23.11.05 Nachhaltige Aktien , Meldungen

23.11.2005: "Treibstoffmangel" in der Photovoltaikbranche - K?nnen Anleger von den steigenden Siliziumpreisen profitieren?

Der Treibstoff des Photovoltaikbooms ist knapp geworden. Laut einer aktuellen Studie der Baseler Bank Sarasin wird die mangelnde Versorgung mit dem Rohstoff Silizium die Solarindustrie in den kommenden Jahren an einem st?rkeren Wachstum hindern. Die Hersteller von Sonnenstromtechnik ben?tigten mit der heute ?blichen Technologie rund dreizehn Tonnen Silizium pro Megawatt Solarzellenleistung, so die Studie. Das habe im Jahr 2004 - es wurden Solarzellen mit 1100 Megawatt Leistung gefertigt - zu einem Gesamtverbrauch in H?he von 14.300 Tonnen an solarem Silizium gef?hrt.

Wie Sarasin weiter analysiert, hat die rasant gestiegene Nachfrage nach solarem Silizium gekoppelt mit den beschr?nkten M?glichkeiten eines schnellen Kapazit?tsausbaus zu bedeutend h?heren Siliziumpreisen gef?hrt. Sie seien von rund 25 US-Dollar/kg im Jahre 2003 auf aktuell rund 50 Dollar/kg geklettert. Auf dem Spotmarkt w?rden sogar Preise von 60 bis 70 Dollar/kg bezahlt. "Zuerst nur z?gerlich" h?tten die gro?en Siliziumhersteller auf den Solarboom reagiert, berichteten die Schweizer Banker. Seit Ende letzten Jahres w?rden die entsprechenden Kapazit?ten, speziell für solarzellenf?higes Silizium, ausgebaut. Je nach Umfang der bereits bestehenden Infrastruktur dauere der Bau einer zus?tzlichen Anlage jedoch etwa zwei bis drei Jahre. Eine wirkliche Entspannung der Rohstoffknappheit sei deshalb fr?hestens 2008 zu erwarten.

Die Silizium- und Waferhersteller haben derzeit alle Tr?mpfe in der Hand: Sie nutzen laut der Studie den Beschaffungsengpass, um den Zellenproduzenten langfristige Vereinbarungen abzuringen. Hierzu geh?rten mehrj?hrige Abnahmeverpflichtungen und teilweise sogar eine Beteiligung an der Vorfinanzierung der neuen Siliziumproduktionsanlagen. Die Hersteller von Solarzellen und Modulen st?nden unter Druck, sie k?nnten ihre Produktionskapazit?ten nicht auslasten, weil nicht gen?gend Silizium zur Verf?gung stehe. Diese Knappheit in der Rohstoffversorgung spiele den Siliziumherstellern in die Hand, so Sarasin, sie k?nnten in den n?chsten zwei bis drei Jahren ihre Margen und damit ihre Gewinne "kr?ftig aufpolieren".

Weltweit wird Silizium nach Angaben von Sarasin nur von sieben gro?en Firmen hergestellt. In der Mehrzahl handele es sich dabei um T?chter von gro?en Chemiekonzernen. Die Firmen w?rden sowohl den Halbleitersektor als auch die Solarindustrie beliefern. Drei Unternehmen hebt das Schweizer Bankhaus als "besonders aktiv im Bereich Solarsilizium" hervor: Hemlock aus den USA; Wacker aus Deutschland und Tokuyama aus Japan. Alle drei h?tten 2004 einen Grossteil ihrer Produktion an die PV-Industrie geliefert und seien auch bestrebt, diese Kapazit?ten auszubauen. 2004 h?tten die drei rund 18.000 Tonnen Polysilizium produziert, 2010 sollten es ?ber 33.000 Tonnen sein.

