22.06.06 Nachhaltige Aktien , Meldungen

22.6.2006: Solarpraxis AG will drei Millionen Euro aus Aktienemission einnehmen und anschließend an die Börse gehen - ECOreporter.de sprach mit Vorstand Karl-Heinz Remmers über die ehrgeizigen Expansionspläne des Solardienstleisters

Die Berliner Solarpraxis AG geht an die Börse. Die Zeichnungsfrist für bis zu 414.000 Aktien des Solardienstleisters beginnt heute. Die Anteilscheine sollen zum Festpreis von 7 Euro je Aktie ausgegeben werden, bis zu drei Millionen Euro erhoffen sich die Berliner als Emissionserlös. Nach dem Abschluss der Zeichnungsfrist am 14. Juli sollen die Papiere im Freiverkehr der Börsen in Berlin-Bremen und Frankfurt gehandelt werden. ECOreporter.de sprach mit Karl-Heinz Remmers, Mitbegründer und Vorstand der Solarpraxis AG, über die ehrgeizigen Expansionspläne des Unternehmens.


ECOreporter.de: Herr Remmers, die Solarpraxis AG verzeichnet eigenen Angaben zufolge in den ersten vier Monaten des Jahres einen Umsatzzuwachs im Vergleich zum Vorjahr von über 70 Prozent. In welchen Geschäftsbereichen wurde der Zuwachs erwirtschaftet?
Karl-Heinz Remmers: Wir haben einen gleich starken Zuwachs im Dienstleistungs- und im Verlagsbereich erlebt. Dazu haben der deutsche Solarthermie- Markt und die europäischen Photovoltaik-Märkte im gleichen Umfang beigetragen.

ECOreporter.de: Die neuen Aktien Ihres Unternehmens sollen im "First-Come-First-Serve Verfahren" zugeteilt werden, zudem ist von einer "öffentlichen Privatplatzierung" die rede. Wie sieht das konkret für den Anleger aus?
Remmers: Im "First-Come-First-Serve"-Verfahren werden die Zeichnungen in der Reihenfolge ihres Eingangs aufgenommen. Wenn man sich schnell für die Aktien der Solarpraxis AG entscheidet, steigen somit die Chancen auf eine Zuteilung. Bei unserem weiteren Weg an die Börse haben wir ein zweistufiges Verfahren gewählt. Wir bieten der breiten Öffentlichkeit Aktien aus einer Kapitalerhöhung an, bevor die Aktien an der Börse gehandelt werden. Erst nach der Eintragung der Kapitalerhöhung erfolgt im zweiten Schritt das Listing an der Börse. Danach können die Aktien frei gehandelt werden. Damit können wir die Aktien mit relativ geringen Kosten sehr gut verteilen. Das ist nicht ungewöhnlich: Auch die SolarWorld AG hat diesen Weg bei ihrem Börsengang genutzt.

ECOreporter.de: Werden auch Anteilscheine aus dem Besitz von Altaktionären verkauft?
Remmers: Nein, im Zuge des Angebots werden keine Anteilsscheine von Altaktionären angeboten. Die Aktien stammen allein aus einer Kapitalerhöhung.

ECOreporter.de: Welche Banken begleiten Ihr Unternehmen beim IPO?
Remmers: Das Listing der Solarpraxis AG im Freiverkehr der Börse Frankfurt/Main und der Börse Berlin-Bremen wird durch die Axxon Wertpapierhandelsbank AG in Frankfurt am Main begleitet. Die Bank ist für die wertpapiertechnische Abwicklung des Börsengang verantwortlich. Die Interessenten zeichnen ihre Aktien direkt bei der Solarpraxis AG. Wir berechnen übrigens keinerlei Gebühren für den Aktienkauf. Nach Aufnahme des Handels übernimmt Axxon zudem die Funktion des Designated Sponsors.

ECOreporter.de: Bedeutet das, dass keine sonst übliche Due-Dilligence-Prüfung oder etwas Vergleichbares statt gefunden hat? Wie kann der Anleger sich dann ein unabhängiges Urteil über Ihr Unternehmen bilden?
Remmers: Es gab alle Überprüfungen, die im Rahmen einer Due Dilligence üblich sind. Das Ergebnis spiegelt sich in den Angaben sowie in den Testaten im Wertpapierprospekt wieder. Diese Unterlagen wurden zudem von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht auf Vollständigkeit geprüft. Jeder Anleger kann sich anhand dieser Daten ein Bild von uns machen. Zusätzlich dazu hat die Münchener Kayenburg AG eine unabhängige Emissionsstudie zur Solarpraxis AG erstellt, um den Aktienpreis zu ermitteln. Diese Studie wie auch den Prospekt kann sich jeder Anleger von unserer Homepage herunterladen. Wir schicken die Unterlagen aber auch gerne per Post zu.

