23.05.07 Nachhaltige Aktien , Meldungen

23.5.2007: Buchung nach Vorschrift: Solarunternehmen muss trotz guter Geschäfte Verluste schreiben – ECOreporter.de nachgefragt: Sprecher der Centrosolar AG, sieht sein Unternehmen im Nachteil gegenüber Mitbewerbern

Die Münchener Centrosolar AG hat das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) im ersten Quartal 2007 um 51 Prozent gesteigert. Gleichzeitig verschlechterte sich das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) von plus 0,7 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf minus 0,4 Millionen Euro. Wie ist diese Diskrepanz zu erklären? ECOreporter.de sprach darüber mit Unternehmenssprecher Georg Biekehör.

„Wenn man Unternehmen kauft, muss man nach IFRS 3 immaterielle Vermögenswerte aktivieren, für die im laufenden Geschäftsbetrieb sogar ein Aktivierungsverbot besteht“, sagt der Sprecher. (Anmerkung der Redaktion: „Aktivieren“ meint: In der Bilanz ausweisen. Die International Financial Reporting Standards (IFRS) sind internationale Rechnungslegungsvorschriften. IFRS 3 regeln die Rechungslegung bei Unternehmenszusammenschlüssen.) Zu diesen Vermögenswerten zählen seinen Angaben zufolge beispielsweise Kundenbeziehungen, Lieferantenverträge, selbst geschaffene Markennamen und Technologien. Diese Vermögenswerte müsse das Unternehmen anschließend planmäßig über die geschätzte Nutzungsdauer abschreiben.

Bei Centrosolar seien nach den Akquisitionen der letzten beiden Jahren zirka 20 Millionen Euro Vermögenswerte aktiviert worden, so Biekehör weiter. Im Wesentlichen seien die nun innerhalb der nächsten drei Jahre abzuschreiben. „Die Abschreibungen führen bei uns aktuell dazu, dass während dieser Abschreibungsdauer in der Bilanz alles ab dem EBITDA stark reduziert ist. Dadurch sehen wir uns gegenüber anderen Unternehmen, die nicht zugekauft haben, stark benachteiligt. In der Öffentlichkeit ist nur schwer zu vermitteln, dass man etwas, was man nicht als Gewinn ausweisen kann, doch hat. Und in der Branche haben wir dadurch inzwischen schon das Image: Ordentlicher Umsatz, aber unten kommt nichts raus. Es entsteht der Eindruck, dass wir vom Ergebnis her nicht vom Fleck kommen. Deswegen ist auch der Kursverlauf der Aktien nicht zufrieden stellend.“

„Die Abschreibungen führen nicht zu einem geringeren Cash Flow“, betont der Sprecher: „Auch wenn wir das Geld nicht als Gewinn ausweisen dürfen, es wird nicht ausgegeben, sondern bleibt im Unternehmen. Analysten empfehlen deshalb inzwischen, den Gewinn je Aktie (EPS) in einem solchen Fall um die Abschreibungen zu bereinigen. Sie erhalten dann das so genannte ‚Cash EPS’, das die Ertragskraft des Unternehmens viel deutlicher abbildet.“

Centrosolar AG: ISIN DE0005148506 / WKN 514850

Bildhinweis: Die Centrosolar-Produktion bei Ubbink. / Quelle: Unternehmen
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