22.09.04 Nachhaltige Aktien , Meldungen

22.9.2004: Mit Risiko gegen die Flaute? Windanlagenbauer kaufen Fondsanteile von den Windparks, die sie beliefern

Deutsche Windanlagenhersteller bauen nicht nur Windräder: Einige finanzieren den Kunden komplette Windparks und kaufen teilweise sogar selbst Kommanditanteile von den Betreibergesellschaften, denen sie ihre Windräder verkaufen. Die Erfahrungen damit sind unterschiedlich. Eins steht fest: Das Risiko steigt mit solchen Geschäften.

"Die Windkraft-Anleger wurden im letzten Jahr durch die unklare politische Situation bei den Erneuerbaren Energien stark verunsichert", erklärt Thomas Schnorrenberg, Investor Relations Manager beim börsennotierten Hamburger Windanlagenhersteller REpower Systems AG. "Außerdem hatten wir mehrere schlechte Windjahre, in denen die Fonds unter Prognose liefen. Das hat zu massiver Zurückhaltung der Investoren geführt, auch die Finanzierung durch die Banken ist schwieriger geworden", so der Sprecher. Seit Verabschiedung der EEG-Novelle habe sich die Lage deutlich verbessert. Es herrsche nun wieder Planungssicherheit. "Und die ist viel wichtiger, als die Zehntelcent, die jetzt im Binnenland pro erzeugter Kilowattstunde weniger gezahlt werden. Der Preis wird überbewertet!"

Schnorrenberg gibt sich auf Nachfrage von ECOreporter.de zum Gesamtvolumen der Windparkbeteiligungen seines Unternehmens zurückhaltend: Dazu könne er keine genauen Angaben machen, so der Sprecher. "Vorübergehende Windparkbeteiligungen sind Teil unseres Geschäftsmodells und Vorfinanzierungen der Hersteller für Windparks sind in Deutschland branchenüblich. Dies ermöglicht auf Kundenseite eine schnelle Fremdfinanzierung und somit auch eine zügige Realisierung und Bezahlung der Projekte", sagt Schnorrenberg. Dahingegen erhalte REpower vor allem im Ausland meist hohe Anzahlungen. Das Prinzip sei einfach: REpower gebe dem Initiator eines Windparks einen Kredit. Dieser könne auf diese Weise sein Eigenkapital stärken und erreiche eine attraktivere Finanzierung durch die Banken.

Ein Beispiel: Im Geschäftsbericht der REpower Systems AG für das Jahr 2003 finden sich Ansprüche "auf Zahlungen aus Lieferungen und Projektvorschüssen in Höhe von insgesamt knapp 9,5 Millionen Euro". Zur Sicherung wurden laut dem Bericht Forderungen in Höhe von 4,4 Millionen Euro in eine Kommanditgesellschafts-Beteiligung umgewandelt.
Für drei Windparkprojekte von Kunden übernahm der Maschinenbauer eigenen Angaben zufolge "Platzierungsgarantien in Höhe von insgesamt 3,65 Millionen Euro bis zum 30. Juni 2004". Das Unternehmen verpflichtete sich dazu, wie es heißt, "Kommanditanteile in dem Maße zu zeichnen, wie die Anteile nicht durch Dritte eingezahlt worden sind".
Für das laufende Geschäftsjahr kündigte der Windanlagenbauer im Geschäftsbericht den Kauf eines "kompletten Windparks mit 16 Windkraftanlagen" an. Der Windpark sei in den Jahren 2001 und 2002 mit 16 REpower Windkraftanlagen ausgerüstet worden, heißt es im Geschäftsbericht. Man habe mit dem Projektentwickler eine Vergleichsvereinbarung abgeschlossen, so REpower.

