25.11.02

25.11.2002: ECOreporter.de-Wochenrückblick: General Electric kauft Jenbacher AG - Interesse der Anleger an Brennstoffzellen-Aktien wächst

(H.K.) Der Dow Jones Industrial Average Index stieg in der vergangenen Woche um drei Prozent, der Nasdaq Combined Composite Index legte vier Prozent zu. Deutscher Aktienindex und Neuer Markt zeigten Zuwachsraten von vier bis fünf Prozent; der MDAX verharrte auf seinem Vorwochenstand. In Japan hat sich der NIKKEI-225 mit einem Plus von zwei Prozent leicht erholt. Das Barrel Rohöl ist wieder um vier Prozent teurer geworden.

In der deutschen Energiewirtschaft setzen sich die Konzentrationsprozesse fort. Die Essener RWE AG baut ihre Kontrolle über Stadtwerke beständig weiter aus. In den kommenden Wochen wird über eine Beteiligung an den Stadtwerken Velbert entschieden, eines Versorgers mit 90.000 Kunden. Auf der anderen Seite verkaufen die Kommunen ihre Anteile an den Energieerzeugern. Die deutsche Energiepolitik ist Gegenstand der Kritik durch die EU-Kommission. EU-Energiekommissarin Loyola de Palacio fordert für alle Mitgliedsländer die rechtliche Trennung von Erzeugung und Transport, um die Preispolitik der Konzerne kontrollieren zu können. Dagegen setzt die Bundesregierung auf sogenannte freiwillige Verbändevereinbarungen.

Nach den guten Nachrichten für den Ausbau der Windenergie in verschiedenen Teilen der Welt sind die Kurse europäischer Hersteller von Windturbinen wieder im Aufwind. Vestas Wind Systems A.S. (WKN 913769) aus Dänemark, in den USA stark vertreten, kletterten um sechs Prozent auf 101,50 Dänische Kronen (13,67 Euro). NEG Micon A.S. (WKN 897922) legten sogar 14 Prozent auf 164 Kronen (22,09 Euro) zu. NEG Micon hat eine starke Position in Australien, ebenfalls ein Wachstumsmarkt für die Windindustrie. Seit drei Wochen steigt der Kurs der spanischen Gamesa SA (WKN 589858), er erreichte am Freitagabend an der Frankfurter Börse 19,80 Euro. Die Papiere der Hamburger REpower Systems AG (WKN 617703) verteuerten sich um 16 Prozent auf 26,73 Euro. Nordex AG (WKN 587357), Norderstedt, schlossen unverändert zur Vorwoche bei 3,30 Euro.

Energiekontor AG (WKN 531350), ein Projektierungsunternehmen für Windkraftwerke, legte Zahlen für die Neunmonats-Periode vor. Die Umsätze sind um zwei Prozent geringer als im Vorjahreszeitraum, der Gewinn ist auf 3,1 Millionen Euro zurückgegangen. In Deutschland seien vier Windparks errichtet worden, der Bau der Projekte im Ausland schreite planmäßig fort, hieß es. Die am Geregelten Markt notierte Aktie sank um zwei Prozent auf 2,38 Euro ab.

P&T Technology AG (WKN 685280) aus Hamburg hat die Veröffentlichung des Quartalsberichts auf den 27. Dezember verschoben. Dieser Schritt sei von der Deutschen Börse genehmigt worden, teilte das am Neuen Markt notierte Unternehmen mit. Als Grund gibt man externe Gründe an, die den Wertansatz für eine ausländische Tochtergesellschaft verhindern würden. P&T Technology hat Tochtergesellschaften in sieben Ländern. Die Anleger quittierten die Maßnahme mit einem Kursverlust von vier Prozent auf 0,91 Euro.

