22.03.04 Nachhaltige Aktien , Meldungen

22.3.2004: Wochenrückblick: MVV steigt aus der Windkraft aus - Harpen AG will Windgeschäft ausweiten - Vestas und NEG Micon legen gemeinsam Ergebnisse vor

Die Aktienindizes gaben in der vergangenen Woche weiter nach. Der DAX sank um zwei Prozent, der TecDAX um vier Prozent. In den USA verlor der Dow Jones Industrial Average Index ein Prozent und der Nasdaq Combined Composite zwei Prozent. Der japanische Nikkei-225 legte hingegen zwei Prozent zu. Der Euro stieg im Wochenverlauf kurzzeitig über 1,24 US-Dollar. Zum Wochenschluss wurde er für 1,229 Dollar gehandelt, ein Prozent mehr als am Ende der Vorwoche.

Der so genannte Korbpreis für Rohöl der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) ist über 33 Dollar pro Barrel gestiegen. Er liegt seit mehr als drei Monaten über dem offiziell von der OPEC angestrebten Preisband von 22 bis 28 Dollar. An der New Yorker Warenterminbörse (NYME) lag der Ölpreis sogar über 38 Dollar. Das ist der höchste Stand seit 1990.

Die Erwartungen an einen bevorstehenden Wirtschaftsaufschwung im Euro-Raum haben sich abgeschwächt. Nachdem bereits einige Wirtschaftsforschungsinstitute und internationale Organisationen ihre Prognosen gesenkt oder relativiert haben, äußerte die deutsche Bundesbank Zweifel am Aufschwung. Auch Analysten und institutionelle Investoren sind wieder deutlich pessimistischer für die Konjunktur, geht aus einer Umfrage des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung hervor.

Nach Angaben des Verbraucherzentralen Bundesverbandes und des Bundes der Energieverbraucher zahlen die privaten Verbraucher in Deutschland jährlich etwa fünf Milliarden Euro zuviel für ihren Strom. Die Preise seien die höchsten im europäischen Vergleich. Dabei machten die Netznutzungsentgelte etwa 70 Prozent der gesamten Kosten aus. Sie liegen den Angaben zufolge bei 18 Cent pro Kilowattstunde. Der Bundesverband Neuer Energieanbieter wies darauf hin, dass infolge des fehlenden Wettbewerbs alternative Anbieter vom Markt ferngehalten würden.

Die Unternehmensvereinigung Solarwirtschaft (UVS) prognostizierte für das laufende Jahr einen Endkundenabsatz von einer Milliarde Euro in der Solarbranche. Im vergangenen Jahr hatten die Solarbetriebe laut UVS rund 750 Millionen Euro umgesetzt. Zum Jahreswechsel waren dort 12.000 Arbeitnehmer beschäftigt, in diesem Jahr sollen 4.000 Arbeitsplätze hinzukommen. Nach UVS-Angaben liege die Mehrbelastung der Haushalte für den eingespeisten Solarstrom momentan unter 0,05 Cent pro Kilowattstunde, sie werde auch 2010 weniger als 0,1 Cent betragen.

Der Energieverteilungs- und Dienstleistungskonzern MVV Energie AG hat weitere Maßnahmen zur strategischen Neuausrichtung beschlossen. Das Mannheimer Unternehmen werde sich von seinen Tochtergesellschaften in Spanien, Portugal und Kroatien sowie von einer im Kläranlagenbau tätigen Beteiligung trennen. Der Bereich Windenergie werde nicht mehr ausgebaut, äußerte ein MVV-Sprecher auf ECOreporter.de-Anfrage, und die Tochtergesellschaft eternegy solle keine weiteren Projekte entwickeln. Die Anlaufverluste von eternegy in Höhe von rund 14 Millionen Euro würden abgeschrieben. Diese zweite Stufe der Portfoliobereinigung werde sich bilanziell mit 21 Millionen Euro auswirken. Die Gesamtaufwendungen beliefen sich damit auf bis zu 52 Millionen Euro. Sie würden durch den Gewinnvortrag aus dem Vorjahr gedeckt, teilte MVV mit. Die dezentralen Kraftwerksprojekte in den Bereichen Biomasse und Abfallverwertung sollen erhalten bleiben. Damit bleibe die ökologische Energieerzeugung ein Markenzeichen der MVV Energie, sagte Vorstandsvorsitzender Dr. Rudolf Schulten. Dem Konzernlenker zufolge sollen begonnene, vertraglich vereinbarte Projekte fortgeführt werden. MVV verloren an der Frankfurter Börse acht Prozent auf 15,33 Euro.

