23.12.04 Nachhaltige Aktien , Meldungen

23.12.2004: "Der Markt für Umwelt- und Ressourcentechnologie ist ein Wachstumsmarkt" - ECOreporter.de-Interview mit Steffen Lohrer, Steinbeis Finance & Management Services GmbH

Unterstützt von der Stadtwerke Halle GmbH initiieren die Steinbeis Finance GmbH und die Leonardo Venture GmbH den RTF Ressources Technology Funds. Der Risikokapital-Fonds soll Unternehmen aus den Bereichen Umwelt- und Ressourcen-Technologien finanzieren, die sich in der Region Halle ansiedeln. ECOreporter.de sprach mit Steffen Lohrer unter anderem über die Auswahlkriterien des Fonds und warum er in Umwelt- und Ressourcen-Technologien investiert .


ECOreporter.de: Wann soll der Fonds starten, mit welchem Volumen, sind Erhöhungen des Fondsvolumens geplant?
Steffen Lohrer: Der Fonds soll im kommenden Frühjahr starten, wenn ein Fondsvolumen von mindestens 5 Millionen Euro eingeworben wurde (first closing). Insgesamt wird der Fonds mit 15 Millionen Euro ausgestattet werden. Weitere Erhöhungen sind möglich.

ECOreporter.de: In welchem Zeitraum wollen Sie die Mittel einsammeln?
Lohrer: Das Fundraising wird bis Ende 2005 laufen

ECOreporter.de: Mit welcher Rendite können die Anleger rechnen?
Lohrer: Geplant ist eine Zielrendite von ca. 15 Prozent pro Jahr.

ECOreporter.de: Von wem wird der Fonds verwaltet, welche Qualifikation hat dieser?
Lohrer: Der Fonds wird von Leonardo Venture verwaltet. Leonardo Venture ist eine Venture Capital-Gesellschaft und hat umfangreiche Erfahrung und Kompetenz im Management von Venture-Capital-Fonds mit einem entsprechenden Track Record. Das Management von Leonardo Venture hat einen breiten unternehmerischen Hintergrund, der in verantwortlicher Tätigkeit in Industrieunternehmen erworben wurde. Zwei der Geschäftsführer sind darüber hinaus Professoren mit einem exzellenten Zugang zum Forschungs- und Wissenschaftsbereich und damit zu innovativen Projekten. Die Fondsverwaltung wird im Hands-on-Management (Unternehmensbeteiligung ohne tätige Unterstützung des Managements, die Red.) und bei der Projektbewertung von der Steinbeis-Stiftung ergänzt.

ECOreporter.de: Worauf zielt der Fonds ab? Inwiefern unterscheidet sich der RTF-Fonds von anderen Risikokapital-Fonds?
Lohrer: Der RTF-Fonds unterscheidet sich in folgenden Punkten von anderen VC-Fonds:
Hinsichtlich der Beteiligungsstrategie durch die Konzentration auf Cluster im Bereich der Ressourcen-Technologien, um gezielt Synergieeffekte zwischen den Unternehmen zu realisieren. Hierbei handelt es sich um interessante Zukunftstechnologien. Die Ressourcen-Technologien wurden von anderen Venture Capital-Gesellschaften noch nicht als primäres Investmentziel entdeckt. Der RTF hat deshalb einen First-mover-Vorteil.
Weiter zu nennen ist das Hands-on- und Clustermanagement durch die Steinbeis-Stiftung: Steinbeis ist mit 4000 Mitarbeitern, davon 700 Professoren das weltweit größte Technologietransfer- und Beratungsunternehmen. In den Geschäftsfeldern "Beratung", "Gutachten,/Expertisen", "Forschung und Entwicklung", "Aus- und Weiterbildung" und "Internationaler Technologietransfer" werden jährlich ca. 20000 Projekte durchgeführt. Steinbeis unterstützt die finanzierten Unternehmen proaktiv in allen Management- und technischen Fragen und organisiert das Clustermanagement. Dies geschieht z.B. durch den Aufbau gemeinsam nutzbarer Ressourcen, die Etablierung der Kommunikation und der Kooperation der Unternehmen, die Bündelung von Aktivitäten, den gemeinsamer Marktauftritt oder Einkauf etc. Hierdurch werden Synergieeffekte realisiert, Kosten gespart und eine höhere Wertsteigerung der Unternehmen erzielt.
Hinzu kommt eine enge Einbindung des Fonds in öffentliche und privatwirtschaftliche Finanzierungsstrukturen. Hierdurch kann ein Leverage-Effekt und damit ein höheres Renditepotential des RTF-Fonds realisiert werden (Anmerkung der Red.: Der Leverage bezeichnet die Abhängigkeit der Rentabilität des Eigenkapitals vom Anteil der Fremdfinanzierung. Ist die Rentabilität des Gesamtkapitals größer ist als der Fremdkapitalzins, tritt ein positiver Leverage-Effekt ein).