Für den heutigen Montag ist der Quartalsbericht der Plambeck Neue Energien AG (WKN 691032) aus Cuxhaven angekündigt. Analysten von Independent Research hatten empfohlen, die Aktie schon vorher zu kaufen. Sie verteuerte sich um zehn Prozent auf 8,32 Euro. Plambeck, nach eigenen Angaben auf der Suche nach einem Partner für künftiges Wachstum, hat dazu bisher nichts neues mitgeteilt. Hingegen wird das Konkurrenz-Unternehmen Winkra-Energie GmbH zum Jahresende von der Deutschen Essent GmbH übernommen werden. Essent ist ein Tochterunternehmen des niederländischen Energieversorgers Essent N.V.

Spire Corp. (WKN 870534) aus den USA konnte im dritten Quartal wieder ein leicht positives Ergebnis erreichen. Die Umsätze seien gestiegen, was vor allem auf die Belebung des Photovoltaik-Geschäfts zurückzuführen sei. Spire stellt Solarsysteme, Ausrüstungen für die Produktion von Solaranlagen und medizinische Geräte her. Der Kurs stieg um acht Prozent auf 2,76 Dollar.

Weltweit gibt es Bestrebungen, die Wirkungsgrade von Solarzellen zu verbessern. So will die spanische Isofoton ab Ende 2003 neuartige Zellen ausliefern, die bis zu 25 Prozent der Sonnenenergie ausnutzen könnten. Wissenschaftler des US-amerikanischen Berkeley-Laboratoriums wollen sogar Möglichkeiten entdeckt haben, den Wirkungsgrad auf über 50 Prozent zu steigern. Für solche Solarzellen würden allerdings die seltenen Metalle Indium und Gallium benötigt.

Umweltkontor Renewable Energy AG (WKN 760810) verzeichneten einen Kursanstieg um elf Prozent auf 2,72 Euro. Die Erkelenzer könnten von den Plänen der EU-Kommission profitieren, den Anteil von Biokraftstoffen gegenüber fossilen Kraftsoffen deutlich zu steigern. Umweltkontor ist unter anderem auf den Feldern Projektierung von Kraftwerken, Produktion von Biodiesel und Fertigung von Solarzellen tätig. Für den Dienstag ist der Quartalsbericht angekündigt.

Der Kraftwerkbetreiber unit energy europe AG (WKN 776010) teilte einen entscheidenden Baufortschritt seines italienischen Wasserkraftwerks mit. Der Vorstand hoffe nun, die Stromproduktion bald aufnehmen zu können. Die Aktie reagierte mit einem Sprung um 16 Prozent auf 0,44 Euro.

Der japanische Autohersteller Honda Motor Co Ltd kündigte für Dezember den Verkaufsbeginn Brennstoffzellen betriebener PKWs an. Honda versucht, mit günstigeren Finanzierungsbedingungen seinem Konkurrenten Toyota Motor Corp Konkurrenz zu machen. Die Aktien der Hersteller von Brennstoffzellen sind in der vergangenen Woche auf breiter Front gestiegen: Ballard Power Systems Inc. (WKN 890704, Kanada) plus 23 Prozent, FuelCell Energy Inc. (WKN 884382, USA) plus 13 Prozent, Plug Power Inc. (WKN 928999, USA) plus 13 Prozent, Stuart Energy Systems Corp. (WKN 579775, Kanada) plus vier Prozent. Stuart hat für das zweite Geschäftsquartal um 72 Prozent gesunkene Umsätze gemeldet, der Verlust hat sich auf 0,42 Dollar pro Aktie mehr als verdoppelt. Diese Ergebnisse würden im Rahmen des Business Plans liegen, hieß es aus Toronto.

