23.06.03

23.6.2003: Wochenrückblick: Umweltaktien schlagen Kapriolen - Milliardenmarkt Erneuerbare Energien

Die Börsenindizes der Welt zeigten in der letzten Woche nach einer kurzen Schwächephase wieder Aufwärtstendenzen. DAX und TecDAX stiegen um zwei Prozent, nur der MDAX verharrte nahezu unverändert. Der japanische Nikkei-225. Kletterte um zwei Prozent. In den USA legten Dow Jones Industrial und Nasdaq Combined Composite Index je ein Prozent zu.

Berichten zufolge hat der Ministerrat der Europäischen Union das sogenannte Energiepaket angenommen. Dieses sieht neben der europaweiten Öffnung der Energiemärkte auch die gesellschaftsrechtliche Trennung von Netz und Betrieb für die Versorgungsunternehmen vor. Alle Energieversorger sollen künftig die Herkunft ihres Stroms kennzeichnen. In Deutschland hat derweil der Bundesrat die sogenannte Härtefallregelung gebilligt. Nach dieser können stromintensive Unternehmen des produzierenden Gewerbes ihren Kostenanteil an der Förderung der erneuerbaren Energien begrenzen.

Entsprechend schwierig sind Voraussagen für die Unternehmen der erneuerbaren Energien; die Kurse sind volatil. So verlor die Aktie der Energiekontor AG in der vergangenen Woche zwölf Prozent auf 2,16 Euro, nachdem sie in den Monaten zuvor kräftig gestiegen war. Die Bremer Energiekontor ist wie kaum ein zweites Unternehmen von den Zuwachsraten der Windenergie innerhalb Deutschlands abhängig. Der Hamburger Windturbinenhersteller Nordex AG verteuerte sich an der Börse um elf Prozent auf 1,07 Euro pro Aktie, nachdem mitgeteilt wurde, dass Aufsichtsrat und Banken die Maßnahmen zur Restrukturierung unterstützen würden. Nordex hatte in den vergangenen Quartalen kräftige Umsatz- und Gewinneinbrüche melden müssen. Darüber hinaus sind die Auftragseingänge aus In- und Ausland stark gesunken.

Zwei europäische Nordex-Konkurrenten meldeten derweil Großaufträge. Vestas Wind Systems A/S aus Dänemark wird Windturbinen im Wert von 65 Millionen Euro nach Australien liefern. Die spanische Gamesa liefert 74 Generatoren im Wert von 60 Millionen Euro an einen spanischen Windparkbetreiber. Vestas konnten in Kopenhagen sieben Prozent auf 75,50 Dänische Kronen zulegen, Gamesa kletterten in Madrid um fünf Prozent auf 20,12 Euro.

Die international agierenden Versorger Enel SpA (Italien) und Union Fenosa (Spanien) haben weit reichende Vereinbarungen getroffen, um ihren Bestand an Erneuerbare-Energie-Kraftwerken auszubauen. Für den Neubau von Anlagen vorrangig für Wind- und Wasserkraft mit einer Kapazität von rund 1.200 Megawatt wollen die beiden Unternehmen in den nächsten Jahren zusammen 520 Millionen Euro ausgeben.

Die Nortorfer farmatic biotech energy AG berichtete über Fortschritte beim Bau ihrer großen Biogasanlagen. In Claußnitz/Sachsen sei eine Anlage mit 626 kW elektrischer und 812 kW thermischer Leistung eingeweiht worden; die Errichtung einer der weltweit größten Anlagen in Emek Hefer (Israel) gehe vorwärts, hieß es. Die farmatic-Aktie machte einen Teil ihrer Vorwochen-Verluste wieder wett, sie stieg um 39 Prozent auf 1,33 Euro.

Die Dortmunder Harpen AG hat für ein Holzheizkraftwerk den Preis "KlimaSchutzPartner des Jahres 2003" der Berliner Wirtschaft erhalten. Die Harpen-Aktie stürzte um elf Prozent auf 18,15 Euro ab.

Der Bonner Solarkonzern SolarWorld AG meldete die Inbetriebnahme einer Anlage zum Recycling von Solarzellen. Nach Angaben des Unternehmens sei dies die weltweit erste Anlage, die eine Wiederverwendung gebrauchter und fehlerhafter kristalliner Zellen und Module ermögliche. SolarWorld stiegen an der Frankfurter Börse bis auf 6,50 Euro; der Schlusskurs von 5,96 Euro bedeutet einen Wochengewinn von 27 Prozent.

