23.11.06 Fonds / ETF

23.11.2006: Ist Masse auch Klasse? - Das Nachhaltigkeitsfonds-Dickschiff Merrill Lynch IIF New Energy

Schlechter hätte das Timing kaum sein können: Ausgerechnet kurz vor dem Börsencrash in 2001 war der Neue-Energie-Fonds Merrill Lynch IIF New Energy aufgelegt worden. Vorerst gab es für die Wertentwicklung des Fonds mit Investmentschwerpunkt auf Erneuerbare Energien, Energiespeicherung, Energieerzeugung und Technologien für erneuerbare Energien nur eine Richtung: abwärts. 2003 war ein Fondsanteil schon für wenig mehr als ein Fünftel des ursprünglichen Ausgabepreises zu haben. Dennoch hielten die Initiatoren an dem Fonds und seiner Strategie fest und wurden anschließend mit einer beeindruckenden Erfolgsgeschichte belohnt. In den letzten drei Jahren hat sich der Preis auf aktuell 7,57 Euro verdoppelt. Und das Vertrauen der Anleger ist sprunghaft gestiegen. Seit Ende 2005 wuchs das Fondsvolumen von 384 Millionen Euro auf rund 2,2 Milliarden Euro sprunghaft an. Im deutschsprachigen Raum ist er damit der mit Abstand größte Neue-Energie-Fonds und vor dem Wasserfonds von Pictet auch der größte Nachhaltigkeitsfonds.

Trotz des großen Volumens setzen die Fondsmanager Robin Batchelor und Poppy Buxton auf ein konzentriertes Portfolio von höchstens 80 Aktien. Sie wählen fast ausnahmslos kleine und mittlere Unternehmen aus, mit Fokus auf Nordamerika (47,5 Prozent) und Europa (35,3 Prozent). Die Vorliebe liegt dabei offenkundig auf Werten aus der Wind- und Solarbranche. Zu den aktuell größten Positionen des Fonds gehören mit Vestas, Gamesa, Clipper Windpower und der indischen Suzlon Windturbinenbauer aus drei Kontinenten. Gegenüber ECOreporter.de verwies das Fondsmanagement darauf, dass diese Unternehmen davon profitieren, dass Regierungen weltweit gesetzliche Maßnahmen zum Ausbau Erneuerbarer Energien gestartet hätten. Bei der US-amerikanischen Clipper gehört der Fonds zu den wichtigsten Anteilseignern (wir berichteten: ECOreporter.de-Beitrag vom April 2006). Auch in Windprojektierer ist der Merrill Lynch IIF New Energy investiert, der Versorger Florida Power & Light Company zählt mit 2,7 Prozent ebenfalls zu den größten Positionen des Fonds. Als deren Tochter, die Projektierergesellschaft FPL Energy vor kurzem das Endeavor Wind Projekt von Clipper Windpower kaufte, legte die Aktie des Windkraftanlagenherstellers deutlich zu.

Bei den Solarwerten achtet das Fondsmanagement ebenfalls darauf, dass sich die ausgewählten Unternehmen ergänzen. So investiert es nach eigener Darstellung zum einen auf Gesellschaften wie die Bonner SolarWorld AG, die "in auf allen Stufen der Wertschöpfungskette engagiert sind". Da Mangel am Rohstoff Silizium herrscht, setzen Robin Batchelor und Poppy Buxton aber zugleich auch auf Hersteller von Silizium. Sein Engagement im Bereich der alternativen Treibstoffe hat das Fondsmanagement zuletzt ein wenig gedrosselt. Aktien aus diesem Sektor machen nun 23,1 Prozent des Portfolios aus. Größte Position ist hier Archer Daniels Midland (ADM). Mit der Reduzierung reagierte man nach eigener Darstellung auf die zuletzt schwächere Kursentwicklung von US-amerikanischen Ethanolproduzenten. Das Fondsmanagement verwies darauf, dass mit der Beseitigung von Versorgungsengpässen in diesem Sektor und dem sinkenden Ölpreis hier die Gewinnaussichten sich verringert hätten.

Ohnehin hat der - thesaurierende - Fonds seit einem halben Jahr seinen zuvor rasanten Wertzuwachs nicht fortsetzen können. Im Zuge der allgemeinen Korrekturen an den Weltbörsen war die Performance im Mai zurückgefallen auf den Stand vom Januar und stagniert seither. Es handelt sich um die längste Schwächephase des Fonds, der in den drei Jahren zuvor jeweils durchschnittlich rund 30 Prozent zugelegt und den MSCI World deutlich geschlagen hatte. In den letzten sechs Monaten hinkte der Merrill Lynch IIF New Energy jedoch dem Weltindex wieder hinterher. Allerdings hat sich im deutschsprachigen Raum auf Jahressicht dennoch kein Neue-Energie-Fonds besser geschlagen. Die Wertentwicklung des New Energy Fund von Sarasin lag aber mit einem Plus von 23,08 Prozent lediglich 0,75 Prozent dahinter. Während dieser beim Fondsvolumen von aktuell knapp 90 Millionen Euro mit dem Fonds von Merrill Lynch nicht mithalten kann, übertrifft er ihn im 3-Jahres-Vergleich beim Wertzuwachs. Laut unserer Datenbank ECOfondsreporter legte er sogar 220 Prozent zu.

