24.05.06

24.5.2006: Meldung: Gelsenwasser AG: weiter auf Erfolgskurs

Auf der Hauptversammlung der Gelsenwasser AG setzte sich der Vorstandsvorsitzende Dr. Manfred Scholle heute mit dem Gesetzesrahmen für die Ver- und Entsorgungswirtschaft auseinander. Er bedauerte, dass die Einführung der Umsatzsteuer im öffentlich-rechtlich organisierten Abwasserbereich immer noch auf sich warten lasse. Offenbar finde der nationale Gesetzgeber keine Kraft, von sich aus Gleichbehandlung herzustellen und warte auf eine Initiative aus Brüssel, ein entsprechendes Urteil des Europäischen Gerichtshofes in Straßburg oder eines deutschen Finanzgerichts. Dr. Scholle: "Weiterhin werden privatwirtschaftliche Betriebe mit 16 Prozent Umsatzsteuer belastet, während die öffentlich-rechtlichen davon befreit sind. Die steuerliche Gleichbehandlung aller Marktteilnehmer im Sektor Abwasser wäre gerechter und auch klarer, denn viele kommunale Entscheider lassen sich ob dieser unübersichtlichen Lage mehr Zeit als nötig, auch die Abwasserbeseitigungsaufgaben wirtschaftlich interessanten Lösungen zuzuführen. Durch diese Blockade wird der Modernisierungsprozess massiv behindert, dringend notwendige Investitionen blockiert und die Entwicklung angemessener Unternehmensgrößen gehemmt. Dies ist vor allem auch aus Sicht des Kunden kein erbaulicher Zustand."

Abwassergeschäft zunehmend wichtig
Für Gelsenwasser gewinnt das Geschäftsfeld Abwasser weiter an Bedeutung. Mit Aktivitäten in insgesamt 27 Städten und Gemeinden im In- und Ausland, 127 Mio. Kubikmeter Abwasser, 52 Kläranlagen und 6.300 Kilometern Kanalnetz steht Gelsenwasser an der Spitze der privatwirtschaftlich organisierten Abwasserunternehmen.

Das erste komplette Geschäftsjahr der Beteiligungsgesellschaften in Dresden, Emmerich am Rhein und Gelsenkirchen verlief sehr zufrieden stellend. Mit 2,2 Mio. Euro lagen die Erträge aus diesen Beteiligungen sogar über den Erwartungen.

"Im Bereich Abwasser sehen wir gute Chancen, die erkennbaren Absatzrückgänge im Trinkwasser auszugleichen. Der Markt ist aufgrund seiner steuerlichen und rechtlichen, aber auch technischen und finanziellen Ausgangsbedingungen kompliziert, doch wir sind überzeugt, mit unserem Motto ‚So kommunal wie möglich, so privatwirtschaftlich wie nötig’ am Markt erfolgreich zu sein."

Keine Ausschreibungspflicht für Konzessionen
Dr. Scholle sprach sich außerdem klar gegen eine Ausschreibungspflicht für Konzessionen im Wasserbereich aus: "Ich halte nichts von einer Ausschreibungspflicht für die Wasserwirtschaft. Man muss davon ausgehen, dass der bürokratische Aufwand in keinem Verhältnis zu den angeblichen Vorteilen steht, die die EU-Kommission in Brüssel sich von einer solchen Regelung verspricht. Die deutsche Wasserwirtschaft ist dem Prinzip der lokalen Wirtschaft, dem Mittelstand, gefolgt und funktioniert in den gewachsenen Strukturen in hervorragender Art und Weise." Dr. Scholle begrüßt, dass Bundestag und EU-Parlament die Ausschreibung von Konzessionen ablehnen. Die Bundesregierung habe in einem Bericht an den deutschen Bundestag zur Modernisierung der deutschen Wasserwirtschaft wesentliche Forderungen festgehalten, die sich fast an die Praxis bei Gelsenwasser anlehnten. So wolle man handlungsfähigere größere Einheiten schaffen, die effizienter wirtschaften und den hohen Qualitätsansprüchen an das Produkt genügen würden. Zudem solle eine stärkere internationale Ausrichtung erreicht werden. Gelsenwasser beteilige sich längst an diesen Prozes-sen in der Branche und stehe mit einer breiten Angebotspalette von der Dienstleistung über die Kooperation bis hin zur Beteiligung an anderen Unternehmen zur Verfügung.