Die Hemlock Semiconductor Corporation geh?rt den drei Konzernen Mitsubishi Materials Corp., Shin-Etsu Handotai Co. und Dow Corning Corp.. Die Wacker-Chemie ist eine GmbH. Nur der dritte gro?e Siliziumproduzent ist b?rsennotiert. Die Aktien der Tokuyama Corp. werden neben der Heimatb?rse in Tokyo auch an den deutschen B?rsenpl?tzen Frankfurt, M?nchen und Bremen sowie im elektronischen Xetra-Handel notiert. Unter den deutschen B?rsen verzeichnet Frankfurt die gr??ten Ums?tze.
Der Mischkonzern mit Sitz in Tokyo produziert Silizium für die Solarzellen- und Halbleiterindustrie, Baumaterialien und chemische Erzeugnisse. In den ersten sechs Monaten des Gesch?ftsjahres 2005/06 (1. April bis 30. September 2005) trug die Sparte Spezialprodukte, zu der das Siliziumgesch?ft gerechnet wird, ?berproportional zum Ertrag des japanischen Unternehmens bei: Aus 35,4 Milliarden Yen erwirtschaftete der Gesch?ftsbereich einen operativen Gewinn von 6,6 Milliarden Yen. Die Chemiesparte mit 48,7 Milliarden Umsatz und 3,6 Milliarden Gewinn konnte da ebenso wenig mithalten wie die Bausparte (39,6 Milliarden Umsatz; 1,4 Milliarden Gewinn). Im gesamten laufenden Gesch?ftsjahr soll der Umsatz der Spezialsparte laut Tokuyama auf 75,9 Milliarden Yen wachsen, der operative Gewinn soll auf 14,1 Milliarden Yen klettern. Eine Milliarde Yen entsprechen derzeit 7,1 Millionen Euro, 1 Euro entspricht 139,91 Yen (Kurs vom 23.11.2005; 10:41 Uhr).

Laut einem Bericht des D?sseldorfer Handelsblatts rechnet Masami Sawato, Wertpapieranalyst bei der Schweizer Bank Credit-Suisse, für die kommenden beiden Gesch?ftsjahre mit einem Gewinnwachstum von rund 20 Prozent pro Jahr für Tokuyama. Ein Preisrutsch der Siliziumpreise sei in absehbarer Zeit nicht in Sicht. Im November werde das Unternehmen die Produktion nach dem neuen, weit g?nstigeren "VLD-Verfahren" aufnehmen, so das Blatt. Es erm?gliche die Gewinnung reinen Siliziums mittels Dampf in Reaktoren.

In Tokyo wurden zuletzt 1398 Yen für die Aktie bezahlt (22.11.2005). Ihren Jahresh?chstkurs erreichte Tokuyama am 21. November 2005 bei 1430 Yen, der Jahrestiefstkurs lag bei 625 Yen am 13. Januar 2005. Im Frankfurter Handel wurden noch Mitte April nur 5,32 Euro für die Anteilscheine gezahlt, inzwischen ist der Eurokurs auf zuletzt 10,19 Euro angestiegen (Frankfurt, 22.11.05; 19:41 Uhr).

Laut dem Halbjahresbericht will das Unternehmen im laufenden Gesch?ftsjahr einen operativen Gewinn in H?he von 22 Milliarden Yen erzielen, nach 18,1 Milliarden im Abrechnungszeitraum 2004/05. Der Nettogewinn belief sich im letzten Jahr auf 11,01 Milliarden Yen. Unter der Voraussetzung, dass die Gewinnmarge zumindest stabil bleibt, k?nnte Tokuyama im laufenden Gesch?ftsjahr mit dem avisierten operativen Konzerngewinn einen Nettoertrag in H?he von mindestens 13 Milliarden Yen erwirtschaften. Daraus errechnet sich ein Gewinn pro Aktie von 51,92 Yen, das aktuelle Kurs-Gewinn-Verh?ltnis w?rde demnach bei 27 liegen. Auch wenn Tokuyama die durch die Credit-Suisse in Aussicht gestellten 20 Prozent Gewinnwachstum j?hrlich schafft, ist die Aktie auf dem gegenw?rtigen Niveau demnach nicht mehr billig.

Die Marktkapitalisierung des Konzerns bel?uft sich beim aktuellen Kurs auf 355,41 Milliarden Yen, der für 2005/06 prognostizierte Umsatz liegt bei 260 Milliarden Yen. Auch das daraus zu ermittelnde Kurs-Umsatzverh?ltnis von 1,36 zeigt eine relativ hohe Bewertung der Papiere an. Anleger sollten den Wert beobachten und für ihren Einstieg R?ckschl?ge der Notierung abwarten.

Tokuyama Corp.: ISIN JP3625000009 / WKN 860381

Bild: Solarzelle der Thalheimer Q-Cells AG / Quelle: Unternehmen
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x