25.01.06 Nachhaltige Aktien , Meldungen

26.1.2006: Wachhund-Rubrik: Ecomares und Caviar Creator - wer Aktionäre fischt, sollte keinen Fischkrieg anzetteln - zweite Aktienemission mittendrin abgebrochen

Beide wollen mit Fischen und so genannten Aquakulturen das große Geld verdienen, beide wollen von Aktionären Geld bekommen, nun liefern sie sich einen filmreifen Fischkrieg mitten in Düsseldorf: Caviar Creator Inc. und Ecomares Inc. Die Kollateralschäden entstehen vor allem bei den Mitarbeitern und den Anlegern der Unternehmen. Nebeneffekt des Fischkriegs: Es wurden Tatsachen bekannt, die es geraten scheinen lassen, nach Caviar Creator auch Ecomares in die Wachhund-Rubrik einzuordnen.


Ein Statement seines Unternehmens zu den schweren Vorwürfen gegen leitende Mitarbeiter der Caviar Creator und deren Angehörige, erhoben von der Ecomares (ECOreporter.de berichtete), hatte der Sprecher der Caviar Creator Inc., Bruno Neurath-Wilson, versprochen. An den Vorwurf, die Gattin des "President und Chairman" von Caviar Creator Inc., Nevada, sei bei der Ecomares eingebrochen, musste Neurath-Wilson dann im Gespräch mit ECOreporter.de erinnert werden. Damit habe doch das Unternehmen nichts zu tun, das sei ein privater Streit, über den er gar nicht Bescheid wisse, so der Sprecher. Dem Einwand, dass die Frau in den USA als President der Caviar Creator Cosmetics Inc. eine verantwortliche Position im Unternehmen ausübe, begegnete der Unternehmenssprecher so: "Ach ja, das hatte ich ganz vergessen."

Aktienfischer in der Innenstadt
Was ist aus seiner Sicht der Gegenstand des Streits mit der Ecomares? Neurath-Wilson: "Wir vermieten sechs von sieben Etagen eines Bürogebäudes in guter Lage in Düsseldorf an Ecomares. Dafür wurde die fällige Miete nicht mehr entrichtet. Daraufhin haben wir lediglich die Nutzung der Räume verhindert. Die Unterlagen, Computer etc. haben wir nicht angerührt, die interessieren uns gar nicht." Wie der Unternehmenssprecher weiter erklärte, ist Caviar Creator selbst auch nur Mieter des Bürokomplexes und hat an Ecomares untervermietet. Aufgrund der Größe des Gebäudes bedeuteten die Mietausfälle einen hohen Verlust für die Gesellschaft. "Wir haben das Problem, dass wir für ein Gebäude in bester Düsseldorfer Lage, das wir selbst nur zu einem Siebtel nutzen, die volle Miete aufbringen müssen", so Neurath-Wilson. Man sei mit der Sache noch nicht vor Gericht gegangen, antwortet er auf die Frage, ob Rechtsmittel eingelegt worden seien. Man hoffe auf eine friedliche Einigung. Von einem öffentlich ausgetragenen Streit hätten letztlich beide Parteien nur Nachteile.

Für Ecomares-Sprecherin Angela Borowski stellt sich die aktuelle Lage ganz anders dar: "Die Miete wurde ordnungsgemäß bezahlt", sagte Borowski gegenüber ECOreporter.de. Es sei zutreffend, dass die sechs Etagen des Düsseldorfer Bürogebäudes von der Ecomares genutzt werden, bestätigt sie. Wofür benötigt ein Kieler Unternehmen mit Firmensitz im US-amerikanischen Las Vegas, Nevada, eine so große Bürofläche mitten in Düsseldorf? Denn laut Ecomares-Webseite vom Oktober 2005 hat das Unternehmen lediglich "weltweit mehr als 100 Mitarbeiter". Borowski sagt aber, 90 Beschäftigte säßen in Düsseldorf. Und an was arbeiten diese dort, um für die Firma Gewinne zu erzielen? Borowski: "Die Räume wurden von den cirka 90 Mitarbeitern unseres Aktienvertriebs genutzt. " In Worten: neunzig. Zum Streit mit Caviar Creator berichtet die Sprecherin weiter, dass den Ecomares-Mitarbeitern der Zugang in die Büros verwehrt worden sei. "Daraufhin haben wir beim Düsseldorfer Landgericht einen Antrag auf einstweilige Verfügung gestellt", erklärte Borowski. "Das Gericht hat angeordnet, dass die Nutzung der Büros sofort wieder ermöglicht werden muss. Unsere Mitarbeiter sind am 18. Januar in Begleitung eines Gerichtvollziehers und unseres Anwalt dorthin gegangen." Es habe persönlichen und tätlichen Widerstand gegen den Gerichtvollzieher gegeben, so die Sprecherin der ECOmares. Der Beamte habe schließlich polizeiliche Unterstützung angefordert. Beim Betreten der Räume hätten die Ecomares-Mitarbeiter bemerkt, dass Akten und Computer entwendet worden seien. Schlösser seien aufgebrochen gewesen, es hätten sogar persönliche Unterlagen von Mitarbeitern gefehlt, so Borowski: "Wir haben beschlossen, das jetzt ganz über die Behörden abzuwickeln; der Staatsanwalt wird die weiteren Schritte diktieren. Unsere Aktionäre sind informiert."