Ein Unternehmenssprecher bekräftigte auf eine ECOreporter.de-Nachfrage, dass auch ein gemeinsames Windenergieprojekt mit der REpower Systems AG in Spanien weiter verfolgt werde. Einer früheren REpower-Mitteilung zufolge planen REpower und die MVV-Tochter eternegy GmbH in Zusammenarbeit mit einem spanischen Partner Windparks mit einer Gesamtleistung von 350 Megawatt in Spanien. Mit dem Bau sollte im Sommer 2004 begonnen werden.

REpower Systems AG teilte unterdessen mit, dass die US-amerikanische Investmentgesellschaft T. Rowe Price mittlerweile 270.400 Aktien des Hamburger Windturbinenherstellers halte. Der Stimmrechtsanteil liege damit über fünf Prozent. Die REpower-Aktie legte vier Prozent auf 17,10 Euro zu. T. Rowe Price wurde 1937 gegründet und verwaltet ein Vermögen von mehr als 190 Milliarden Dollar. Die Auswahl der Beteiligungen erfolge unter langfristigen fundamentalen Gesichtspunkten, heißt es. Investiert werde vorrangig in gut geführte Unternehmen, deren Geschäftsfeld dauerhaft höheres Gewinn- und Dividendenwachstum verspreche als die Gesamtökonomie, so die Eigendarstellung des Investmenthauses.

Vestas Wind Systems A/S und NEG Micon A/S, zwei dänische Windturbinenhersteller, legten gemeinsam ihre Jahresabschlüsse vor. Vestas konnte 2003 ihre Umsätze um 18 Prozent auf 1,653 Milliarden Euro steigern. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) erreichte unverändert 74 Millionen Euro. Die EBIT-Marge sank damit auf 4,5 Prozent ab. Nach Vestas-Angaben wurden die eigenen Prognosen erreicht. Zuletzt waren ein Umsatz von cirka 1,7 Milliarden und eine EBIT-Marge von cirka fünf Prozent vorausgesagt worden. In den USA haben die Dänen drastisch Marktanteile verloren, in anderen Regionen hinzugewonnen. Der Weltmarktanteil wird mit unveränderten 22,6 Prozent angegeben. Die Wechselkurse der Dänischen Krone zum US-Dollar und zum Britischen Pfund hätten zu verschärftem Wettbewerbsdruck geführt, hieß es. Darüber hinaus wurden wie schon im Vorjahr Projektverzögerungen gemeldet. Aufgrund des "unbefriedigenden" Nettogewinns (36 Millionen Euro) werde für das abgelaufene Jahr keine Dividende vorgeschlagen. Auf der Hauptversammlung am 21. April soll über eine Kapitalerhöhung um 270 Millionen Euro entschieden werden.

NEG Micon meldete Umsätze von 5,3 Milliarden Dänischen Kronen, nach 6,3 Milliarden Kronen im Vorjahr. Umgerechnet in Euro waren das 708 Millionen nach 842 Millionen. Das EBIT ist mit minus 320 Millionen Kronen (42,9 Millionen Euro) deutlich negativ. Im Jahr 2002 war noch ein Gewinn angefallen. Der Weltmarktanteil ist laut Unternehmensangaben auf zehn Prozent gesunken. Enttäuschend verlief die Entwicklung vor allem in zwei großen Märkten: In Deutschland seien Unsicherheiten der Kunden über die künftige Vergütung, eine starke Zurückhaltung der Banken sowie schwieriger und zeitaufwändiger gewordene Planung zu beobachten gewesen. In den USA gebe es - neben der ungünstigen Wechselkursentwicklung - eine verschärfte Wettbewerbssituation durch einen "großen lokalen Konkurrenten". Gut hätten sich hingegen die Geschäfte in Spanien entwickelt.

