23.05.04 Nachhaltige Aktien , Meldungen

23.5.2004: Aircar: Pfffffft - die große Luftnummer, Teil 2

Wieder einmal kündigt eine Aircar AG einen Produktionsstart für das Druckluftauto an. Dieses Mal soll es am 1. Mai 2005 so weit sein, dass die ersten Exemplare des vom französischen Formel 1-Ingenieur Guy Nègre entwickelten Leicht-Gefährts vom Band rollen. Wie vor zwei Jahren ist die Ankündigung von einer Offerte an die Anleger begleitet: Sie könnten eine stille Beteiligung erwerben bzw. ab 30.000 Euro Einsatz eine Wandelanleihe, heißt es.

Die neue Aircar hat ihren Sitz in Trimmis in der Schweiz. Der Vorstand der ehemaligen Frankfurter Aircar, Lars-Oliver Weinberg, ist mit von der Partie. Man habe die Schweiz aus rechtlichen und steuerlichen Gründen als Sitz gewählt, erklärt Weinberg, Mitglied der Geschäftsleitung. Man sei dort keine Briefkastenfirma, sondern ein kleines, etabliertes Unternehmen. Vor dem Konkurs vor zwei Jahren (siehe taz, 16.11.2002) hätte sich die Frankfurter Aircar vermutlich ebenso für "etabliert" erklärt.

Die jahrelangen Verzögerungen beim Produktionsstart werden - auch das nicht neu - mit den vielen Steinen begründet, die dem Druckluftauto in den Weg gelegt wurden. Aircar und Nègres Firma MDI International hatten 2001 vollmundig für Deutschland ein mit Druckluft betriebenes Auto angekündigt, das es mit vier Pressluftflaschen à 300 bar und einem 18 Kilowatt Motor im Stadtverkehr 200 Kilometer weit bringen sollte. Diese Reichweite wurde damals von Fachleuten bezweifelt. Auch der Umweltnutzen war umstritten, der Ausnutzungsgrad des Motors soll 20 Prozent betragen haben, aber die Druckluft muss ja zunächst mithilfe von Strom erzeugt werden. Das hätte beispielsweise in Frankreich vor allem einen Antrieb durch Atomstrom bedeutet. Aircar und Lizenzgeber MDI International zerstritten sich damals. Der Streit kulminierte in der Ablösung des ehemaligen Vorstands Tiberius Dittel, der behauptete, Nègre habe den Nachweis der Funktionsfähigkeit seines Autos nicht erbracht. MDI hielt dagegen, die Aircar habe das Recht auf einen Vertrieb unter ihrem Namen nicht, daher habe man den Vertrag gekündigt. Bald darauf waren die Frankfurter insolvent. Zu einem angekündigten Börsengang kam es nie.

Nun also der nächste Versuch: Dieses Mal können sich risikofreudige Anbieter in Form eines festverzinslichen Darlehens mit fester Laufzeit beteiligen. Minimum sind 100 Euro. Beim Investment von 30.000 Euro und mehr, verspricht die Aircar, sei ein Darlehen mit Wandlungsrecht möglich. Vor Ablauf könne dieses in Inhaberaktien umgetauscht werden. "Aus Gründen der Seriosität möchten wir zu Ihren individuellen Gewinnmöglichkeiten keine weiteren Aussagen tätigen", heißt es in dem Schreiben unter derm Titel "Aircar goes public". Allein der Verkauf der bereits vorbestellten Autos - angeblich gab es 500.000 Bestellungen - werde die Aircar innerhalb kürzester Zeit in die Gewinnzone führen. Der Businessplan sehe für das dritte Jahr Gewinne in zweistelliger Millionenhöhe vor - selbstverständlich "konservativ berechnet". Den durch die frühere Frankfurter Aircar geschädigten Investoren habe man eine Entschädigung angeboten, so das Unternehmen.

ECOreporter.de rät allen, die ernsthaft über ein Engagement nachdenken, zu möglichst baldiger Luftveränderung. Dringend!

Bild: Aircar-Taxi / Quelle: MDI
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