10.04.01 Nachhaltige Aktien , Meldungen

23.5.2000 "Umweltaktien haben immer noch eine gute Wertentwicklung vor sich" / Interview mit Eberhard von Alten, Geschäftsführer der DG Capital Management GmbH in Frankfurt

Der Geschäftsführer der DG Capital Management GmbH in Frankfurt, Eberhard von Alten, im Interview mit ECOreporter.de. Die DG Capital managet den KD Fonds Öko-Invest.


ECOreporter.de:
Wie hat sich der KD Fonds Öko-Invest seit dem 1. Januar 2000 entwickelt?

von Alten:
Die Wertentwicklung liegt "year to date" bei 23,5% (Stand 30.04.00). Das ist sehr viel mehr als bei einer über alle Branchen diversifizierten internationalen Aktienanlage, gemessen am MSCI World, im gleichen Zeitraum zu erzielen war. Der Ergebnisvorsprung ist im wesentlichen auf die gute Wertentwicklung von Hochtechnologie-Unternehmen zurückzuführen, insbesondere aus der Umwelttechnik.

ECOreporter.de:
Was bedeutet das KD im Namen Ihres Fonds?

von Alten:
KD steht für "Kirche und Diakonie". Der KD Fonds Öko-Invest wurde von der Evangelischen Kreditgenossenschaft (EKK) in Kassel ins Leben gerufen. Vor neun Jahren schon, als Ökofonds noch zu den Pionieren in Deutschland gehörten. Die EKK hatte als eine der größten Kirchenbanken in Deutschland von Anfang an ein reges Interesse an ethischen Anlagen und war ganz wesentlich an der Formulierung der Anlagerichtlinien beteiligt. Die EKK ist auch weiterhin Ideengeber, Sponsor und Promoter des Fonds, und das Anlagemanagement liegt seit Auflegung bei uns, der DG CAPITAL Management GmbH in Frankfurt.

ECOreporter.de:
Die Börse hat trotz zwischenzeitigem Absinken eine Hochphase. Auch viele Umweltaktien haben in den letzten Monaten kräftig zugelegt - sollte man nun Gewinne mitnehmen?

von Alten:
Nein, ich glaube nicht. Wer Gewinne mitnimmt und hofft, billiger wieder einzusteigen, läuft Gefahr, dem Markt hinterherzulaufen und teurer zu kaufen als man verkauft hat. Das ist psychologisch sehr viel schwerer zu verkraften als die nun einmal unausweichlichen Dellen im Börsengeschehen auszuhalten. Umweltaktien - und dies gilt auch für Umweltfonds - sollte man mit strategischer Weitsicht kaufen und ein wenig Zeit und Geduld mitbringen. Im übrigen glaube ich, daß die derzeitige Börsenphase eine notwendige und gesunde Atempause ist und daß insbesondere Umweltaktien eine gute Wertentwicklung vor sich haben. Die Börse beginnt erst langsam zu realisieren, was nachhaltiges Wirtschaften und Umweltbezug für Zukunftspotentiale bergen.Also: Investiert bleiben!

ECOreporter.de:
Eine ganze Reihe deutscher Unternehmen aus der Windbranche will nun an die Börse, zum Beispiel Umweltkontor und Energiekontor. Sind solche Unternehmen auch für Umweltfonds interessant?

von Alten:
Daß Umweltkontor und Energiekontor an die Börse gehen und dabei offenbar auch bei Anlegern, die nicht zu den klassischen Öko-Investoren gehören, Aufmerksamkeit erzielen, beweist, sich in den vergangenen Wochen und Monaten im Bewußtsein der Öffentlichkeit einiges getan hat. Noch vor einem halben Jahr wäre die Aufmerksamkeit deutlich geringer ausgefallen. Nach unserer Einschätzung eignen sich Aktien aus der Windbranche nicht als Basis-Investment, sondern nur als Beimischung, zumal wir uns in einem politisch stark regulierten Markt befinden. Im KD Fonds Öko-Invest sind wir sehr gut gefahren, als wir im Frühjahr die dänische Firma Vestas Wind Systems ins Portefeuille genommen haben, den Weltmarktführer in der Herstellung und im Vertrieb von Windkraftanlagen.

