24.01.03 Fonds / ETF

24.1.2003: Kann Gerling die Taue zur Rückversicherungssparte doch nicht kappen?

Nach vergeblichen Versuchen, die hoch defizitäre Sparte zu verkaufen, hatte der Gerling-Konzern zum Jahreswechsel die Gerling Globale Rückversicherung (GGR) an den Rückversicherungsmanager Achim Kann abgegeben (wir berichteten). Nach einem Bericht der Financial Times Deutschland bezweifeln Kunden der GGR wie der Axa Konzern und die Gothaer Versicherungen die Wirksamkeit der Transaktion. Sie fürchten um ihre lang laufenden Ansprüche in Millionenhöhe gegen den in Abwicklung befindlichen Rückversicherer. Daher lassen sie dem Blatt zufolge juristisch prüfen, ob die Haftung für die Schulden der GGR trotz des Übergangs an Kann fortbesteht. Gerling bestreitet Haftung.

Auch die deutsche Finanzaufsicht BAFin will den Eigentümerwechsel prüfen. "Wir machen eine Anteilseignerkontrolle", sagte eine Sprecherin. Man werde sowohl die Zuverlässigkeit des neuen Eigners als auch dessen finanzielle Möglichkeiten im Hinblick auf die übernommenen Risiken durchleuchten. Die BAFin will bis März entscheiden. Die Aufseher in den USA und in Großbritannien prüfen ebenfalls.

Dabei haben die Anteilseigner den Gerling-Konzern auf Drängen der mit 35,5 Prozent beteiligten Deutschen Bank zum Verkauf gestellt. Bisher liegt jedoch lediglich ein Angebot des HDI-Konzerns vor, das die Aktionäre als unzureichend zurückgewiesen haben. Voraussetzung für einen Verkauf ist in jedem Fall die Bereinigung des GGR- Problems. Vor allem um die Konzernbilanz vom Rückversicherer und damit 75 Prozent seiner 400 Millionen Schulden zu befreien, hatte Gerling die GGR dem im Ruhestand lebenden Achim Kann überlassen. Der Kaufpreis von mindestens 200 Millionen Euro wurde ihm sogar von der Gruppe gestundet. Erst wenn Kann bei der Abwicklung des sechstgrößten Rückversicherers der Welt einen entsprechenden Gewinn erzielt, wird er fällig. Sollte der Konzern aber in Zukunft weiter für den Not leidenden Rückversicherer haften müssen, wäre wohl der Verkauf des restlichen Konzerns und damit die Zukunft der gesamten Gerling-Gruppe in Frage gestellt.

Gerling gilt als nachhaltig agierendes Unternehmen und führt auch nachhaltige Kapitalanlageprodukte wie Gerling Select 21(WKN 984734). Mehrheitsaktionär Rolf Gerling ist einer der wesentlichen Akteure der deutschen Wirtschaft in Sachen Umweltschutz und Nachhaltigkeit.
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