24.11.03 Nachhaltige Aktien , Meldungen

24.11.2003: Wochenrückblick: Nach den Terroranschlägen: Weltbörsen unter Druck - Schwache Quartalszahlen für Windenergie-Unternehmen - Creaton wächst mit Gewinn

Die Woche stand im Zeichen sinkender Aktienindizes. Der DAX verlor vier Prozent, der TecDAX fünf Prozent. In Japan sank der Nikkei-225 um drei Prozent. Die US-amerikanischen Indizes Dow Jones Industrial Average und Nasdaq Combined Composite gaben ebenfalls nach.

Hintergrund für die fallenden Kurse könnten Terroranschläge in der türkischen Hauptstadt gewesen sein, in deren Folge die Börse in Istanbul den Handel einstellte. Presseberichten zufolge sollen Anschläge in weiteren Großstädten, darunter Tokio, angedroht worden sein. Es gibt jedoch auch volkswirtschaftliche Ursachen. Die USA beschränken zunehmend den Handel mit verschiedenen Regionen der Welt - eine Politik, die die US-Regierung bei anderen sonst kritisiert hat. Der Dollar notiert schwach zu anderen Währungen, gegenüber dem Euro hat er bereits ein Allzeittief erreicht. Auch diese Wechselkursveränderungen sind geeignet, die US-Wirtschaft zu unterstützen, da sie deren Exporte verbilligen. Offiziell wird jedoch immer noch von einer "Politik des starken Dollar" gesprochen. Gerüchten zufolge sollen Investoren, besonders solche aus Japan, mittlerweile das Vertrauen in die US-Währung verlieren und verstärkt in den Euro investieren. Volkswirte haben schon vor Monaten vor einer derartigen Entwicklung gewarnt; sie könnte dazu führen, dass die USA nicht mehr in der Lage sind, genügend ausländisches Kapital anzuziehen, um ihre wachsenden Defizite auszugleichen. Eine Katastrophe für die Weltwirtschaft könnte die Folge sein.

Der dänische Windturbinenhersteller NEG Micon A/S gab eine Vereinbarung mit dem dänischen Energieversorger Elsam bekannt, welche die Lieferung von Windturbinen im Volumen von etwa 1,1 Milliarden Dänischen Kronen (etwa 150 Millionen Euro) vorsieht. Die Turbinen seien für einen Offshore-Windpark vor der Küste der englischen Grafschaft Kent bestimmt. Dieses Projekt habe NEG Micon entwickelt und nun an Elsam abgegeben. Die Windkraftanlagen sollen in den Jahren 2004 und 2005 aufgestellt werden und dann pro Jahr rund 280 Gigawattstunden elektrische Energie produzieren, was dem Stromverbrauch von 67.000 Haushalten entspreche. Die Vereinbarung sei von Bedingungen abhängig, hieß es; diese wurden jedoch nicht näher erläutert. NEG Micon beschäftigt nach eigenen Angaben 480 Menschen in England, rund ein Drittel der Blätter aller NEG Micon-Turbinen würden auf der Isle of Wight hergestellt. Der zuvor stark gefallene Kurs konnte nun wieder sechs Prozent zulegen, NEG Micon notierten am Freitagabend bei 70 Kronen.

REpower Systems AG aus Hamburg legte den Quartalsbericht vor. In den ersten neun Monaten des Jahres erreichte der Windanlagenbauer einen Umsatz von 117,7 Millionen Euro, nach 137,4 Millionen im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die Gesamtleistung blieb mit 138,8 Millionen Euro etwa konstant. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) lag bei minus 3,7 Millionen Euro, im Vorjahr waren es plus 8,2 Millionen. Im dritten Quartal betrug das EBIT minus 1,0 Millionen Euro. Das Unternehmen begründete die roten Zahlen mit gesunkenen Lizenzeinnahmen (1,6 Millionen Euro weniger als vor einem Jahr) und Projektverzögerungen, vor allem aber mit Kostensteigerungen für die geplanten höheren Umsätze. Der Konzern beschäftigte am 30. September 499 Personen, die Personalkosten erreichten 4,5 Millionen Euro. Der Auftragsbestand habe deutlich auf 198 Turbinen im Gesamtwert von 293 Millionen Euro ausgebaut werden können, berichteten die Hamburger. 75 der bestellten Turbinen stehen allerdings bereits seit September 2002 in den Büchern, hier seien weitere Verzögerungen zu erwarten, hieß es. Am zuvor gesenkten Jahresziel halte man fest: 290 Millionen Euro Gesamtleistung und ein EBIT von 25 Millionen Euro sollen erreicht werden. Das entspreche einem Gewinn pro Aktie von 2,60 Euro, womit die Voraussetzung für die Zahlung einer Dividende gegeben sei. Fritz Vahrenholt, Vorstandsvorsitzender des Unternehmens, kritisierte die "verbalen Ausfälle von Wirtschaftsminister Wolfgang Clement gegen die Windenergie", die nicht unerheblich zu den Verzögerungen bei einzelnen Projekten beigetragen hätten. REpower-Aktien verloren sieben Prozent auf 18,10 Euro.