Vestas, die im vergangenen Jahr in Spanien keine einzige Turbine verkaufen konnte, hat die Übernahme von NEG Micon fast abgeschlossen. In einem "Als-ob-Abschluss" für die kombinierte Gruppe (Vestas plus NEG Micon) wurden Umsätze von 2,36 Milliarden Euro (Vorjahr: 2,24 Milliarden), ein EBIT von 26 Millionen Euro (112 Millionen) und ein Weltmarktanteil von 33,3 Prozent (37,0 Prozent) angegeben. Als Fernziele gelten den Unternehmen zufolge ein Weltmarktanteil von mindestens 35 Prozent und eine EBIT-Marge von zehn Prozent. Im laufenden Jahr sollen 2,7 bis 2,8 Millionen Euro umgesetzt werden, die EBIT-Marge soll fünf Prozent vor Abschreibungen erreichen. Vestas verloren in Kopenhagen sechs Prozent auf 94 Kronen. Zu diesem Preis wurden auch die letzten noch im Streubesitz befindlichen NEG Micon-Aktien gehandelt.

Der Windparkprojektierer Plambeck Neue Energien AG meldete in seinem Jahresabschluss Umsätze von 83 Millionen Euro nach 209 Millionen im Vorjahr. Das EBIT belief sich auf minus 5,2 Millionen Euro nach einem Plus von 17,2 Millionen im Jahr 2002. Die Zahlen seien wie erwartet ausgefallen. Wesentliche Gründe für die schwachen Ergebnisse seien Restrukturierung und Konsolidierung im Konzern, aber auch die "monatelange politische Diskussion über die künftige Förderung der Windenergie in Deutschland" gewesen, hieß es. Das Unternehmen aus Cuxhaven will den vollständigen Geschäftsbericht am 29. März veröffentlichen und dann auch einen Ausblick geben. Plambeck gaben leicht auf 2,53 Euro nach.

Die Harpen AG, eine Tochter der RWE AG, gab auf einer Bilanzpressekonferenz Umsätze von 264,5 Millionen Euro bekannt. Das Hauptgeschäftsfeld der Dortmunder ist die dezentrale und regenerative Energieerzeugung. Hier wurden Umsätze von 210 Millionen Euro (plus 22,5 Prozent) und ein EBIT von 36,5 Millionen Euro (plus 22,1 Prozent) gemeldet. Das Energiegeschäft soll auch im laufenden Jahr ausgeweitet werden. Geplant sind unter anderem Kraft-Wärme-Kopplungsprojekte sowie Windparks in Frankreich und Spanien. Diskutiert werde auch der Einstieg ins Offshore-Geschäft, hieß es. Es sei aber noch nicht klar, ob Harpen oder RWE Power diese Geschäfte führen werde. Investitionsentscheidungen für die Windparks auf dem Meer seien erst für die Jahre 2006 bis 2008 zu erwarten. Der Harpen-Vorstand schlägt die Ausschüttung einer Dividende von 52 Cent je Aktie vor. Harpen legten zwei Prozent auf 20 Euro zu.

Die Kölner Interseroh AG hat nach eigenen Angaben die Zulassung als Systembetreiber zur Erfassung und Verwertung von Verkaufsverpackungen von der Stadt Hamburg erhalten. Mit der Zulassung in weiteren Bundesländern sei zu rechnen. Damit trete Interseroh in Konkurrenz mit dem "Grünen Punkt". Es sei längst an der Zeit gewesen, in diesem monopolistischen System einen richtigen Wettbewerb zu organisieren, so Interseroh. Die Aktie wurde am Freitag abend leicht schwächer bei 12 Euro notiert.

