmshaven, zeigt die Marktanteile der einzelnen Hersteller. Enercon GmbH aus Aurich führte mit leicht auf 33,4 Prozent gesunkenem Anteil den deutschen Markt weiterhin an, gefolgt von der dänischen Vestas Wind Systems A/S, die jedoch deutlich auf 23,5 Prozent zulegte (2002: 17,8 Prozent). REpower Systems AG und Nordex AG tauschten de Plätze: REpower erreichte mit 10,7 Prozent (6,8 Prozent) Platz vier, Nordex liegt mit 4,8 Prozent (8,7 Prozent) nun auf Rang sieben.

Die Hamburger Nordex AG meldete unterdessen ihren Exportanteil. Er erreichte im Geschäftsjahr 2002/03 (30. September) 62 Prozent des Umsatzes. Etwa jede zweite Nordex-Anlage sei im Ausland errichtet worden, teilte der Maschinenbauer mit. Die Aktie wurde am Freitag Abend für 1,03 Euro gehandelt.

Die Pfleiderer AG aus Neumarkt (Bayern) wird ihre Onshore-Windaktivitäten in ein Gemeinschaftsunternehmen mit der Fuhrländer AG einbringen. An der neu zu gründenden Fuhrländer-Pfleiderer GmbH & Co. KG soll Fuhrländer die Mehrheit halten. Nach dem Verkauf des Offshore-Geschäfts im vergangenen Jahr zieht sich Pfleiderer damit weiter aus der Windenergie zurück. Der nicht börsennotierte Windturbinen-Hersteller Fuhrländer AG aus Waigandshain im Westerwald ist zu 16,2 Prozent im Besitz des Windparkbetreibers WindWelt AG, Bonn. WindWelt notierten zum Börsenschluss am Freitag bei 2,01 Euro (Börse Frankfurt).

Das Mannheimer Energieverteilungs- und Dienstleistungsunternehmen MVV Energie AG legte die endgültigen Ergebnisse des abgelaufenen Geschäftsjahrs vor. Die im Dezember gemeldeten vorläufigen Zahlen wurden bestätigt: Beim Umsatz gab es ein Plus von einem Prozent auf 1,695 Milliarden Euro, der Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) legte um 6 Prozent auf 121 Millionen Euro zu. Der nach eigenen Angaben fünftgrößte deutsche Stromversorger kündigt an, sich stärker auf sein Kerngeschäft der Verteilung von Strom, Gas, Wärme, Wasser und umweltfreundliche Entsorgung konzentrieren zu wollen. Die dezentralen Kraftwerksprojekte in den Bereichen Erneuerbare Energien und Abfallverwertung sollen dem neuen Konzernleiter Rudolf Schulten zufolge in einem eigenen Geschäftsfeld zusammengeführt werden. "Die ökologische Energieerzeugung bleibt ein Markenzeichen der MVV Energie", sagte Schulten auf der Bilanzpressekonferenz. MVV meldete außerdem den Beginn der Arbeiten an einer Geothermie-Anlage für das Erlebnisbad "miramar" Weinheim. Der Kurs kletterte an der Frankfurter Börse um zwei Prozent auf 16,45 Euro. Analysten der Landesbank Baden-Württemberg empfahlen die Papiere zu "halten".

Die farmatic biotech energy AG wird in den kommenden Wochen das Personal von 75 auf 50 Mitarbeiter abbauen. Als Teil der Sanierung soll die Konzernstruktur "verschlankt" werden. Das Nortorfer Unternehmen will sich künftig nicht mehr an der Finanzierung neuer Biokraftwerke beteiligen; die noch vorhandenen Beteiligungen sollen jedoch weiter betrieben werden. Im laufenden Jahr will der Biogas-Spezialist 36,8 Millionen Euro umsetzen und ein nahezu ausgeglichenes Ergebnis erreichen. farmatic standen unverändert bei 0,76 Euro.

Die nicht börsennotierte Phönix SonnenStrom AG meldete die Ausweitung der Zusammenarbeit mit der RWE Schott Solar GmbH. Schott werde exklusiv für Phönix ein monokristallines Hochleistungs-Modul herstellen, das bis zu 15 Prozent Modulwirkungsgrad erreiche. Phönix werde im Gegenzug zum Vertragshändler von RWE Schott Solar, hieß es.

Die Nürnberger Direktbank UmweltBank AG hat nach vorläufigen Angaben im vergangenen Jahr ihr Geschäftsvolumen um 26 Prozent auf 545 Millionen Euro gesteigert. Das EBIT wuchs um 117 Prozent auf 3,1 Millionen Euro. Die Bank berichtet, sie habe ausschließlich Umweltprojekte finanziert und 36.000 Kunden betreut, 5000 mehr als im Jahr zuvor. Für das Frühjahr 2004 ist eine zweite Genussschein-Emission geplant. Damit soll das Eigenkapital von derzeit 30 Millionen Euro dem Kreditwachstum angepasst werden. Die UmweltBank-Aktien stiegen um vier Prozent auf 6,20 Euro.

