02.03.06 Nachhaltige Aktien , Meldungen

2.3.2006: Nachgefragt: Warum eine österreichische Bank auf Nachhaltigkeitsfonds umstellt

Nachhaltiges Investment ist interessant und wird immer interessanter. So sieht es jetzt auch das österreichische Bankhaus Schelhammer und Schattera AG aus Wien. Mit dem heutigen Tag hat die Bank ihre vier Investmentfonds mit einem Gesamtvolumen von 340 Millionen Euro auf nachhaltige Kriterien ausgerichtet. ECOreporter.de sprach mit Günter Bergauer, Vorstandsdirektor und Fachvorstand Wertpapierabteilung beim Bankhaus Schelhammer und Schatterer AG in Wien.


Herr Bergauer, Mitte Februar hatte das Bankhaus Schelhammer und Schattera gemeldet, alle Investmentfonds auf Nachhaltigkeit umzustellen. Das ist zwei Wochen her - wie wurde diese Ankündigung bisher aufgenommen?

Günter Bergauer: Die Nachricht wurde sehr positiv aufgenommen. Wir hatten ja den Boden auch schon aufbereitet: Unser Flagschiff, der Fonds Superior 3 - Ethik und der Fonds Superior 1 - Ethik Renten waren ja bereits komplett umgestellt. Die Umstellung der beiden verbleibenden Fonds ist übrigens abgeschlossen. Wir beobachten eine steigende Nachfrage nach diesen Produkten.

Wie groß ist das verwaltete Fondsvolumen per heute nach der Umstellung aller Fonds?

Günter Bergauer: Wir haben rund 340 Millionen Euro in nachhaltigen Wertpapieren angelegt. Die verzinslichen Anlagen überwiegen dabei die Aktienanlagen.

Welche Gründe hatte die Bank für diese Neuausrichtung?

Günter Bergauer: Nun, so neu ist die Ausrichtung auch wieder nicht. Wir hatten auch vorher schon gut selektiert. Wir gehören maßgeblich der katholischen Kirche in Österreich, da haben wir immer schon darauf geachtet, was wir mit den uns anvertrauten Geldern machen und was nicht. Aber jetzt ist das eben institutionalisiert: Es gibt Kriterien, die kann man nachprüfen und die Einhaltung wird kontrolliert. Wir haben Ernst und Young damit beauftragt. Damit sind wir auch in Österreich führend. Im Zuge der Umstellung kam es naturgemäß zu einer Umstrukturierung des Portfolios. Es wurden einige Unternehmen aus den Portfolios herausgenommen, zum Beispiel Royal Dutch Shell, Carrefour und Suez.

Welche Zuwachsraten erwarten Sie im Nachhaltigkeitsfondgeschäft?

Günter Bergauer: Das Interesse an Nachhaltigkeit steigt und damit auch die Nachfrage nach Finanzprodukten aus diesem Bereich. Wir versprechen uns Zuwachsraten im Fondsvolumen von 25-40 Prozent in zwei bis drei Jahren. Wir halten eine jährliche Rendite von sieben Prozent pro Jahr erreichbar. Das ist übrigens auch die zehnjährige Durchschnittsrendite unseres Superior 3-Ethik bisher gewesen.

Welche Mitbewerber hat das Bankhaus Schelhammer und Schattera in Österreich?

Günter Bergauer: Natürlich gibt es noch andere Kreditinstitute, die auch Nachhaltigkeitsfonds anbieten, aber wir sind die erste Bank, die komplett, also zu 100 Prozent, auf Nachhaltigkeitskriterien umgestellt hat.


Wer berät die Bank, welche Ratingagentur bewertet die Investments als nachhaltig oder nicht nachhaltig?

Günter Bergauer: In erster Linie berät uns der ehrenamtliche Ethik-Beirat: Der macht die Basisarbeit, der stellt die Kriterien auf und macht die grundsätzlichen Vorgaben. Er ist zusammengesetzt aus zehn Persönlichkeiten aus Kirche, Wirtschaft und Wissenschaft. Das externe Rating macht dann die oekom research AG aus München für uns. Aus dem Anlageuniversum wählen wir dann die einzelnen Titel aus für unsere Fonds.

Herr Bergauer, wir danken Ihnen für das Gespräch!

Bildhinweis:
Günter Bergauer / Quelle: Bankhaus Schelhammer und Schatterer AG;
Shell-Logo, das Bankhaus investiert nicht in Aktien des Mineralölkonzerns / Quelle: Unternehmen
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