26.06.02 Fonds / ETF

26.06.2002: Andreas Knörzer, Bank Sarasin: "Rentenpapiere mit kurzer Laufzeit werden stärker steigen"

(CL) Schwierige Lage am Aktienmarkt: Das ECOreporter.
de-Magazin stellt daher einen Mischfonds
vor, der auch in Rentenpapiere investiert. Renten sind Anleihen, Kommunalobligationen, Pfandbriefe,
Schuldverschreibungen von Kreditinstituten und
Industrieobligationen. Sie versprechen sichere Erträge als Aktienfonds bei vergleichsweise geringeren
Kursschwankungen.

Die Baseler Bank Sarasin hat im März 2001 den
Sarasin-FairInvest-Universal-Fonds aufgelegt, einen
gemischten Fonds mit Anlageschwerpunkt in Euro-
Ländern. Drei Viertel des Fondsvermögens sollen in
festverzinsliche Wertpapiere angelegt werden, die auf
Euro lauten. Die verbleibenden 25 Prozent fließen in
europäische Standardwerte. Das Fondsmanagement
legt bei der Auswahl der Einzeltitel Wert auf Emittenten,
die ökoeffizient wirtschaften und sozialverantwortlich
handeln. Der Fonds hat eine Mindestzeichnungssumme
von 500.000 Euro und ist also vor allem
für institutionelle Investoren geeignet. Das ECOreporter.
de-Magazin hat Andreas Knörzer, den Leiter
Sustainable Investment bei Sarasin, zu den Auswahlkriterien
für den Fonds sowie zu den Aussichten im
Anleihegeschäft befragt.

ECOreporter.de: Die Zinsen befinden sich seit Monaten
auf einem sehr niedrigen Niveau. Inwiefern
müssen Anleger beim Kauf von Fonds mit Schwerpunkt
bei Renten mit Kursrisiken rechnen, wenn die
Konjunktur anzieht und in der Folge auch die Zinskurve
wieder steigt?


Knörzer: Entscheidend sind die Stärke des Zinsanstiegs,
der Verlauf der Zinskurve sowie die durchschnittliche
Restlaufzeit des Rentenportfolios. Letztere
ist in unserem Fonds gegenwärtig deutlich unter
Marktniveau. Sie beträgt aktuell 5,3 Jahre gegenüber
der Restlaufzeit unserer Benchmark (JP Morgan Euroland)
von 7,7 Jahren. Da die Zinsen im längerfristigen
Bereich deutlich höher sind als im kurzen
Bereich, kann sich bis zu einem gewissen Zinsanstieg
ein Investment in einen Rentenfonds immer noch
rechnen. Wir erwarten innerhalb der kommenden Monate
eine Verflachung der Zinskurve, das heißt, die
Rentenpapiere mit kurzer Laufzeit werden stärker
steigen als die langfristigen. Diesem Szenario kann
man durch eine geschickte Auswahl einzelner Titel mit
unterschiedlichen Restlaufzeiten begegnen und so
den Gesamtertrag für den Anleger optimieren.
Des weiteren mischen wir unserem Fonds unter Rendite-
und Risiko-Gesichtspunkten bewusst rund 25
Prozent Aktienanlagen bei, die bei einem Anziehen
der Konjunktur besser als Rentenanlagen abschneiden
sollten.

ECOreporter.de: Das Währungsgefüge zwischen
Euro und Dollar befindet sich im Umbruch. Allgemein
wird ein weiterer Anstieg des Eurokurses gegenüber
dem Dollar erwartet. Wie beurteilen Sie die Situation?


Knörzer: Tendenziell werden Anlagen in auf Euro lautende
Anleihen attraktiver als in US-Dollar-Anleihen. Dies nicht nur aufgrund des Währungsverlustes aus
Sicht eines Euro-Anlegers, sondern auch aufgrund
der zu erwartenden Kapitalflüsse in den Euroraum,
was über eine erhöhte Nachfrage nach geeigneten
Euro-Anlagen zu einer Renditeausweitung von Dollargegenüber
Euro-Anlagen führen wird und damit zu
entsprechenden relativen Kursgewinnen von Euro-
Anleihen.

ECOreporter.de: Berücksichtigen Sie auch beim Kauf
von Staatsanleihen Nachhaltigkeitsgesichtspunkte?


Knörzer: Die Bank Sarasin untersucht auch Staaten
und internationale Institutionen auf ihre Nachhaltigkeit.
Bei der Länderanalyse bilden Kriterien wie zum
Beispiel Bildung, Menschenrechte, Verschuldung und
ungleiche Einkommens- und Vermögensverhältnisse
aber auch Ressourcenverbrauch und Umweltverschmutzung
die Grundlage für die Bewertung. Internationale
Institutionen werden nach Organisationszweck,
Mittelherkunft und -verwendung sowie Konsistenz
und Erfolg beurteilt.
Der aktuelle Anteil an Länderanleihen am Rentenportfolio
beträgt rund 34 Prozent und derjenige internationaler
Institutionen knapp 40 Prozent. Der Fonds ist
zur Zeit in Länderanleihen von Finnland, Schweden,
Niederlande und Deutschland investiert.

ECOreporter.de: Aus welchen Branchen stammen die
Papiere, in die Sie für Ihren Fonds investieren?


Knörzer: Wir sind im Fonds über Branchen breit diversifiziert.
Je risikoreicher die Branche in Bezug auf
Umwelt- und Sozialrisiken, umso höher die Anforderungen
an das einzelne Unternehmen bezüglich
Nachhaltigkeit. Ausgeschlossen sind Wertpapiere von
Produzenten von Tabakwaren, Kernenergie, Automobilen,
Fluggesellschaften, Chlor- und Agrochemikalien
sowie Rüstungsgütern und Anbietern von Pornographie
und Glücksspielen. Der Bereich Gentechnologie
wird zurückhaltend auf Einzelfallbasis beurteilt.
Aktien haben wir zum Beispiel von ING Groep, Unilever,
ABN Amro und der Allianz.

ECOreporter.de: Ihr Fonds Sarasin-FairInvest notiert
seit seiner Auflage fast durchgängig unter dem Ausgabepreis.
Was unternehmen Sie, um das zu ändern?


Knörzer: Der Grund für die Notierung unter Ausgabepreis
liegt in dem Aktienanteil von rund 25 Prozent am
Fondsvolumen. Seit Fondsauflage am 30. März 2001
haben die Kurse an den europäischen Aktienmärkten
(gemessen am MSCI Europe) bis Ende Mai 2002 um
knapp 15 Prozent nachgegeben. Da wir von einer
konjunkturellen Belebung in den kommenden Monaten
ausgehen und damit verbunden einem Anziehen
der Unternehmensgewinne ab der zweiten Jahreshälfte, sind wir für die Aktienmärkte positiv gestimmt.
Dies wird sich auch auf die Wertentwicklung unseres
Fonds positiv auswirken.
Des weiteren muss berücksichtigt werden, dass wir
per 15. Januar 2002 für das Rumpfgeschäftsjahr 30. März bis 31. Oktober 2001 eine Dividende von 1,15
Euro pro Anteil ausgeschüttet haben.

ECOreporter.de: Herr Knörzer, wir danken für dieses
Gespräch.
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