24.10.07 Nachhaltige Aktien , Meldungen

24.10.2007: Aktien-News: Öffentlichkeitsscheuer Finanzmogul aus den USA investiert in ersol und andere deutsche Erneuerbare-Energie-Unternehmen – ECOreporter.de hat nachgeforscht

Die Nachricht wirkte unscheinbar und hat doch bereits für Spekulationen gesorgt. Gestern Nachmittag meldete die Erfurter ersol Solar Energy AG, David Gelbaum und seine Frau Monica Chavez Gelbaum aus den USA hätten ihr mitgeteilt, dass sie 3,11 Prozent der Stimmrechtsanteile an dem Unternehmen erworben haben. Gegenüber einer Nachrichtenagentur sah ein Aktienhändler durch diese Nachricht gleich Fantasien auf einen weiteren Ausbau Beteiligung durch die Quercus Trust geweckt, der Investmentgesellschaft der Gelbaums. Der Aktienkurs von ersol kletterte in Frankfurt auch gleich von unter 75 Euro auf aktuell 80,68 Euro. Dabei waren die Gelbaums als Treuhänder des Quercus Trust bereits zuvor in zwei andere deutsche Solarunternehmen in größerem Umfang eingestiegen. Im August war bekannt geworden, dass sie über einen Stimmrechtsanteil von 3,23 Prozent an der Berliner Solarmodulproduzentin Solon AG verfügen. Und vor einer Woche wurde mitgeteilt, dass sie 3,19 Prozent an der Phoenix Solar AG erworben haben, einem Anbieter von Photovoltaik-Anlagen aus dem bayrischen Sulzemoos. Bei den Aktien dieser Gesellschaften waren nach der Bekanntgabe keine großen Ausschläge zu verzeichnen gewesen. Wie Anka Leiner, Unternehmenssprecherin der seit knapp zwei Jahren börsennotierten Phoenix Solar gegenüber ECOreporter.de erklärte, gab es noch keinen direkten Kontakt zu den Gelbaums oder Quercus Trust.

In Deutschland sind diese Investoren insgesamt noch wenig bekannt. In den USA verhält sich das ganz anders. David Gelbaum gehört dort zu den Superreichen und hat insbesondere in Kalifornien durch Spenden im Umfang von mehreren Hundert Millionen Dollar für ökologische und soziale Projekte viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Dabei gilt der Multimilliardär als ausgesprochen öffentlichkeitsscheu, hat sich gegenüber der Presse so gut wie nie direkt geäußert und war auch von ECOreporter.de nicht zu erreichen. Auch zu seiner im kalifornischen Newport Beach ansässigen Investmentgesellschaft kam kein Kontakt zustande. Über US-Quellen war jedoch zu erfahren, dass David Gelbaum als Mathematikgenie gilt und über mehrere Jahrzehnte äußerst erfolgreich in der Hedgefonds-Branche aktiv war. Nach seinem Rückzug daraus hat der 58-jährige Vater von vier Kindern den Quercus Trust gegründet. Dieser trägt den lateinischen Namen für ‚Eiche’ und hat in den USA in etliche kleine und mittlere Unternehmen aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien investiert. Dazu zählen etwa Akeena Solar, Beacon Power , Emcore und Worldwater & Power. Auch Unternehmenssprecher Gene Hunt von Beacon Power berichtet von vergeblichen Versuchen, mit Gelbaum in Kontakt zu treten.

Über das genaue Vermögen des Milliardärs ist nichts bekannt. Dessen Großvater war ein Uhrmacher aus der Ukraine und vor dem 1. Weltkrieg in die USA eingewandert. Als Spender vor allem für Umweltschutzprojekte ist Gelbaum seit Mitte der 90er Jahre aktiv und hat dabei unter andrem in großem Stil Land erworben, um es als Naturreservate zu erhalten. Dabei ist auch sein Engagement als Philantroph nur grob zu schätzen, da er mit Vorliebe anonym Mittel zur Verfügung stellt. Als Motivation für sein Engagement verweist er auf Ausflüge in seiner Kindheit mit seinem Vater, einem renommierten Mathematiker, in Naturreservate wie den Yollowstone Park. Der L.A. Times ist es gelungen, über ihn eine ‚Homestory’ zu recherchieren, in der er als eher klein und schmächtig beschrieben wird, von der Erscheinung her leicht mit seinem Gärtner zu verwechseln. Er habe eine Vorliebe für Jeans und T-Shirts und spreche auffallend leise. Das Blatt zählt ihn zu den zehn einflussreichsten Bürgern Kaliforniens.

Seine Quercus Trust hat bis zum Sommer diesen Jahres ausschließlich in US-Werte investiert. Dabei stieg die Investmentgesellschaft zunächst in einige ausgesuchte Titel ein, anfangs mit Fokus auf Solartitel. Später wurde das Anlagespektrum erweitert, kaufte man sich insbesondere bei Herstellern von Biotreibstoffen ein. Bei einigen Unternehmen wie etwa der wurde das Investent auf über zehn Prozent hochgeschraubt. Sollte Quercus nach dem Einstieg in den deutschen Markt nach einem ähnlichen Muster vorgehen, so wäre in der Tat mit einem verstärkten Engagement von Gelbaum bei den genannten Solarfirmen zu rechnen. Und Aktien von deutschen Biotreibstoffwerten könnte er aktuell recht günstig erwerben. Das Einsteigen eines solch profilierten Investors aus Übersee dürften die Börsianer dann als Vertrauensbeweis für die Nachhaltigkeit und Wirtschaftskraft des Unternehmens bewerten.

Bildhinweis:
Solarprojekte von Phoenix Solar und WorldWater, an denen Gelbaum über Quercus Trust beteiligt ist. / Quelle: Unternehmen
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