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24.3.2006: Klimasünder auf dem Weg der Läuterung? - Investoreninitiative untersucht Klimastrategien internationaler Konzerne

Ceres hieß die Göttin des alten Rom, die für das Gedeihen der Ernte zuständig war. Nach ihr hat sich die Initiative für Verantwortliches Wirtschaften (Coalition for Environmentally Responsible Economies, Ceres) benannt, die ihren Sitz in Boston hat. In ihr haben sich 80 große Investoren, Finanzberater und Analysten, die zusammen über 300 Milliarden Dollar Investitionskapital verwalten, mit Umweltorganisationen wie dem WWF zusammengeschlossen. Um die Ernte sprich die Rendite für die Anleger sorgt sie sich insbesondere angesichts der volkswirtschaftlichen Risiken, die mit dem Klimawandel einher gehen. Die Initiative nennt unter anderem Schadensrisiken, wie sie etwa die sich häufenden Hurrikane vor der US-Küste darstellen, die Plattformen und Raffinerien der Ölbranche zerstörten. Hinzu kommt zum Beispiel das Risiko von Wettbewerbsnachteilen, wenn Konkurrenten sich etwa bei den zukunftsträchtigen Erneuerbaren Energien besser aufstellen oder effizienter und damit kostengünstiger Energie verbrauchen.

In einer nun von Ceres vorgelegten Untersuchung wurden 100 internationale Konzerne aus den energieintensiven Branchen dahingehend verglichen, mit welchen Maßnahmen sie ihren Klimarisiken begegnen. Ferner wurde ermittelt, inwiefern sie wirtschaftliche Chancen nutzen, die sich aus dem Zwang zu klimaschonenderem Wirtschaften ergeben. Es handelt sich dabei um 76 US-Unternehmen und 24 ausländische Unternehmen, die in den Vereinigten Staaten präsent sind. Als Zielgruppe der Studie nennt die Initiative die Führungskräfte und Kontrollgremien von Unternehmen, Investoren und Analysten. Sie trägt den Titel "2006 Corporate Governance and Climate Change: Making the Connection", ist nur auf Englisch verfügbar und kann im Internet herunter geladen werden unter: CERES

In der Untersuchung schneidet BP am besten ab. Der Mineralölkonzern führt im Ranking der Studie nicht nur die Liste der Unternehmen aus dem Energiesektor an. Er erzielte mit 90 von 100 Punkten auch den höchsten Wert aller 100 Unternehmen. Die Punktzahl summiert sich aus etlichen und vielfältigen Faktoren. Zum Vergleich: ExxonMobil kommt lediglich auf 35 Punkte, Burlington auf ganze 13. BP zeichnet sich laut Ceres ebenso wie die ebenfalls weit oben rangierende Royal Dutch Shell durch ein umfassendes Engagement bei den Erneuerbaren Energien aus und durch verbindlich festgelegte Ziele zur Emissionsreduktion. Ebenfalls ein Top-Ranking erhielt der Chemieriese DuPont mit 85 Punkten. Er hat seit 1990 seine Treibhausgasemissionen um 72 Prozent reduziert, entwickelt klimaschonende Produkte und engagiert sich stark im Bereich der Biokraftstoffe.

Von allen zehn Branchen liegt laut der Studie der Chemie-Sektor mit einem durchschnittlichen Scoring von knapp 52 Punkten vorne. Hinter DuPont liegen hier mit leichtem Abstand auch die deutschen Unternehmen Bayer AG und BASF auf den vorderen Plätzen. Bei den Branchen nehmen die Energieerzeuger den zweiten Rang ein, hier punktet in der Ceres-Untersuchung die wirtschaftlich angeschlagene Calpine Corporation mit ihrer Energieerzeugung aus Erdwärme. Auch in der Automobilbranche hat der Studie zufolge ein Umdenken eingesetzt. Sie erreicht im Durchschnitt fast 50 Punkte. Toyota und Honda hängen mit ihren abgasarmen Fahrzeugen hier Konkurrenten wie BMW, Daimler und Volkswagen allerdings deutlich ab.

Weitere untersuchte Branchen sind die von General Electric angeführten Industrieausrüster, die Ernährungsindustrie, bei denen Unilever mit Abstand Primus ist, die Kohle- und die Holzindustrie sowie der Bergbau. Schlusslicht ist die Luftfahrt mit einem Durchschnitt von unter 17 Punkten. In der Metallbranche schneiden Alcoa und Alcan am besten ab. Laut Ceres gehen sie davon aus, dass die Aluminiumindustrie ab dem Jahr 2020 klimaneutral wirtschaften kann.

Bildhinweise:
Die Aluminiumbranche will bis 2020 klimaneutral produzieren / Quelle: Alcoa;
die Chemiebranche erzielt zunehmend Reduktionen beim Ausstoß von Treibhausgasen: Anlage der BASF / Quelle: Unternehmen
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