Gutes Ergebnis im Jahr 2005
Auf der Hauptversammlung präsentierte Gelsenwasser außerdem ein gutes Ergebnis für das zurückliegende Geschäftsjahr: Mit 113 Mio. Euro lag das Ergebnis vor Ertragsteuern um die Hälfte höher als in 2004. Dies beruht hauptsächlich auf einem Einmaleffekt einer aufgelösten Rückstellung, die auf den Kauf der Ostmecklenburgischen Gasversorgung Neubrandenburg (OMG) im Jahr 1991 zurückgeht. Bereinigt um die Einmaleffekte stieg das Ergebnis um 5,7 Mio. Euro aufgrund eines verbesserten Beteiligungs- und Finanzergebnisses sowie aufgrund von Einsparungen im Overhead der Verwaltung. Dazu Dr. Scholle: "Wir sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden, zumal wir in der Lage waren, durch andere Einkünfte die Absatzrückgänge vor allem beim Erdgas zu kompensieren."

Die Aktionäre erhalten entsprechend des Gewinnabführungsvertrags eine garantierte Ausgleichszahlung von 17,74 Euro je Aktie von der Wasser und Gas Westfalen GmbH, der Hauptaktionärin der Gelsenwasser AG.

Kerngeschäft Wasser und Erdgas stabil
Der Wasserabsatz des Gelsenwasser-Konzerns lag 2005 mit 233,1 Mio. Kubikmetern spürbar um 3,2 Prozent unter dem Vorjahr (minus 7,6 Mio. Kubikmeter gegenüber 2004). Diese Entwicklung geht hauptsächlich auf die Minderabnahme der Kundengruppe Kraftwerke mit 7,7 Mio. Kubikmeter zurück. Erstmals seit 1998 musste der Wasserpreis betriebsbedingt zum 1. Januar 2006 erhöht werden, da sich die gestiegenen Kosten für Energie und Personal bei rückläufiger Wasserabgabe nicht auf Dauer durch Einsparungen kompensieren lassen. Mit 1,5622 Euro pro 1.000 Liter Trinkwasser liegt Gelsenwasser gegenüber dem bundesweiten Durchschnitt von 1,84 Euro (lt. BGW) nach wie vor günstig.

Die Konzessionsverträge mit den Städten Datteln und Oer-Erkenschwick konnten bis Ende 2028, für ein Teilgebiet von Werl bis 2015 und in Wickede bis 2029 verlängert werden. Dies betrifft eine jährliche Wasserlieferung von 6,4 Mio. Kubikmetern für 92.500 Kunden. Darüber hinaus wurde die Zusammenarbeit mit den Stadtwerken Lünen bis 2034 und mit den Stadtwerken Werl bis 2015 verlängert. Außerdem ist der Wasserlieferungsvertrag mit den Stadtwerken Münster für eine Laufzeit von 16 Jahren unterzeichnet worden.

In Hünxe wurde nach einer internationalen Ausschreibung die Betriebsführung für die Wasserversorgung Hünxe für zehn Jahre übernommen. Ein Gelsenwasser-Unternehmen liefert dort jährlich rd. 860.000 Kubikmeter Trinkwasser.

Der Erdgasabsatz ist witterungs- und konjunkturbedingt gegenüber dem Vorjahr um 4,5 Prozent oder 224 Mio. Kilowattstunden auf 4.712 Mio. Kilowattstunden gesunken. Die Versorgungsdichte konnte weiter auf 59,7 Prozent (Bundeswert: 47,7 Prozent) erhöht und 2.500 Neukunden gewonnen werden. Das neu entwickelte Förderprogramm, das auch von der Energieagentur NRW unterstützt wird, hilft Neu- und Bestandskunden, wenn sie in effiziente Erdgasnutzung investieren.

