26.01.04 Nachhaltige Aktien , Meldungen

26.1.2004: Wochenrückblick: NEG Micon und Wedeco: Fristen für Übernahmeangebote verlängert - Der Sonne entgegen: Kurssteigerungen bei Photovoltaikwerten

In der zurückliegenden Woche setzte sich der Aufwärtstrend der Indizes an den deutschen Aktienbörsen fort. Der DAX kletterte ein Prozent, der TecDAX legte zwei Prozent zu. In Japan stieg der Nikkei-225 um zwei Prozent. Die US-amerikanische Indizes Dow Jones Industrial Average und Nasdaq Combined Composite gaben hingegen leicht nach.

Institutionelle Anleger und Fondsmanager aus Nordamerika haben gefordert, dass börsennotierte Unternehmen die wirtschaftlichen Gefahren offenlegen sollen, die ihnen durch den globalen Klimawandel entstehen können. Das berichtet der Rat für Nachhaltige Entwicklung, Berlin. Es sei ein Investor Network on Climate Risk (INCR) gegründet worden, das Investoren und Regierungen über mögliche Risiken aufklären will. Insbesondere gehe es um die Öl-, Gas-, Strom- und Autobranche. Kofi Annan, Generalsekretär der Vereinten Nationen, sagte bei der Gründung des INCR, institutionelle Investoren könnten durch eine verantwortungsvolle Anlagepolitik entscheidenden Einfluss auf die künftigen Emissionen von Treibhausgasen und die Umweltschutzmaßnahmen großer Firmen haben.

Aus dem deutschen Bundeswirtschaftsministerium war zu vernehmen, dass die ab Sommer 2004 geplante Regulierungsbehörde für mehr Wettbewerb im Energiesektor sorgen soll. Das könnte vor allem kleineren Stromanbietern nützen. Nach Angaben des Umweltministeriums seien stabile rechtliche Rahmenbedingungen und eine langfristig kalkulierbare Unterstützung zentrale Punkte für die Einführung der erneuerbaren Energien. Unter diesen Voraussetzungen könnte deren Anteil am Energieverbrauch der Europäischen Union bis zum Jahr 2020 auf 20 Prozent gesteigert werden. Das Ministerium will die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Forschung bei der Entwicklung der Solarstromerzeugung verbessern. Damit soll die Marktreife neuer Produkte schneller erreicht werden. Laut Schätzungen werde der Photovoltaik-Markt in diesem Jahr um etwa 50 Prozent wachsen. In 20 Jahren werde ein globaler Jahresumsatz von 100 Milliarden Euro erwartet.

Die Kurse einiger Hersteller von Solarstrom-Technik legten an der Börse kräftig zu. SolarWorld AG stiegen um 26 Prozent auf 14,15 Euro, kurzzeitig wurden die Papiere sogar für 15 Euro gehandelt. Sunways AG kletterten um 13 Prozent und Solon AG um elf Prozent. Umweltkontor Renewable Energy AG, mit ihrer Tochter Ersol Solar Energy AG ebenfalls in der Photovoltaik-Branche präsent, verteuerten sich um 17 Prozent auf 1,05 Euro.
Der Bonner SolarWorld Konzern berichtete über eine Kooperation mit dem Europäischen Raumfahrtzentrum. Am heutigen Montag sollen Module aus der Produktion der schwedischen SolarWorld-Tochter GPV in einem Versuchsballon in die Statosphäre aufsteigen. Des weiteren sei die Bestückung einer extraterrestrischen Sonde mit SolarWorld-Modulen geplant, hieß es.
Sunways AG aus Konstanz meldete die Ausweitung der Kooperation mit der Bürgerbeteiligungsgesellschaft solarcomplex GmbH. Diese will im laufenden Jahr mindestens zwei Megawatt Photovoltaik-Leistung im Landkreis Konstanz installieren und dabei ausschließlich Wechselrichter und Solarmodule von Sunways einsetzen. Das entspreche einem Auftragsvolumen von cirka 6,7 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr hatte solarcomplex rund ein Megawatt Photovoltaik installiert.