ECOreporter.de: Nach welchen Kriterien werden die Beteiligungen ausgewählt, welche Gewinnaussichten müssen sie bieten?
Lohrer: Ideenfinanzierung und Sanierung scheiden aus. Die übrigen Kriterien lauten:
- Innovative Technologie oder Verfahren
- Hohe Kompetenz in Technologie und Management
- Schaffung zukunftssicherer Arbeitsplätze
- Überdurchschnittliche Wachstumschancen, Renditepotential von langfristig mindestens 60 Prozent pro Jahr auf das vom RTF-Fonds investierte Kapital
- Eindeutige Alleinstellungsmerkmale, Kundennutzen und Wettbewerbsvorteile
- Synergieeffekte innerhalb der Cluster
- Internationalisierung möglich
- Positives Steinbeis-Rating

ECOreporter.de: Wer wählt auf der Basis welcher Qualifikation die Unternehmen aus, an denen sich der Fonds beteiligt, wie werden sie dann begleitet?
Lohrer: Das Management von Leonardo Venture besitzt umfangreiche Erfahrung aus der Prüfung und Bewertung von ca. 700 Unternehmen in den letzten Jahren. Steinbeis erstellt pro Jahr ca. 2000 Gutachten und Expertisen in den Bereichen innovative Unternehmen, Markt, Technologie, Patente etc.
Die zu finanzierenden Unternehmen durchlaufen einen sehr strengen Prozess der Beteiligungsprüfung mit klar definierten Schritten. Am Anfang stehen die Vorprüfung und Vorauswahl durch Leonardo Venture und Steinbeis, es folgt die Entscheidung über die weitere Prüfung durch Leonardo Venture, danach die Markt-, Technologieprüfung und �bewertung durch Steinbeis. Anschließend bewertet Leonardo Venture die wirtschaftlichen Situation (Finanzen, Umsätze, Kosten, Prozesse), ehe namhafte und kompetente Rechtsanwaltskanzleien, Wirtschaftsprüfungsgesellschaften und Patentanwälte die Due Diligence durchführen, also eine detaillierte Untersuchung finanzieller, rechtlicher, patentrechtlicher und weiterer Aspekte. Dann werden Gutachten erstellt, u.a. durch Steinbeis. Nach einer Entscheidungsvorbereitung durch Leonardo Venture erfolgt schließlich durch den Investitionsbeirat die Entscheidung über eine Finanzierung.

ECOreporter.de: Wie lange soll der Fonds seine Beteiligungen halten, nach welchen Kriterien soll der Ausstieg erfolgen?
Lohrer: Der Fonds plant eine Haltedauer von ca. 5 bis 7 Jahren pro Investment. Es ist auch ein früherer Exit möglich, sofern die Bedingungen in Einklang mit den Beteiligungszielen stehen. Wesentliches Kriterium für den Exit ist die durch den Anteilsverkauf realisierte Rendite.