Gasspeicher erhöhen Versorgungssicherheit
Im Gasbereich hat Gelsenwasser entsprechend der gesetzlich geforderten Trennung von Netz und Vertrieb die informationelle und organisatorische Trennung vollzogen, was lt. Dr. Scholle einen großen Aufwand bedeutet. Die Entwicklung an den Weltenergiemärkten erhöht den Preisdruck beim Erdgas weiter, außerdem zeichnen sich politische Unsicherheiten bezüglich der Mengen ab. Deshalb plant Gelsenwasser, in Erdgasspeicher zu investieren. Hierbei handelt es sich um eine Beteiligung von 16,5 Prozent an einem Speicher der Trianel GmbH mit einem Volumen von 128 Mio. Kubikmeter Erdgas in Gronau-Epe. Dieser soll 2008 fertig gestellt werden.

"2012 soll dann zusätzlich das Gelsenwasser-Projekt fertig sein, das ebenfalls ehemalige Salzkavernen in Epe nutzt und an dem die Stadtwerke aus Bochum, Dortmund und Essen beteiligt sind. "Wir planen ein Speichervolumen von ca. 200 Mio. Kubikmetern, das auch ausreicht, weitere kommunale Partner zu beliefern", erläuterte Dr. Scholle. Der Vorteil eines solchen Speichers liege in der zunehmenden Versorgungssicherheit, denn die Speichermenge entspreche der Hälfte der derzeitigen Jahresabgabe und würde ausreichen, um 100.000 Haushalte ein Jahr lang zu beliefern.

Zuverlässiger Partner für Kommunen
Seit zweieinhalb Jahren gehört die große Mehrheit der Gelsenwasser-Aktien der Wasser und Gas Westfalen GmbH, einem Tochterunternehmen der Stadtwerke Bochum und der Dortmunder Stadtwerke. Hieraus hat sich eine Partnerschaft entwickelt, die dem Unternehmen für Erhalt und Ausbau des Geschäfts großen Rückhalt gibt. Darüber hinaus hat sich die Zusammenarbeit der drei Unternehmen so intensiviert, dass erhebliche Einsparungen erzielt werden konnten. 2005 betrugen diese bereits fünf Millionen Euro, 2006 werden acht Millionen und 2008 15 Millionen Euro angestrebt.

Auch die Region profitiert vom Erfolg der Gelsenwasser AG. Die Wertschöpfung über die Gesellschaft, die öffentliche Hand, die Mitarbeiter und andere Unternehmen im Versorgungsgebiet betrug 2005 276,6 Mio. Euro.

Das Unternehmen steht angesichts des Bevölkerungsrückgangs und des Abbaus der Schwerindustrie in seinem Kernversorgungsgebiet jedoch weiter vor einer großen Herausforderung. Dr. Scholle: "Durch die geringeren Verbräuche sind Teile der Anlagen überdimensioniert. Die Zusammenlegung der Wassergewinnungen an der Ruhr war darum ein wesentlicher Schritt. Die Zusammenführung der Trinkwasserver- und Abwasserentsorgung wird in Zukunft eine weitere Bündelung der Kräfte bedeuten. Was Gelsenkirchen vollzogen hat und in Herne bevorsteht, wird auch ein praktizierbares Beispiel für weitere Kommunen - denn wir bieten Partnerschaft auf Augenhöhe mit individuellen Konzepten."

Gelsenkirchen, 24. Mai 2006

Der Geschäftsbericht 2005 steht zum Download zur Verfügung unter

http://www.gelsenwasser.de/de/unternehmen/generic/downloadcenter.php


Gelsenwasser AG
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Internet: www.gelsenwasser.de

Vorstand:
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Dr.-Ing. Bernhard Hörsgen

Pressestelle:
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