Vestas Wind Systems A/S, dänischer Hersteller von Windturbinen, berichtete über den Stand der Übernahme des dänischen Konkurrenten NEG Micon A/S. Die zur Übernahme notwendige Kapitalerhöhung hätten die Vestas-Aktionäre dem Management mit 98 Prozent Ja-Stimmen genehmigt. Mit Stand 19. Januar hätten "mehr als 50 Prozent" der NEG Micon-Aktionäre das Umtauschangebot in Vestas-Aktien angenommen. Weitere Voraussetzungen der Übernahme seien noch nicht erfüllt, darunter die Zustimmung der Wettbewerbsbehörden. Vor diesem Hintergrund sei das Umtauschangebot bis zum 19. Februar verlängert worden. Die Annahmequote soll dann am 23. Februar veröffentlicht werden. Die Kurse der beiden Unternehmen gaben in der vergangenen Woche leicht nach, Vestas auf 105,50 Dänische Kronen, NEG Micon auf 106 Kronen.

Der Bundesverband Windenergie e.V. (BWE) veröffentlichte Daten zur Windernte 2003 und zur Strompreisentwicklung 2004. Den Angaben zufolge blies der Wind im vergangenen Jahr durchschnittlich 20 Prozent weniger als im Mittel seit Beginn der Messungen 1989. Es seien 18,63 Terawattstunden (TWh) Windstrom ins Netz eingespeist worden, nach 15,86 TWh im Jahr 2002. Die Zunahme sei auf den Ausbau der Windenergie zurückzuführen. Das Ergebnis liege jedoch um 15 Prozent unter der Prognose des Verbandes Deutscher Netzbetreiber (VDN), die Berechnungsgrundlage für den Strompreis sei. Die Stromkonzerne hätten dem Verbraucher also um 15 Prozent überhöhte Preiszuschläge allein für den Windstrom in Rechnung gestellt. Da die Konzerne die Preise mit gleicher Begründung kürzlich erneut angehoben hätten, kündigte der BWE Beschwerde bei der Strompreisaufsicht an.

Die Nortorfer farmatic biotech energy AG will sich von ihrer fünfzigprozentigen Beteiligung an der Holsworthy Biogas Ltd in Großbritannien trennen. Die Anteile sollen an die Now Power Ltd gehen, farmatic werde aus allen Verpflichtungen entlassen, hieß es. Die Betreibergesellschaft der Biogasanlage in Holsworthy habe die Umsatz- und Ergebnisziele nicht erfüllt. Die Anlage sei nicht ausgelastet gewesen, da die Anlieferung von Biomasse in der Region unter den Erwartungen geblieben sei. Die Trennung sei ein Schritt der Konzentration auf die Kernkompetenz, den Anlagenbau. Künftig würden Beteiligung und Mitfinanzierung im Projektgeschäft von farmatic nur noch eine untergeordnete Rolle spielen. Der Kurs zog deutlich an, prallte jedoch mehrmals an der 0,80 Euro-Linie ab. Der Schlusskurs von 0,76 Euro bedeutet eine Zunahme um 15 Prozent gegenüber der Vorwoche.
Der Mannheimer Energiedienstleister MVV Energie AG wird laut Agenturberichten im laufenden Geschäftsjahr 2003/2004 Einmalbelastungen ausweisen. Grund seien Restrukturierungen, zu denen auch die Neuordnung der Powerline-Aktivitäten zähle. MVV notierten leicht stärker bei 16,10 Euro.

