25.08.03 Nachhaltige Aktien , Meldungen

25.8.2003: Wochenrückblick: Dänische Windanlagenbauer im Aufwind — Nordex wird zum "Pennystock" — Über 14.000 Arbeitsplätze durch Dosenpfand — CCR entsorgt Red Bull

In der zurückliegenden Woche tendierten die Aktienindizes freundlich. Der DAX und der MDAX stiegen um drei Prozent, der TecDAX legte acht Prozent zu. In den USA verbesserte sich der Nasdaq Combined Composite Index um vier Prozent, während der Dow Jones Industrial Average Index keinen Zuwachs zeigte. Der japanische Index Nikkei-225 kletterte vier Prozent.

Die Deutsche Börse AG hat Veränderungen in der Zusammensetzung ihrer Aktienindizes bekannt gegeben, die zum 22. September wirksam werden. Den TecDAX werden unter anderem der Windturbinenhersteller Nordex AG und die Windpark-Projektierungsgesellschaft Plambeck Neue Energien AG verlassen. REpower Systems AG und Wedeco AG sowie Aixtron AG und die Vorzugsaktien der Drägerwerk AG werden in diesem Index bleiben.

Der dänische Hersteller von Windturbinen Vestas Wind Systems AS legte die Ergebnisse des Geschäftshalbjahrs vor. Den Angaben zufolge ist der Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 24 Prozent auf 658,5 Millionen Euro gewachsen. Der Vorsteuergewinn ist mit 1,2 Millionen Euro positiv, vor einem Jahr lag er bei minus 0,9 Millionen. Es wurden Turbinen mit einer Leistung von insgesamt 646 Megawatt verkauft - ein Zuwachs um 40 Prozent. Besonders erfreulich hätten sich die Auslieferungen in die USA und die Niederlande sowie nach Deutschland und Japan entwickelt. In Deutschland habe man Marktanteile gewinnen können, aufgrund der Auftragseingänge rechnet das Management hier auch im zweiten Halbjahr mit einer positiven Entwicklung. Vestas bestätigte die Jahresprognose, man will 1,7 bis 1,8 Milliarden Euro umsetzen, die EBIT-Marge soll etwa sieben Prozent erreichen. Für das Jahr 2004 äußerte sich das Unternehmen zurückhaltend. Die Entwicklung sei stark vom US-Markt abhängig. Man rechne mit einem Umsatz von 1,9 bis 2,0 Milliarden Euro, die EBIT-Marge solle auf neun Prozent steigen, so Vestas. Die Aktie des Maschinenbauunternehmens verteuerte sich in Kopenhagen um 34 Prozent auf 119 Dänische Kronen.

Die Halbjahreszahlen des dänischen Konkurrenten NEG Micon AS weisen nur leicht gestiegene Umsätze von 1,67 Milliarden Dänischen Kronen auf. Der Verlust vor Steuern und Zinsen (EBIT) beträgt minus 283,8 Millionen Kronen, nach minus 102,2 Millionen im Vorjahreszeitraum. Die Ergebnisse würden im Rahmen der Erwartungen liegen, allerdings im unteren Bereich, hieß es. NEG Micon begründet die unbefriedigenden Ergebnisse mit Projektverschiebungen in mehreren Ländern, vor allem in Deutschland. Hier erwartet das Unternehmen laut der Meldung auch für das Gesamtjahr einen rückläufigen Markt, will aber dennoch den Absatz von Turbinen gegenüber dem Vorjahr steigern. Auch die Aussichten in den USA hätten sich verschlechtert. Das Management prognostizierte für das Gesamtjahr einen Umsatz von 6,5 Milliarden Kronen, der Gewinn vor Steuern und Minderheitenanteilen soll auf bis zu 100 Millionen Kronen steigen. Der Kurs des Turbinenbauers stieg um 14 Prozent auf 83,5 Kronen. Analysten aus dem Haus JP Morgan reduzierten ihre Gewinnschätzung für NEG Micon deutlich und empfahlen, die Papiere "unterzugewichten".

