23.03.04 Nachhaltige Aktien , Meldungen

23.3.2004: "Interseroh ist ein typischer, aber attraktiver Nebenwert" - ECOreporter.de-Interview mit Michael Block, Interseroh AG

Die Interseroh AG ist ein bundesweit tätiger Recyclingkonzern. Das Unternehmen mit Sitz in Köln sammelt, verwertet und handelt Metalle, Papier, Holz und Kunststoffe. Seit 1998 werden die Anteilsscheine der AG an der Börse gehandelt, die Gesellschaft gehört dem Index für mittelgroße Unternehmen MDax an. ECOreporter.de sprach mit Michael Block, Leiter Unternehmenskommunikation der Interseroh AG, und Thomas Harbeke, Geschäftsführer der Interseroh Holzhandel GmbH, über die Situation auf den Rohstoffmärkten, die Perspektiven des Unternehmens im Bereich Biomasse und die aktuellen politischen Rahmenbedingungen.


ECOreporter.de: Herr Block, die Politik wartet weiterhin auf ein nachhaltiges Umschlagen der Konsumneigung in Deutschland. Wie ist die aktuelle Ertragslage der Interseroh AG? Wie haben sich die Preise für die von Ihnen erfassten Rohstoffe wie Altpapier und Stahlschrotte entwickelt?
Michael Block: Die Preise für Kaufhausaltpapier haben sich im letzten Jahr uneinheitlich entwickelt: Ein kräftiger Anstieg wurde im Frühjahr durch die starke Beschaffungsaktivität der deutschen Papierfabriken ausgelöst. Saisonal und konjunkturell bedingt sanken die Erlöse zum Ende des Jahres. Beim Altholz beobachteten wir eine umgekehrte Entwicklung: Sinkenden Verkaufspreisen in der ersten Jahreshälfte folgten steigende in den letzten sechs Monaten. Angesichts der wachsenden Zahl von Biomasseheizkraftwerken erwarten wir hier kurz- bis mittelfristig eine spürbar steigende Nachfrage. Den Stahlmarkt kennzeichneten eine hohe Nachfrage und ein schwaches Angebot. Die Konsequenz waren stärkere Preiserhöhungen. Zur Ertragslage werden wir Ende März unseren Geschäftsbericht für das Jahr 2003 vorlegen. Ich bitte um Verständnis, dass ich dem ich hier nicht vorgreifen kann.

ECOreporter.de: Im Herbst letzten Jahres gaben Sie eine Kooperation mit der Kölner Westpfand-Gruppe bekannt, Sie wollen ein gemeinsames System zur Erfassung von Einweggetränkeverpackungen aufbauen. Lohnen sich Investitionen in diesem Bereich noch, nachdem der Markt für Einwegbehälter so stark eingebrochen ist?
Block: Diese Entwicklung ist durchaus zu erkennen. Allerdings bedeutet das nicht, dass nun alle Getränke in Mehrwegflaschen verkauft werden. In vielen Fällen hat eine Substitution der Dose durch die PET-Flasche stattgefunden. Für uns kein Nachteil: Interseroh ist nicht nur über Westpfand im Markt vertreten, wir sind auch im Bereich der Erfassung von PET-Einwegverpackungen im Handel tätig.

ECOreporter.de: Mit der Akquisition von 50,1 Prozent der Anteile der Holzkontor Brandenburg GmbH haben Sie im vergangenen Jahr stark im Bereich Biomasse investiert. Welchen Umfang haben Ihre Aktivitäten in der Holzverwertung?
Block: Allein 108 Mitarbeiter waren im Jahr 2002 bei Interseroh im Bereich Holz tätig. Im gleichen Jahr wurden rund 650.000 Tonnen Holz verwertet. Das waren rein rechnerisch jede Woche 650 voll beladene Lkw mit 20 Tonnen Nutzlast. In der Sammlung, Aufbereitung und Vermarktung von Altholz arbeiten wir in Joint Ventures mit großen Entsorgungsunternehmen zusammen. Und wir wollen in diesem Bereich wachsen: Interseroh plant, den Altholzhandel durch weitere Joint Ventures und ausländische Aktivitäten auszubauen. Das gilt auch für den Rest- und Industrieholzhandel.

