23.10.07 Nachhaltige Aktien , Meldungen

23.10.2007: Aktien-News: Zwischenstopp oder Vollbremsung? – Petrotec fährt Biodieselproduktion und Umsatzerwartung herunter, ECOreporter.de hat nachgefragt

Mit einer weiteren Hiobsbotschaft hat heute die Petrotec AG, Biodieselproduzentin aus Borken, ihre Aktionäre geschockt. Sie hat nach eigenen Angaben zum gestrigen Montag für die Mitarbeiter in der Biodiesel-Produktion bis Ende des Jahres Kurzarbeit angemeldet. Auch werde Biodiesel-Anlage in Emden zwar planmäßig im vierten Quartal komplett fertig gestellt, die Produktion jedoch nicht wie geplant im vierten Quartal 2007 gestartet. Das seit November 2006 börsennotierte Unternehmen begründete die Maßnahme mit den derzeit „ungünstigen Marktbedingungen, die eine kostendeckende Biodiesel-Produktion zurzeit nicht zulassen“ würden (ins gleiche Horn hatte vor einem Monat die Verbio geblasen, die für ihre Produktion von Bioethanol ebenfalls Kurzarbeit angekündigt hatte. Wir berichteten im ECOreporter.de-Beitrag vom 14. September). Darüber hinaus korrigierte Petrotec die Prognose für das Gesamtjahr abermals nach unten. Sie senkt ihre Umsatzprognose von bisher 65 bis 68 Millionen Euro auf 58 bis 60 Millionen Euro. Die Ergebnisprognose (EBITDA) bleibt dagegen unverändert bei minus 2 bis 3 Millionen Euro. Bei Vorlage der Halbjahreszahlen hatte das Unternehmen die Umsatzprognose schon einmal reduziert, von von 70 Millionen Umsatz auf 65 bis 68 Millionen Euro. Statt eines einstelligen positiven EBITDA war zudem das negative Ergebnis von zwei bis drei Millionen Euro angekündigt worden.

Wie Unternehmenssprecher Falk von Kriegsheim gegenüber ECOreporter.de erläuterte, sind die politischen Rahmenbedingungen für die Produktion von Biodiesel gegenwärtig in Deutschland „überhaupt nicht berechenbar“. Innerhalb der nächsten zwei Monate müsse sich entscheiden, ob die Regierungskoalition doch noch die Biokraftstoffgesetzgebung überarbeiten und damit das Aus für einen Großteil der Branche in Deutschland verhindern werde. Über den Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie e. V. (VDB) versuche man in direkten Gesprächen mit Politikern in Berlin, darauf hinzuwirken. Mehrere Lösungen seien möglich, die Regierung müsse sie nur umsetzen. Zu bevorzugen sei die Erhöhung der Verwendungsquote für Biodiesel auf 15 Prozent. Hierbei ließen sich 7 Prozent durch die bereits mit der Automobil- und Mineralölindustrie abgestimte Beimischung zu fossilem Diesel erreichen, der Rest über eine Übertragen der Quotenverpflichtung der Ölunternehmen auf Marktteilnehmer, die Biodiesel als Reinkraftstoff an das Transportgewerbe und den öffentlichen Personennahverkehr verkaufen. „Wir stehen vor zwei sehr spannenden Monaten“, so von Kriegsheim. Er verwies darauf, dass die äußeren Rahmenbedingungen sich ansonsten allmählich zu entspannen begännen. Bei den zuletzt stark gestiegenen Rohstoffpreisen setze allmählich eine Beruhigung ein, während umgekehrt für Biotreibstoff wohl ab dem kommenden Frühjahr zunehmend höhere Absatzpreise erzielt werden könnten. Denn es sei absehbar, dass das gegenwärtige Überangebot aus deutscher Produktion sowie den billigen Importen aus den USA abnähmen.

Doch wie will das Unternehmen aktiv auf die Krise reagieren? Wie von Kriegsheim gegenüber ECOreporter.de ausführte, baut Petrotec ihr Rohstoffgeschäft aus. Das Geschäft mit der Altspeisefetterfassung, der Reinigung und Veredlung des Altspeisefetts sei unabhängig von der Biostoffproduktion und „sehr attraktiv“. Hier könne das Unternehmen mit seinem speziellen Know-how punkten. Es gehe davon aus, dass Petrotec mit der Veredelung und dem Handel ihres angestammten Rohstoffes Altspeisefett positive Deckungsbeiträge erwirtschaften und alle laufenden und bestehenden Biodiesel-Kontrakte bedienen werde. Zudem sieht von Kriegsheim für die Gesellschaft gute Wachstumschancen im Ausland, etwa in den benachbarten Märkten der BeNeLux-Länder und Großbritanniens. Dort seien jetzt ebenfalls Biotreibstoff-Quoten eingeführt worden, gebe es aber bisher kaum Anlagen für die Biotreibstoffproduktion. Über den bald fertig errichteten Produktionsstandort Emden mit seiner Anbindung zum Seehafen sei Petrotec gut aufgestellt für den Biodieselexport in diese Märkte. Ferner müsse man im Auge behalten, dass die Klimaschutzziele der EU nicht ohne einen großen Beitrag von Biotreibstoffen zu erreichen sei. Die gegenwärtige Krise in Deutschland sei nur ein Moment in einer langfristigen Entwicklung, die auf einen hohen Anteil der Biotreibstoffe zulaufen müsse. Schließlich entfiele auf den Verkehr rund ein Viertel der in der EU verursachten Emissionen von Treibshausgasen und könne man diese Menge nur durch alternative Brennstoffe nenneswert verringern. Um sich für diese in naher Zukunft anbrechenden besseren Zeiten für die Branche aussichtsreich zu positionieren, setzte Petrotec auf eine „starke Liquiditätsposition“. Die zu sichern sei ein wesentlicher Grund dafür, dass für den Standort Südlohn-Oeding Kurzarbeit angemeldet wurde.

Die Börsianer reagierten verschreckt auf die Nachrichten des Unternehmens. Bis zum Mittag verlor die Petrotec-Aktie weitere 2,9 Prozent an Wert. Sie notiert mit aktuell 6,36 Euro deutlich unter ihrem Emissionspreis von 17 Euro, der beim Börsendebüt vor fast zwölf Monaten erzielt worden war.

Petrotec AG: WKN PET111 / ISIN DE000PET1111

Bildhinweis: Tank und Raffinerie der Biodieselproduzentin aus Borken. / Quelle: Unternehmen
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