Analystenkommentare gab es auch zu den Aktien von zwei deutschen Windturbinen-Herstellern. Die Landesbank Baden-Württemberg rechnet bei der REpower Systems AG mit einem Quartalsgewinn, der unter dem des Vorjahres liegen wird. Infolge der Expansion des Unternehmens, vergrößere sich die Kostenbasis, meinen die Landesbanker. Sie stuften ihre Empfehlung von "kaufen" auf "halten" herab. Das Bankhaus HSBC Trinkaus & Burkhardt teilte mit, dass es die Beobachtung der Nordex AG eingestellt hat. Die letzte veröffentlichte Empfehlung laute "verkaufen". REpower verloren fünf Prozent auf 19,10 Euro; Nordex fielen in den Pennystock-Bereich, der Kurs wurde zum Schluss mit 0,96 Euro notiert.

In Deutschland verschärft sich die Debatte um die Novellierung des Erneuerbare Energien-Gesetz (EEG). Dieses Gesetz reguliert unter anderem die Vergütung von Strom, der aus Wind, Wasser, Sonnenstrahlung und Biomasse gewonnen wird. Eine Reihe von Politikern und Gewerkschaftsvertretern setzen sich für ein Zurückfahren der Förderung ein. Auch unter den Befürwortern des EEG gibt es Diskussionen über einzelne Fragen des aktuellen Entwurfs für die Novelle. Verbände und mittelständische Unternehmen fordern Nachbesserungen und drängen zugleich auf die rasche Verabschiedung, um der Branche Planungssicherheit zu geben.

Die Veränderungen am EEG könnten sich auch auf den Geschäftsverlauf der farmatic biotech energie AG auswirken. Das Unternehmen aus Nortorf stellt Biogas-Kraftwerke und Aufbereitungsanlagen her, die aus organischen Abfällen Strom und Nutzwärme erzeugen. Farmatic legte den endgültigen Abschluss für das Geschäftsjahr 2002 vor. Dieser weist einen Umsatz von 31,4 Millionen Euro (Vorjahr: 35,1 Millionen) und ein EBIT von minus 35,6 Millionen aus. Der hohe Verlust wird mit hohen außerordentlichen Aufwendungen begründet. Die Zahlen waren von den Börsenteilnehmern allgemein erwartet worden, der farmatic-Kurs verlor nur zwei Cent auf 1,21 Euro. Finanzvorstand Ulrich Wogart äußerte sich in einem ECOreporter.de-Interview zu Hintergründen des Rückkaufs von Beteiligungen an mehreren farmatic-Biokraftwerken.

Der Energieversorger MVV Energie AG, Mannheim, legte die Ergebnisse des Neunmonats-Zeitraums bis zum 30. Juni vor. Die Umsätze hätten sich, verglichen mit der Vorjahresperiode, um drei Prozent auf 1,34 Milliarden Euro erhöht. Den Stromabsatz an überregionale Kunden und das Dienstleistungsgeschäft habe man ausweiten können, auch die neu hinzugekommenen Beteiligungsgesellschaften hätten zum Umsatzwachstum beigetragen. Im Stromgroßhandel sei das Volumen hingegen zurückgegangen. Das operative EBIT habe sich auf 252 Millionen Euro mehr als verdoppelt; bereinigt um Sondereffekte ergab sich ein EBIT-Anstieg um 24 Prozent auf 123 Millionen. Die Umsatzprognose für das gesamte Geschäftsjjahr wurde zurückgenommen. Die angekündigten zwei Milliarden werde man wohl nicht erreichen, als neues Ziel gilt nun die Zahl von 1,75 Milliarden Euro. Im Jahr 2002 hatte MVV Energie 1,68 Milliarden umgesetzt. Das bereinigte EBIT wollen die Mannheimer um fünf Prozent auf 120 Millionen Euro steigern. MVV notierten unverändert bei 15,20 Euro.