Wettbewerber Nordex AG meldete Veränderungen im Aufsichtsrat. Johannes Ringel habe seine Tätigkeit als Vorstandsvorsitzender der WestLB AG aufgenommen und aus diesem Grund das Kontrollgremium verlassen. Hans W. Fechner habe sein Amt als Aufsichtsratsvorsitzender niedergelegt, wolle aber im Aufsichtsrat bleiben, hieß es.

Umsatz und Gewinn der Energiekontor AG werden spürbar geringer ausfallen als im Jahr 2002. Im traditionell umsatz- und gewinnstarken vierten Quartal liefen die Geschäfte bisher verhaltener als in den Vorjahren, teilte der Windparkprojektierer in einer Zwischenbilanz des Jahresendgeschäftes mit. Auch das Bremer Unternehmen macht die "schädliche Diskussion" um die Novellierung des Erneuerbare Energien-Gesetzes (EEG) für die Schwierigkeiten im Fondsvertrieb verantwortlich. Die Gesellschaft erwarte aber, dass die zwischenzeitliche Einigung der Bundesminister Clement und Trittin noch für positive Impulse sorgen könne. Energiekontor stürzten zwölf Prozent auf 2,27 Euro ab.

Die Erfurter ErSol Solar Energy AG wird eigenen Angaben zufolge ihre Produktionskapazitäten bis Januar 2004 auf 25 Megawatt (peak) ausweiten. Umweltkontor Renewable Energy AG, die Muttergesellschaft der ErSol AG, teilte derweil weitere Einzelheiten zu dem geplanten Solarpark in der Stadt Meerane (Sachsen) mit. ErSol wird demzufolge cirka 7.300 Module mit einer Leistung von je 160 Watt liefern. Anfang Februar 2004 soll das Sonnenkraftwerk den Betrieb aufnehmen. Die Gesamtinvestitionssumme betrage 4,5 Millionen Euro. Wie viel davon an ErSol fließt, ging aus der Mitteilung nicht hervor. Umweltkontor steht derzeit im Mittelpunkt heftiger Angriffe in den Medien. Grund könnte ein offener Brief der Vorstände Heinrich Lohmann und Leo Noethlichs an Wirtschaftsminister Wolfgang Clement sein, in dem dessen Energiepolitik kritisiert wurde. ECOreporter.de vermutet dagegen hinter den Angriffen unzufriedene ehemalige Gesellschafter von Firmen, die Umweltkontor übernommen hat. Die Umweltkontor-Aktie verlor in der vergangenen Woche 15 Prozent auf 1,17 Euro.

Die Solon AG, Berliner Hersteller von Solarmodulen, berichtete für die ersten neun Monate 2003 Umsätze von 23,1 Millionen Euro, nach 11 Millionen im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Das EBIT hat sich auf minus 895.000 Euro verschlechtert. Die eigenen Ziele seien damit verfehlt worden. Als Gründe gibt der Vorstand anhaltenden Preisdruck, höhere Personalkosten als geplant sowie einen unerwartet hohen Betriebsaufwand an. Im vierten Quartal will das Unternehmen nun ein positives EBIT erreichen. Der Kurs sank um neun Prozent auf 2,55 Euro.