Der Kölner Dienstleistungs- und Rohstoffkonzern Interseroh AG berichtete über die Ergebnisse des abgelaufenen Geschäftsjahrs. Der Umsatz stiegt auf 654,2 Millionen Euro, nach 369,5 Millionen im Vorjahr. 237,0 Millionen Euro des Umsatzzuwachses seien auf die erstmalige Konsolidierung der Stahlrecycling-Gruppe Interseroh-Hansa zurückzuführen, die Interseroh im vergangenen Jahr übernommen hatte. Der Konzernüberschuss betrage 11,3 Millionen Euro und liege wegen höherer Abschreibungen und einem ungünstigeren Finanzergebnis um 2,8 Millionen unter dem Vorjahresüberschuss. Im Ausblick hieß es, man strebe ein Ergebnis an, das über dem des Jahres 2002 liege. Vorstand und Aufsichtsrat schlugen der Hauptversammlung die Ausschüttung einer Dividende von 0,86 Euro vor. Die Aktie legte nach einem mehrwöchigen Anstieg noch einmal vier Prozent auf 12,83 Euro zu.

Der Entsorgungsspezialist a.i.s AG aus Mülheim an der Ruhr teilte mit, dass eine Tochtergesellschaft deren Sparte "Sonderabfall fest/flüssig" mit einem Jahresumsatz von cirka 0,7 Millionen Euro verkauft habe. Dies sei Teil der Strategie zur Ausrichtung auf ein produktorientiertes Dienstleistungsgeschäft, hieß es. Die a.i.s-Aktie stieg unter gewohnt niedrigen Börsenumsätzen um 28 Prozent oder fünf Cents auf 0,23 Euro.

Einen Wochengewinn von sechs Prozent auf 12,60 Euro verzeichnete die Aktie der Creaton AG. Der schwäbische Hersteller von Tondachziegeln hat für den 27. Juni seine Hauptversammlung einberufen, die über die Ausschüttung einer Dividende von 0,87 Euro je Vorzugsaktie beschließen soll. Presseberichten zufolge hat das Gericht eine Unterlassungsklage des Konkurrenten Lafarge Dachsystem GmbH abgewiesen. Creaton dürfe nun weiter damit werben, seine Produkte seien "schöner und langlebiger als vergleichbare Alternativen", hieß es.

Die Nürnberger UmweltBank AG hat die Emission ihres Genussscheins vorzeitig geschlossen. Das Wertpapier sei zwei Wochen vor dem Ende der Zeichnungsfrist komplett gezeichnet worden, teilte das Bankhaus mit. Die UmweltBank-Aktie wurde am Freitag abend mit 6,00 Euro notiert - drei Prozent schwächer als am Ende der Vorwoche.

Medienberichten zufolge soll Linus Torvalds, Erfinder des Betriebssystems Linux, seinen Dienst beim US-amerikanischen Chiphersteller Transmeta Corp. quittiert haben und zu Open Source Development Lab gewechselt sein. Transmeta stellt Prozessoren her, die sich durch sparsamen Energieverbrauch auszeichnen. Transmeta verloren an der Nasdaq 14 Prozent auf 1,50 Dollar.

Elf Prozent auf 19,38 Dollar gewann die Aktie der Horizon Organic Holding Corp. nach der Mitteilung, dass der Hersteller von Biomilchprodukten von Mai 2002 bis April 2003 200 Millionen Dollar umgesetzt habe - ein Rekordwert in der Firmengeschichte. Laut CEO Chuck Marcy zeige der Markt für sogenannte "organic products" keinerlei Anzeichen einer Sättigung.

Der Hersteller ökologisch verträglicher Bodenbeläge Interface Inc. berichtete über eine Verbesserung seiner Kreditlinien. Dem Kurs bescherte dies ein Plus von 13 Prozent auf 4,32 Dollar. Interface steht derzeit in einem Restrukturierungsprozess, der Kosten senken soll.

Einen Anstieg um vier Prozent auf 38,28 Dollar verzeichneten Stericycle Inc. Analysten von Merrill Lynch hatten die Aktie des US-amerikanischen Entsorgungsspezialisten wieder von "neutral" auf "kaufen" hochgestuft.

