23.12.05 Nachhaltige Aktien , Meldungen

23.12.2005: "Wir verzichten auf Spekulationsgesch?fte aller Art" - ECOreporter.de-Interview mit Norbert Wolf, Gesch?ftsf?hrer der Steyler-Bank

Die Steyler-Bank aus Sankt Augustin bei Bonn geh?rt mit einem Bilanzvolumen von 180 Millionen Euro und 30 Mitarbeitern eher zu den kleineren Finanzinstituten in Deutschland. Wer Geld bei dem rheinischen Bankhaus anlegt, unterst?tzt damit den Missionsorden der Steyler Missionare, die Bankgewinne flie?en direkt an den Orden. "Unser christliches Menschenbild und unsere gelebte Unternehmensphilosophie eines katholischen Missionsordens, in dem der Mensch und die Natur im Mittelpunkt des Handelns steht, pr?gt unser Auftreten", beschreibt Gesch?ftsf?hrer Norbert Wolf die Grundhaltung der Missionsbank. ECOreporter.de sprach mit Wolf ?ber die christliche Bank und ihr besonderes Profil.


ECOreporter.de: Wo liegt der Fokus bei Ihren Bankgesch?ften?
Norbert Wolf:Als ethische Missionsbank bieten wir unseren Kunden die gesamte Bandbreite moderner Bankdienstleistungen und Bankprodukte an. Vom einfachen Sparkonto und Festgeld bis hin zur umfassenden Verm?gensberatung. Im Vordergrund steht bei uns die bedarfsgerechte Kundenberatung und nicht der blo?e Produktverkauf. Wichtig ist uns die Unabh?ngigkeit von Produktherstellern, beispielsweise im Fondsbereich. Hier bieten wir unseren Kunden eine Vielzahl ethischer Fonds an.

In Sachen ethische Finanzplanung unterst?tzen wir unsere Kunden auch in vielen F?llen bei der Erstellung ihres pers?nlichen Ethik-Konzeptes und sind bei der Umsetzung behilflich.

Unter unserer Dachmarke "Missionssparen" haben wir alle angebotenen Bankprodukte mit einer karitativen Komponente ausgestattet. Das hei?t, dass jeder Kunde freiwillig, aber widerruflich, seine Ertr?ge aus dem Bankprodukt aktiv für Hilfsprojekte der Steyler Missionare einsetzen und so die Welt ein St?ck besser machen kann.


ECOreporter.de: Wie ist die Kundenstruktur der Steyler-Bank und wieviele Kunden haben Sie aktuell?
Wolf:Aktuell beraten wir cirka 14.800 Kunden. ?berwiegend handelt es sich um Privatkunden aus ganz Deutschland und ?sterreich. Ferner betreuen wir rund 180 Institutionen aus dem kirchlichen Umfeld. Die deutliche Mehrheit unserer Kunden ist ?ber 50 Jahre alt. In den letzten 5 Jahren sp?ren wir aber einen verst?rken Zulauf von Kunden in der Altersklasse 30 Jahre bis 50 Jahre. F?r diese Kundengruppe sind wir in den letzten Jahren zunehmend attraktiv geworden, da wir zu einer modernen Bank geworden sind, die ?ber neueste Kommunikationstechniken verf?gt.


ECOreporter.de: Sie legen das Geld Ihrer Kunden nach ethischen Kriterien an. Wie sieht das praktisch aus, welche Struktur hat das Portfolio der Bank?
Wolf:Im Vordergrund steht bei uns das Prinzip der Gewinnoptimierung und nicht der Gewinnmaximierung. Das hei?t für uns, dass wir bei der Suche nach Anlagem?glichkeiten für die uns anvertrauten Kundengelder gewisse Kriterien beachten und in diesem Rahmen versuchen, das Optimum an Gewinn zu erzielen.

Wir verzichten beispielsweise auf Spekulationsgesch?fte aller Art.

Da wir nicht wollen, dass sich jemand finanziell ruiniert oder sich ?bernimmt geben wir Kredite an Privatpersonen nur nach umfassender pers?nlicher Kreditberatung und guter Bonit?t.

Einen Gro?teil der Kundengelder legen wir in Pfandbriefen von Hypothekenbanken zur F?rderung des Baus von Ein- und Mehrfamilienh?user an und erwerben Kommunalobligationen zur Finanzierung von Infrastrukturma?nahmen und Gemeinschaftseinrichtungen der Kommunen.

Bei der Investition in Unternehmensanleihen und Inhaberschuldverschreibungen von Banken achten wir darauf, dass wir nur in Unternehmen/Banken investieren, die nicht mitwirken an der Vernichtung menschlichen Lebens und der Zerst?rung der Natur.

Wir nutzen hierbei die Ratingergebnisse der Ratingagentur "oekom research", M?nchen. Dieses Unternehmen unterst?tzt uns bei der Auswahl des Anlageuniversums.

Dadurch ist insbesondere sichergestellt, dass wir unter sozialen, kulturellen und ?kologischen Gesichtspunkten nur in die besten Unternehmen einer Branche investieren und nicht in Unternehmen oder Staaten, die in kontroversen Gesch?ftsfeldern t?tig sind oder zweifelhafte Gesch?ftspraktiken betreiben.


ECOreporter.de: Verglichen mit herk?mmlichen Banken ist die Steyler-Bank klein und fein. Wie sicher ist das Geld der Anleger bei Ihnen?
Wolf:Sehr sicher. Die Bank geh?rt dem Bundesverband deutscher Banken e. V. an und ist Mitglied der privaten Einlagensicherung. Aktuell bel?uft sich die Einlagensicherungsgrenze auf 3,6 Millionen Euro pro Kunde.


