24.05.04 Nachhaltige Aktien , Meldungen

24.5.2004: Wochenrückblick: Es rollt wieder los: Erfolgreicher Börsengang des Fahrradherstellers MIFA, Indices ändern sich, Vestas Wind Systems erhöht Kapital - und das Ende des Öls ist absehbar

Die Aktienindizes an den deutschen und US-amerikanischen Börsen zeigten in der vergangenen Woche kaum Änderungen. Einzig der japanische Nikkei-225 erhöhte sich um zwei Prozent. Für den Euro wurden 1,198 US-Dollar gezahlt, ein Prozent mehr als am Ende der Vorwoche.

Die Preise für die verschiedenen Sorten Rohöl pendelten unter heftigen Schwankungen weiter um historische Höchstmarken. Die kurzfristige Schwankungsbreite der Ölpreise deutet auf spekulative Käufe und Verkäufe von Kontrakten hin, da schwer einzuschätzen ist, welche Entwicklung die Preise in den nächsten Monaten nehmen werden.

Das Wissenschaftsmagazin "National Geographic Magazine" beschäftigt sich in seiner aktuellen Ausgabe mit den Ölreserven der Erde. Unter dem Titel "the end of cheap oil" (Das Ende billigen Öls) prophezeit das Blatt ein erhebliches Ansteigen des Ölpreises in den nächsten Jahren. Die Weltproduktion werde im Jahr 2016 ihr Maximum überschritten haben, zitiert das Magazin einen Wissenschaftler. Doch auch wenn der Zeitpunkt umstritten sei, gebe es keinen Zweifel daran, dass das Zeitalter des Öls ablaufe. Eine andere Energiequelle sei unerschöpflich: Die Sonne werde in 50 Jahren vermutlich mehr Energie liefern als heute Öl und Kohle zusammen. Das Magazin ist eine Publikation der National Geographic Society mit Hauptsitz in Washington (USA).

Nach Einschätzung des Deutschen Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Verbands e.V. (DWV, vormals Deutscher Wasserstoff-Verband) werden Wasserstoff und Brennstoffzellen wichtige Elemente des künftigen Energiesystems sein. Der Verband diskutierte auf seiner Jahrestagung in Leipzig Auswirkungen einer Wasserstoff-Wirtschaft auf die Atmosphäre und das Klima. Arbeiten aus Wissenschaft und Wirtschaft, darunter der Linde AG, zum Aufbau einer Wasserstoff-Infrastruktur in Deutschland wurden vorgestellt.

Die S.A.G. Solarstrom AG aus Freiburg legte erstmals einen Quartalsbericht vor. Der Umsatz erreichte 3,1 Millionen Euro, der Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) ist mit 34.000 Euro erstmals in der Unternehmensgeschichte positiv. Das Segment mit dem höchsten Umsatz war der Bereich Projektentwicklung und Anlagenbau (1,3 Millionen Euro), dicht gefolgt von Handel und Franchise (1,2 Millionen). Letzterer lieferte mit 309.000 Euro auch den höchsten Beitrag zum EBIT. Mit der Stromproduktion aus Photovoltaik-Anlagen wurden 408.000 Euro umgesetzt und ein EBIT-Verlust von minus 262.000 Euro eingefahren. Nach Unternehmensangaben sind die schwachen Zahlen in diesem Segment jahreszeitlich bedingt. S.A.G. berichtet von starker Nachfrage nach Sonnenstrom-Technik, was zu Lieferzeiten von mehreren Monaten auf der Beschaffungsseite geführt habe. Im Privatkundengeschäft seien im ersten Quartal schon circa 90 Prozent der Bestellmengen eingegangen, die für das gesamte Jahr geplant waren. Insgesamt zeigte sich der Vorstand mit dem ersten Quartal zufrieden. Für das Gesamtjahr erwarte man weiterhin ein leichtes Minus, schwarze Zahlen sollen im kommenden Jahr geschrieben werden, sagte Finanzvorstand Benedikt Ortmann. Die S.A.G.-Aktie legte an der Frankfurter Börse 36 Prozent auf 3,38 Euro zu. Zeitweilig wurden 3,60 Euro für die Papiere gezahlt.