ECOreporter.de:
Die DG CAPITAL setzt in ihrem Umweltfonds auch auf Umwelt-Technik-Unternehmen. Was bedeutet das?

von Alten:
Mit "Umwelt-Technik" werden noch immer vorwiegend Unternehmen assoziiert, die sich auf "nachsorgende" Umwelttechnologien bzw. "end of the pipe"-Techniken konzentrieren, also Recycling, Abfallentsorgung und Wasseraufbereitung. Unter den Begriff fallen aber auch Techniken in Produktionsabläufen wie Filtertechnik, umweltfreundliche Energiegewinnung und Wasserversorgung. Eine Abgrenzung fällt nicht immer leicht. Umwelt-Technik-Unternehmen in diesem Sinne müssen nicht notwendigerweise den Anlageschwerpunkt eines Umweltfonds bilden. Im KD Fonds Öko-Invest entfallen etwa 20 bis 35% des Fondsvolumens auf Umwelt-Technik-Unternehmen, je nachdem, wie breit oder eng man den Begriff faßt. Diesen Bereich möchten wir nicht missen, weil er viele sogenannte "Öko-Pioniere" umfaßt. Wir erwarten von ihm eine gute Wertentwicklung in der Zukunft. Allerdings stellt unser Anlagekonzept nicht nur auf innovative Umwelt-Technologien ab. Es sieht eine relativ breite Branchenstreuung vor. Dabei setzen wir vor allem auf die jeweiligen "Öko-Leader" einer Branche. Das sind Unternehmen, die im Vergleich zu ihren Mitbewerben ökoeffizientes Wirtschaften unter Beweis gestellt haben.

ECOreporter.de:
Wie kommt ein auf Umwelttechnik fokussiertes Konzept bei den Anlegern an?

von Alten:
Vorweg gesagt: Ich würde unseren Fonds eher als Ökoeffizienz-Fonds und nicht als Umwelt-Technologie-Fonds bezeichnen. Dabei ist natürlich wichtig, daß die Prüfung der möglichen Anlagekandidaten auf Ökoeffizienz, nachhaltiges und verantwortliches Wirtschaften im Fondsmanagement fest verankert ist. Sonst wird man dem Anspruch einer ethischen Geldanlage nicht gerecht.
Zu Ihrer Frage: Nach Kundenumfragen stößt ein auf Umwelttechnik fokussiertes Konzept auf zunehmendes Anlegerinteresse, zumal viele wertpapier- und fondserfahrene Kunden bereits eine ganze Reihe von Branchen-Aktienfonds besitzen und diese Palette durch einen Umwelt-Technologie-Fonds ergänzen möchten. Für diesen Anlegertyp steht die Branchenallokation im Vordergrund, weniger die Suche nach einer ethisch einwandfreien Anlage. Für eine mindestens ebenso große Anzahl von Anlegern aber steht das Motiv einer ethischen Geldanlage ganz oben an, und wenn diese, wie oft geschehen, unter Umständen ausschließlich in Umwelt-Technik-Unternehmen oder Umwelt-Technologie-Fonds investieren, werden sie sich möglicherweise über die Volatilität ihrer Anlage wundern. Bei unserem Fonds investieren wir nicht nur in Umwelt-Technologie-Werte, sondern in die Öko-Leader verschiedener Branchen, von Telekommunikation und Datenverarbeitung und Elektro bis Medizintechnik, Maschinenbau und Konsumgüter. Die Wertentwicklung ist durch die breitere Streuung wesentlich stabiler als bei einem reinen Umwelt-Technologie-Fonds. Über die letzten 4 Jahre haben wir mit diesem Konzeptaußerordentlichen Erfolg gehabt, wie die mehrfache Prämierung des Fonds, unter anderem durch Micropal, beweist..

ECOreporter.de:
Sie wurden kritisiert, weil Sie angeblich keine Angaben zu den Kriterien veröffentlichen, die der Unternehmensauswahl für Ihren Umweltfonds zugrunde liegen. Ist die Kritik berechtigt?

von Alten:
In einer jüngst veröffentlichten Studie über Umweltfonds wurde behauptet, daß wir keine Angaben zum Auswahlprozeß machen. Das stimmt natürlich nicht. Selbstverständlich machen wir Angaben zum Auswahlprozeß. Möglicherweise können wir die Transparenz unserer Leistungen in der Öffentlichkeit aber noch verbessern. Immerhin nannte die Studie den KD Fonds Öko-Invest zutreffend als Performance-Spitzenreiter unter den Umweltfonds.

