26.10.06

26.10.2006: Meldung: SGL Carbon zum Dreivierteljahr 2006

* Umsatz nach 9M/2006 plus 9 % über Vorjahr
* EBIT vor EuGH-Urteil nach 9M/2006 um 41 % über Vorjahr
* Vorsteuerergebnis vor EuGH-Urteil mehr als verdoppelt nach 9M/2006
* Starkes Q4/2006 erwartet mit EBIT-Anstieg von mindestens 50 % gegenüber Q4/2005

Wiesbaden, 26. Oktober 2006. Eine anhaltend robuste Nachfrageentwicklung führte im Neunmonatszeitraum 2006 zu einer Steigerung des Konzernumsatzes um 9 % auf 858,6 Mio. ¤, währungsbereinigt um 8 %. Das EBIT vor EuGH-Urteil stieg überproportional um 41 % auf 123,6 Mio. ¤. Wesentliche Gründe für den Ergebnisanstieg waren die anhaltend positive Entwicklung bei Carbon and Graphite und Specialties sowie Kosteneinsparungen von etwa 20 Mio. ¤. Das 3. Quartal 2006 verzeichnete ein Wachstum im Konzernumsatz von 10 % auf 289,7 Mio. ¤ und eine dazu überproportionale Entwicklung im Konzern-EBIT vor EuGH-Urteil von plus 35 % auf 44,4 Mio. ¤.

Finanzergebnis
Das Finanzergebnis vor Zinsanteil des EuGH-Urteils von 12,8 Mio. ¤ verbesserte sich im Neunmonatszeitraum 2006 auf minus 37,9 Mio. ¤ gegenüber minus 45,4 Mio. ¤ im Vorjahreszeitraum. Dies resultiert aus einem geringeren Nettozinsaufwand aufgrund der gesunkenen Finanzschulden, den geringeren Zinsaufwendungen im Zusammenhang mit Kartellverfahren wegen der vorzeitigen Zahlung der restlichen nordamerikanischen Kartellverbindlichkeiten in 2005 sowie der Bar-Hinterlegung der ersten Kartellstrafe im April 2006. Gegenläufig wurde das sonstige finanzielle Ergebnis durch negative Stichtagsbewertungen unserer derivativen Zins- und Währungsinstrumente beeinflusst. Der zahlungswirksame Anteil des Finanzergebnisses reduzierte sich von 34,2 Mio. ¤ in 2005 auf 31,1 Mio. ¤ in 2006.

Ergebnis vor und nach Steuern
Das Ergebnis vor Ertragsteuern hat sich von 42,2 Mio. ¤ im Dreivierteljahr 2005 um 17 % auf 49,3 Mio. ¤ im Dreivierteljahr 2006 erhöht. Nach Herausrechnung der einmaligen Belastungen des EuGH-Urteils von 36,3 Mio. ¤ ergibt sich ein Vorsteuerergebnis von 85,6 Mio. ¤, was eine Verdopplung gegenüber dem Vorjahreszeitraum darstellt. Die aufgelaufene Steuerquote liegt für den Neunmonatszeitraum 2006 bei 65 % (Vorjahr: 43 %). Auf den steuerlich abzugsfähigen Zinsaufwand aus Kartellverfahren haben wir dabei aufgrund der erreichten absoluten Höhe und aufgrund der Mindestbesteuerungsregelungen in Deutschland keine latenten Steuern gebildet. Unter Herausrechnung der EuGH-Belastungen ergibt sich für das Dreivierteljahr 2006 eine bereinigte Steuerquote von 37 %, was eine Absenkung von 6 %-Punkten gegenüber dem Vorjahreszeitraum darstellt. Einschließlich der Belastungen aus dem EuGH-Urteil ergibt sich ein Periodenüberschuss vor Minderheitsanteilen von 17,5 Mio. ¤ und ein Ergebnis pro Aktie von 0,28 ¤ auf Basis einer durchschnittlichen Aktienanzahl von 61,1 Mio.

Konzern-Bilanz
Die Bilanzsumme erhöhte sich zum 30. September 2006 geringfügig auf 1.204 Mio. ¤ gegenüber 1.183 Mio. ¤ am Jahresende 2005. Wesentliche Entwicklung im Dreivierteljahr war die Bar-Hinterlegung der ersten Kartellstrafe im April 2006. Zur Tilgung von Bankdarlehen wurden Flüssige Mittel von 18 Mio. ¤ verwendet.