Die Deutsche Börse AG hat über Veränderungen in den Aktienindizes entschieden. In den SDAX für kleinere Unternehmen wird unter anderem die Centrotec AG aufsteigen, ein Hersteller von Energiespar- und Medizintechnik aus Marsberg. Im Index Nemax-50 wird SolarWorld AG neu aufgenommen, ein Technologiekonzern mit Sitz in Bonn. Absteigen wird die Nordex AG, Windturbinenhersteller aus Hamburg. Der Nemax-50 ist der Auswahlindex für die 50 größten Werte des früheren Neuen Marktes, er wird von der Deutschen Börse noch bis Ende 2004 berechnet. Sein Nachfolger ist der TecDAX, der aus nur 30 Werten besteht. Die Indexveränderungen werden zum 21. Juni wirksam. Der Vorstand der SolarWorld AG wertete die Indexaufnahme als Sprungbrett für den TecDAX. SolarWorld legten leicht auf 21,20 Euro zu, Centrotec gaben drei Prozent auf 12,90 Euro nach.

Solarstrom-Unternehmen konnten deutliche Kurszuwächse verzeichnen. So verteuerte sich die Aktie der Konstanzer Sunways AG um zwölf Prozent auf 2,90 Euro. Solon AG aus Berlin legten zehn Prozent auf 9,65 Euro zu. Der Kurs der US-amerikanischen Evergreen Solar Inc. kletterte um 13 Prozent auf 2,82 Dollar.

Die kanadische Automation Tooling Systems Inc. berichtete für das abgelaufene Geschäftsjahr Konzernumsätze von 665 Millionen Dollar, nach 581 Millionen im Vorjahr. Der Umsatz der unter "Photowatt" bekannten Solarsparte hat sich dabei auf 88,5 Millionen Dollar fast verdoppelt. Neben den Bereichen Automatisierungssysteme (Umsatz 467 Millionen) und Präzisionskomponenten (149 Millionen) ist das Solar-Segment jedoch immer noch das kleinste. Das operative Ergebnis des Solarbereichs beträgt plus 4,2 Millionen Dollar, nachdem im vergangenen Geschäftsjahr noch ein Verlust anfiel. Das konsolidierte Nettoergebnis des kanadischen Konzerns beträgt minus zwei Millionen Dollar, nach plus 3,5 Millionen im Vorjahr. Wechselkursveränderungen hätten das Nettoergebnis allein im vierten Quartal um 4,7 Millionen Dollar geschmälert, teilte das Unternehmen dazu mit. Die neue, unter dem Namen Spheral Solar(TM) Power ("SSP") angekündigte Fabrik soll den Angaben zufolge im Sommer die Produktion aufnehmen und eine Kapazität von jährlich 20 Megawatt erreichen. Automation Tooling stiegen in Toronto um vier Prozent auf 12,50 Kanadische Dollar.

Das Halbjahresergebnis des Mannheimer Energiedienstleisters MVV Energie AG weist eine Umsatzsteigerung um zehn Prozent auf 885 Millionen Euro aus. Das bereinigte operative EBIT erreichte mit 105 Millionen Euro den gleichen Wert wie im Vorjahreszeitraum. Ein Vergleich mit den Vorjahreszahlen ist aufgrund von Sondereffekten nur eingeschränkt möglich. Bei Einrechnung der Einmaleffekte lag das Halbjahres-EBIT bei 85 Millionen Euro. MVV erwartet für den Umsatz im Gesamtjahr keine wesentlichen Änderungen gegenüber dem Vorjahr. Beim EBIT (vor Restrukturierungsaufwendungen) wird ein Rückgang im einstelligen Prozentbereich erwartet. Gründe seien zunehmender Margendruck im Stromgeschäft sowie Preisnachlässe und gestiegene Brennstoffkosten im Entsorgungsgeschäft. Im Segment Erneuerbare Energien erwartet das Unternehmen erstmalig eine schwarze Null. MVV kündigte weitere Investitionen in Müllverbrennung und Biomasse-Kraftwerke an, auch will man sich an weiteren Stadtwerken beteiligen und das Energiedienstleistungs-Geschäft ausweiten. Die Aktie verlor sieben Prozent auf 14,06 Euro.

Die Dortmunder Harpen AG meldete Quartalsumsätze von 77,5 Millionen Euro (Vorjahr 76,5 Millionen) und ein EBIT von 18,7 Millionen Euro (19,8 Millionen). Der Betreiber dezentraler und regenerativer Kraftwerke hat seine Abschreibungsmethode umgestellt. Im Ausblick heißt es, man rechne mit einem Anstieg des Umsatzes und des EBIT. In Berlin soll ein Biomasse-Kraftwerk fertig gestellt werden, in Spanien sollen acht Windparks mit einer installierten Leistung von 177 MW in Betrieb gehen, wobei der Harpen-Anteil 76 MW beträgt. Harpen gaben zwei Prozent auf 18 Euro nach.