Im Zuge der Übernahme der Düsseldorfer Wedeco AG hat sich die US-amerikanische Gesellschaft ITT Industries Inc. nach eigenen Angaben 81,4 Prozent der Anteile gesichert. Die Kartellbehörden in Deutschland, den USA und Spanien hätten dem Zusammenschluss zugestimmt. Wie bei der Vestas/NEG Micon-Übernahme wurde auch hier die Angebotsfrist für die verbleibenden Wedeco-Aktionäre verlängert, und zwar bis zum 6. Februar 2004. Die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK), München, empfahl den verbleibenden Aktionären, auf dieses Angebot einzugehen. Ziel der neuen Herren sei laut SdK eine Beteiligungsquote von mindestens 95 Prozent, so dass im Anschluss über den Weg eines Squeeze out die freien Aktionäre aus dem Unternehmen gedrängt werden könnten.

Presseberichten zufolge hat der Energieversorger RWE seine zehnprozentige Beteiligung an dem Kölner Recycling-Unternehmen Interseroh AG verkauft. RWE halte nun keine Stimmrechte mehr, hieß es. Interseroh stiegen um ein Prozent auf 13 Euro.

Nach dem starken Kursanstieg der Aixtron AG in den letzten Wochen haben mehrere Analystenhäuser die Aktie des Spezialmaschinenbauers zurückgestuft. Die aktuelle Bewertungshöhe sei nicht nachvollziehbar, hieß es bei der Landesbank Rheinland-Pfalz. Auch SES Research konnten keine Begründung für den Kursaufschwung ausmachen. Aixtron notierten zum Wochenschluss bei 6,76 Euro, 20 Prozent höher als vor einer Woche. Seit Jahresbeginn hat der Kurs um 42 Prozent zugelegt.

Der österreichische Wassertechnik-Spezialist Best Water Technology AG meldete einen Auftrag aus Taiwan. Für einen nicht genannten Hersteller von Flachbildschirmen soll eine Reinstwasser-Aufbereitungsanlage im Wert von fünf Millionen Euro geliefert werden. BWT gaben in Wien nach dem kräftigen Kursschub der Vorwochen vier Prozent auf 16,19 Euro ab. Analysten der Ersten Bank senkten die Einstufung der Aktie auf "reduce" und nannten 15 Euro als Kursziel. Die jüngste Kursrally der Aktie sei übertrieben, hieß es zur Begründung.
Zugleich erhöhten die Erste Bank-Spezialisten das Kursiel für den Karton- und Faltschachtel-Hersteller Mayr-Melnhof Karton AG auf 125 Euro. Mayr-Melnhof werde nach Einschätzung der Analysten stark von den Steuersenkungsplänen der österreichischen Regierung profitieren. Die Aktie zog leicht auf 104,59 Euro an.

Die US-amerikanische Notenbank schlug eine Forschungskonferenz vor, die die Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac untersuchen soll. Hintergrund sind einander widersprechende Berichte über den gesellschaftlichen Nutzen dieser halbstaatlichen Institute. Eine Studie habe ergeben, dass der Einsatz öffentlicher Mittel in keinem Verhältnis zur erreichten Zinssenkung für sozial schwache Kunden stehe. Die Congressional Hispanic Caucus, eine hispanische Lobby-Gruppe im US-amerikanischen Kongress, widersprach dieser Darstellung. Fannie Mae, das größere der beiden Institute, hat kürzlich die Ergebnisse des Geschäftsjahrs 2003 vorgelegt. Den Zahlen zufolge stieg das Geschäftsvolumen auf 1.423 Milliarden Dollar, nach 849 Milliarden im Vorjahr. Der Gewinn im Kerngeschäft ist um 14,3 Prozent auf 7,3 Milliarden oder 7,29 Dollar pro Aktie gestiegen. Fannie Mae führt das Wachstum auf die aktuell niedrigen Zinsraten in den USA zurück, die zu einer starken Ausweitung von Refinanzierungen bei Kreditnehmern geführt hätten. Der gesamte Konzerngewinn beläuft sich auf 7,9 Milliarden Dollar (7,91 Dollar pro Aktie). Das ist ein Zuwachs um 75 Prozent. Die Dividende auf die verschiedenen Papiere wurde erhöht. Die "common stock"-Aktie (FNM) kletterte in New York um sieben Prozent auf 78,01 Dollar. Verschiedene Analystenhäuser empfahlen Fannie Mae zum Kauf, darunter Merrill Lynch mit einem Kursziel von 81 Dollar.

