22.05.07 Nachhaltige Aktien , Meldungen

22.5.2007: Der Klimawandel: In den Geschäftsberichten der DAX-30-Unternehmen ein Thema von eher unterdurchschnittlicher Bedeutung

Wie informieren die 30 im DAX gelisteten Konzerne in den Geschäftsberichten 2006 ihre Aktionäre über Klimarisiken und Klimastrategien? Wer von ihnen positioniert diese Informationen darin an zentraler Stelle, wer geht nur im Imageteil darauf ein und wer schweigt sich in seinem Geschäftsbericht gegenüber den Anlegern darüber ganz aus? ECOreporter.de hat für eine demnächst erscheinende Studie die aktuellen Geschäftsberichte der DAX-30-Unternehmen untersucht. Hier erfahren Sie vorab wichtige Einzelheiten.

Geschäftsberichte sollen laut den Bestimmungen des deutschen Handelsgesetzbuches eigentlich die derzeitige und zukünftige Situation eines Unternehmens darstellen, Chancen und Geschäftsrisiken zeigen und dabei ein Bild vermitteln, das den tatsächlichen Verhältnissen entspricht.

Die Klimaerwärmung ist ein Geschäftsrisiko – nicht nur für die Deutsche Lufthansa. Immerhin, unsere Untersuchung der Geschäftsberichte 2006 zeigte, dass die Vorzeigeunternehmen der deutschen Wirtschaft den Klimawandel inzwischen stärker in den Geschäftsberichten berücksichtigen. Sollten sie auch, denn der Geschäftsbericht ist die Königsdisziplin der Kommunikation mit dem Aktionär. Aber nicht alle DAX-30-Konzerne lieferten hier das ab, was Aktionäre erwarten dürfen.

Des Lageberichts eines Geschäftsberichts enthält die wesentlichsten Informationen eines Geschäftsberichts. Viele Anleger und Analysten lesen nur diesen Teil eines Geschäftsberichts. Auch der Risikobericht ist ein Herzstück eines Geschäftsberichts. Umso bemerkenswerter: Nur jedes zehnte der 30 DAX-Unternehmen geht darin explizit auf den Klimawandel ein.

Bei der Münchener Rück zieht sich das Thema Klimawandel wie ein roter Faden durch den Risikobericht des Geschäftsberichts 2006. So wird ausgeführt, dass der Konzernbereich GeoRisikoForschung erforscht, ”wie sich der Klimawandel möglicherweise auf die Häufigkeit und das Ausmaß der Schäden für die Versicherungswirtschaft auswirkt. Dank ihrer Forschungsergebnisse können wir auch für unser Geschäftsportfolio das Änderungsrisiko bei der Bestimmung des Risikokapitalbedarfs angemessen kalkulieren.” Im Kapitel ”Weitere Erfolgsfaktoren” des Lageberichts stellt die Münchener Rück ferner fest: Ihr Geschäft ist ”untrennbar mit ökologischen Aspekten verbunden, auch wenn wir als Dienstleistungsunternehmen die Umwelt vergleichsweise wenig belasten. Von den Auswirkungen der Umweltbelastung sind wir jedoch direkt betroffen, etwa durch die wachsende Anzahl und stärkere Intensität wetterbedingter Naturkatastrophen. Ein besonderer Schwerpunkt unseres Engagements liegt daher auf dem Klimaschutz.”

Die Allianz behandelt den Klimawandel in ihrem Risikobericht gleich auf dessen ersten erster Seite im Zusammenhang mit dem Stichwort ”Risikoorganisation und Prinzipien”: ”Im Jahr 2005 haben wir die Allianz Climate Core Group gegründet. Diese Expertengruppe umfasst Vertreter unserer Geschäftsbereiche Schaden- und Unfallversicherung, Lebens- und Krankenversicherung, Bankgeschäft und Asset Management und soll die möglichen Auswirkungen des Klimawandels auf unser Geschäft untersuchen, Risikomanagementstrategien entwickeln und Chancen ausloten, die der Klimawandel mit sich bringt.” Die Allianz führt im Lagebericht aus, der Klimawandel zähle zu den ”Risiken, die ein Finanzunternehmen besonders empfindlich treffen können. … Um Risiken und Chancen besser einschätzen zu können und weil wir davon überzeugt sind, dass Transparenz hier auch unseren Kunden nutzt, dringen wir darauf, dass klimabedingte Risiken offengelegt werden. Wir sind Unterzeichner des Carbon Disclosure Project.” Die Allianz informiert ihre Aktionäre darüber, dass der Konzern eine Klimastrategie verabschiedet und mit einem Aktionsprogramm verknüpft hat, das rund 80 Maßnahmen umfasst und für die gesamte Gruppe gültig sei.

Der Energiekonzern E.ON AG kommt immerhin beiläufig in seinem Risikobericht auf den Klimawandel zu sprechen. Es sei ”zu erwarten, dass sich ….gesetzgeberische Initiativen mit dem Ziel eines verstärkten Engagements beim Klimaschutz und bei der Umsetzung von Energieeffizienzmaßnahmen (…) ergeben”, so der Energiekonzern. Dieser geht auch an anderen Stellen seines Lageberichts auf Klimaschutzaspekte ein und im Kapitel ”Geschäft und Rahmenbedingungen” auch auf den Stern-Report. ”Darin wird die Notwendigkeit zu einem sofortigen Handeln hervorgehoben, auch weil schnelles Handeln die Kosten des Klimaschutzes insgesamt verringern würde”, berichtet E.ON über den Bericht des früheren Chefökonomen der Weltbank, Nicholas Stern, über die Kosten des Klimawandels.