Die MIFA Mitteldeutsche Fahrradwerke AG haben den Börsengang erfolgreich abgeschlossen. Nach Unternehmensangaben war die Emission dreifach überzeichnet. 15 Prozent der Anteilsscheine seien an Privatanleger zugeteilt worden, der große Rest an institutionelle Anleger. Die zum Preis von 9,25 Euro ausgegebenen Aktien eröffneten in Frankfurt mit 9,30 Euro, im Xetra-Handel mit 9,40 Euro. Das waren bisher auch die Tiefstkurse. Am Freitag zum Börsenschluss notierten die Papiere bei 9,73 Euro.

Die UmweltBank AG hat ihre Genusscheinemission geschlossen. Die Papiere seien schon nach wenigen Tagen anderthalbfach überzeichnet gewesen, teilte das Nürnberger Bankhaus mit. Der Kurs der UmweltBank-Aktie kletterte um ein Prozent auf 7,00 Euro.

Umweltkontor Renewable Energy AG wechselt mit Wirkung zum 11. August 2004 vom Prime Standard in den General Standard der Deutschen Börse AG. Der hohe Aufwand für den Prime Standard sei in der gegenwärtigen Konsolidierungsphase der Gesellschaft nicht mehr zu vertreten, begründete Vorstand Heinrich Lohmann den Schritt. Durch den Wegfall der Pflicht zur Quartalsberichterstattung erhofft sich der Vorstand mehr Ruhe für den Abschluss von Verhandlungen, hieß es weiter. Lohmann kündigte erhebliche Belastungen des Konzernabschlusses des Jahres 2003 an. Diese seien durch Sonderbelastungen und Einmalaufwendungen bedingt. Sie sollen die Rückkehr in die Gewinnzone ermöglichen. Der Windparkprojektierer aus Erkelenz hat die Vorlage des Jahresberichts auf voraussichtlich Ende Juni verschoben. Umweltkontor, in der Vorwoche stark gesunken, stiegen um vier Cent auf 0,61 Euro.

Ein Kurssprung um 17 Prozent war bei der Energiekontor AG zu beobachten. Die Papiere des Windparkprojektierers aus Bremen wurden zum Schluss für 1,74 Euro gehandelt.

Der Hamburger Windturbinen-Hersteller Nordex AG meldete einen Auftrag aus Estland. Acht Großanlagen sollen dort noch im laufenden Jahr ans Netz gehen und einen Teil des regionalen Energiebedarfs decken, den zuvor ein nun stillgelegtes Atomkraftwerk erbracht hatte. Der prognostizierte Energieertrag des Windparks entspreche rund einem Prozent des landesweiten Stromverbrauchs. Der Park werde zum Teil über den Verkauf von Zertifikaten innerhalb des CO2-Emissionshandels finanziert, so das Unternehmen. Nordex notierten einen Cent höher bei 0,76 Euro.

Vestas Wind Systems A/S hat Aufträge für Windturbinen im Wert von 70 Millionen Euro aus Italien erhalten. Der Weltmarktführer aus Dänemark führt gegenwärtig eine Kapitalerhöhung im Zusammenhang mit der kürzlichen Übernahme der NEG Micon A/S durch. Rund 43,7 Millionen Aktien werden neu ausgegeben, wovon sich das Unternehmen einen Nettozufluss von 2,1 Milliarden Dänischen Kronen (282 Millionen Euro) erhofft. Aktionäre können Bezugsrechte ausüben und für je drei vorhandene Aktien eine neue zum Ausgabepreis von 50 Kronen beziehen. Der Handel mit den Bezugsrechten (Vestas Wind Systems T-ret, ISIN DK0010306208) ist seit dem 19. Mai bis zum 3. Juni möglich. Seit dem 19. Mai werden die Vestas-Altaktien ohne Bezugsrecht gehandelt. Die Ausübung der Rechte ist vom 25. Mai bis zum 8. Juni möglich. Die jungen Aktien Vestas Wind Systems nye mit der temporären ISIN DK0010306125 können ebenfalls gehandelt werden. Sie sind für das Jahr 2004 voll dividendenberechtigt. Vestas "Altaktien" notierten in Kopenhagen bei 79,5 Kronen, die "nye" Aktien bei 80 Kronen. Die Bezugsrechte wurden für 9,85 Kronen gehandelt. Addiert man den Preis des Bezugsrechts zu dem der Altaktie, ergibt sich ungefähr der Kurs der Vestas-Aktie "mit Bezugsrecht" aus der Vorwoche von 88 Kronen. Seit der vergangenen Woche werden die NEG Micon-Aktien nicht mehr an der Kopenhagener Börse gehandelt.

