25.04.06 Finanzdienstleister

25.4.2006: So kommt Nachhaltigkeit in eine Deutsche Bank-Filiale: Bio-Fleisch des Pioniers Schweisfurth in der "Galerie der Wünsche"

Biobrot gibt es im Bioladen - und in der Bank. Genauer: in einer Deutschen-Bank-Filiale in Berlin, in einer "Galerie der Wünsche". Was sich anhört wie die Torinschrift zur Feenwelt, hat ganz profane Wurzeln. In märchenhaftem PR-Ton lockt die Deutsche Bank nämlich Kunden in ihre Filiale in der Friedrichsstraße in Berlin. Diese trägt den Namen "Q110" nach der alten Berliner Aufteilung in Quartiere. Sie gilt als Zukunftsfiliale des Bankhauses. Auf knapp 1300 Quadratmetern will sie die Zukunft der Bankgeschäfte darstellen. Die Deutsche Bank verspricht, in dieser Kombination aus Bankfiliale und Erlebniscenter nacheinander die "Wünsche der Deutschen" zu präsentieren - und teilweise auch zu befriedigen.

"Wir haben das Meinungsforschungs-Institut Emnid beauftragt, herauszufinden, was den Deutschen wichtig ist", erläutert Marketingfachfrau Sylke Hünninghausen. 2050 Menschen seien für die repräsentative Umfrage befragt worden. "Die einzelnen Schwerpunkte werden dann in zweimonatigen Präsentationen in der Filiale umgesetzt."

Zurzeit hat sich die Galerie der Wünsche in einen Bio-Supermarkt der Kette Basics verwandelt. Denn laut Emnid-Umfrage ist es einem Großteil der Deutschen wichtig, bewusster zu leben. Doch nur vier Prozent wollen sich dafür gesünder ernähren. Im Bereich der Bio-Ernährung gibt es daher viel aufzuholen. Auf 150 Quadratmetern präsentiert Basic-Chef Georg Schweisfurth einen Teil seiner Produktpalette. Die Präsentation hat Werbecharakter, denn bald will er in Berlin zwei neue Supermärkte eröffnen. Vierzehn existieren bundesweit schon.

Schweisfurth kommt aus der "Herta-Familie". Sein Vater, Karl Ludwig Schweisfurth, gründete den größten deutschen Wurstkonzern Herta und machte mit der Massenschlachtung von Rindern und Schweinen ein Vermögen. 1984 kam die Wende: "Ich habe einfach angefangen, nachzudenken", erklärt er gegenüber ECOreporter.de. "Das, was in der vollautomatisierten Schweinezucht hergestellt wird, sind keine Lebensmittel mehr." Heute betreibt er in den Hermannsdorfer Landwerkstätten in Niederbayern einen Biofleisch-Betrieb.

Dabei lässt er sich treiben von einer "poetischen" Definition von Nachhaltigkeit. "Wenn ich die Welt ein bisschen schöner verlasse, als sie es bei meiner Ankunft war, dann habe ich nachhaltig gewirkt", sagt er. Wesentlich dafür sei der "achtsame" Umgang mit allem, was ihn umgebe, dem Boden, den Menschen, den Tieren. Als er in den 60-er Jahren die industrielle Fleischproduktion in den Schlachthöfen in Chicago bewunderte und später nach Deutschland brachte, war seine Motivation noch eine andere. "Ich war fünfzehn, als der Krieg ausging. Da war man getrieben davon, endlich wieder satt zu werden, endlich wieder Fleisch essen zu können." Heute sieht er in der übermäßigen Nahrung in den Industrieländern einen Quell der Krankheit.

Und die Massenproduktion im Fleischbetrieb wird seiner Meinung nach keinen Bestand haben: "Wenn Sie sehen, wie viel Energie solche Betriebe mit ihrer Technik und Automation verbrauchen und dann bedenken, wie teuer Energie heute ist, wird klar, dass sie ein Auslaufmodell sind." Auch die finanzielle Grundlage sei in Biobetrieben wesentlich besser. "Wir zahlen den Bauern für ihre Tiere und Pflanzen faire Preise, die Mehrkosten geben wir an die Verbraucher weiter. Und die akzeptieren das." Mit jeder von Menschen gemachten Katastrophe, wie dem Verkauf von Gammelfleisch, steige die Bereitschaft der Bevölkerung, wieder in bessere Lebensmittel zu investieren. Schweisfurths Sohn Georg führt mit der Bio-Supermarktkette die Ideologie des Vaters fort.

Die Deutsche-Bank-Filiale "Q110" wurde erst im vergangenen September eröffnet und erfreut sich nach Konzernangaben größter Beliebtheit: "Die Kunden sind begeistert von dem, was sie hier machen können und von den Öffnungszeiten", sagt Hünninghausen. Denn von zehn bis 22 Uhr können die Kunden nicht nur Bankgeschäfte abschließen, sondern auch Kaffee trinken, eine Kleinigkeit essen, im "Trendshop" Geld ausgeben, Kinder beschäftigen und zur Zeit eben Einblicke in die Biowarenwelt erhalten. "Manche Kunden kommen, weil sie sowieso schon Kunden bei uns sind, andere werden von unserer Werbung angezogen. Auf jeden Fall haben wir schon viele Neukunden über das neue Konzept gewonnen", erklärt die PR-Frau.

Auch bei künftigen Filial-Erneuerungen sollen Teile des Erlebnis-Konzepts in den Bankalltag übernommen werden.

Bildhinweis: Der Bio-Lebensmittelmarkt in der "Galerie der Wünsche" der Bankfiliale / Quelle: Deutsche Bank
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