22.06.01

22.6.2001: Der Waschbär hat sich an einer Übernahme verschluckt - Hintergründe der Insolvenz und der jetzigen Pläne der "united nature group"

Von unserem Mitarbeiter Heinz Siebold

Nach der Ökobank ist ein weiteres ökologisches Unternehmen in Schwierigkeiten geraten: Die "Waschbär" Umwelt Produkt Versand GmbH und ihre Tochtergesellschaft Alb Natur GmbH haben beim Amtsgericht Freiburg Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt. Geschäftsführer und Alleingesellschafter Leo Pröstler räumte gegenüber der Redaktion ein, dass die Übernahme des Textilversenders Alb Natur im vergangenen Jahr "über unsere Kräfte gegangen" sei. Dadurch verursachte unvorhergesehene Mehrkosten und Investitionen für ein neues Logistikzentrum im Industriegebiet Nord hätten die Finanzkraft von Waschbär überschritten. Der Handel mit Naturtextilien ist im vergangenen Jahr insgesamt in die Krise geraten, auch andere Firmen waren davon betroffen, "Hess-Natur" etwa ist von Neckermann übernommen worden.

Die Geschäftsleitung von Waschbär - rund 300 000 regelmäßige Kunden und knapp 70 Millionen Umsatz im Jahr - hatte auf die schwierige Marktlage reagiert und mit dem Münchner online-Versandhändler für ökologische Lebensmittel "united nature" AG bereits intensive Fusionsgespräche geführt. "united nature" hatte diese jedoch "angesichts der rechtlichen und wirtschaftlichen Situation von Waschbär" abgebrochen, wie "united nature"-Vorstandsvorsitzender Franz-Josef Grenzebach bestätigt. Die Müncher Ökofood-Versender - über 4000 Produkte aus kontrolliert biologischem Anbau und artgerechter Tierhaltung - wollen jetzt dem Insolvenzverwalter ein Sanierungskonzept vorlegen, um die Geschäfte von Waschbär weiterzuführen. "Wir werden die Traditionsmarke Waschbär nicht untergehen lassen", betont Grenzebach und Waschbär-Chef Pröstler bleibt angesichts der drohenden Zahlungsunfähigkeit keine andere Wahl, als die geplante Übernahme als "eine gute Lösung" zu akzeptieren.

Wäre der "Waschbär" bei seinem Kerngeschäft - Haushaltswaren, Kosmetik, Putzmittel, Kleinmöbel - geblieben und hätte die Finger von Alb Natur gelassen, könnte die Firma rundweg zufrieden sein. Seit Beginn des Jahres seien, so Pröstler, die Umsätze ordentlich gestiegen, zwar nicht so stark wie im Lebensmittelbereich, wo "united nature" über 400 Prozent Steigerungsraten vermelden konnte. "Das war", so Pressesprecherin Maren Lea Friedrich, "direkt nach der BSE-Krise, da haben die Leute Biofleisch entdeckt". Mittlerweile ist die Hysterie zwar abgeflaut, doch Bio-Produkte sind nach wie vor gefragt und "united nature" denkt bereits in größeren Dimensionen. "Wir wollen europaweit ernst genommen werden", sagt Maren Lea Friedrich, "zusammen sind wir stärker." Der Biomarkt werde weiter wachsen, denn die nächste Nahrungsmittelkrise kommt bestimmt. Im Visier hat "united nature"-Chef Franz-Josef Grenzebach demnach weitere Partner und vor allem den Internethandel. Mit ihrer "Business-to-Business"-Plattform "united natureX.com" haben sie bereits eine weltweite Handelsbörse für Naturprodukte geschaffen, aus der sich zum Beispiel auch der Babynahrungsproduzent Hipp gerne bedient. Eine weitere Tochter "HighQ" vertreibt online "food supplements", hochdosierte Vitaminpräparate zur Nahrungsergänzung - alles ökologisch natürlich - und eine Softwarefirma "epress" vermarktet das versandtechnische Know-How als Dienstleistung auch an andere Unternehmen.

Wenn also alles nach Wunsch (von united nature) geht, wird der Freiburger Waschbär also demnächst unter einem anderen Dach weitermachen können. "Die Kapazität ist da. Der Standort Freiburg könnte nicht nur gehalten, sondern auch ausgebaut werden und es würde keine Lücke im ökologischen Angebot geben", glaubt und hofft Waschbär-Chef Pröstler. Auf dem Spiel stehen immerhin 150 Arbeitsplätze. Die Reise-Agentur "Waschbär-Reisen" ist übrigens von der Insolvenz nicht betroffen.
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