23.10.07 Nachhaltige Aktien , Meldungen

23.10.2007: Aktien-News: Biogasaktien am Kreuzweg – Abgestürzt oder nur gestolpert?

Das Potenzial für Biogas ist riesig, denn als eine der wenigen Erneuerbare-Energie-Formen sind Biogas-Anlagen, die Strom erzeugen „grundlastfähig“: Sie arbeiten anders als Windkraftwerke und Solaranlagen auch bei Flaute und im Dunkeln. Erste Vorboten lassen weitere kräftige Nachfragesteigerungen erahnen – es geht dabei nicht um die Stromerzeugung, sondern, viel eleganter, um den direkten Einsatz des Gases: So tanken bereits einige Paketfahrzeuge der Deutschen Post in der Schweiz nicht mit Diesel oder Erdgas, sondern Biogas. Und in Norddeutschland können die Erdgas-Bezieher nun auf Biogas umstellen. Der Hamburger ÖkoStrom-Lieferant Lichtblick hat das Biogas neu ins Angebot aufgenommen, es kostet 6,25 Cent pro Kilowattstunde. Das ist mehr als konkurrenzfähig – in Rostock etwa würde ein vierköpfiger Haushalt bei Lichtblick 37 Euro im Jahr weniger bezahlen als für Erdgas eines lokalen Versorgers, hat die Stiftung Warentest festgestellt. Bisher sind aber nur fünf Prozent des Gases bei Lichtblick Biogas; im Lauf der Zeit will das Unternehmen auf 100 Prozent ausbauen.

Der Brennwert von Biogas ist genauso hoch wie der von herkömmlichem Gas, die Diskussion um den Klimawandel müsste die Nachfrage nach Biogas-Anlagen befeuern - dennoch gelten die Aktien von Biogas-Anlagenherstellern wie Schmack Biogas und EnviTec Biogas derzeit nicht als sicher. Denn der Absatz lahmt. So orderten Landwirte von Januar bis Juni insgesamt 50 Prozent weniger Anlagen als im Vorjahreszeitraum – für die Hersteller eine Umsatzeinbuße von 250 Millionen Euro. Die Gründe für die Zurückhaltung: Zum einen gibt es das von der Bundesregierung angekündigte Wärmegesetz noch nicht. Es hätte für die Biogasbranche willkommene Folgen, denn die Anlagen liefern nicht nur Strom oder direkt Gas, sondern auch Wärme, beispielsweise Prozesswärme für industrielle Anlagen. Weiterer Grund: Die Diskussion um die Erneuerung des Erneuerbare-Energie-Gesetzes. „Bis das steht, warten die Kunden erst einmal ab,“ sagt Andrea Horbelt vom Fachverband Biogas. Deshalb fordert der Fachverband, die Novelle des EEG solle bald kommen und nicht erst Anfang 2009, wie es die Bundesregierung plane. In Schrecken versetzt hat das Bundesumweltministerium die Branche mit einem Papier, das vorschlägt, die Grundvergütung für Strom aus Biogas um 0,5 Cent je Kilowattstunde zu kürzen. „Für eine durchschnittliche Anlage mit einer Leistung von 250 kW würde sich ein Einnahmenverlust von 10.000 Euro pro Jahr ergeben“, rechnet Claudius da Costa Gomez vor, Geschäftsführer des Fachverbandes Biogas.

Zudem leiden die Biogas-Anlagenhersteller und Anlagenbetreiber unter der Preisexplosion bei Mais oder Getreide. Fazit: Eine bedrohliche Situation, vor allem für die Anlagenhersteller. Doch sie steuern so schnell um, dass die ersten Analysten bereits wieder Hoffnung schöpfen. So sagt Wertpapieranalyst Alexander Stiehler von der Bayerischen Hypo- und Vereinsbank AG (HVB) aus München für die Schmack Biogas AG bereits 2008 wieder erfreuliche Zahlen voraus (siehe ECOreporter.de-Beitrag vom 7. Oktober). Als wichtig für die weitere Entwicklung des Biogasherstellers sieht er die die Verringerung der Abhängigkeit vom deutschen Markt. Dort liege mit 90 Prozent Schmack Biogas bislang deren Absatzschwerpunkt. Doch mittlerweile visiere das Unternehmen mit Italien, Großbritannien, Polen, Ungarn und Frankreich attraktive Auslandsmärkte an. Bereits 30 Millionen Euro des insgesamt 131 Millionen Euro umfassenden Auftragsbestands stammten aus dem italienischen Markt. Auf den Aktienkurs von Schmack Biogas hat sich dieses Potential bisher noch nicht nennenswert niedergeschlagen. Das seit Mai 2006 börsennotierte Unternehmen aus dem bayrischen Schwandorf hatte im Sommer eine Gewinnwarnung veröffentlicht, der Aktienkurs war von über 60 Euro im Juli auf unter 20 Euro eingebrochen. Derzeit notiert die Aktie bei 20,5 Euro; beim Börsengang kostete sie 31 Euro, im April dieses Jahres über 70 Euro.

Unzufrieden dürften auch die Aktionäre der Envitec Biogas sein: Beim Börsengang in diesem Juli lag der Preis der Aktie des Biogasanlagenherstellers aus dem niedersächsischen Lohne bei 52 Euro. Seither hat sich der Kurs mehr als halbiert auf etwas über 23 Euro. Doch auch hier gibt es durchaus Hoffnungsschimmer für die Aktionäre: Der aktuelle Auftragsbestand von EnviTec liegt mit rund 137 Millionen Euro schon über dem Umsatz des letzten Jahres von 100 Millionen Euro. Das Unternehmen deckt die Wertschöpfungskette für Biogas ab – von der Planung und Herstellung der Anlagen über den biologischen und technischen Service bis zum Betreiben eigener Anlagen. In Penkun in Mecklenburg-Vorpommern baut EnviTec derzeit die voraussichtlich weltweit größte Anlage mit einer elektrischen Anschlussleistung von 20 Megawatt. Der Schwäche des Heimatmarkt begegnet das Unternehmen mit Internationalisierung – neben etlichen europäischen Märkten ist EnviTec nun in der Ukraine und in Indien vertreten. Die Windkraft-Branche hat es vorgemacht: Als der deutsche Markt uninteressant wurde, konzentrierte sie sich auf die USA und China – und die Aktien kletterten in zuvor nicht erreichte Höhen.

EnviTec Biogas AG: ISIN: DE000A0MVLS8 / WKN: A0MVLS
Schmack Biogas AG: ISIN DE000SBGS111 / WKN SBGS11

Bildhinweis: Wenn Biogasanlagen von Schmack Biogas zum Exportschlager werden, dürfte das auch deren Aktie beflügeln / Quelle: Unternehmen
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x