25.09.07 Nachhaltige Aktien , Meldungen

25.9.2007: Neue Holzaktie: Delignit AG geht morgen an die Börse – ein nachhaltiges Investment?

Die Aktien der Delignit AG aus Blomberg bei Detmold sollen morgen erstmals im Entry-Standard der Frankfurter Börse gehandelt werden. Das 200 Jahre alte Holzunternehmen hat vom 14. bis 20. September eine öffentliche Aktienemission durchgeführt. Insgesamt 750.000 neue Aktien wurden zum Stückpreis von 8,00 Euro bei privaten und institutionellen Anlegern platziert. Angeboten hatte Delignit 3,09 Millionen Aktien, der Markt hat demnach nur knapp ein Viertel
der Anteilscheine abgenommen. Lohnt sich der Einstieg bei dem Börsenneuling? Wie ökologisch sind die Holzprodukte der Gesellschaft? ECOreporter.de stellt die Delignit AG vor.

Nur 1,35 Millionen Aktien aus dem Zeichnungsangebot der Delignit stammten aus einer Kapitalerhöhung, die restlichen 1,74 Millionen Anteilscheine wollte der bisherige Alleinaktionär, die börsennotierte MBB Industries AG, verkaufen. 56 Prozent des Emissionserlöses wären in diesem Fall nicht in die Kassen des Unternehmens geflossen, bei vollständiger Platzierung wäre der Streubesitz auf bis zu 49,9 Prozent gestiegen. Das ist nun gründlich misslungen. Immerhin stammen laut Delignit sämtliche 750.000 platzierten Aktien aus der Kapitalerhöhung, MBB habe bisher noch keine Aktie abgegeben, hieß es. Inklusive der Kapitalerhöhung beträgt das Grundkapital der Gesellschaft demnach 5,75 Millionen Euro, der Streubesitz liegt damit bei 15 Prozent.
Den Bruttoemissionserlös aus der Aktienausgabe bezifferte Delignit auf 6,00 Millionen Euro, gehofft hatte das Unternehmen auf mehr als 30 Millionen Euro. Angaben zu den tatsächlichen Kosten der Emission machte Delignit nicht; laut dem Emissionsprospekt liegen sie bei vollständiger Platzierung zwischen 1,28 und 2,16 Millionen Euro, der Nettoerlös dürfte demnach deutlich niedriger ausfallen.

Die Delignit AG besteht aus der Blomberger Holzindustrie und den rumänischen Töchtern S.C. Cildro und S.C. Delignit. Der Konzern beschäftigt in Deutschland und Rumänien zusammen mehr als 1.000 Mitarbeiter. Entstanden ist das Unternehmen aus einer Lohnsägerei, später wurde der Holzwerkstoff Delignit entwickelt. Grundlage ist Buchenholz, dessen Struktur mittels eines eigens entwickelten Heißdampfverfahrens aufgeschlossen wird. Delignit ist somit ein regenerativer und CO2-neutraler Werkstoff. Das Holz bezieht das Unternehmen eigenen Angaben zufolge in Deutschland aus einem Umkreis von 150 Kilometern, in Rumänien aus 300 Kilometer Umkreis. Es stamme aus nachwachsenden Wäldern, deren jährlicher Zuwachs deutlich die Entnahme übertreffe. Aus zertifizierter nachhaltiger Forstwirtschaft – etwa mit dem FSC-Siegel – bezieht Delignit sein Holz allerdings nicht.

Durch verschiedene Bearbeitungsverfahren ist das Unternehmen in der Lage, den Werkstoff an zahlreiche Nutzungen anzupassen. So eignet sich Delignit sogar für Schusspanzerungen, an vielen Stellen kann der Werkstoff anstelle von Kunststoff, Metall- oder Verbundmaterialien eingesetzt werden. Dabei wirkt sich das vergleichsweise geringe Gewicht zusätzlich vorteilhaft aus.
Das Produkt der Delignit AG erscheint aus ökologischer Sicht hochinteressant. Negativ fällt ins Gewicht, dass das Unternehmen keine zertifiziert nachhaltige Produktion unterhält. Laut der Homepage der Gesellschaft gibt es zudem kein Umweltmanagement.