Evergreen Solar Inc., ein Solarzellenhersteller aus den USA, meldete den Abschluss eines Forschungsprojektes. Mit den Ergebnissen werde es möglich, künftig vier statt zwei Solarzellen-Strings aus einer einzigen Silizium-Schmelze zu ziehen. Das verbesserte Verfahren könne die Herstellungskosten für photovoltaische Anlagen weiter senken, hieß es. Evergreen gaben zwei Prozent auf 2,29 Dollar nach.

Die US-amerikanische Lebensmittelkette Whole Foods Market Inc. hat nach eigenen Angaben einen Vertrag zur Übernahme der britischen Fresh & Wild Holdings Ltd unterschrieben. Die abgebenden Fresh & Wild-Aktionäre könnten zwischen Cash und Whole Foods-Aktien wählen, hieß es. Insgesamt wird Whole Foods die Transaktion voraussichtlich 38 Millionen Dollar kosten. Auswirkungen auf das Jahresergebnis erwarte das Unternehmen nicht. Fresh & Wild verfügt den Angaben zufolge über sechs Geschäfte in England. Whole Foods verloren zwei Prozent auf 68,84 Dollar.

Einige Pennystocks haben in der vergangenen Woche deutlich zugelegt. Die Hamburger Unternehmensberatung B.A.U.M. AG stieg um 32 Prozent auf 0,12 Euro; der Hamburger Windturbinenhersteller Nordex AG kletterte ebenfalls um 32 Prozent und hat mit dem Schlusskurs von 1,04 Euro den Pennystockbereich zunächst wieder verlassen. Adcon Telemetry AG aus Österreich verdoppelten sich an der Frankfurter Börse sogar auf 0,225 Euro. Im Vergleich zum Jahresbeginn ist der Adcon-Kurs um 650 Prozent gestiegen. In den USA fiel der Teppichhersteller Interface Inc. mit einem Kursplus von 20 Prozent auf 8 Dollar auf.

Bildnachweis: Photovoltaikelement aus der Produktion der Konstanzer Sunways AG / Quelle: Unternehmen

Adcon Telemetry AG (ISIN AT0000793658 / WKN 922220)
Aixtron AG (ISIN DE0005066203 / WKN 506620)
B.A.U.M. AG (ISIN DE0005083109 / WKN 508310)
Best Water Technology AG (ISIN AT0000737705 / WKN 884042)
Evergreen Solar Inc. (ISIN US30033R1086 / WKN 578949)
Fannie Mae (ISIN US3135861090 / WKN 856099)
farmatic biotech energy AG (ISIN DE0006051923 / WKN 605192)
Interface Inc. (ISIN US4586651063 / WKN 868656)
Interseroh AG (ISIN DE0006209901 / WKN 620990)
Mayr-Melnhof Karton AG (ISIN AT0000938204 / WKN 890447)
MVV Energie AG (ISIN DE0007255903 / WKN 725590)
NEG Micon A.S. (ISIN DK0010253681 / WKN 897922)
Nordex AG (ISIN DE0005873574 / WKN 587357)
SolarWorld AG (ISIN DE0005108401 / WKN 510840)
Solon AG (ISIN DE0007246308 / WKN 747119)
Sunways AG (ISIN DE0007332207 / WKN 733220)
Umweltkontor Renewable Energy AG (ISIN DE0007608101 / WKN 760810)
Vestas Wind Systems A.S. (ISIN DK0010268606 / WKN 913769)
Wedeco AG (ISIN DE0005141808 / WKN 514180)
Whole Foods Market Inc. (ISIN US9668371068 / WKN 886391)


Dieser Umweltaktien-Wochenrückblick erscheint mit freundlicher Unterstützung der UmweltBank.
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