Nach Angaben des Lobbyverbands Allianz pro Schiene will die Deutsche Bahn AG trotz sinkender Bundeszuschüsse bis 2009 neue Lokomotiven und Züge im Wert von rund fünf Milliarden Euro kaufen. Allein in diesem Jahr sollen Fahrzeuge für voraussichtlich mehr als eine Milliarde Euro bestellt werden, zitiert der Verband den Generalbevollmächtigten der Deutschen Bahn, Stefan Garber. Profitieren könnte, neben internationalen Großunternehmen wie Siemens und Bombardier, der Lokomotivhersteller Vossloh AG. Vossloh gaben in der vergangenen Woche zwei Prozent auf 43,51 Euro nach.

Der US-amerikanische Möbelhersteller Herman Miller Inc. berichtete für das dritte Quartal Umsätze von 329,6 Millionen Dollar, sechs Prozent mehr als im Vergleichsquartal des Vorjahres. Der Nettogewinn ist um 160 Prozent auf auf 7,8 Millionen Dollar angewachsen. Die Auftragslage stimme auch für das verbleibende vierte Quartal zuversichtlich, hieß es. Herman Miller sackten in New York neun Prozent auf 26,21 Dollar ab.

United Solar Ovonic Corp., eine Tochtergesellschaft der börsennotierten Energy Conversion Devices Inc., meldete einen Auftrag des Rüstungsunternehmens Lockheed Martin. Für das US-amerikanische Militär sollen ultraleichte Solarzellen entwickelt und gefertigt werden, die für den Einsatz in großen Höhen vorgesehen sind. Die auf polymeren Substraten basierende Technik soll billiger und flexibler sein als herkömmliche Module, hieß es. Energy Conversion Devices legten acht Prozent auf 7,98 Dollar zu.

Einen Zuwachs um 15 Prozent auf 6,57 Dollar verzeichnete die Aktie des Solar- und Medizintechnik-Herstellers Spire Corp. aus den USA. Der Kurs des Mikroturbinen-Herstellers Capstone Turbine Corp. sank hingegen um zwölf Prozent auf 2,39 Dollar ab. Zweistellige Kursverluste gab es auch bei den deutschen Gesellschaften farmatic biotech energy AG und IVU Traffic Technologies AG. In Wien verloren SW Umwelttechnik AG unter geringen Umsätzen 13 Prozent auf 23 Euro.

Bildnachweis: Windkraftanlage der MVV Energie AG; Rohstoffrecycling bei Interseroh

Capstone Turbine Corp. (ISIN US14067D1028 / WKN 615344)
Energy Conversion Devices Inc. (ISIN US2926591098 / 858643)
farmatic biotech energy AG (ISIN DE0006051923 / WKN 605192)
Harpen AG (ISIN DE0006034002 / WKN 603400)
Herman Miller Inc. (ISIN US6005441000 / WKN 863205)
Interseroh AG (ISIN DE0006209901 / WKN 620990)
IVU Traffic Technologies AG (ISIN DE0007448508 / WKN 744850)
MVV Energie AG (ISIN DE0007255903 / WKN 725590)
NEG Micon A.S. (ISIN DK0010253681 / WKN 897922)
Plambeck Neue Energien AG (ISIN DE0006910326 / WKN 691032)
REpower Systems AG (ISIN DE0006177033 / WKN 617703)
RWE AG (ISIN DE0007037129 / WKN 703712)
Spire Corp. (ISIN US8485651074 / WKN 870534)
SW Umwelttechnik AG (ISIN AT0000808209 / WKN 910497)
Vestas Wind Systems A.S. (ISIN DK0010268606 / WKN 913769)
Vossloh AG (ISIN DE0007667107 / WKN 766710)


Dieser Umweltaktien-Wochenrückblick erscheint mit freundlicher Unterstützung der UmweltBank.
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x