23.05.06 Nachhaltige Aktien , Meldungen

23.5.2006: HerMerlin ethic & Innovation Öko-Beteiligungs AG kurz vor der Insolvenz - Gibt es noch eine Chance auf Fortbestehen? ECOreporter.de-Interview mit Hans Raab, vorläufiger Insolvenzverwalter des Unternehmens

Das Amtsgericht Ansbach hat am 3. Mai 2006 die vorläufige Insolvenzverwaltung für die HerMerlin ethic & Innovation Öko-Beteiligungs AG angeordnet. ECOreporter.de führt die Aktie der Beteiligungsgesellschaft mit Sitz in Langenaltheim, Bayern, seit längerem in der "Wachhundrubrik". Wie kam es zu dem Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens? Gibt es noch eine Chance für das Fortbestehen der HerMerlin AG? ECOreporter.de sprach über diese und weitere Fragen mit Hans Raab, der Rechtsanwalt aus Emskirchen ist vorläufiger Insolvenzverwalter des Unternehmens.


ECOreporter.de: Herr Raab, wie genau kam es zu dem vorliegenden Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens?
Hans Raab: Der Antrag ist auf die Zahlungsunfähigkeit des Unternehmen begründet. Es liegt ein Vollstreckungsbescheid im Volumen von 328.000 Euro gegen die HerMerlin AG vor. Dagegen stehen keine zureichenden liquiden Mittel.

ECOreporter.de: Verfügt die HerMerlin AG noch über Vermögenswerte?
Raab: Ob die Vermögenswerte etwas wert sind, kann derzeit nicht abschließend beurteilt werden. Die Beteiligungen der HerMerlin sind nicht börsennotiert, es hängt letztlich stark davon ab, ob sich genügend Interessenten finden.
Die Gesellschaft hat zudem Forderungen in Höhe 655.000 Euro. Wie werthaltig die sind, wird derzeit geprüft. Wir werden versuchen, alles was werthaltig ist, langsam beizutreiben. Erst dann kann ich mehr dazu sagen.

ECOreporter.de: Gehören die Gebäude am Sitz der Gesellschaft in Langenaltheim der AG?
Raab: Nein, die Geschäftsräume der HerMerlin AG in Langenaltheim befinden sich nach meiner Kenntnis im Eigentum des Vorstands.

ECOreporter.de: Wie hoch sind die Verbindlichkeiten der Gesellschaft?
Raab: Die belaufen sich auf 355.000 Euro. Wären die Forderungen werthaltig, gäbe es die Probleme also nicht.

ECOreporter.de: Gibt es noch ein operatives Geschäft der HerMerlin?
Raab: Die HerMerlin AG ist nach den mir bisher erteilten Auskünften eine reine Beteiligungsgesellschaft, operativ wird sie nur über ihre Beteiligungen tätig.

ECOreporter.de: Wie ist die Situation der Aktionäre?
Raab: Wenn die Beteiligungen und die Forderungen werthaltig sind, wäre sie nicht schlecht. Allerdings halte ich das derzeit für wenig wahrscheinlich. Im Auftrag des Gerichts erarbeiten wir jetzt ein Gutachten zur Lage der Gesellschaft, das wird Klarheit bringen.

ECOreporter.de: Können Vorstand und Aufsichtsrat der HerMerlin für die Situation verantwortlich gemacht werden?
Raab: Das wird das Gutachten klären.

ECOreporter.de: Sehen Sie noch die Chance, dass das Unternehmen restrukturiert werden könnte?
Raab: Wir versuchen es, das tun wir immer. Zunächst wird es sehr wahrscheinlich zur Eröffnung der Insolvenz kommen. Die Anzahl der Gläubiger ist übersichtlich. Ich halte es durchaus für denkbar, dass es gelingt, sich mit ihnen zu einigen

ECOreporter.de: Bleibt Vorstand Herrmannsdörfer unter Ihrer Aufsicht vorläufig im Amt?
Raab: Während der vorläufigen Zustimmungsverwaltung bis zur Eröffnung des Verfahrens handelt der Vorstand weiterhin nach außen. Im Innenverhältnis darf er nur handeln, soweit er meine Zustimmung eingeholt hat. Herr Herrmannsdörfer hat auch Antrag auf Eigenverwaltung gestellt. Dem kann unter Umständen statt gegeben werden, wenn das Gutachten zeigt, dass ihn persönlich keine Schuld an der prekären Situation der Gesellschaft trifft.

Einige Aktionäre und auch Gläubiger des Unternehmens, wollen derzeit prüfen, ob sie Massekostenvorschüsse leisten, um dadurch die Verfahrenskostendeckung und letztendlich die Eröffnung des Insolvenzverfahrens herbeizuführen.

ECOreporter.de: Herr Raab, wir danken Ihnen für das Gespräch!

Bild: Logo der HerMerlin AG / Quelle: Unternehmen
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