Im Gegensatz zu Sarasin weist das Fondsmanagement des Merrill Lynch IIF New Energy die Einstufung als Nachhaltigkeitsfonds zurück. Zwar investiere man schon seit 1998 bewusst in den Sektor Erneuerbare Energie und sei dabei Pionier gewesen. Das Fondsmanagement unterliege jedoch keinen Umwelt- oder Nachhaltigkeitsstandards. Das ist auch an einigen Titeln des Fonds zu erkennen, unabhängig von der Diskussion darüber, inwiefern die Branche der alternativen Treibstoffe als nachhaltig eingestuft werden kann. So setzen Robin Batchelor und Poppy Buxton auch auf Unternehmen, die sich der Kohleverflüssigung widmen, einem Verfahren, bei dem aus fester Kohle flüssiger Kraftstoff gewonnen wird. Je nachdem, welche Technologie dabei eingesetzt wird, kann die Klimabelastung eines solchen Treibstoffes zwar günstiger ausfallen als beim herkömmlichen Diesel. Insgesamt muss aber von negativen Umweltauswirkungen dieser Technologie ausgegangen werden.

Die geringe Strenge hinsichtlich der Nachhaltigkeit hängt gewiss auch mit der Nähe des Neue-Energie-Fonds zum ebenfalls 2001 aufgelegten Merrill Lynch IIF World Energy zusammen, der in herkömmliche Energieunternehmen investiert. Robin Batchelor und Poppy Buxton gehören auch dem Management des herkömmlichen Fonds an. Gegenüber ECOreporter.de betonte das Fondsmanagement des Merrill Lynch IIF New Energy die Vorteile dieser Verbindung für den Anleger. Das Team könne sich so auf umfassendere Analysen des Energiesektors stützen und zugleich beim Research so in die Tiefe gehen, wie es von einem Spezialfonds erwartet werde. Den Aufwand des Managements verdeutliche die Zahl von deren pro Jahr im Durchschnitt 300 Treffen mit der Führung von Energieunternehmen. Jedes Jahr würden im Bereich der Neue-Energie-Unternehmen über 50 Firmen besucht.

Der zuletzt schwachen Wertentwicklung will das Fondsmanagement des Merrill Lynch IIF New Energy insbesondere mit Zukäufen bei Windkraftunternehmen entgegensteuern. Die Aussichten für Investments in den Sektor der Erneuerbaren Energien schätzt es weiter positiv ein. Der Hintergrund für den Fonds sei "niemals besser gewesen". Sogar Staaten, die wie zum Beispiel China und die USA nicht das Klimaschutzprotokoll von Kyoto unterzeichnet hätten, unterstützten jetzt verstärkt diese Technologien. Angesichts der gegenwärtigen Stagnation beim Wertzuwachs scheint somit die Gelegenheit zum Einstieg in den Fonds oder für Zukäufe günstig. Allerdings hebt das Fondsmanagement selbst hervor, dass der Merrill Lynch IIF New Energy als Spezialfonds anfällig für Wertschwankungen ist. So ist seine Performance auf Sicht von fünf Jahren trotz der zwischenzeitlichen Zuwächse negativ (minus 2,71 Prozent). Hinzu kommt für deutsche Anleger das Risiko von Währungsschwankungen, da er in US-Dollar notiert. Unter Experten herrscht immerhin Übereinstimmung darüber, dass die Zukunft der Erneuerbaren Energien gerade erst begonnen hat. Auf lange Sicht zumindest dürften davon auch Fonds mit Fokus auf Unternehmen dieses Sektors wie der Merrill Lynch IIF New Energy profitieren.


Auflegung des Fonds: 06.04.2001
ISIN LU0124384867
WKN 630940
Mindestanlagesumme Einmalanlage: 4.000 Euro
Mindestanlagesumme Folgezahlung: 150 Euro
Max. Ausgabeaufschlag: 5,00 Prozent
Management-Gebühr: 1,75 Prozent
Rückgabegebühr: 0,00 Prozent
Depotbank Vergütung: 0,00 Prozent

Bildhinweis:
Das Fondsmanagement des Merrill Lynch IIF New Energy: Robin Batchelor und Poppy Buxton / Quelle: Unternehmen;
Solarprojekt mit Modulen der SolarWorld AG / Quelle: Unternehmen;
Aufbau einer Windkraftanlage von Vestas / Quelle: Unternehmen
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