ECOreporter.de:
Nach welchen Kriterien wählen Sie Unternehmen aus?

von Alten:
Die Titelselektion verläuft grundsätzlich in zwei Stufen. Zunächst werden Aktien nach den Kriterien einer "normalen" Aktienanlage bewertet. Bei der DG CAPITAL liegt der Schwerpunkt auf internationalen Wachstumswerten, die technologisch und wirtschaftlich in ihrem jeweiligen Marktsegment eine starke Stellung einnehmen oder zukünftig erzielen können und die sich auf einem stabilen Wachstumstrend bei möglichst hoher Eigenkapital-Rendite befinden. In einem zweiten Schritt untersuchen wir, ob die potentiellen Anlagekandidaten den Umwelt-Kriterien des Fonds genügen, d.h. ob es sich um Unternehmen handelt, die möglichst ressourcensparend und umweltschonend wirtschaften. Zur Ermittlung potentieller Umweltaktien führen wir eigene Recherchen durch. So haben wir zuletzt im Frühjahr 2000 schriftlich alle im Fonds vertretenen Unternehmen um Auskünfte hinsichtlich ihres Umweltmanagements gebeten. Über eigene Recherchen hinaus stützen wir uns aber auch ganz wesentlich auf die Erkenntnisse zahlreicher Research-Institutionen und Publikationen, u.a. Umweltinstitut in Hamburg, Öko-Invest in Wien und Sustainablity Asset Management (SAM) in Zürich. In den Fonds werden auf jeden Fall nur solche Aktien aufgenommen, die beide Selektionsttufen der DG CAPITAL erfolgreich absolvieren.

ECOreporter.de:
Gibt es besondere Gremien, die über die Auswahl der Aktien entscheiden?

von Alten:
Die Überprüfung der Auswahlentscheidungen erfolgtauch im Anlageausschuß des Fonds, in dem wir unseren Partnern von der Evangelischen Kreditgenossenschaft (EKK) regelmäßig Rede und Antwort stehen. Hier werden auch die ethischen Negativkriterien festgelegt, denen zufolge der Fonds z.B. nicht in Kernkraft, Rüstungs- und Tabakwerte investieren darf. Und es ist ganz natürlich, daß in unserem Anlageausschuß zuweilen auch widersprüchliche Meinungen über ein Unternehmen auftreten. Dann investieren wir im Zweifel lieber nicht. So haben wir z.B. davon Abstand genommen, in reine Autowerte zu investieren. Das müssen wir nicht, weil es so viele interessante Anlagealternativen gibt. Andere Umwelt- oder Nachhaltigkeitsfonds kommen da zu anderen Ergebnissen.


ECOreporter.de:
Der Dow Jones Sustainability Group Index hat nun das erste halbe Jahr hinter sich. Was halten Sie davon?

Von Alten:
Grundsätzlich bin ich beeindruckt von dem umfassenden Nachhaltigkeitskonzept von Sustainability Asset Management (SAM), das auf Wirtschaftlichkeit, Umweltverhalten und soziales Verhalten von Unternehmen abstellt. Die inhaltliche Verwandtschaft zu unserem eigenen Aktien-Auswahlverfahren liegt auf der Hand. Die Verpackung freilich ist eine andere, und bei genauerem Hinsehen ergeben sich auch einige inhaltliche Überraschungen. Beispielsweise war VW lange Zeit der Favorit von SAM unter den Autowerten. Dann wechselte man zu BMW. Jedes Unternehmen, das eine Aufnahme in die Sustainability Group Indizes erhofft, muß sich einer aufwendigen Überprüfung unterziehen. Wer sich dem Verfahren verweigert, wird nicht in die Bewertung einbezogen und fällt durch das Raster. Auch wurde die Zusammensetzung der Indizes noch immer nicht veröffentlicht. Es ist zu hoffen, daß die Initiatoren ihr Wissensmonopol in Bälde lockern. Wir sind auf jeden Fall gespannt.

ECOreporter.de:
Wird die DG CAPITAL weitere Spezialfonds im Umweltbereich auflegen? Ist z.B. ein reiner Solar-, Brennstoffzellen- oder Wasserfonds denkbar?

