25.05.07

25.5.2007: Biokraftstoffe und Gentechnik – Wie geht der Biokraftstoffhersteller Verbio AG mit dem Thema um? ECOreporter.de-Interview mit Firmensprecherin Alexandra Mühr

Biokraftstoffe und Gentechnik – geht das zusammen? Anlass zu der Frage bietet der Biokraftstoffhersteller Verbio Vereinigte BioEnergie AG. Ende 2006 übernahm eine Holding der Familie von Firmenchef Claus Sauter, die Märka Kraftfutter GmbH, Eberswalde. Märka arbeitete in der Vergangenheit mit dem Chemiekonzern Monsanto beim Anbau von gentechnisch verändertem Mais zusammen. Wie stellt sich Verbio zum Thema Gentechnik? Setzt das Unternehmen mit Sitz in Zörbig gentechnisch veränderte Rohstoffe ein? Und wird die Märka sich weiter in diesem Bereich engagieren? ECOreporter.de sprach darüber mit Alexandra Mühr, Firmensprecherin der Verbio AG.


ECOreporter.de: Frau Mühr, in welchem Verhältnis stehen die beiden Unternehmen Verbio AG und Märka zueinander?
Mühr: Die Unternehmen stehen in keinem rechtlichen Verhältnis oder sonstigen Beteiligungsverhältnis untereinander. Die Sauter Verpachtungsgesellschaft mbH ist mit 94 Prozent an der Märka beteiligt, Frau Daniela Sauter mit 6 Prozent. Geschäftsführender Gesellschafter der Sauter Verpachtungsgesellschaft mbH ist Bernd Sauter, der Bruder von Claus Sauter. Claus Sauter besitzt 25 Prozent der Anteile an der Verpachtungsgesellschaft.


ECOreporter.de: Erbringt die Märka Dienstleistungen für die Verbio und/oder umgekehrt?
Mühr: Es wird im Moment geprüft ob die Verbio mit der Märka Verträge über folgende Dienstleistungen abschließt: Einbringung, Lagerung und Transport von Ölsaaten und Getreide. Möglicherweise wird die Märka im Auftrag der Verbio auch so genannte „Energy Crop“ Verträge mit Landwirte abschließen. Dabei geht es um den Anbau von Energiepflanzen, den die Europäische Union derzeit noch 45 Euro je Hektar subventioniert. Darüber wird aber derzeit noch gesprochen.

Die Verbio hat mit ihrer Schweizer Tochtergesellschaft SBE eine Gesellschaft, die sich um den Rohstoffeinkauf und Produktverkauf kümmert. Die Verbio erbringt keine Leistungen für die Märka.

ECOreporter.de: Wir die Märka ihre Aktivitäten im Bereich gentechnisch veränderter Nutzpflanzen weiter betreiben?
Mühr: Nein, die Märka betreibt dieses Thema in keiner Weise weiter. Das haben Bernd und Claus Sauter übereinstimmend bestätigt.
Im Vorfeld der Übernahme durch die Sauter Verpachtungsgesellschaft war die Märka wirtschaftlich nicht erfolgreich. Nun soll es eine Neuausrichtung auf die Kernaktivitäten geben: die Lagerung und den Handel mit Getreide und Ölsaat.

ECOreporter.de: Setzt die Verbio AG gentechnisch veränderte Pflanzen - zum Beispiel Mais -in ihrer Produktion von Biokraftstoffen ein?
Mühr: In der Ethanolerzeugung setzen wir keinerlei gentechnisch veränderte Rohstoffe ein. Beim Biodiesel ist die Situation kompliziert: Die Verbio AG stellt normgerechten Biodiesel her, wir beliefern große Abnehmer in der Mineralölindustrie. Um günstiger zu produzieren mischen wir Rapsöl mit billigeren Rohstoffen. Wie das Mischungsverhältnis aussieht, richtet sich auch nach den Kundenspezifikationen, in jedem Fall müssen wir die EU-Norm für Dieselkraftstoff erreichen. Eine Möglichkeit ist der Einsatz von Sojaöl. Wir können und haben beim Biodiesel bis zu 25 Prozent Sojaöl beigemischt. Im gesamten Rohstoffeinkauf machte Soja zirka zehn Prozent aus.

Das Problem ist, dass es nur ganz geringe Mengen an gentechnikfreiem Sojaöl auf dem Markt gibt. Dieses Öl geht ausschließlich in die Nahrungsmittelindustrie. Das ist ein vollkommen anderer Vertriebsweg, wir konnten das Öl nicht kaufen. Zudem ist es wesentlich teurer. Wir haben Öl aus dem Bereich Futtersoja vom inländischen Markt verwendet. Dafür bekommen wir aber keine Zertifikate, die bestätigen, dass kein gentechnisch verändertes Saatgut verwendet wurde.

Die Verbio stellt normgerechten Diesel aber auch vollständig aus Rapsöl her. Das ist garantiert gentechnikfrei. Es werden dann Fettsäuren beigemischt, die als Nebenprodukt bei der Biodieselproduktion anfallen. Wir mischen bis zu fünf Prozent Fettsäuren bei; den Anteil können wir auf bis zu zehn Prozent steigern.

Die Produktion von Biodiesel mit und ohne Beimischung von Soja lief bei uns in der Vergangenheit zwar parallel, aber vollständig getrennt. Vermischt wurden die beiden Chargen erst bei der Auslieferung an den Kraftstoffkunden. Das ist uns sehr wichtig, denn ein wichtiges Nebenprodukt bei der Erzeugung von Biodiesel ist Rohglycerin. Das wird ausschließlich in der Produktionslinie gewonnen, die ohne Soja arbeitet. Etwa zehn Prozent des Rapsöls werden als Glycerin frei. In unserer Produktion veredeln wir das Rohglycerin zu Pharmaglycerin. Dafür müssen hohe Qualitätsansprüche erfüllt werden.
Zudem dürfen wir das Glycerin als ‚koscher’ vertreiben. Zwei mal im Jahr kommt eigens ein Rabbi, der das prüft und ein entsprechendes Zertifikat ausstellt. Das hohe Niveau, das wir in diesem Bereich geschaffen haben, werden wir nicht durch kritische Rohstoffe gefährden.


ECOreporter.de: Wie sieht es in der aktuellen Produktion aus?
Mühr: Die Produktion läuft zurzeit zu fast 100 Prozent ohne Soja. Wir denken zudem darüber nach, den Einsatz von Sojaöl komplett zu streichen. Aus zwei Gründen: Wegen der Gentech-Problematik und weil es preislich derzeit nicht attraktiv ist. Sojaöl war zeitweise deutlich günstiger als Rapsöl. Das hat auch eine große Bedeutung, der größte Kostenfaktor bei der Biodieselherstellung sind die Rohstoffe.

ECOreporter.de: Frau Mühr, wir danken Ihnen für das Gespräch!

Verbio Vereinigte BioEnergie AG: ISIN DE000A0JL9W6 / WKN A0JL9W

Bild: Die Biodieselproduktion bei der Verbio AG ist eine saubere Sache. / Quelle. Unternehmen
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x