ECOreporter.de: Wie wurde der Ausgabepreis von sieben Euro für die Aktien ermittelt?
Remmers: Die Kayenburg AG kam in ihrer Studie auf eine Preisspanne für die Aktie von 7,60- 8,53 Euro je Aktie. Wir haben noch einen Abschlag auf diesen Wert vorgenommen. Als Zeichnungsanreiz und Reaktion auf die nervösen Märkte. Den Preis von sieben Euro halten wir für gerechtfertigt.

ECOreporter.de: Wie hoch wird der Streubesitz der Solarpraxis AG nach den Börsengang sein?
Remmers: Wir gehen davon aus, dass der Streubesitz bei 51 Prozent liegen wird.

ECOreporter.de: Wie sehen die Lock-up-Fristen für die Altaktionäre der Solarpraxis AG aus?
Remmers: Die drei Gründer und Hauptaktionäre, die zusammen derzeit 55 Prozent des Kapitals halten, haben eine Lock-up-Frist von 12 Monaten akzeptiert.

ECOreporter.de: Sind weitere Kapitalerhöhungen vorgesehen?
Remmers: Aus heutiger Sicht nicht.

ECOreporter.de: Die Erlöse aus der Kapitalerhöhung wollen Sie in das weitere Wachstum des Unternehmens investieren. Wie lauten Ihre Ziele bei Umsatz und Ertrag für die kommenden fünf Jahre?
Remmers: Wir sind seit Jahren profitabel, unsere Umsatzrendite lag zuletzt bei rund 10 Prozent. Diese Marge wollen wir halten. Gleichzeitig soll der Umsatz bis 2010 auf über 12 Millionen Euro wachsen. Im ersten Quartal 2006 konnten wir die Erlöse um 70 Prozent gegenüber dem Vorjahr steigern. Das ist unsere Hausnummer.

ECOreporter.de: Was erwarten Sie für die nächsten Jahre vom Auslandsgeschäft?
Remmers: Wir wollen unseren Exportanteil in sinnvollen Schritten auf 50 Prozent des Umsatzes steigern.

ECOreporter.de: Wie hoch liegt der Auslandsanteil am Umsatz denn aktuell?
Remmers: In den ersten vier Monaten 2006 lag er bei 18,5 Prozent. In den ersten vier Monaten des Vergleichszeitraums im vergangenen Jahr lag er noch bei 6 Prozent.

ECOreporter.de: In welchen europäischen Ländern ist die Solarpraxis AG bereits präsent, und wo sind die Startchancen am besten?
Remmers: Wir sind in europaweit in Spanien, Frankreich, Italien, England, Russland und der Türkei mit Produkten und Dienstleistungen präsent. Die besten Startchancen erwarten wir uns in Spanien, Frankreich und Italien, wo wir uns in etwa gleich gut positioniert sehen.

ECOreporter.de: Sie sind auf das Thema Solarenergie spezialisiert. Wie wird sich der weltweite Markt für Solarstrom und Solarwärme Ihrer Einschätzung nach in den kommenden zehn Jahren entwickeln?
Remmers: Ich bin davon überzeugt, dass wir in beiden Märkten binnen zehn Jahren Technologiesprünge sehen werden. Diese werden mit deutlichen Kostenreduktionen und vielen technischen Verbesserungen einhergehen. Produkte, die heute noch am Rande der Wirtschaftlichkeit stehen, werden sich zu den günstigsten Energiequellen weiter entwickeln - auch ohne Betrachtung externer Kosten. So können weltweit selbsttragende Märkte entstehen, die sich selbst weiter vergrößern werden. Der Bundesverband Solarwirtschaft hat für Deutschland bis 2020 ein Marktvolumen bei Solarstrom und Solarwärme von 15,2 Milliarden Euro jährlich prognostiziert; das halte ich für absolut realistisch.

ECOreporter.de: Was passiert, wenn die Emission nicht vollständig gezeichnet wird?
Remmers: Angesichts der bisherigen Rückmeldungen von Seiten verschiedenster Interessenten gehen wir von einer hohen Nachfrage und einer vollständigen Platzierung aus.

ECOreporter.de: Herr Remmers, wir danken Ihnen für das Gespräch.


Kontakt:
Solarpraxis Aktiengesellschaft
Postfach 75 40
53075 Bonn
Tel 0049 (0)800 / 726 29 63
Fax 0049 (0)800 / 726 29 66
Email: aktie@solarpraxis.de
Internet: www.solarpraxis.de

Solarpraxis AG: WKN 549547 / ISIN 0005495477

Bild: Beratung, eine der Stärken der Solarpraxis AG; Karl-Heinz Remmers; Module einer Solarstromanlage auf einem Dach / Quelle: Unternehmen
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