Von Alten:
Wir haben Anfragen für einige große sog. "Individualmandate". Dazu hat nicht zuletzt der Erfolg des KD Fonds Öko-Invest beigetragen. Im übrigen profitieren wir von der überall wahrzunehmenden Renaissance der Öko-Anlagen. Großes Interesse besteht insbesondere an dem branchenübergreifenden Sustainability-Konzept. Hier werden wir in Kürze tätig werden. Wir scheuen uns aber ein wenig vor Spezialmandaten wie den angesprochenen Solar-, Brennstoffzellen- oder Wasserfonds. Es handelt sich hier meines Erachtens um immer noch sehr marktenge Nischenprodukte.

ECOreporter.de:
Ist ein Venture Capital Fonds im Umweltbereich denkbar und geplant?

Von Alten:
Ein Umwelt-Venture Capital Fonds könnte sehr reizvoll sein. Geplant ist ein solches Vorhaben aber bisher nicht.

ECOreporter.de:
Wie werden sich die Aktien im Segment Umwelttechnik Ihrer Meinung nach entwickeln?

Von Alten:
Der Umfang der Umwelttechnik an der Volkswirtschaft wird zwangsläufig steigen. Wir befinden uns in einem Wachstumsmarkt. Auch vor dem Hintergrund einer weltweit wahrscheinlich strenger werdenden Umweltgesetzgebung messen wir Anlagen im Segment Umwelttechnik große Bedeutung zu. Wir stehen mit dieser Meinung nicht allein, und dies hat in den vergangenen Monaten natürlich schon zu hohen Bewertungen am Aktienmarkt geführt. Einige dieser Bewertungen werden sich abbauen. Mittelfristig aber weist der Markt nach oben.

ECOreporter.de:
Was empfiehlt sich bei den Solarenergie-Aktien: Einstieg, Ausstieg, Halten?

Von Alten:
Solarenergie-Aktien hatten dies Jahr einige Überraschungen zu bieten. Nehmen wir das Beispiel der deutschen Solarworld AG, die gerade zur Kapitalerhöhung ansteht: Das Ertragspotential von Solarworld wurde von den Börsenteilnehmern - übrigens auch von uns - im Frühjahr tendentiell unterschätzt und mußte mehrfach nach oben angepaßt werden. Zudem wurde Solarstrom von dem im Februar verabschiedete Erneuerbare Energien-Gesetz (EEG) begünstigt, und der Aktienkurs hat sich in diesem Jahr vervierfacht. Dennoch raten wir wegen der ausgezeichneten Wachstumsperspektiven, den Wert zu halten bzw. die Bezugsrechte auszuüben.

ECOreporter.de:
Welche Aktien empfehlen Sie zur Zeit?

Von Alten: I
Ich möchte drei unserer Favoriten nennen, die sich natürlich auch in unserem Fonds befinden: Wedeco, Lucent und Jenbacher AG. Wedeco hat sich auf Wasserentkeimungsanlagen spezialisiert und ist einer der Führer im UV-Desinfektionsmarkt. Wedeco gehört nach einer Wertentwicklung von knapp 400% in diesem Jahr mittlerweile schon zu den größeren Positionen im KD Fonds Öko-Invest, und wir sind weiterhin positiv gestimmt. Lucent zählt zu den großen amerikanischen Netzwerk-Technologie-Unternehmen, ist mit einer Wedeco also überhaupt nicht vergleichbar. Lucent zeichnet sich durch nachhaltiges Wachstum aus und ist für das vorbildliche Umweltmanagement mehrfach prämiert worden. Die Börsenentwicklung von Lucent war in diesem Jahr negativ. Wir glauben, daß sich der Kurs einem mittelfristig und langfristig sehr attraktiven Niveau nähert. Schließlich die Jenbacher AG: Sie betreibt und entwickelt hauptsächlich Blockkraftwerke.Wir glauben, sie ist auf einem stabilen Wachstumspfad. Jenbacher ist aber ein ziemlich marktenger Wert, und dies Schicksal teilt Jenbacher mit vielen Umwelt-Technologie-Aktien. Für einen Privatanleger ist es gar nicht so einfach und erfordert zumindest eine große Disziplin, um eine gute Aktienmischung im Umweltbereich zu erreichen und dann auch beizubehalten. Dies wird auch noch eine ganze Weile so bleiben. Umweltaktien sind eben in der Mehrheit keine "blue chips". Das spricht meines Erachtens für eine Anlage in Umweltfonds.

ECOreporter.de:
Herr von Alten, vielen Dank für das Gespräch!

Hinweis: Kopie nur mit Erlaubnis von ECOreporter.de
Anfragen bitte an j.weber@oeko-invest.de
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