Sieben DAX 30-Unternehmen sprechen den Klimawandel zwar im Lagebericht an, aber nicht im Risikobericht. Zu diesen sieben zählt die RWE AG. In einem Spezialteil, der dem Lagebericht angehängt ist, führt sie die Hintergründe ihrer Strategie für Klimaschutz und Ressourcenschonung auf. Der Essener Energiekonzern geht im Lagebericht ausführlich auf den EU-weiten Emissionshandel ein und verweist auf die Klimapolitik der EU.

Vor dem Hintergrund wachsender Klimaschutzanforderungen und zunehmend knapper Erzeugungskapazitäten plant RWE laut dem Lagebericht ”eine Investitionsoffensive zur Modernisierung und zum Ausbau unseres europäischen Kraftwerksparks.” Neben Kohlekraftwerken mit verbesserten Wirkungsgraden wolle man auch ein erstes CO2-freies Kohlekraftwerk bauen.

Die Düsseldorfer Henkel KGaA streicht in ihrem Lagebericht heraus, dass sie 2006 den Energieverbrauch im Vergleich zur Produktionsmenge um 27 Prozent senken konnte. ”Diese Einsparungen helfen dabei, die gestiegenen Energiepreise zu kompensieren und – über die damit verbundene Verringerung von Kohlendioxid- Emissionen – den Klimaschutzzielen der Länder, in denen wir tätig sind, näher zu kommen”, so der Konzern, der weitere Informationen zum Klimaschutz nur im extern veröffentlichten Nachhaltigkeitsbericht kommuniziert.
Die TUI Group informiert in ihrem Lagebericht darüber, dass ”die Verwendung fossiler Brennstoffe bei Flügen und Schifffahrten den höchsten Energieeinsatz im Konzern darstellt” und ordnet die detaillierte Aufschlüsselung der Emission von CO2 als ”eine der wichtigsten Umweltkennziffern für den TUI Konzern”. Wie der Konzern betont, sind ”(…) der Klimaschutz wie auch der Schutz der Meere und Ozeane (…) wesentliche Voraussetzungen für ein nachhaltiges Wirtschaften in den Sparten Tourismus und Schifffahrt.”

Acht weitere Unternehmen aus dem DAX-30 streifen im Lagebericht ihres Geschäftsberichtes das Thema Klimawandel, gehen zumindest indirekt darauf ein.

Die Deutsche Lufthansa AG geht in ihrem Konzernlagebericht auf den Klimaschutz nicht direkt ein. Sie erläutert aber ihre Bemühungen um Treibhausgasreduzierungen. In verquastem Deutsch schreibt der Konzern: Er setzt ”bei der Reduzierung von Treibhausgasen (…) auf ein integriertes, globales Gesamtkonzept, bestehend aus den vier Säulen technischer Fortschritt, Infrastrukturverbesserungen, operative Maßnahmen zur Effizienzsteigerung sowie ergänzende ökonomische Instrumente und Incentivierungen.” Nur im Imageteil des Geschäftsberichts geht der Konzern ausführlich auf Klimaschutzaspekte ein. Nur hier und nicht im Lagebericht wird die Diskussion über die Einbeziehung der Luftfahrt in den EU-weiten Emissionshandel angesprochen. Die Lufthansa sieht sich laut der dortigen Darstellung ”in der Verantwortung, den Ausstoß von Treibhausgasen zu begrenzen” und erläutert das Vier-Säulen-Modell ihr Klimastrategie.

Nur im Imageteil ihres Geschäftsberichts erwähnt die Deutsche Bank, sie entwickle ”eine Klimastrategie, die das Ziel hat, den Treibhauseffekt zu bekämpfen”. Diese umfasse vier Punkte: ”die Vermeidung von Treibhausgasemissionen, die Nutzung und Förderung erneuerbarer Energien, die Information der Öffentlichkeit über die Problematik des Klimawandels sowie die Nutzung marktorientierter Mechanismen wie zum Beispiel des EU-Emissionshandels.”

Dass der Klimawandel in den nächsten Jahren sämtliche Geschäftsmodelle auf betreffen wird, erfährt der deutsche Aktionär also nicht immer da, wo er sollte: Im Risikobericht des Geschäftsberichts. Und der Eindruck drängt sich auf: Für manche DAX-30-Konzerne ist der Klimawandel immer noch ein Problem, das die Marketingabteilung alleine lösen soll. Immerhin, wenigstens ist dann ein Problembewusstsein vorhanden. Bei SAP, Hypo Real Estate AG und der Deutsche Börse könnte es zwar vorhanden sein – aber es wird zumindest nicht da beschrieben, wo es hingehört: Diese DAX-30-Mitglieder setzen sich in ihren Geschäftsberichten weder mit dem Klimawandel, noch mit klimaschädlichen Emissionen oder dem Umweltschutz bzw. dem Thema Nachhaltigkeit auseinander.

Bild: Die Klimaerwärmung ist ein Geschäftsrisiko – nicht nur für die Deutsche Lufthansa. Boeing 737. / Quelle: Deutsche Lufthansa AG
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