02.04.04 Nachhaltige Aktien , Meldungen

2.4.2004: "Fast jedes Tun hat Risiken und Nebenwirkungen, die nicht nur den Handelnden selbst betreffen" - Klaus Kämpf, Nachhaltigkeitsanalyst der Bank Sarasin zu Corporate Social Responsibility

Corporate Social Responsibility ist ein häufig genutztes Schlagwort. Aber was bedeutet es eigentlich? ECOreporter.de hat bei Klaus Kämpf, Nachhaltigkeitsanalyst der Bank Sarasin, nachgefragt.

ECOreporter.de: Herr Kämpf, was versteht man unter Corporate Social Responsibility?

Klaus Kämpf: Corporate Social Responsibility, kurz CSR, bedeutet verantwortungsbewußtes unternehmerisches Handeln. Dies schließt neben sozialen Aspekten auch Umweltschutz ein. Das Konzept fußt auf der Einsicht, dass Unternehmen nicht ohne Rücksicht auf die Gesellschaft, in der sie wirtschaften, agieren können.


ECOreporter.de: Welche Kriterien muss ein Unternehmen erfüllen, um "sozial verantwortlich" zu sein?

Klaus Kämpf: Fast jedes Tun hat Risiken und Nebenwirkungen, die nicht nur den Handelnden selbst betreffen. Solche externen Effekte gilt es zu minimieren. Was diese Maxime im Einzelfall bedeutet hängt letztlich von der Geschäftstätigkeit des betreffenden Unternehmens ab. Es sollten die Belange aller Anspruchsgruppen berücksichtigt werden. Man sollte aber auch sehen: Es kann nicht Aufgabe der Unternehmen sein, die Gesellschaft im allgemeinen zu verbessern.


ECOreporter.de: Welche Unternehmen zeichnen sich in diesem Bereich besonders aus?

Klaus Kämpf: Um nur einige Beispiele zu nennen: Henkel zeichnet sich im Umweltschutz aus, Volkswagen praktiziert ein innovatives Arbeitszeitmodell zur Vermeidung von Entlassungen, British Telecom hat Sozialstandards für Callcenter festgelegt, die HypoVereinsbank prüft intensiv Umwelt- und Sozialrisiken bei Projektfinanzierungen in Schwellen- und Entwicklungsländern, die britische Drogeriekette Boots nutzt ihre Einkaufsmacht, um gute Arbeitsbedingungen bei den Lieferanten durchzusetzen.


ECOreporter.de: Einige Unternehmen, die als Vorreiter in Sachen Corporate Social Responsibility gelten, sind in die Kritik geraten. Warum?

Klaus Kämpf: Kürzlich hat die kirchennahe Organisation Christian Aid anhand von Fallbeispielen aufgezeigt, dass CSR-Aktivitäten einiger multinationaler Unternehmen nicht immer erfolgreich sind und Handlungen von Unternehmen in Widerspruch zu deren offiziellen CSR-Verlautbarungen stehen können. Daraus leitet Christian Aid die Notwendigkeit internationaler Regelungen ab, da freiwillige Aktionen ohnehin nur zur Kaschierung von Problemen und zur Vermeidung wirksamer Regulierung genutzt würden. Über die Recherchemethoden und Schlussfolgerungen von Christian Aid kann man geteilter Meinung sein. Internationale Mindeststandards und entsprechende Sanktionsmittel sind jedoch in vielen Bereichen sinnvoll, etwa bei Korruption. Mir erscheint es jedoch fraglich, ob beispielsweise die von Christian Aid aufgedeckten Missstände durch schärfere Vorschriften hätten vermieden werden können.


ECOreporter.de: Ist für viele Firmen CSR wirklich Teil der Firmenpolitik, oder gibt es auch Fälle, bei denen die CSR-Projekte nur als Feigenblatt dienen?

Klaus Kämpf: Es gibt eine Reihe von Unternehmen, die ihre Verantwortung erkannt haben und ernst gemeinte und zielführende Initiativen ergreifen. Eine zweite Kategorie von Unternehmen möchte gerne Gutes tun, engagiert sich aber auf Randschauplätzen. Dies deshalb, weil man die tatsächlich drängenden Probleme nicht angehen will, oder aber wegen unbedarfter Prioritätensetzung. Und schließlich gibt es sicherlich noch die Weißwäscher, die mittels CSR bewusst Probleme verschleiern wollen. Letzteres wird immer seltener, da der Erwartungsdruck der Kunden, der Aktionäre und der Öffentlichkeit an die Unternehmen steigen. Ferner sind Informationen zusehends leichter erhältlich, was die Transparenz erhöht. Unternehmen können sich langfristig nicht mit ein paar Spenden für wohltätige Zwecke und nett illustrierten Broschüren von ihrer Verantwortung freikaufen.


ECOreporter.de: Sollten Unternehmen ihre CSR-Tätigkeiten vermarkten? In welcher Form?

Klaus Kämpf: Wer sinnvolle Initiativen vorweisen kann, soll auch darüber berichten und damit glänzen. Ich wünsche mir Antworten auf die Frage, wo die unternehmens-spezifischen Knackpunkte im Hinblick auf Soziales und Umwelt liegen und wie das Unternehmen damit umgeht.

ECOreporter.de: Herr Kämpf, wir danken Ihnen für das Gespräch.
Bild: Klaus Kämpf, Nachhaltigkeitsanalyst der Bank Sarasin / Quelle: Unternehmen
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x