Working Capital
Die Erhöhung des Working Capital um rund 38 Mio. ¤ (währungsbereinigt um 48 Mio. ¤) gegenüber dem Jahresende 2005 entspricht sowohl den weit höheren Geschäftsaktivitäten in den ersten 9 Monaten 2006 (Umsatz +9 %) als auch der hohen Produktionsleistung im 3. Quartal für Auslieferungen im letzten Quartal des Jahres. Die durchschnittliche Bindung des Nettoumlaufvermögens liegt dennoch auf Vorjahresniveau.

Entwicklung des Eigenkapitals
Im Wesentlichen erhöhten die durchgeführte Kapitalerhöhung und das Periodenergebnis das Eigenkapital der Anteilseigner zum 30. September 2006 um 101 Mio. ¤ auf 423 Mio. ¤. Die Eigenkapitalquote verbesserte sich von 27,2 % auf nunmehr 35,1 %.

Nettofinanzschulden
Zum 30. September 2006 verbesserten sich die Nettofinanzschulden deutlich durch die um 20 Mio. ¤ geringeren Finanzschulden. Im April 2006 wurden 88,9 Mio. ¤ zur Bar-Hinterlegung der EU-Kartellstrafe auf Basis des EuG-Urteils vom 29. April 2004 verwendet. Im dritten Quartal wurden zusätzlich noch 8,6 Mio. ¤ zahlungswirksam. Trotz dieses erhöhten Liquiditätsabflusses halten wir dank des besseren Mittelzuflusses aus betrieblicher Tätigkeit an unserer Prognose fest, die Nettofinanzschulden bis zum Jahresende auf unter 240 Mio. ¤ zu senken.

EuGH-Urteil
Wie bereits berichtet, hat am 29. Juni 2006 der Europäische Gerichtshof (EuGH) sein Urteil im Verfahren „Graphitelektroden“ verkündet und damit die Entscheidungen des Europäischen Gerichts (EuG) vom 29. April 2004 sowie die der Europäischen Kommission vom 18. Juli 2001 verändert und auf 75,7 Mio. ¤ festgesetzt. Aufgrund dieses Urteils hat das Unternehmen im 2. Quartal 2006 Anpassungen bei den Rückstellungen vorgenommen, wodurch das EBIT mit 23,5 Mio. ¤ und das Finanzergebnis mit 12,8 Mio. ¤ belastet ist. Wie bereits berichtet, wurden zu Beginn des 2. Quartals das Bußgeld sowie die ausstehenden Zinsen auf Basis der Entscheidung des EuG bei der Europäischen Kommission ohne Anerkennung einer Rechtsschuld bar hinterlegt. Damit führte das Urteil des EuGH nur noch zu einem Mittelabfluss von 8,6 Mio. ¤ im 3. Quartal 2006. Mit dieser Entscheidung des EuGH und den im 2. Quartal erfolgten bilanziellen und ergebniswirksamen Maßnahmen sind die Auswirkungen aus dem Verfahren „Graphitelektroden“ endgültig abgeschlossen.


SEGMENTBERICHTERSTATTUNG

Carbon and Graphite (CG)
In den ersten neuen Monaten 2006 konnte der Umsatz dank erfolgreich durchgesetzter Preiserhöhungen für Graphitelektroden sowie dem gestiegenen Absatz für Kathoden um 9 % auf 511,3 Mio. ¤ gesteigert werden, währungsbereinigt um 8 %. Trotz geplanter niedriger Graphitelektroden-Auslieferungen stieg das EBIT dank Preissteigerungen und kontinuierlichen Kostensenkungsmaßnahmen um 34 % auf 120,7 Mio. ¤, so dass sich die Umsatzrendite auf 23,6 % gegenüber 19,2 % im Vorjahreszeitraum verbesserte. Die Durchschnittspreise für Graphitelektroden stiegen gegenüber den ersten neun Monaten 2005 um 22 % in USD und um 10 % in EUR. Im Berichtszeitraum wurden zwar wie erwartet 10 % weniger Graphitelektroden ausgeliefert als im außergewöhnlich starken 9M/2005, dennoch wurde mit 150.000 Tonnen ein Niveau vergleichbar mit dem Neunmonatszeitraum früherer Jahre erreicht. Der Anstieg der Faktorkosten gegenüber dem Vorjahr betrug rund 15 %.
Das 3. Quartal 2006 verzeichnete ein Wachstum im Umsatz von 10 % auf 172,8 Mio. ¤ und eine dazu stark überproportionale Entwicklung im EBIT von plus 50 % auf 44,6 Mio. ¤.