Dazu kann der REpower-Sprecher konkretere Angaben machen: Der Eigenkapitaleinsatz für den Kauf des kompletten Windparks liege im einstelligen Millionenbereich, sagt er. Laut Geschäftsbericht beläuft sich der Gesamtpreis auf rund 40 Millionen Euro. "Wir sind zuversichtlich, dass wir auch die neuneinhalb Millionen Euro, die uns aus Lieferungen und Projektvorschüssen zustehen, bald zurück bekommen werden", so Schnorrenberg weiter. Derartige Vorschüsse seien nicht vergleichbar mit den gegenüber einigen Projektierern ebenfalls gewährten Platzierungsgarantien, betont er. Laut Jens-Peter Stöhr, Finanzvorstand der REpower AG, übernehme das Unternehmen solche Garantierklärungen nur in seltenen Ausnahmefällen.

Bei der Norderstedter Nordex AG, ist das Problem der zumindest anteiligen Vorfinanzierung der Projekte durch die Hersteller der Anlagen bekannt. "Wir können das nicht mehr in dem Umfang tun wie früher", sagt Ralf Peters, Pressesprecher bei Nordex: "Zudem sind wir in der Vergangenheit bei derartigen Projekten schon mal auf Forderungen sitzen geblieben, weil einzelne kleinere Kunden zahlungsunfähig wurden. Das hat einen Teil der Wertberichtigungen ausgemacht, die wir im abgeschlossenen Geschäftsjahr vorgenommen haben." Man könne so etwas heute nicht mehr ohne intensive Prüfung der Projektfinanzierung tun, erklärt Peters gegenüber ECOreporter.de, das habe Nordex schmerzhaft gelernt. Jetzt sei man sehr vorsichtig geworden: Kein Projekt gehe in den Bau, bevor nicht etwa 20 Prozent Anzahlung geleistet seien. Außerdem prüfe Nordex jedes Projekt sorgfältig. Ist der Netzanschluss gesichert? Liegt die Baugenehmigung vor? Ist die Finanzierung gesichert? "Bevor diese Dinge nicht zweifelsfrei geklärt sind, rührt sich bei uns nichts!", so Peters.

Für viele Mitbewerber - "auch die ganz großen" - sei aber die Vorfinanzierung gängig, berichtet Peters weiter. Das habe Gründe, schließlich bestehe insbesondere in Deutschland großer Zeitdruck, Projekte zum 31. Dezember ans Netz zu bringen - wegen der verschärften Degression der Einspeisevergütung und der Steuervorteile auf der Eigenkapitalseite. "Da sich einige Projektierer bei der Finanzierung schwer tun, werden in diesen Fällen Hersteller beauftragt, die in Vorleistung gehen. Um die Projekte noch zum Jahreswechsel ans Netz zu bringen, werden die Turbinen ohne Kundenanzahlung gefertigt oder im Extremfall sogar der Windpark errichtet, ohne Geld gesehen zu haben."

Die Windanlagenbauer müssen also einen Balanceakt bewältigen: Der Kunde erwartet von ihnen eine pünktliche Lieferung der Anlagen. Gleichzeitig darf nicht zu viel Kapital über die Vorbereitung von Aufträgen gebunden werden. Die Maschinen werden immer größer und leistungsfähiger, parallel dazu steigen die Anforderungen an die Qualität der Windturbinen.

Zudem ist der deutsche Markt hart umkämpft. "In der letzten Zeit haben wir einige Projekte aufgrund unserer strengeren Vorgaben verloren, obwohl unsere Turbinen hier erste Wahl waren ", sagt Nordex-Sprecher Peters. Der deutsche Markt sei schwierig; er sei durch mittelständische Unternehmen geprägt, im Ausland würden sich dagegen viel mehr finanzstarke Großunternehmen im Bereich der Erneuerbaren Energien engagieren. "Diese Entwicklung geht in Deutschland auf das Stromeinspeisegesetz und den anfänglichen Widerstand der Energieversorger zurück. Andererseits wurden damit viele Bürgerwindparks initiiert, die zur breiteren Akzeptanz der Windenergie in der Bevölkerung beigetragen haben!"

Bilder: Thomas Schnorrenberg; REpower Windkraftanlage MD70; Ralf Peters; Nordex Windpark Havoygavlen in Norwegen
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