ECOreporter.de: Die meisten Ihrer Kunden k?nnen vermutlich nicht zu Ihnen nach Sankt Augustin kommen. Auf welchen Wegen erledigen sie ihre Bankgesch?fte?
Wolf:Wir verf?gen ?ber modernste Kommunikationstechnik. Unsere Kunden k?nnen uns per Post, Fax, E-Mail oder Telefon erreichen oder uns pers?nlich besuchen. Internetbanking sowie Internetbrokerage runden unser Angebot ab.


ECOreporter.de: Die Mittel der Bank w?rden in die "soziale und in die pastorale" Arbeit flie?en, hei?t es in einer Brosch?re Ihres Hauses. Wie sind diese beiden Aspekte in der Mittelverwendung gewichtet und wer entscheidet ?ber die Verteilung der Mittel?
Wolf:Die ausgesch?tteten Gewinne und die freien Zins- und Kapitalspenden unserer Kunden flie?en in soziale und pastorale sowie Ausbildungs- und Gesundheitsprojekte weltweit. Es besteht keine im Vorfeld festgelegte Gewichtung der Hilfe. In der Vergangenheit wurde aber jeder Bereich mit mindestens 20 Prozent der frei zur Verf?gung stehenden Gelder unterst?tzt.

?ber die Vergabe entscheidet ein zentraler Verteilerausschuss, dem alle Projektantr?ge der Steyler Missionare weltweit vorliegen. Der Ausschuss besteht aus einem internationalen Expertenteam aus erfahrenen Missionaren.


ECOreporter.de: Was für Projekte f?rdern die Bank resp. die Steyler Missionare? Setzen Sie Schwerpunkte in bestimmten L?ndern oder Erdteilen?
Wolf:Die Steyler Mission, die für die Verteilung zust?ndig ist, f?rdert soziale und pastorale Projekte, mit jeweils etwa 50 Prozent. Wir unterst?tzen Projekte, die von Steyler Missionaren/Missionsschwestern verantwortet werden. Daher flie?t Hilfe in alle ?rmeren L?nder, wo Steyler t?tig sind (etwa 50 an der Zahl). Die meisten L?nder, die Hilfe erfahren, liegen auf dem afrikanischen Kontinent; betragsm??ig bekommt der asiatische Raum die gr??te Unterst?tzung.


ECOreporter.de: Sind die Projekte langfristig ausgelegt oder betreiben Sie auch Katastrophenhilfe, beispielsweise für Menschen, die durch den Tsunami oder Erdbeben in Not geraten sind?
Wolf:Die Steyler Missionare unterst?tzen die ganze Bandbreite von Projekten (kurzfristige Not- und Katastrophenhilfe bis hin zur langfristigen Aufbau- und Entwicklungshilfe). Unser Spezifikum ist, dass unsere Missionare an einem bestimmten Ort mit den Menschen leben, unabh?ngig von einer aktuellen Notsituation. Je nach eintretender oder schon seit langem eingetretener Notlage versuchen unsere Missionare zu helfen. Die Missionare, die in Tsunami-Gebieten t?tig sind, haben bei der Erstversorgung der Opfer genauso mitgeholfen wie sie es jetzt bei der mittel- und langfristigen Aufbauhilfe tun werden.


ECOreporter.de: Die Anleger f?rdern durch ihre Einlagen das Engagement der Steyler Missionare. Was für Zinsen erhalten sie für ihr Geld? Bieten Sie auch unverzinste Anlagen bzw. die M?glichkeit, Zinsen zu spenden, an?
Wolf:Wir sind eine Bank mit doppelt guten Zinsen. Das hei?t auf der einen Seite, dass unsere Kunden für ihre Geldanlagen bei uns marktgerechte Zinsen erhalten. Andererseits haben sie die M?glichkeit, ihr Konto zinslos zu f?hren oder freiwillig Zinsen für Hilfsprojekte der Steyler Missionare zu spenden. ?ber die j?hrlichen Zinsspenden berichten wir in unserem Gesch?ftsbericht der guten Taten, der jedes Jahr im Fr?hjahr erscheint.


ECOreporter.de: Inwiefern ist der Steyler Orden in das praktische Bankgesch?ft involviert?
Wolf:Bis 1999 war einer unserer zwei Gesch?ftsf?hrer ein Ordensangeh?riger. Seitdem ist das nicht mehr so, es ist auch viel schwieriger geworden, denn man ben?tigt heute eine besondere Zulassung bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht Bafin für diese Aufgabe. Zudem haben wir im Orden zwar weltweit viel Nachwuchs, nicht aber in Europa.

Der Orden nimmt aber ?ber den Beirat der Bank Einfluss. Der Beirat legt die Rahmenbedingungen fest nach denen wir arbeiten, strategische Orientierungen der Gesch?ftsf?hrung werden im Beirat besprochen. Der Beirat hat Entscheidungskompetenz, sie k?nnen das mit einem Aufsichtsrat vergleichen. Die Ordensmitglieder im Beirat sind durch den Orden beauftragt, es handelt sich zudem um Fachleute mit Wirtschaftswissen: Pater Rudolf ist General?konom des Ordens, Pater Konrad Liebscher Missionsprokurator und Bruder Bruno Rehm, Provinz?konom.

Parallel dazu f?hren wir regelm??ige Gespr?che mit der Steyler Mission. Die Verbundenheit der Bank zum Orden ist gro?.


ECOreporter.de: Herr Wolf, wir danken Ihnen für das Gespr?ch!

Bild: Norbert Wolf / Quelle: Unternehmen
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