23.01.04 Finanzdienstleister

23.1.2004: Ein Jahr nach Übernahme der Ökobank - GLS Gemeinschaftsbank zieht positive Bilanz

Ein Jahr nach Übernahme der Ökobankgeschäfte zieht die GLS Gemeinschaftsbank eine positive Bilanz. Wie das Bochumer Bankhaus am Morgen mitteilte, ist die Ertragslage trotz der Kosten für die Integration des Ökobankgeschäftes und rückläufiger Zinsmargen positiv und stabil. Das aktuelle Bilanzvolumen von 442 Mio. Euro sei nicht nur auf die von der Ökobank übernommenen Einlagen und Krediten (Bilanzvolumen 135 Mio. Euro) zurückzuführen, hieß es weiter. Vielmehr sei die Bank um weitere acht Prozent organisch gewachsen. Allerdings handele es sich angesichts des frühen Zeitpunktes der Veröffentlichung um vorläufige Zahlen. Zu Beginn des letzten Jahres belief sich die Bilanzsumme von GLS und Ökobank den Angaben zufolge auf 408 Millionen Euro. 40.000 Kundinnen und Kunden legten ihr Geld nachhaltig für soziale oder ökologische Zwecke bei der Bank an.

Das Eigenkapital des Geldhauses wuchs laut der Meldung von 13,7 Mio. Euro auf 19,7 Mio. Euro im Jahr 2003. "Darin enthalten sind Stille Beteiligungen im Volumen von sieben Millionen Euro", erklärte Thomas Jorberg, Vorstandssprecher der Gemeinschaftsbank am Morgen in Bochum. Beteiligt haben sich laut Jorberg, in erster Linie nachhaltig ausgerichtete Pensionskassen und Versicherungsunternehmen, mit denen die Bank zusammenarbeitet. Auf der Passivseite der Bilanz finden sich auch 27,2 Millionen Euro Verbindlichkeiten an Kreditinstitute. "Dabei handelt es sich nicht um Schulden der Bank", sagte Jorberg: "Die Position geht auf Förderkredite beispielsweise der KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) zurück, die wir an unsere Kunden weitergeleitet haben."

Die Aktivseite der Bilanz zeigt eine deutlich von 63,2 Millionen auf 109,3 Millionen Euro gestiegene Liquidität. Durch die Übernahme der Ökobank seien der Gemeinschaftsbank neben den Kundenkrediten im Volumen von 80 Millionen Euro auch 52,4 Millionen Euro Liquidität zugeflossen, berichtete Vorstandssprecher Jorberg: "Wie bemühen uns nun darum, aus diesen Mitteln sinnvolle Kredite, zu vergeben." Die Bank finanziert den Angaben zufolge zur Zeit 3.250 Projekte in den Bereichen Regenerative Energien, Waldorfschulen, Behinderteneinrichtungen, ökologische Landwirtschaft, nachhaltige Wohnbauvorhaben und Kulturprojekte.
Gut 1,9 Millionen Euro weist die Bilanz der GLS-Bank als Aktiva für Beteiligungen aus. "Vor allem sind das Anteile an der Genossenschaftszentralbank", erklärte Andreas Neukirch, im Vorstand der Gemeinschaftsbank verantwortlich für das Rechnungswesen. Außerdem halte sein Haus kleine Beteiligungen an befreundeten Instituten wie der niederländischen Triodos Bank, den Schweizer Banken Gemeinschaftsbank und Alternativbank und der dänischen Merkur Bank.

Der Bilanzgewinn des Bochumer Bankhauses beläuft sich auf 60.000 Euro nach 31.000 im Vorjahr. "Im Geschäftsjahr 2003 gab es bei der Gemeinschaftsbank keine nennenswerte Ausfälle im Kreditgeschäft", so Andreas Neukirch. Zur Risikovorsorge habe man zudem 964.000 Euro in die Rücklagen einstellen können. Hinsichtlich der übernommenen Ökobankkredite hieß es, noch bis Ende 2004 könne die GLS Kredite, die zu platzen drohten, zurückgeben.

Zur GLS-Gruppe gehören neben der Bank auch die Gemeinnützige Treuhandstelle e.V. (GTS) und die GLS Beteiligungsgesellschaft (BAG). Die GTS widme sich vor allem Stiftungsangeboten erklärte Thomas Jorberg: "Durch die von der GTS gestalteten Stiftungsfonds, Einzelstiftungen oder auch Erbschaften und Schenkungen haben wir die Möglichkeit, nicht nur Kreditfinanzierungen sondern auch Zuwendungsfinanzierungen zu leisten."
Als eine Besonderheit der BAG stellte Jorberg die sogenannten Leihgeldfonds heraus. "Durch diese Fonds können wir in Zusammenarbeit mit Existenzgründungsberatungen wie Enigma in Hamburg spezielle Angebote für Unternehmensgründer finanzieren", so der Vorstandssprecher. Da solche Kredite sehr risikoreich seien, sei die Rückendeckung durch den Fonds erforderlich.

Das Grüne Kreditinstitut erwartet in den nächsten Jahren ein zweistelliges Wachstum. "Kulturkreative" nennt Vorstandssprecher Thomas Jorberg die 40.000 Kunden seiner Bank und geht davon aus, dass noch ein Vielfaches der bisherigen Kunden bereit ist, ihr Geld kulturkreativ" anzulegen. "Unsere Kunden wollen etwas verändern", so Jorberg am Morgen in Bochum: "Und wir wollen gesellschaftliche Verantwortung übernehmen." Zentrales Anliegen der Bank sei die Transparenz bei der Kreditvergabe und Geldanlage. "Motivation der Anlage ist für uns die Verwendung der Mittel", sagte Jorberg: "Der Sinn steht vor dem Gewinn."

Die Bank beschäftigt aktuell 158 Mitarbeiter. Die Beschäftigungswirkung der GLS-Bank ginge aber weit darüber hinaus, erklärte Vorstandssprecher Jorberg. Die Kreditkunden der Bank hätten in den letzten 3 Jahren ca. 5.000 Arbeitsplätze geschaffen und beschäftigten insgesamt ca. 35.000 Mitarbeiter.

Bildnachweis: Von Links nach Rechts: Andreas Neukirch, Christof Lützel (Pressesprecher der GLS-Bank), Thomas Jorberg / Quelle: Unternehmen
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