Jenbacher AG (WKN 851442), Gasmotoren-Hersteller aus Österreich, wird voraussichtlich von der US-amerikanischen General Electric Co. (GE) übernommen. Zwischen GE und der Mehrheit der Jenbacher-Aktionäre bestehe bereits Übereinstimmung über den Kaufpreis; der Kaufvertrag unterliege allerdings noch der behördlichen Genehmigung, teilte Jenbacher mit. GE hat nun bis zum 22. Januar 2003 Zeit, den Minderheitsaktionären ein öffentliches Übernahmeangebot zu unterbreiten. Laut Vertrag soll GE für die Aktien im Streubesitz je 17,43 Euro zahlen. Nach österreichischem Recht kann dieser Preis um 15 Prozent niedriger liegen als das Angebot an die Hauptaktionäre. Das "Wirtschaftsblatt" wollte denn auch herausgefunden haben, dass der ehemalige Vorstand Herbert Liaunig für seinen 15-prozentigen Anteil 20,50 Euro pro Aktie erhält. Die gleiche Zeitung berichtete auch über Widerstand von institutionellen Anlegern gegen den geringen Abfindungspreis von 17,43 Euro. Der Jenbacher-Kurs sprang von 14,60 Euro auf 17,12 Euro am Freitag abend - ein Zuwachs um 17 Prozent. GE ist mit einem Jahrsumsatz von 130 Milliarden Euro einer der größten Konzerne der Welt. In seinem aktuellen Quartalsbericht hatte GE kräftige Gewinnsteigerungen für das nächste Jahr angekündigt; bei den Gasturbinen zur Stromerzeugung erwarte man allerdings rückläufige Gewinne.

Capstone Turbine Corp. (WKN 615344), Hersteller von Mikroturbinen für dezentrale Stromerzeugung, meldete Veränderungen im Vorstand. Der Kurs hat sich aus dem Pennystockbereich herausgearbeitet und notierte zum Schluss bei 1,05 Dollar.

Der Wasserkonzern Vivendi Environnement SA (WKN 501451) bleibt in französischer Hand. Die von der ehemaligen Muttergesellschaft Vivendi Universal verkauften Anteilsscheine seien an französische Banken, Finanzdienstleister und an den Stromversorger Electricité de France (EdF) gegangen, berichteten Pariser Zeitungen. Der EdF-Deal gehe auch auf einen Vorschlag der Regierung zurück, was bei der Gewerkschaft einige Verwunderung ausgelöst habe, denn die Regierung wolle EdF privatisieren. Vivendi Environnement teilte weiterhin mit, dass ihre US-Tochter United States Filter Corp. das Wasserröhrengeschäft für 620 Millionen Dollar an eine amerikanische Kapitalgesellschaft verkauft habe. Der Kurs der Vivendi Environnement stieg in Paris um 13 Prozent auf 25 Euro.

Trojan Technologies Inc. (WKN 902023), Kanada, hat die UV-Sparte der Düker AG & Co. aus Laufach erworben. Trojan, nach eigenen Angaben Weltmarktführer für die Abwasserdesinfektion mit UV-Licht, will damit seine Position in Europas Trinkwasseraufbereitung stärken. Dies sei bereits die zweite Akquisition in Deutschland. Weiter berichtete Trojan über Aufträge aus Großbritannien im Wert von 2,9 Millionen Kanadischen Dollar (1,8 Millionen Euro). Trojan-Aktien stiegen in Toronto um zwei Prozent auf 9,69 Kanadische Dollar (6,16 Euro). Die Papiere der Düsseldorfer Konkurrentin Wedeco AG (WKN 514180) hielten sich nahezu konstant bei 13,05 Euro.

Die Kölner Interseroh AG (WKN 620990), ein Entsorgungs- und Rohstoffkonzern, berichtete über zufriedenstellende Umsätze und Gewinne im dritten Quartal. Die Konzernzahlen sind mit dem Vorjahreszeitraum nicht vergleichbar, weil Interseroh zwischenzeitlich größere Übernahmen getätigt hat. Das vierte Quartal werde allerdings schwach ausfallen, sagte der Vorstand. Interseroh stiegen um fünf Prozent auf 9,15 Euro.