Den Verkauf seiner Aktien hat das Kieler Unternehmen nach Angaben der Sprecherin einstweilen eingestellt. Solange die Ermittlungen liefen, solle das so bleiben. "Es wurden Unterlagen mit Daten von Kunden entwendet. Wir brauchen eine lückenlose Aufklärung." Die im Juni 2005 angelaufene zweite Emissionsrunde der Gesellschaft wurde abgebrochen. Auf Nachfrage von ECOreporter.de verrät die Sprecherin, dass bislang etwa zehn Millionen Aktien der Ecomares Inc. verkauft werden konnten. Zum finanziellen Volumen der Platzierung will sie sich nicht äußern. "Dazu habe ich keine Zahlen", so Borowski.

ECOreporter.de hat Zahlen: Die erste Tranche Aktien wurde 2004 vertrieben; in einer Meldung der Gesellschaft hieß es im Oktober 2004, die Zahl der angebotenen Aktien sei "zunächst auf zwei Millionen begrenzt". Die Aktien wurden zum Preis von 1,50 Euro vertrieben. Acht Monate später mussten die Käufer von Ecomares-Aktien schon bedeutend tiefer in die Tasche greifen. Im Emissionsprospekt heißt es: "Der Ausgabepreis für eine auf den Namen lautende Stammaktie der Ecomares INC. mit einem Nennwert von 1,00 US-Dollar beträgt Euro 2,75." Im Rahmen der Emission sollten acht Millionen Anteilscheine verkauft werden. Millionen Erlöse also für Ecomares, ein Unternehmen, das in der "vorläufigen Erfolgsrechnung" zum 31. Dezember 2004 Umsätze in Höhe von 1,4 Millionen Euro auswies. Aktuellere Zahlen hat das Unternehmen nicht veröffentlicht. Wie die Sprecherin bestätigte, wollen die Kieler an ihren Plänen festhalten, 2007 an die Börse zu gehen.

ECOreporter.de hat nun auch Ecomares in die Wachhund-Rubrik eingeordnet, wo über Caviar Creator schon früher berichtet wurde. Eine ausgesetzte Aktienemission und ein derartiger Streit wären Gründe genug, als Ecomares-Anleger um sein Geld zu fürchten. Dass aber ein kleines Unternehmen 90 Mitarbeiter im Aktienvertrieb hat - und wohl auch bezahlt -, würde schon allein als Grund für ein heftiges Bellen des Wachhundes ausreichen. Caviar Creator scheint dagegen einfach dadurch gefährdet zu sein, dass die Mietzahlungen im Streit sind. Gleichgültig, wer bei dem Streit recht hat - Geld werden alle Beteiligten verlieren. Noch ein Grund, beide Unternehmen sehr kritisch zu beäugen und sich sorgen um das Geld der Anleger zu machen.

Bildhinweis:
Der Vorstand von Caviar Creator / Quelle: Unternehmen;
Das Gros seiner Mitarbeiter ist offenbar mit dem Verkauf von Aktien des Unternehmens beschäftigt: Ecomares-Vorstand Kuhlmann / Quelle: Unternehmen;
Finden die eigentlichen Fischzüge der Ecomares in Düsseldorf statt? Wolfsbarsch im Netz / Quelle: Unternehmen
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