Der bayerische Tondachziegel-Hersteller Creaton AG meldete einen Umsatzanstieg um 20 Prozent auf 100,7 Millionen Euro für den zurückliegenden Neunmonatszeitraum. Besonders stark sei der Auslandsumsatz gewachsen, der jedoch nur 22 Prozent des Gesamtumsatzes ausmache, hieß es. Das EBIT des Konzerns wuchs den Angaben zufolge um acht Prozent auf 7,8 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr erwartet der Vorstand ein Umsatzplus von über 10 Prozent, das EBIT soll wie im Vorjahr bei 10 Millionen Euro liegen. Creaton wolle eine unveränderte Dividende von 0,87 Euro pro Vorzugsaktie ausschütten, sagte Finanzvorstand Karsten Schüssler. Die Aktie legte ein Prozent auf 13,70 Euro zu.

Für den Ausbau der Nord-Süd Stadtbahn in Köln haben zwei große Baukonzerne Aufträge erhalten. Die Hochtief Construction AG, eine Gesellschaft der Hochtief-Gruppe, wird für die Kölner Verkehrs-Betriebe AG das Teilstück vom Hauptbahnhof bis zum Kurt-Hackenberg-Platz errichten, dieses Projekt hat nach Unternehmensangaben ein Volumen von 94,5 Millionen Euro. Für 130 Millionen Euro wird die Bilfinger Berger AG die Verbindung zwischen dem Hauptbahnhof und den südlichen Stadteilen herstellen. Die neue U-Bahnlinie soll 2010 ihren Betrieb aufnehmen. Bilfinger Berger legte überdies Quartalszahlen vor, die deutliche Zuwächse in den operativen Kennzahlen aufwiesen.

Nach den schwachen Quartalszahlen aus der Vorwoche ist die Aktie der Berliner IVU Traffic Technologies AG um weitere 17 Prozent auf 1,20 Euro abgesunken. Auch die Mitteilung über einen Auftrag des Cottbuser Verkehrsbetriebs Cottbusverkehr GmbH im Wert von 0,7 Millionen Euro half dem Kurs des Telematik-Anbieters nicht.

Tomra Systems ASA, norwegischer Automatenhersteller, informierte auf einem Capital Markets Day ausführlich über das neue Geschäftsfeld "Tomra Recycling Solutions". Nach eigener Schätzung erfassen die Rücknahmeautomaten von Tomra weltweit bisher nur fünf Prozent aller Getränkeverpackungen. Bei bepfandeten Verpackungen liege der Marktanteil der Norweger zwar bei 35 Prozent, dies seien aber nur 15 Prozent aller Getränkeverpackungen. Im nicht bepfandeten Segment war Tomra bisher nicht vertreten. "Recycling Solutions" will nun sogenannte Rücknahmezentren (Recycling Centers) anbieten, welche die verschiedenen Systeme in den einzelnen Ländern ersetzen könnten. Als Beispiel nannte Tomra den "Grünen Punkt" in Deutschland, das britische Zertifikate-System und das japanische staatliche System. Diese Systeme seien entweder kostspielig oder brächten nicht die erwünschten Ergebnisse. Die Tomra-Automaten würden die unterschiedlichen Materialien automatisch erkennen, sortieren und bearbeiten (zum Beispiel komprimieren). Kostensenkungen für den Betreiber wären die Folge. Darüber hinaus würde die Kundenzufriedenheit steigen, und die sauber getrennten Materialien könnten wiederverwendet werden statt auf dem Müll zu landen, so Tomra. Das Unternehmen ging auch auf das Einwegpfand in Deutschland ein. Derzeit würden die Verpackungen in den Geschäften meist manuell zurückgenommen. Das, wie auch die sogenannten Insellösungen, sei teuer für die Handelsketten. In großen Geschäften würde sich ein Tomra-Automat, dessen Anschaffungskosten bei etwa 28.000 Euro lägen, nach zwölf bis 18 Monaten amortisieren. Je nachdem wie sich die Situation entwickle, könne Tomra im Jahr 2004 zwischen 1.000 und 10.000 Automaten nach Deutschland verkaufen. Für kleine Verkaufstellen wollen die Norweger einen Mini-Rücknahmeautomaten entwickeln, der weniger als 5.000 Euro kosten soll. Die Tomra-Aktie gab in Oslo neun Prozent auf 38,20 Norwegische Kronen ab.