Die Konzerngesellschaften der Delignit bearbeiten die drei Geschäftsbereiche Automotive, Technological Applications und Veneer (Furniere). An die Möbelindustrie werden vom rumänischen Produktionsstandort Furniere geliefert. Der Bereich Automotive stellt Komponenten für die Laderaumausstattung und spezielle Schwerlast-Fahrzeugböden her. Zu den Kunden zählen Daimler Benz und VW. Die Bandbreite der Produkte des Technologie-Segments ist groß: Industrieböden und Komponenten für Spezialanwendungen wie schussfestes Panzerholz und feuerfeste Holzplatten gehören ebenso dazu wie Werkbankplatten.
Die Einnahmen aus dem Börsengang will das Unternehmen für den Ausbau der Kapazitäten in allen drei Geschäftseinheiten einsetzen. Die teilweise hohen Lieferzeiten sollten verkürzt werden, hieß es. Weiteres Ziel ist die Expansion in zusätzliche Auslandsmärkte.

Im Geschäftsjahr 2006 erwirtschaftete Delignit nach Pro-forma-Angaben eine Betriebsleistung von rund 42 Millionen Euro. Der Umsatz lag bei 35,94 Millionen Euro, der Nettogewinn bei 2,49 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr 2007 kletterte die Betriebsleistung auf 23,36 Millionen Euro, die Pro-forma-Umsätze beliefen sich auf 20,78 Millionen Euro (Beide: plus 27,6 Prozent gegenüber Vorjahr). Der Nettogewinn stieg von 336.000 Euro im ersten Halbjahr 2006 auf 1,45 Millionen Euro.

Bezogen auf den Ausgabepreis von 8,00 Euro liegt die Marktkapitalisierung der Delignit AG bei 46 Millionen Euro. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) 2006 beträgt demnach 1,27. Angesichts des kräftigen Volumenwachstums im ersten Halbjahr ein moderater Wert. Im Gesamtjahr 2007 soll der Umsatz auf 41,4 Millionen Euro steigen, das KUV würde auf 1,12 sinken.

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für 2006 beträgt 18,5. Sollte es Delignit gelingen, den Gewinn des ersten Halbjahres linear fortzuschreiben, würde in 2007 ein Erlös in Höhe von 2,9 Millionen Euro erwirtschaftet. Das KGV würde auf 15,8 sinken.

Die Großaktionärin MBB Industries AG hat sich in einer Marktschutzvereinbarung verpflichtet, ihre Aktien für mindestens zwölf Monate nach dem Börsengang zu halten (Lock-up Periode). Allerdings gilt dies nur für die Anteilscheine, die nicht für die Umplatzierung im Rahmen der Aktienemission vorgesehen waren.

Die Kapitaldecke der Gesellschaft war vor Platzierung der neuen Aktien vergleichsweise dünn, durch die niedrige Annahmequote aus der Aktienemission hat sich dies nicht im erhofften Masse verbessert. Zum Stichtag 30. Juni 2007 beliefen sich die liquiden Mittel auf lediglich 151.000 Euro. Gleichzeitig wird die Ertragskraft durch langfristige Darlehen im Volumen von 5,95 Millionen Euro und kurzfristige Darlehen im Volumen von 7,12 Millionen Euro belastet. Die gesamten Verbindlichkeiten beliefen sich zum Stichtag auf 21,83 Millionen Euro, bei einer Bilanzsumme von pro-forma 39,33 Millionen Euro. Das Eigenkapital betrug 12,91 Millionen Euro.


Fazit

Engagements bei der Delignit AG bieten sich derzeit nicht an. Vor dem Hintergrund von Umsatz, Ertrag und Wachstumsrate ist die Bewertung der Aktie zwar moderat, es sind jedoch zu viele Unsicherheitsfaktoren im Spiel: Die Großaktionärin MBB hat sich bisher nicht dazu geäußert, ob und wie lange sie ihre Aktien im aktuellen Volumen halten wird. Der Kapitalbedarf der Delignit ist durch den Erlös aus der Kapitalerhöhung nicht gedeckt. Entweder wird das Wachstum der Gesellschaft nun wesentlich langsamer ausfallen, oder es sind weitere Kapitalmaßnahmen zu erwarten. Hinzu kommt die Belastung der Delignit durch Darlehen in Höhe von mehr als 13 Millionen Euro.
Unter ökologischen Aspekten ist die neue „Holz“-Aktie interessant. Allerdings kann von Delignit erwartet werden, dass der selbst gestellte Anspruch der Nachhaltigkeit durch entsprechende Zertifizierungen und innerbetriebliche Strukturen untermauert wird. Anleger sollten die Entwicklung des Unternehmens beobachten und ein Engagement prüfen, wenn die genannten Risiken beseitigt sind oder zumindest klar abgeschätzt werden können.

Delignit AG: ISIN DE000A0MZ4B0

Bild: Plattenware der Delignit AG wird mit computergesteuerten Maschinen bearbeitet. / Quelle: Carmen e.V.
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x