Die Sto AG, Herstellerin von Bautenanstrichmitteln, meldete die Inbetriebnahme zweier Produktionsanlagen. Der Sto-Silo "Tower" sei für große Produktionsmengen und die "Service-Fabrik" für individuellen Kundenservice mit Kleinstmengen vorgesehen. Damit wolle man sich auf den Bedarf der nächsten Jahre einstellen, teilte der Fassaden- und Wärmedämmspezialist aus Stühlingen mit. Die Sto-Vorzugsaktie verteuerte sich in Frankfurt um fünf Prozent auf 17,31 Euro. An der Stuttgarter Börse und im Xetra wurden mehr Papiere umgesetzt, hier lag der letzte Kurs am Freitag nachmittag bei 17,70 Euro.

Um 15 Prozent auf 58,45 Euro stieg der Kurs der Drägerwerk-Vorzugsaktien. Analysten von Commerzbank Securities hatten das Papier zuvor mit "overweight" zum Kauf empfohlen, der faire Wert liege bei 60 Euro.

Der Welt-Zukunftsrat für Deutschland berichtete über Fortschritte beim Aufbau des Rats. Die Gründung des Welt-Zukunftsrats ("World Future Council") geht auf eine Initiative von Jakob von Uexküll zurück, dem Stifter des Alternativen Nobelpreises. Wie zu vernehmen war, soll das Generalsekretariat des Rats in Hamburg etabliert werden. Deutscher Partner sei B.A.U.M. e.V.

Die US-amerikanische ITT Industries Inc. hält nach eigenen Angaben mittlerweile 88,06 Prozent der Anteile an der Düsseldorfer Wedeco AG Water Technology. Das Erreichen der 95 Prozent-Grenze, ab der ein "squeeze out" der freien Aktionäre möglich ist, scheint damit nicht mehr fern zu liegen. ITT, auch im militärischen Bereich engagiert, nutzte die Mitteilung zu einer ausführlichen Eigendarstellung.

Ionics Inc. meldete einen Großauftrag aus Taiwan. Der Wasseraufbereitungs-Spezialist aus den USA wird der Mitteilung zufolge den größten Halbleiterhersteller des fernöstlichen Landes mit Abwasser-Aufbereitungsanlagen beliefern. Über den Wert des Auftrags wurde nichts mitgeteilt. Ionics verloren fünf Prozent auf 27,39 Dollar.

Der US-amerikanische Teppichhersteller Interface Inc. gab die Emission einer Anleihe bekannt. Damit könne eine 2005 fällige 9,5 Prozent-Anleihe bedient werden, hieß es. Nach dem starken Kursanstieg der Vorwoche sank die Interface-Aktie nun um drei Prozent auf 7,73 Dollar.

In der europäischen Ausgabe der US-amerikanischen Zeitschrift BusinessWeek ist ein mehrseitiger Artikel über die "verborgenen Champions" Europas erschienen. Eines der zwölf dort genannten Unternehmen ist der norwegische Automatenhersteller Tomra Systems ASA. Die "Champions" würden sich dadurch auszeichnen, dass sie stark auf ein einziges Geschäftsfeld fokussiert seien, dieses aber extrem gut beherrschten. Solche Firmen strebten danach, die Nummer eins in der Welt zu sein und müssten sich dabei mit Bürokratie, hohen Steuern und großformatiger Konkurrenz herumschlagen, heißt es in der BusinessWeek. Tomra notierten leicht schwächer bei 44,80 Norwegischen Kronen.

Drägerwerk AG (ISIN DE0005550636 / WKN 555063)
farmatic biotech energy AG (ISIN DE0006051923 / WKN 605192)
Interface Inc. (ISIN US4586651063 / WKN 868656)
Ionics Inc. (ISIN US4622181083 / WKN 855474)
MVV Energie AG (ISIN DE0007255903 / WKN 725590)
Nordex AG (ISIN DE0005873574 / WKN 587357)
Phönix SonnenStrom AG (unnotiert, ISIN DE0005309603 / WKN 530960)
REpower Systems AG (ISIN DE0006177033 / WKN 617703)
Sto AG (ISIN DE0007274136 / WKN 727413)
Tomra Systems ASA (ISIN NO0005668905 / WKN 872535)
UmweltBank AG (ISIN DE0007233025 / WKN 723302)
UmweltBank Genussscheine (ISIN DE0007233025 / WKN 723302)
Vestas Wind Systems A.S. (ISIN DK0010268606 / WKN 913769)
Wedeco AG (ISIN DE0005141808 / WKN 514180)
WindWelt AG (ISIN DE0006352537 / WKN 635253)

Bild: Die Weltwirtschaft sei gegenwärtig "aufgepumpt", meint George Soros (Quelle: Fundatia Soros Moldova)

Dieser Umweltaktien-Wochenrückblick erscheint mit freundlicher Unterstützung der UmweltBank.
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