25.08.04 Nachhaltige Aktien , Meldungen

25.8.2004: Phönix kommt nicht aus der Asche: Immer neue schlechte Nachrichten bei unit energy - Gegenantrag zu Vorstand Beyers Salär von gut 14.000 Euro im Monat

Die unit energy europe AG verbucht für das Geschäftsjahr 2003 einen Bilanzverlust in Höhe von 15,86 Millionen Euro nach minus 10,58 im Vorjahr. Das geht aus dem Geschäftsbericht des Stromerzeugers mit Sitz in Bad Homburg hervor. Morgen findet die Hauptversammlung statt, und für Stimmung dürfte gesorgt sein: Das Eigenkapital der börsennotierten Gesellschaft ist klar rückläufig, nach 18,13 Millionen Euro im Vorjahr verfügte unit energy zum 31.12.2003 nur noch über 12,85 Millionen Euro. Und der Vorstand warnt vor: Im Falle weiterer, größerer Verluste werde ein Kapitalschnitt notwendig, da sich das Eigenkapital auf die Hälfte des Grundkapitals zu bewege. Den Kapitalschnitt habe man der bereits vorbeugend für die Hauptversammlung in 2005 ins Auge gefasst.

Dennoch stiegen die Aufwendungen für Gehälter laut dem Bericht im abgelaufenen Geschäftsjahr um knapp neun Prozent auf 366.000 Euro nach 336.000 in 2002, obwohl das Unternehmen im Berichtsjahr nur drei Mitarbeiter beschäftigte. Vorstand Walter Felix Beyer verdient den Angaben zufolge 173.498 Euro im Jahr. Das macht 14.458 Euro im Monat.

Das von ihm geführte Unternehmen erwirtschaftete aber 2003 ein operatives Ergebnis von minus 5,28 Millionen Euro nach minus 1,23 Millionen in 2002. "Es erscheine ungeheuerlich, der Gesellschaft in einer solchen Situation derartige Vorstandsbezüge zuzumuten", heißt es im Gegenantrag einer unit-Aktionärin zur morgigen Hauptversammlung. Die Aktionäre sollten den Aufsichtsrat nicht entlasten. Das Gremium habe die Bezüge in voller Kenntnis der schlechten Geschäftslage bewilligt.

Einkünfte flossen der unit energy AG wie schon in den vorangegangenen Jahren vor allem aus dem Verkauf von Beteiligungsbesitz zu. Keines der acht mit der unit energy verbundenen Unternehmen erzielte im Berichtszeitraum einen Gewinn! Zur italienischen "Ancinale Idroeletrica" heißt es im Geschäftsbericht recht lapidar, "endgültige Daten lagen bei Bilanzerstellung noch nicht vor". Das ebenfalls italienische Wasserkraftwerk "Magliano" verzeichnete ein Minus von 35.600 Euro. Verlust machte auch die tschechische Wasserkrafttochter "WRE CZ" mit minus 132.000 Euro. Über die georgische Beteiligung Sioni Hesi - Ergebnis 2003: minus 141.000 Euro - heißt es wenig ermutigend "ohne Darlehnszinsen an unit[e] profitabel". Vier weitere Töchter ruhen sanft: Zu Georgia Energy Developement (Georgien), WRE Generation Ltd. Generation Ltd. (Großbritannien), BRE Holding Ltd. (Bulgarien) und Antwerp Holding Ltd. Gibraltar (Gibraltar) vermerkt der Geschäftsbericht: "keine operative Tätigkeit".
Einziger - vorläufiger - Lichtblick in der trüben Liste ist die 35-Prozent Beteiligung an der französischen unit energy france S.A., die 198.500 Euro Gewinn erzielte. Die Anteile an der gleichnamigen Tochter in Frankreich hat die unit energy AG allerdings laut dem Bericht im laufenden Geschäftsjahr an Mitaktionäre der unit energy france SA verkauft. Dadurch sei die Liquidität bis weit in das Jahr 2005 gesichert, heißt es.

Unit energy wolle all seine Kraft auf den Erfolg des italienischen Wasserkraftwerks Ancinale konzentrieren, so der Geschäftsbericht im Punkt "Zukünftige Entwicklung". Die Werthaltigkeit der Anlage allerdings sinkt, zumindest in der Bilanz: "Im Berichtsjahr wurde das Darlehn an Ancinale, aufgrund der neuen Bewertung des Kraftwerks, um insgesamt 3,4 Millionen Euro wertberichtigt", so der Geschäftsbericht. Das Wasserkraftwerk, das den Angaben zufolge zwar als Laufwasserkraftwerk fertig gestellt ist, jedoch mangels Stromanschluss noch immer keinen Strom produziert, wird in der Bilanz 2003 mit nunmehr 10,87 Millionen Euro bewertet.

Belastet wird die Gesellschaft nicht nur durch die unklare Situation des wichtigsten Projekts in Italien. Es sei eine zuvor unbekannte Bürgschaft zugunsten der "Hydroforce S.A". über 10,85 Millionen Euro aufgetaucht, besagt der Geschäftsbericht. Diese Verpflichtungen haben den Angaben zufolge namentlich nicht genannte "damalige Vorstände" dem Unternehmen aufgehalst; die Ex-Vorstände hätten die Übernahme zweier beträchtlicher Bürgschaften zugunsten der NIB Capital aus dem Ankauf und der Refinanzierung französischer Wasserkraftwerke verschwiegen.

unit energy europe AG: ISIN DE0007760100 / WKN 776010

Bild: Walter Felix Beyer, Vorstand der unit energy AG
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