IVU Traffic Technologies AG (WKN 744850), ein Verkehrstelematik-Anbieter aus Berlin, meldete Aufträge aus Deutschland und Italien im Wert von 1,2 Millionen Euro. Anleger honorierten die verbesserten Aussichten auf schwarze Zahlen mit einem Aufschlag von zehn Prozent auf 0,90 Euro für die Aktie.

Der österreichische Verpackungshersteller Mayr-Melnhof Karton AG (WKN 890447) konnte für das dritte Quartal gestiegene Umsätze und Vorsteuergewinne berichten. Für das Gesamtjahr äußerte sich der Vorstand vorsichtig optimistisch, langfristige Prognosen seien gegenwärtig jedoch nicht möglich. Analysten der österreichischen Ersten Bank nannten die Zahlen "sehr gut" und bekräftigten ihre Empfehlung, die Aktien zu kaufen. Der Kurs legte in Wien fünf Prozent auf 73,36 Euro zu.

Transmeta Corp. (WKN 564775) meldete erneut eine Kooperation für den Einsatz seiner energiesparenden Crusoe-Prozessoren. Diesmal gab es einen deutlichen Kursanstieg um 32 Prozent auf zum Schluss 1,48 Dollar.

Abschläge hatte die am Neuen Markt notierte Aktie der Adcon Telemetry AG (WKN 922220) zu verzeichnen. Die Österreicher gaben die Bedingungen für die Zeichnung einer Wandelschuldanleihe (Tranche B) bekannt. Adcon gaben acht Prozent auf 1,56 Euro ab.

Whole Foods Market Inc. (WKN 886391), eine US-amerikanische Einzelhandelskette für Öko-Lebensmittel, berichtete für das Geschäftsjahr über kräftig angestiegene Umsätze, was vor allem auf die ausgeweitete Verkaufsfläche zurückzuführen sei. Auch das Ergebnis pro Aktie ist gestiegen, es verbesserte sich um 24 Prozent auf 0,36 Dollar. CEO John Mackey wies darauf hin, dass man nun bereits zwölf Quartale hintereinander um jeweils mehr als 20 Prozent gewachsen sei, und dies angesichts der schwächsten US-Wirtschaft seit über 10 Jahren. Für das aktuelle Geschäftsjahr 2003 peile man ein Umsatzwachstum von 15 bis 20 Prozent an, so Mackey. Die Aktie verteuerte sich um elf Prozent auf 52,48 Dollar.

Die Aktionäre der beiden Unternehmen B.U.S Berzelius Umwelt-Service AG (WKN 528570, 528573) und Nordag Immobilien AG (WKN 554600) haben der Verschmelzung der B.U.S auf die Nordag zugestimmt. Als möglicherweise letzte Ad-Hoc vor der Einstellung der Börsennotierung meldete B.U.S eine Personalie: Neuer Vorstand ist Magnus Swaczyna.

Ohne dass neue Nachrichten bekannt geworden wären, stiegen die Kurse der Centrotec Hochleistungskunststoffe AG (WKN 540750) um elf Prozent. Tomra Systems ASA (WKN 872535) legten in Oslo zwölf Prozent auf 57 Norwegische Kronen (7,81 Euro) zu, allerdings unter vergleichsweise geringen Umsätzen. Bei den Baustoff-Aktien stiegen Sto AG (WKN 727413) um acht Prozent, während Creaton AG (WKN 548303) einen Rückgang um sieben Prozent hinnehmen mussten. Die Liste der Wochenverlierer ist lang. Mehr als 20 Prozent verloren Solar-Fabrik AG (WKN 661471) und B.A.U.M. AG (WKN 508310). WindWelt AG (WKN 635253) brachen um 40 Prozent auf 1,39 Euro ein.

Dieser Umweltaktien-Wochenrückblick erscheint mit freundlicher Unterstützung der UmweltBank.
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x