Im Rahmen der Präsentation ihrer Halbjahreszahlen hat die Deutsche Bahn AG Pläne bekannt gegeben, Anfang des kommenden Jahres bis zu 466 Lokomotiven zu bestellen. Der Auftrag sei bereits ausgeschrieben. Einzelheiten nannte die Bahn nicht. Laut Spekulationen in der Presse kämen mehrere Unternehmen aus Europa, Amerika und Asien als Lieferanten in Frage. Genannt wurde auch die bei Umweltaktionären bekannte Vossloh AG. Der Kurs des Bahntechnik-Herstellers aus Werdohl legte acht Prozent auf 37,76 Euro zu.

Die Sto AG, Spezialistin für Fassaden und Wärmedämmsysteme, berichtete für das erste Halbjahr einen Rückgang des Umsatzes auf 291,7 Millionen Euro, nach 302,3 Millionen im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Das Nettoergebnis wurde auf minus 4,2 Millionen Euro verbessert. Besonders im Inland seien die Aufträge weiter eingebrochen, hieß es; das Auslandsgeschäft sei gewachsen, werde aber durch Währungsverluste gebremst. Das Unternehmen aus Stühlingen wies darauf hin, dass der Umsatzrückgang im Inland im Branchendurchschnitt liege. Für das Gesamtjahr erwartet der Vorstand einen stabilen Umsatz und ein verbessertes Ergebnis. Das gelte aber nur unter der Voraussetzung, dass der Dollar nicht weiter an Wert verliere, hieß es. Die in den letzten Monaten stark gestiegene Vorzugsaktie gab ein Prozent auf 16,80 Euro nach.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamts ist der Auftragseingang im deutschen Bauhauptgewerbe in Betrieben mit 20 und mehr Beschäftigten im Juni stark zurückgegangen. Verglichen mit dem Vorjahresmonat errechnete das Amt ein Minus von zwölf Prozent. Im Hochbau, dem für die Sto AG wesentlichen Segment, betrug der Rückgang sogar 17,6 Prozent.

Der Halbjahresbericht der Centrotec Hochleistungskunststoffe AG weist gestiegene Umsätze und deutlich gesteigerte Gewinne aus. Die Prognose für das Gesamtjahr wurde bestätigt. Das Unternehmen stellt unter anderem Wärmerückgewinnungs-Anlagen für Raumluftsysteme her. Centrotec stiegen um 35 Prozent auf 7,94 Euro.

Trotz mehrerer Verkaufsempfehlungen von Analystenhäusern legte der Kurs der Aixtron AG um 25 Prozent auf 5,05 Euro zu. Aixtron liefert Ausrüstungen für die Halbleiterindustrie. Das Aachener Unternehmen meldete eine Rahmenvereinbarung mit Lumileds. Das US-amerikanische Unternehmen will mit Aixtron-Technik seine Produktionskapazität für weiße Leuchtdioden (LEDs) erweitern. Die weißen Lumileds-Lichter sollen konventionelle Glühlampen bei der Innenraumbeleuchtung ersetzen. LEDs sind langlebig und sehr sparsam im Energieverbrauch. Laut Unternehmensangaben sollen die Luxeon-LEDs von Lumileds die weltweit hellsten und langlebigsten sein.

Der Papier- und Faltschachtelhersteller Mayr-Melnhof Karton AG aus Österreich meldete für das Halbjahr einen Umsatzanstieg um zehn Prozent auf 660,1 Millionen Euro. Das Vorsteuerergebnis ist den Angaben zufolge um 2,3 Prozent auf 66,5 Millionen gesunken. Die Aktie stieg in Wien leicht auf 76,36 Euro.

Trojan Technologies Inc. verzeichnete in der ersten Hälfte 2003 Umsätze in Höhe von 56,0 Millionen Dollar, 17 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Nettoverlust beläuft sich auf 6,0 Millionen Dollar. Vor einem Jahr hatte der kanadische Hersteller von UV-Wasserentkeimungsanlagen noch einen Gewinn gemeldet. Der hohe Verlust sei in erster Linie auf Einmaleffekte im ersten Quartal zurückzuführen, hieß es. Die Trojan-Aktie sank in Toronto um sieben Prozent auf 8,30 Kanadische Dollar.