ECOreporter.de: Warum wird in Umwelt- und Ressourcen-Technologien investiert? Auf welche Bereiche soll sich der Fonds konzentrieren und weshalb?
Lohrer: Der Markt für Umwelt- und Ressourcentechnologie ist ein Wachstumsmarkt, der für aufstrebende Unternehmen hervorragende Entwicklungsperspektiven eröffnet. Die Problematik der sich verknappenden Ressourcen, das steigende Umweltbewusstsein sowie eine Vielzahl von Verordnungen und Gesetzen, die in Kraft treten werden bzw. schon in Kraft getreten sind, zwingen Politik und Wirtschaft zu Investitionen in diesem Bereich.
Der RTF-Fonds investiert in die Cluster "Regenerative Energien", "Nachwachsende Rohstoffe", "Recycling" und "Wasser/Abwasser". Die Argumente für diese Cluster sind die hohen Chancen innerhalb dieser Cluster sowie deren ökonomische und ökologische Relevanz. Weitere Argumente sind die Vielzahl von hochkarätigen, kapitalsuchenden Projekten bzw. Unternehmen, die Diversifikation innerhalb der Ressourcentechnologien und die Abdeckung der wichtigen Bereiche der Ressourcentechnologien. Hinzu kommen die Kompetenz, die Netzwerke und die Added Value-Potentiale (das ist die Steigerung des Unternehmenswertes durch das Einbringen von eigenem Know how, die Red.) durch das Management, Steinbeis und die Initiatoren/Investoren

ECOreporter.de: Wo liegen für Investoren die Risiken bei einem Investment in den RTF-Fonds? Mit welchen Maßnahmen werden sie eingegrenzt?
Lohrer: Die Risiken für die Investoren liegen in einer unterplanmäßigen Entwicklung oder dem Ausfall von finanzierten Unternehmen mit der Folge, dass die Zielrendite nicht erreicht wird oder im Extremfall der Investor einen Teil oder die gesamte Einlage verliert. Folgende Maßnahmen des Risikomanagements werden deshalb ergriffen:
Die Absicherung der Beteiligungen an den finanzierten Unternehmen durch staatliche Ausfallbürgschaften. Zur Zeit ist eine Ausfallbürgschaft über die KfW von bis zu 80 Prozent möglich.
Die sehr intensive Prüfung von zu finanzierenden Unternehmen, die Absicherung der Bewertung durch externe Gutachten und Experten, das Steinbeis-Rating der Unternehmen.
Das Hands-on-Management, d.h. die proakive Betreuung und Beratung der Unternehmen, um Managementfehler, Fehlentscheidungen und -entwicklungen zu vermeiden (Prävention).
Hinzu kommt ein engmaschiges Beteiligungscontrolling

ECOreporter.de: Wie sind die Stadtwerke Halle in das Fonds-Projekt eingebunden? Inwiefern kann die Kommunalpolitik das Projekt beeinflussen?
Lohrer: Die Stadtwerke Halle sind Mitinitiator und Investor des Fonds. Sie können Ihr Wissen über einen Sitz im Investitionsbeirat einbringen. Das Fondsmanagement agiert unabhängig von der Kommunalpolitik. Finanzierungsentscheidungen werden anhand der o.g. Beteiligungskriterien getroffen und folgen keinen kommunalpolitischen Interessen. Die große regionalwirtschaftliche Bedeutung des RTF-Fonds kann auf der anderen Seite jedoch Unterstützungspotentiale bei der Finanzierung einzelner Zielunternehmen, z.B. bei der Beantragung öffentlicher Fördergelder, mobilisieren.

ECOreporter.de: An wen können sich Anleger mit Interesse an dem RTF Ressources Technology Funds wenden?

Lohrer: Dafür stehen vor allem zur Verfügung:
Leonardo Venture Capital GmbH
Prof. Dr. Udo Wupperfeld
Friedrichstr. 157
68199 Mannheim
Tel. 0621/83375-20

Steinbeis Finance & Management GmbH
Steffen Lohrer
Friedrichstr. 157
68199 Mannheim
Tel. 0621/83375-40

ECOreporter.de: Herr Lohrer, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Bildhinweis:
Steffen Lohrer / Quelle: Steinbeis Finance & Management GmbH; Stahlrecycling/ Quelle: Interseroh



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