Die österreichische Mayr-Melnhof Karton AG berichtete für den Neunmonats-Zeitraum Umsatzerlöse von 1.008 Millionen Euro, 7,2 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Das Vorsteuerergebnis ging um 2,5 Prozent auf 101,7 Millionen Euro zurück. Für das vierte Quartal erwartet der Karton- und Faltschachtelhersteller eine schwächere Auslastung aufgrund der anhaltenden Stagnation in Westeuropa. Mayr-Melnhof legten in Wien vier Prozent auf 87,39 Euro zu.

Die Quartalszahlen der kanadischen Trojan Technologies Inc. fielen wie angekündigt schwach aus. Der Hersteller von UV-Desinfektionssystemen für Wasser meldete Quartalsumsätze von 27,9 Millionen Dollar, 6,4 Prozent mehr als im Vergleichsquartal des Vorjahres. Der Nettoverlust beträgt laut Mitteilung minus 0,9 Millionen oder 0,04 Dollar pro Aktie. Im Vorjahr waren hier 1,7 Millionen Dollar Gewinn angefallen. CEO Marvin DeVries zeigte sich unzufrieden mit den Ergebnissen und wies auf die Einmaleffekte hin, die sich aus Garantieleistungen und unerwarteten Problemen ergeben hätten. Die Aktie gab in Toronto vier Prozent auf 7,55 Kanadische Dollar nach.

Die Kaffeerösterei Green Mountain Coffee Roasters Inc. aus den USA hat im abgeschlossenen Geschäftsjahr nach eigenen Angaben 15,5 Millionen Pfund Kaffee verkauft, davon 1,9 Millionen Pfund "Fair Trade" und Bio-Kaffee. Besonders erfreulich habe sich das Geschäft mit den Handelsketten Wild Oats Markets Inc. und Costco Wholesale Corp. entwickelt, hieß es. Die Umsätze kletterten um 16,7 Prozent auf 116,7 Millionen Dollar. Der Nettogewinn erhöhte sich um fünf Prozent auf 6,3 Millionen oder 0,86 Dollar pro Aktie. Für das kommende Jahr prognostizierte das Unternehmen wachsende Umsätze und einen Gewinn von 1,02 bis 1,09 Dollar pro Aktie. Green Mountain Coffee Roasters notierten leicht schwächer bei 23,49 Dollar.

Ohne dass zunächst Gründe bekannt wurden, verlor der Kurs der Nortorfer Biogas-Spezialistin farmatic biotech energy AG 28 Prozent auf 0,76 Euro. Verluste waren auch bei einigen US-amerikanischen Umweltaktien zu beobachten: Active Power Inc., FuelCell Energy Inc., Plug Power Inc. und Transmeta Corp. verloren jeweils im zweistelligen Prozentbereich. Einen Lichtblick bot der Kurs der Energy Conversion Devices Inc., der um zwölf Prozent auf 9,18 Dollar anstieg.

Bilfinger Berger AG (ISIN DE0005909006 / WKN 590900)
Creaton AG (ISIN DE0005483036 / WKN 548303)
Energiekontor AG (ISIN DE0005313506 / WKN 531350)
Energy Conversion Devices Inc. (ISIN US2926591098 / 858643)
Green Mountain Coffee Roasters Inc. (ISIN US3931221069 / WKN 887856)
IVU Traffic Technologies AG (ISIN DE0007448508 / WKN 744850)
Mayr-Melnhof Karton AG (ISIN AT0000938204 / WKN 890447)
NEG Micon A.S. (ISIN DK0010253681 / WKN 897922)
Nordex AG (ISIN DE0005873574 / WKN 587357)
Plug Power Inc. (ISIN US72919P1030 / WKN 928999)
REpower Systems AG (ISIN DE0006177033 / WKN 617703)
Solon AG (ISIN DE0007246308 / WKN 747119)
Tomra Systems ASA (ISIN NO0005668905 / WKN 872535)
Transmeta Corp. (ISIN US89376R1095 / WKN 564775)
Trojan Technologies Inc. (ISIN CA8969241071 / WKN 902023)
Umweltkontor Renewable Energy AG (ISIN DE0007608101 / WKN 760810)
Wild Oats Markets Inc. (ISIN US96808B1070 / WKN 903461)


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