Specialties (S)
Der Umsatzanstieg im Berichtszeitraum um 13 % auf 218,4 Mio. ¤, währungsbereinigt ebenfalls um 13 %, wurde insbesondere von der Nachfrage aus der Solar-, Halbleiter-, LED- und Kernenergieindustrie sowie aus industriellen Applikationen und als Folge einer guten Auftragslage im Bereich Prozesstechnologie positiv beeinflusst. Das EBIT hat sich im Vergleich zum noch vom schwachen Q1/2005 geprägten Vorjahreszeitraum
aufgrund des Umsatzwachstums und der daraus besseren Kapazitätsauslastung um 77 % verbessert. Wie bereits erstmals im Q1/2006 und auch im H1/2006 dargestellt, verbleibt die Umsatzrendite mit 11,7 % auch in den ersten neuen Monaten 2006 weiter innerhalb des Zielkorridors des Unternehmens von 10–15 %. Das 3. Quartal 2006 verzeichnete ein Wachstum im Umsatz von 9 % auf 72,5 Mio. ¤ und eine dazu überproportionale Entwicklung im EBIT von plus 35 % auf 8,4 Mio. ¤.

SGL Technologies (T)
Der Umsatz stieg um 5 % auf 127,6 Mio. ¤, währungsbereinigt um 4 %, dank der guten Nachfrage nach Kohlefasern und Bremsscheiben, während es im Bereich der Verbundwerkstoffe zu projektbezogenen Verschiebungen u.a. auch durch Airbus kam. Das EBIT ist mit 0,3 Mio. ¤ positiv. Das starke Vorjahres-EBIT von 3,4 Mio. ¤ war positiv durch den AUDI-Kooperationsvertrag im 3. Quartal 2005 beeinflusst.
Aufgrund von erhöhten Anlaufkosten in Verbindung mit der beschleunigten Einführung unserer Keramikbremsscheibe in fünf neuen Automobilmodellen in 2006 befindet sich das Brakes-Geschäft als Einziges innerhalb der SGL Technologies noch in der Verlustzone.

Corporate Costs
Die Corporate Costs erhöhten sich aufgrund höherer Aufwendungen im Zusammenhang mit der Implementierung des Sarbanes-Oxley-Gesetzes, für aktienbasierte Vergütungsbestandteile sowie spezifischen Projektkosten im Dreivierteljahr 2006 mit 23,0 Mio. ¤ um 2,4 Mio. ¤ gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die einmalige Belastung aus dem EuGH-Urteil beläuft sich im EBIT auf 23,5 Mio. ¤ und ist separat ausgewiesen.

Mitarbeiter
Zum 30. September 2006 belief sich die Anzahl der Mitarbeiter im Konzern auf 5.291 gegenüber dem Stand Ende Dezember 2005 von 5.263. Der leichte Aufbau betrifft dabei in erster Linie SGL Technologies.

Ausblick
Für das 4. Quartal 2006 erwartet SGL Carbon noch einmal deutliche Verbesserungen im Umsatz und EBIT: Für Carbon and Graphite wird das 4. Quartal 2006 sowohl im Umsatz als auch im EBIT als stärkstes Quartal in 2006 erwartet und fällt damit deutlich stärker aus als das 3. Quartal 2006. Im Bereich Specialties wird sich der Umsatz in Q4/2006 auf, das EBIT leicht über dem Niveau des starken Vorjahresquartals bewegen.
Für SGL Technologies erwarten wir im 4. Quartal 2006 einen höheren Umsatz mit entsprechender Ergebnisverbesserung im Vergleich zum 4. Quartal 2005.
Damit erwarten wir für das Gesamtjahr 2006 ein Umsatzwachstum von bis zu 10 % gegenüber 2005, das EBIT vor EuGH-Urteil wird sich im Jahresvergleich um 40–50 % verbessern und das Vorsteuerergebnis sowie der Jahresüberschuss (vor EuGH-Urteil) werden sich mehr als verdoppeln. Trotz der deutlich gestiegenen Investitionen in Sachanlagen sowie höheren Zahlungen für Kartellstrafen wird die Nettoverschuldung auf unter 240 Mio. ¤ abgebaut.
Die Konzernkapitalrendite wird erneut deutlich über den Konzernkapitalkosten liegen. Auch für 2007 bleibt SGL Carbon zuversichtlich und erwartet für den Konzern ein weiteres Umsatzwachstum von 5–10 % sowie ein EBIT und einen Jahresüberschuss, der sich überproportional zum Umsatzwachstum entwickeln wird.
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