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25.7.2006: Rettung für die "Baumpaten" der insolventen Prime Forestry Group AG? Auffanggesellschaft Forests für Friends AG will Plantagen weiter betreiben und sammelt Geld bei den geschädigten Anlegern - Verwaltungsrat Ruedi Engler im

Die insolventen Schweizer Forstunternehmen Prime Forestry Group AG und Prime Forestry Switzerland AG haben eine Nachfolgegesellschaft. Die Forests for Friends AG mit Sitz in Affoltern hat eigenen Angaben zufolge die mittelamerikanische Tochter der Prime Forestry, Prime Forestry Panama S.A., aus der Konkursmasse gekauft und die Teak-Plantagen in Panama übernommen. Dr. Carol Franklin, Präsidentin des Verwaltungsrats der Forests for Friends, wandte sich mit Brief an die rund 3000 ehemaligen "Baumpartner" von Prime Forestry, um ihnen die Beteiligung an der neuen Gesellschaft anzubieten. ECOreporter.de sprach mit Ruedi Engler, Verwaltungsrat der Forests für Friends, über die neue Gesellschaft.


ECOreporter.de: Herr Engler, wer sind die Gesellschafter der Forests for Friends AG?
Ruedi Engler: Es sind sechs Gesellschafter im Handelsregister eingetragen. Dabei handelt es sich um geschädigte Baumpartner, die sich zufällig kannten, weil sie sich bei einer Besichtigung der Plantagen der Prime Forestry in Panama getroffen hatten. Mit der Höhe des jeweiligen Investments hat das Engagement nichts zu tun.

ECOreporter.de: Die Forests for Friends AG hat fünf Verwaltungsräte, zählen die zum Kreis der Gründungsgesellschafter des Unternehmens?
Engler: Das ist etwas kompliziert. Die Gesellschaft wurde nicht gegründet, sondern eine ruhende AG übernommen. So sind die Verwaltungsräte juristisch nicht Gründungsgesellschafter, de facto aber Gründer von Forests for Friends.

ECOreporter.de: Was sind die Ziele der Forests for Friends ?
Ruedi Engler: Forests for Friends will die Teak-Plantagen der Prime Forestry Panama und damit die Investitionen der Baumpartner retten.

ECOreporter.de: Würden Sie uns erklären, welche Funktion der Verwaltungsrat in der Struktur der Forests für Friends AG hat? Leistet er die operative Steuerung des Unternehmens? Ist die Präsidentin des Verwaltungsrates damit eine Art Vorstandsvorsitzende?
Engler: Da wir aus Kostengründen sehr schlanke administrative Strukturen haben, ist das tatsächlich so: die Verwaltungsratspräsidentin und der Verwaltungsratsdelegierte leiten zurzeit die Geschäfte und führen die Rettungsaktion operativ durch. Im Augenblick steht die Einbringung der Baumpartner als Aktionäre in die Forests for Friends AG an.

ECOreporter.de: D Dr. Carol Franklin Engler ist Chefin der neu gegründeten Forests für Friends AG. In welcher Beziehung steht die Verwaltungsratspräsidentin Franklin Engler zur Prime Forestry Group AG?
Engler: Sie war Vizepräsidentin des Verwaltungsrates der AG. Die Eidgenössische Bankenkommission bescheinigte ihr, dass sie am Konkurs kein Verschulden hat. Sie wurde von der Kommission gebeten, eine Lösung zu suchen, um das einbezahlte Geld zu retten. Daraus entstand die Auffanggesellschaft, die heutige Forests for Friends AG.

ECOreporter.de: Stimmt es, dass die Schweizer Bankenaufsicht Anwälte geschickt hat, um die Prime Forestry Group AG zu prüfen und diese Anwälte von Prime Forestry bezahlt werden mussten?
Engler: Das ist richtig. Während geprüft wurde, ruhte zudem der Geschäftsbetrieb. Alle Ausgaben liefen weiter und es gab keine Einnahmen. Die selben Anwälte, die die Prüfung durchgeführt haben, wurden durch die Bankenaufsicht beauftragt, die Gesellschaft zu liquidieren. Das ist in der Schweiz das übliche Vorgehen.

ECOreporter.de: Stimmt es, dass Sie die Plantagen der Prime Forestry Panama SA so kurzfristig kaufen konnten, weil sie als sogenanntes "verderbliches Gut" eingestuft wurden?
Engler: Ja, das hängt mit dem bankenrechtlichen Konkurs zusammen, der im Fall der Prime Forestry Switzerland AG abgewickelt werden muss. So etwas dauert lange. Ohne Unterhalt und Pflege würden die Plantagen innerhalb dieser Zeit kaputt gehen. Sie wurden deshalb durch die Bankenkommission als "verderblich bezeichnet" eingestuft, deshalb konnten wir sie so schnell übernehmen.

ECOreporter.de: Welchen Preis haben Sie für die Übernahme bezahlt?
Engler: Dazu wollen wir keine genauen Angaben machen. Wir haben relativ wenig Geld bezahlt. Wir werden aber alle Schulden der Prime Forestry Panama übernehmen. Und wir haben uns verpflichtet, alle Baumpartner zu fairen Bedingungen in die neue Gesellschaft aufzunehmen.

ECOreporter.de: Wie hoch waren denn die Schulden der Prime Forestry Panama?
Engler: Auch dazu kann ich Ihnen keine Angaben machen.

ECOreporter.de: Wie viele Baumpartner der Prime Forestry haben sich bislang an der Forests for Friends AG beteiligt?
Engler: Es wurden 2971 angeschrieben. 2250 haben sich gemeldet, davon wollen 97 Prozent in der neuen Gesellschaft mitmachen.

ECOreporter.de: Sie haben die Baumpartner aufgeordert, für den Weiterbetrieb der Plantagen frisches Kapital zur Verfügung zu stellen. Wie viel ist dabei inzwischen zusammen gekommen?
Engler: Das Geld ist noch nicht auf dem Konto. Es sollen je zehntel Hektar 380 Euro nachgeschossen werden. Insgesamt hoffen wir auf Einnahmen in Höhe von rund 5,1 Millionen Euro. Damit wollen wir den Unterhalt der Plantagen bis zur ersten Ernte und den Kaufpreis für den Boden finanzieren.
Die erste Ernte erwarten wir für 2009, dann ist die Ausdünnung der 2002 gepflanzten Kulturen fällig. Daraus lässt sich allerdings noch kein großes Einkommen erwirtschaften.

ECOreporter.de: Wie ist die Rechtslage für die Baumpartner, die sich nicht beteiligen wollen?
Engler: Sie können ihre Ansprüche bei den Konkursliquidatoren anmelden, werden aber ziemlich sicher nichts erhalten. An uns haben sie grundsätzliche keine Ansprüche. Wir sind eine vollständig eigenständige neue Gesellschaft.

ECOreporter.de: Herr Engler, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Bild: Ruedi Engler; Carol Franklin Engler; Plantage der Prime Forestry Panama / Quelle: Unternehmen
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