Die Münchener CCR Logistics Systems AG wird nach eigenen Angaben die deutschlandweite Rückholung der vom Getränkehersteller Red Bull in Umlauf gebrachten pfandpflichtigen Einweggebinde übernehmen. Weitere Angaben zu diesem Auftrag machte CCR nicht. Dem Kurs bescherte die Nachricht ein Plus von 20 Prozent auf 1,74 Euro.
Nach Angaben des Bundesverbands des Deutschen Getränkefachgroßhandels hat das sogenannte Dosenpfand in den ersten sechs Monaten dieses Jahres für hochgerechnet 14.400 neue Arbeitsplätze gesorgt. Dies gehe aus den Ergebnissen einer Umfrage hervor, die der Verband in Auftrag gegeben hatte.

Das Fernsehprogramm CNBC TV hat einen Report über die Solarzellen der US-amerikanischen Evergreen Solar Inc. ausgestrahlt. Nach Aussage von Mark Farber, CEO von Evergreen Solar, hat der Stromausfall in Nordamerika das Interesse an Solaranlagen wieder verstärkt. Die Sendung komme gerade recht, um Evergreens Solarzellen bekannt zu machen, meinte Faber. Während sich manche Anleger Umsatzwachstum und damit steigende Kurse erhofften, spekulierten offenbar viele andere auf genau diese Hoffnung: Die Aktie erreichte ihr Hoch von 3,25 Dollar bereits, nachdem die Fernsehsendung angekündigt wurde. Schon am Tag vor der Sendung verebbte das Spekulationsfieber. Die Freitagsnotierung lag mit 2,05 Dollar immerhin noch ein Drittel höher als am Ende der Vorwoche.

US-amerikanische Analystenhäuser haben seit dem großflächigen Zusammenbruch der öffentlichen Stromversorgung die Aktien mehrerer Hersteller von Technik zur sogenannten "alternativen Energieerzeugung" zum Kauf empfohlen. Darunter sind die Hersteller von Brennstoffzellen Ballard Power Systems Inc. aus Kanada und FuelCell Energy Inc. aus den USA. Einige Analysten verwiesen darauf, dass sich Brennstoffzellen-System als Notstrom-Aggregate eignen würden. Andere warnten vor der bereits hohen Bewertung dieser Aktien hinwiesen und rieten vom Kauf ab.

Ohne dass Gründe bekannt wurden, legte die Aktie des US-amerikanischen Herstellers von Bodenbelägen Interface Inc. um 21 Prozent auf 5,85 Dollar zu.

Aixtron AG (ISIN DE0005066203 / WKN 506620)
Ballard Power Systems Inc. (ISIN CA05858H1047 / WKN 890704)
CCR Logistics Systems AG (ISIN DE0007627200 / WKN 762720)
Centrotec Hochleistungskunststoffe AG (ISIN DE0005407506 / WKN 540750)
Drägerwerk AG (ISIN DE0005550636 / WKN 555063)
Evergreen Solar Inc. (ISIN US30033R1086 / WKN 578949)
farmatic biotech energy AG (ISIN DE0006051923 / WKN 605192)
FuelCell Energy Inc. (ISIN US35952H1068 / WKN 884382)
Hydrogenics Corp. (ISIN CA4488821006 / WKN 588386)
Interface Inc. (ISIN US4586651063 / WKN 868656)
Mayr-Melnhof Karton AG (ISIN AT0000938204 / WKN 890447)
MVV Energie AG (ISIN DE0007255903 / WKN 725590)
NEG Micon A.S. (ISIN DK0010253681 / WKN 897922)
Nordex AG (ISIN DE0005873574 / WKN 587357)
Plambeck Neue Energien AG (ISIN DE0006910326 / WKN 691032)
REpower Systems AG (ISIN DE0006177033 / WKN 617703)
Sto AG (ISIN DE0007274136 / WKN 727413)
Trojan Technologies Inc. (ISIN CA8969241071 / WKN 902023)
Vestas Wind Systems A.S. (ISIN DK0010268606 / WKN 913769)
Vossloh AG (ISIN DE0007667107 / WKN 766710)
Wedeco AG (ISIN DE0005141808 / WKN 514180)


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