Weniger glücklich waren die Analysten der Stadtsparkasse Köln mit zwei ihrer neuen Empfehlungen. Für den Kölner Kondomhersteller condomi AG vergaben sie das Rating "underperformer", die Aktie des Lübecker Medizin- und Sicherheitstechnik-Konzerns Drägerwerk AG erhielt ein "marketperformer". Die Anleger ließen aber den condomi-Kurs um 23 Prozent auf 3,31 Euro steigen, während die Drägerwerk-Vorzugsaktien um drei Prozent auf 38,60 Euro fielen. Vorstandsvorsitzender Theo Dräger hatte auf der Hauptversammlung die Prognosen für das laufende Geschäftsjahr bekräftigt, jedoch auf Risiken hingewiesen, die eine Korrektur der Ziele erforderlich machen könnten.

Die Stammaktien des Bekleidungsherstellers Kunert AG sind in den zurückliegenden Wochen umsatzlos um über 70 Prozent gestiegen: Der letzte Handel wurde am 2. Mai in Frankfurt beobachtet, als 20 Aktien zu 7,28 Euro den Besitzer wechselten. Am vergangenen Freitag stand der Kurs in Frankfurt bei 12,50 Euro - ohne dass eine einzige Transaktion getätigt worden wäre. Zugleich wurden am Freitag an der Münchener Regionalbörse ganze vier Stück zum Preis von 7,65 Euro gehandelt. Der Kurs der Vorzugsaktien ist an ebendiesem Freitag in München um 17 Prozent auf 8,80 Euro gestiegen, während er in Frakfurt mit 6,30 Euro festgestellt wurde.

Ohne dass neue Nachrichten bekannt wurden, gewann die Aktie des Berliner Solarmodul-Herstellers Solon AG weitere 38 Prozent auf zum Schluss 3,23 Euro hinzu. Der Kurs des Konstanzer Solarzellen-Herstellers Sunways AG stieg um elf Prozent auf 1,75 Euro und glich damit seine Vorwochenverluste aus. Beim Bonner Kraftwerksbetreiber Windwelt AG war ein Kurssprung um 25 Prozent auf 2,10 Euro zu beobachten.

a.i.s AG (ISIN DE0006492903 / WKN 649290)
Creaton AG (ISIN DE0005483036 / WKN 548303)
condomi AG (ISIN DE0005444905 / WKN 544490)
Drägerwerk AG (ISIN DE0005550636 / WKN 555063)
Enel SpA (Ente Nazionale Energia Elettrica SpA, ISIN IT0003128367 / WKN 928624)
Energiekontor AG (ISIN DE0005313506 / WKN 531350)
farmatic biotech energy AG (ISIN DE0006051923 / WKN 605192)
Gamesa (Grupo Auxiliar Metalurgico SA, ISIN ES0143416016 / WKN 589858)
Harpen AG (ISIN DE0006034002 / WKN 603400)
Horizon Organic Holding Corp. (ISIN US44043T1034 / WKN 915302)
Interface Inc. (ISIN US4586651063 / WKN 868656)
Interseroh AG (ISIN DE0006209901 / WKN 620990)
Kunert AG Stammaktien ISIN DE0006341902 / WKN 634190
Kunert AG Vorzugsaktien ISIN DE0006341936 / WKN 634193
Nordex AG (ISIN DE0005873574 / WKN 587357)
SolarWorld AG (ISIN DE0005108401 / WKN 510840)
Solon AG (ISIN DE0007246308 / WKN 747119)
Stericycle Inc. (ISIN US8589121081 / WKN 902518)
Sunways AG (ISIN DE0007332207 / WKN 733220)
Transmeta Corp. (ISIN US89376R1095 / WKN 564775)
UmweltBank AG (ISIN DE0007233025 / WKN 723302)
UmweltBank Genussscheine (ISIN DE0007233025 / WKN 723302)
Union Fenosa (ISIN ES0181380017 / WKN 852742)
Vestas Wind Systems A.S. (ISIN DK0010268606 / WKN 913769)
WindWelt AG (ISIN DE0006352537 / WKN 635253)


Dieser Umweltaktien-Wochenrückblick erscheint mit freundlicher Unterstützung der UmweltBank.
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