24.05.06 Nachhaltige Aktien , Meldungen

24.5.2006: Maschinenbauer stehen bei der Nachhaltigkeit noch auf der Bremse - Studie ermittelt großen Nachholbedarf bei Umwelt- und Sozialstandards

Die Maschinenbaubranche hat die Nachhaltigkeit als renditetreibenden Faktor noch nicht für sich entdeckt. Das geht aus einer aktuellen Untersuchung der nach Marktkapitalisierung weltweit größten Maschinenbauunternehmen durch die Münchener oekom research AG hervor. 19 Maschinenbauer wurden von ihr in Bezug auf ökologische und soziale Aspekte untersucht. Dabei erreichten sie im Durchschnitt die Note C, die beiden besten Unternehmen kamen nicht über die Note B- hinaus.

"Der Schlüssel zu einer nachhaltigeren Maschinenbauindustrie liegt aufgrund der Langlebigkeit der Produkte in der stetigen Steigerung der Öko-Effizienz, besonders im Hinblick auf Energie-, Kraftstoff- und Materialverbrauch", erklärt Till Jung, branchenverantwortlicher Analyst bei oekom research. Hier legten die Maschinenbauer bislang auch den Schwerpunkt ihrer Nachhaltigkeitsaktivitäten. Allerdings reichten die Anstrengungen der Unternehmen zur Abgasreduktion nicht über die gesetzlichen Anforderungen hinaus. Dabei seien Motoren und insbesondere Dieselmotoren für die Mehrheit der untersuchten Unternehmen Teil des Kerngeschäfts, gibt der Experte zu bedenken. Bei den regenerativen Antriebssystemen konnte laut Jung keines der untersuchten Unternehmen mit überzeugenden Lösungen aufwarten.

Bei der Verminderung der Emissionen im Produktionsprozess zeigen die führenden Maschinenbauer laut der Studie von oekom research ebenfalls wenig Engagement. Wie diese weiter ermittelte, ist es bei den führenden Maschinenbauern um die soziale Nachhaltigkeit noch ärger bestellt als um die ökologische Nachhaltigkeit. Das gelte vor allem für den Umgang mit den Zulieferern, was mit Blick auf die zunehmende Auslagerung ganzer Produktionsabschnitte nach Osteuropa oder China immer bedeutender werde. Es mangle insbesondere an Arbeits- und Sicherheitsstandards. Die Maschinenbauer hätten hier noch einiges aufzuholen, um die Standards anderer Branchen zu erreichen. Ganze sieben der untersuchten Unternehmen ließen hier überhaupt einen Ansatz erkennen. Die schwedische Atlas Copco sei hier mit der Einführung einer 10-Punkte-Checkliste für Zulieferer am weitesten vorangeschritten.

Überhaupt sind es vor allem Maschinenbauer aus Schweden, die in der Untersuchung positiv auffallen: Nachhaltigkeitsführer Volvo hat dort seine Heimat, zumindest zum Teil der schwedisch-schweizerische ABB-Konzern auf Platz 2 des oekom-Rankings, ebenso die SKF, die in der Untersuchung bei Arbeitsschutz und Gleichberechtigung positiv hervorstach. Die deutsche MAN nimmt im Nachhaltigkeitsranking nur einen Platz im Mittelfeld ein. Analyst Till Jung zeigte sich überrascht, dass bei dem Münchener Unternehmen Nachhaltigkeit zum Beispiel beim Transportmanagement offenbar kein Thema ist. Für die Zukunft der Branche ist er insgesamt aber optimistisch. Derzeit hinke sie bei der Nachhaltigkeit zwar hinter anderen Branchen wie etwa Chemie oder Öl noch hinterher. Bei der konkreten Umsetzung von Nachhaltigkeitsstrategien sei man dort oft schon weiter. Doch erste Entwicklungen seien bei den Maschinenbauern inzwischen angestoßen worden. Firmen wie MAN hätten jetzt einen Code of Conduct eingeführt, mehrere Unternehmen warteten bereits mit Nachhaltigkeitsberichten auf.

"Insgesamt steht die Branche erst am Anfang, was die Integration von ökologischen und sozialen Aspekten in die Unternehmensführung betrifft", fasst Jung zusammen. Ein Grund dafür sei der geringe Druck durch die Endverbraucher, da sich die Unternehmen vor allem im Business-to-Business- Umfeld bewegen. "Ich gehe aber davon aus, dass die Branche zwar ein Spätzünder ist, aber ihren Rückstand in den nächsten Jahren aufholen wird", prognostiziert Jung.

Bilder: ABB: Roboterarm; MAN: Kondensations-Dampfturbine; ABB: Turbolader / Quelle: Unternehmen
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