Um 16 Prozent auf 28,90 Norwegische Kronen kletterte der Kurs der Tomra Systems ASA. Der Automatenhersteller aus Norwegen hat laut Unternehmensmitteilung den Umweltpreis "Glassbjørnen 2003" (Glasbär 2003) in der Kategorie Unternehmen des Jahres erhalten. Die Entscheidung der Jury sei damit begründet worden, dass es Tomra verstanden habe, Herausforderungen des Umweltschutzes in Innovation und Geschäftserfolg umzumünzen. "Die indirekten Umweltvorteile aus dem Sammeln und Wiederverwenden von Getränkeverpackungen sind enorm. Ein Beispiel für Tomras Effektivität ist der Fakt, dass allein zwei Prozent der eingesammelten Verpackungen den gesamten CO2-Ausstoß von Tomra neutralisieren", heißt es in der Jury-Entscheidung.

Mayr-Melnhof Karton AG meldete vorläufige Quartalsumsätze von 367 Millionen Euro, 7,8 Prozent mehr als im ersten Quartal des Vorjahres. Der Periodenüberschuss des österreichischen Kartonherstellers ist um 17,6 Prozent auf 26,1 Millionen Euro angewachsen. Die Aktie verteuerte sich um fünf Prozent auf 102,48 Euro.

Western GeoPower Corp., ein kanadisches Geothermie-Unternehmen, meldete Quartalsverluste von 1,1 Millionen Dollar. Umsätze wurden bisher nicht generiert, in die Entwicklung eines geothermischen Projektes seien bisher insgesamt 2,9 Millionen Dollar investiert worden, hieß es. Die Aktie sank an der Venture-Börse in Toronto um sechs Prozent auf 1,64 Kanadische Dollar.

Transmeta Corp., Hersteller stromsparender Mikroprozessoren, kündigte den Rücktritt von Svend-Olav Carlsen an. Carlsen ist seit Juni 2002 Finanzvorstand des kalifornischen Unternehmens. Ein Nachfolger werde noch gesucht, hieß es. Die Transmeta-Aktie gab zwei Prozent auf 2,06 Dollar ab.



Automation Tooling Systems Inc. (ISIN CA0019401052 / WKN 897908)
Centrotec Hochleistungskunststoffe AG (ISIN DE0005407506 / WKN 540750)
Energiekontor AG (ISIN DE0005313506 / WKN 531350)
Evergreen Solar Inc. (ISIN US30033R1086 / WKN 578949)
Harpen AG (ISIN DE0006034002 / WKN 603400)
Linde AG (ISIN DE0006483001 / WKN 648300)
Mayr-Melnhof Karton AG (ISIN AT0000938204 / WKN 890447)
MIFA Mitteldeutsche Fahrradwerke AG (ISIN DE000A0B95Y8 / WKN A0B95Y)
MVV Energie AG (ISIN DE0007255903 / WKN 725590)
Nordex AG (ISIN DE0005873574 / WKN 587357)
S.A.G. Solarstrom AG (ISIN DE0007021008 / WKN 702100)
SolarWorld AG (ISIN DE0005108401 / WKN 510840)
Solon AG (ISIN DE0007246308 / WKN 747119)
Sunways AG (ISIN DE0007332207 / WKN 733220)
Tomra Systems ASA (ISIN NO0005668905 / WKN 872535)
Transmeta Corp. (ISIN US89376R1095 / WKN 564775)
UmweltBank AG (ISIN DE0007233025 / WKN 723302)
Umweltkontor Renewable Energy AG (ISIN DE0007608101 / WKN 760810)
Vestas Wind Systems A.S. (ISIN DK0010268606 / WKN 913769)
Vestas Wind Systems, nye (junge Aktien, temporäre ISIN DK0010306125)
Vestas Wind Systems, T-ret (Bezugsrechte, ISIN DK0010306208)
Western GeoPower Corp. (ISIN CA95827Q1037 / WKN 254049)

Dieser Umweltaktien-Wochenrückblick erscheint mit freundlicher Unterstützung der UmweltBank.


Bildnachweise: Solarstromanlage der SAG Solarstrom AG auf dem Dach des Wasserkraftwerks Grenzach Wyhlen; Fahrradmodell "Cruiser" aus der Produktion der Mitteldeutsche Fahrradwerke AG; Pfandrücknahmeautomat T-710 der Tomra Systems SA / Quelle: Unternehmen
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