26.06.02 Nachhaltige Aktien , Meldungen

26.06.2002: Naturkosthersteller Rapunzel will biologischen Landbau international weiterverbreiten

(VU) Die Rapunzel AG hat im vergangenen Jahr
knapp 64 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet. Für
2002 ist ein Steigerung auf über 77 Millionen Euro
geplant. Das Wachstum solle für eine Stärkung der Eigenproduktion
genutzt werden, so das Unternehmen.

Die Rapunzel-Aktie wird nur außerbörslich gehandelt.
Händler wie Thomas Schneible, der Leiter Aktienhandel
bei der Valora Effektenhandel (VEH) in
Ettlingen, sehen eine Sonder-Stellung Rapunzels:
"Die Aktie wird trotz der Flaute im übrigen Markt häufig
nachgefragt. Allerdings kommen nur Geldkurse zustande:
Viele möchten kaufen, aber niemand verkauft!"
Derzeit (Stand 19. Juni, 11:45 Uhr) liegt das
Kaufgebot bei der Valora bei 7,30 Euro.

Die Rapunzel AG ist eine Naturkostherstellerin der
ersten Stunde: Sie wurde 1975 als Naturkostladen mit
Biogärtnerei und Holzofenbrot in Augsburg gegründet.
Inzwischen ist das Unternehmen ins Allgäu umgezogen
und hat sich zu einem der größten Naturkosthersteller
und -vermarkter in Deutschland entwickelt.
230 Mitarbeiter fertigen über 300 Marken-Produkte:
von der Bio-Hefe über Brotaufstriche, Käse, Gemüse,
Getreidekaffee, Müsli, Studentenfutter und Schokolade
- bis hin zu Wein, Sekt, Spirituosen.

Die Tätigkeit als Großhandel begann 1979 und ist
auch heute noch das Hauptstandbein der Firma. Seit
1990 ist das Unternehmen eine AG, die mittlerweile
über 2,34 Millionen Aktien verfügt. Firmengründer
Joseph Wilhelm: "Unser Ziel ist die Beschaffung und
Verteilung von gesunden Lebensmitteln. Das heißt,
ihre Qualität muss durchschaubar sein, sie müssen
aus kontrolliert biologischem Anbau stammen. Auch
die sozialen Hintergünde der Herstellung müssen
transparent sein." Zur weiteren Verarbeitung wählt
Rapunzel eigenen Angaben zufolge möglichst schonende
Methoden, um die Auswirkungen der Produktion
auf Mensch und Umwelt zu minimieren und durch
Qualität die biologische Landwirtschaft zu fördern.

Weltweites Netzwerk für Ökoprodukte

Die Rapunzel AG beliefert Fachgeschäfte in ganz
Deutschland. Eigene Anbauprojekte sowie ein Netzwerk
von Bauern und Lieferanten in der ganzen Welt
sichern den Nachschub an Ökoprodukten. Das größte
und am längsten existierende biologische Anbauprojekt
wurde 1985 in der Türkei geschaffen. Zunächst
wurden Feigen und Sultaninen nach Deutschland
exportiert. "Schon bald interessierten sich viele
Bauern für eine Zusammenarbeit und ständig wurden
weitere biologische Produkte angebaut", berichtet Rapunzel.
1991 eröffnete das Unternehmen ein Beratungsbüro
in Izmir. 1997 wurde daraus eine Tochterfirma,
die Rapunzel Organic Ltd. Heute gehören rund
650 Bauern aus 14 Provinzen, verstreut über die ganze
Türkei, zum Projekt. Auf einer Fläche von insgesamt
4200 Hektar bauen sie Aprikosen, Haselnüsse,
Sultaninen, Mandeln, Sesam, Feigen oder Oliven an.

Niedrige Gewinnmargen branchenüblich

Branchenkenner wie Klaus Braun, Unternehmensberater
mit Schwerpunkt Naturkosthandel, loben das
Unternehmen als "sehr gut positioniert" und "sehr klar
am Markt orientiert, ohne dabei seine Identität als
ökologischen Kriterien verpflichteter Hersteller angetastet
zu haben". Rapunzel habe außerdem wesentliches
zur Entwicklung des Fair Trade beigetragen,
indem es Produkte, die es in Europa nicht gebe, in
Schwellenländern und in der dritten Welt nach europäischem
Qualitätsverständnis herstellen lasse.

Wie die gesamte Lebensmittelbranche leidet allerdings
auch der profitable Naturkosthersteller unter
niedrigen Gewinnmargen. Mit einem Kurs-Gewinn-
Verhältnis von 20 (bei einem Geldkurs von 7,20 Euro)
liegt Rapunzel an der oberen Grenze des Erträglichen.
Immerhin aber ist es den Allgäuern als einziger
Aktien-Gesellschaft aus der Biolebensmittel-Branche
- man denke an die insolvente Ökoland AG - gelungen,
ihrer Aktionärsversammlung für 2001 eine Dividende
vorschlagen. Auch wenn sie mit neun Cent pro
Aktie nicht gerade üppig ausfällt.
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