22.06.04 Nachhaltige Aktien , Meldungen

22.6.2004: Abschied auf Raten - zur Situation der HerMerlin AG und ihrer Beteiligungen

Die HerMerlin AG, Beteiligungsgesellschaft mit Sitz im fränkischen Langenaltheim, befindet sich in einer fast ausweglosen Lage. Wie Jürgen K. Herrmannsdörfer, Vorstandsvorsitzender der Unternehmensgruppe, in einem aktuellen Rundbrief an die Aktionäre mitteilt, stehen weitere Firmen aus dem Kreis der Beteiligungen vor der Aufgabe. Dabei wurde das Schreiben Herrmanndörfers durch die aktuelle Entwicklung in einem Punkt schon wieder überholt: Die Hamburger B.A.U.M. AG - die Langenaltheimer halten laut Aufstellung auf der Homepage (www.hermerlin.de) 390.000 Aktien - meldete in der vergangenen Woche Insolvenz an.

Schon Mitte März musste auch die WindStar AG aufgeben, ein Windprojektierer aus dem HerMerlin-Netzwerk. Die HerMerlin besaß 790.000 Aktien. Grund für das Scheitern der WindStar sei der Baustopp für ein Projekt in der Mark Brandenburg gewesen, berichtet Herrmannsdörfer. Wegen der dünnen Kapitaldecke sei es unmittelbar zur Zahlungsunfähigkeit gekommen. Christoph Pauli und Jan Patrick Lehmann, Ex-Vorstände der WindStar AG, arbeiten laut dem Aktionärsrundbrief zur Zeit an der Veräußerung verschiedener Projekte des Unternehmens.

Schlechte Nachrichten auch von der rumänischen Beteiligung der HerMerlin, der Hanfschwinge SC Carin: Die Gesellschaft, die sich mit der Veredelung von Hanfstroh beschäftigen sollte, sei offensichtlich gescheitert, schreibt der HerMerlin-Vorstand. Der Grund seien Missernten, die zu Schulden und schließlich zu einer Zwangsversteigerung bei dem Unternehmen geführt hätten. Allerdings verfüge er nicht über Informationen aus erster Hand, so Hermannsdörfer. Auf mehrere Schreiben an die Carin habe er keine Antwort erhalten. Die HerMerlin AG hielt 230.000 Aktien des rumänischen Unternehmens.

Dramatisch stellt sich laut dem Aktionärsbrief die Situation bei der Solantis Energy AG dar. Die Solantis habe einen Auftrag der EU erhalten, heißt es. Dafür seien Mitarbeiter eingestellt worden, die das kleine Unternehmen nun nicht bezahlen könne, weil die Auszahlung der EU-Mittel sich verzögere. Hinzu komme der chronische Eigenkapitalmangel der Solantis. Die Mitarbeiter hätten ihre Ansprüche inzwischen vor Gericht geltend gemacht, berichtet Herrmannsdörfer. Durch die fälligen Zahlungen drohe nicht nur die Insolvenz von Solantis; die HerMerlin AG werde als Folge den Verlust der Hälfte des Grundkapitals feststellen müssen. Sie hält 255.000 Aktien der Solantis.

Gegen ein weiteres ehemaliges Tochterunternehmen will der HerMerlin-Vorstand vor Gericht ziehen. Der Hersteller von Hanftextilien HempAge AG habe weder fristgemäß Zinsen für von der HerMerlin gewährten Überbrückungsdarlehen gezahlt, noch Honorare aus Emissionsbegleitung oder Aktienvermittlung, heißt es im Aktionärsrundbrief. Weitere, persönlich zur Verfügung gestellte Mittel habe HempAge Vorstand Robert Hertel trotz mehrfacher Anmahnung bislang nicht zurückgeführt. Das Unternehmen habe ihm ferner trotz seiner Funktion als Aufsichtsratsvorsitzender keine hinreichenden Informationen zur Verfügung gestellt, klagt Herrmannsdörfer. Er sehe sich deshalb außerstande, die Richtigkeit der aufgestellten Bilanz der HempAge zu bestätigen. Die Angelegenheit sei nun in Händen der Anwälte.

Die sollen sich voraussichtlich auch mit Ansprüchen beschäftigen, die die HerMerlin AG gegenüber der unit energy europe ag geltend macht. In den Jahren 1999 und 2002 habe sein Unternehmen einen Projektierungsvertrag für die Windparks Vila do Bispo I und II sowie einen Kaufvertrag für die Gesellschaft "Picos Verdes Lda." übernommen, berichtet Herrmannsdörfer. Beide Verträge seien bei Inbetriebnahme der Anlagen fällig geworden. Da unit energy dies bestreite, werde man wohl prozessieren müssen.

Die Liquiditätslage der Gesellschaft ist laut dem Schreiben an die Aktionäre weiterhin schlecht. So sei es nicht gelungen, eine Wandelschuldverschreibung termingerecht zurückzuführen. Fast beschwörend appelliert HerMerlin-Vorstand Herrmannsdörfer denn auch abschließend an die Anteilseigner: Ohne das Engagement der Aktionäre bei der laufenden Kapitalerhöhung sei die Gesellschaft in Ihrem Bestand gefährdet.

Bilder: Logo der HerMerlin AG; Jürgen K. Herrmannsdörfer
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