ECOreporter.de: Wie viel Prozent ihres Umsatzes (EBIT, Nettogewinn) erwirtschaften Sie in Deutschland, wie groß ist der Auslandsanteil?
Block: Dazu veröffentlichen wir keine Zahlen.

ECOreporter.de: Die Aktie Ihres Unternehmens wird trotz solider wirtschaftlicher Erfolge von den Anlegern wenig beachtet. Insbesondere institutionelle Investoren sehen von einem Engagement ab, weil ihnen die Liquidität zu gering ist. Wann werden Sie daran etwas ändern?
Block: Interseroh ist ein typischer aber attraktiver Nebenwert. Ich setze durchaus auf steigendes Interesse an unserer Aktie und fordere Interessenten auch auf, sich zu engagieren.

ECOreporter.de: Wie stark ist der weitere Erfolg der Interseroh AG von den politischen Rahmenbedingungen abhängig? Was erwarten und erhoffen Sie diesbezüglich für Impulse aus Berlin und Brüssel?
Block: In zwei neueren Entwicklungen sehen wir sehr gute Chancen, unser Dienstleistungsspektrum zu erweitern. Zum Einen die EG-Richtlinie über Elektro- und Elektronikschrott. Sie soll bis zum 13. August 2004 in nationales Recht umgesetzt werden. Die EU-Mitgliedstaaten müssen dann innerhalb eines Jahres entsprechende Rücknahmesysteme einrichten. Die Hersteller werden durch die Richtlinie verpflichtet, die Kosten der Verwertung und Entsorgung zu übernehmen. Interseroh kann für diese Aufgabe bereits bestehende Strukturen zur Erfassung, Aufbereitung und Verwertung hervorragend nutzen.

Wir wollen unseren Kunden jeweils Module anbieten. Bei Modul A optimieren wir die Entsorgungslogistik mit dem Ziel, die Kosten für alle Beteiligten zu senken. Finanziert wird das allein aus den realisierten Einsparungen. Bei Modul B treten wir als Systemanbieter an: Wir koordinieren mit unserer bundesweiten Präsenz die Aktivitäten der zahlreichen Verwertungsbetriebe. Beim Modul C schließlich geht es um das operative Recycling: Hier können wir unsere eigene, leistungsstarke Aufbereitungsstruktur zum Einsatz bringen.

Wachsendes Volumen erwarten wir auch durch das Altautogesetz, das am 1. Juli 2002 in Kraft trat. Danach erhalten die Letzthalter künftig das Recht, ihre Altautos kostenlos an den Hersteller oder Importeur zurückzugeben. Für Fahrzeuge, die nach Inkrafttreten des Gesetzes auf den Markt kamen, gilt diese Verpflichtung ab dem ersten Betriebstag, für alle anderen ab dem 1. Januar 2007. Allein in Deutschland scheiden jedes Jahr drei bis dreieinhalb Millionen Autos aus dem Verkehr aus, 1,5 Millionen bleiben im Land, der Rest wird exportiert.

ECOreporter.de: Herr Block, wir danken Ihnen für das Gespräch!



Lesen Sie in einer Woche im ECOreporter.de-Interview mit Thomas Harbeke, Geschäftsführer der Interseroh Holzhandel GmbH, wie sich das Kölner Unternehmen für die verstärkte Nutzung regenerativer Biomasse engagiert.


Bildnachweis: Michael Block, Leiter Unternehmenskommunikation der Interseroh AG; Altholzverwertung bei Interseroh / Quelle: Unternehmen



Interseroh AG WKN 620990 / ISIN DE0006209901
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