02.06.03

2.6.2003: Wochenrückblick: Viel Licht, viel Schatten: Staatsknete für SolarWorld — farmatic unter Druck — Nordex gefährdet — Vestas im Aufwind

Die Indizes der Weltbörsen wiesen in der vergangenen Woche durchweg nach oben. Um sechs Prozent verbesserte sich der DAX, um drei Prozent der MDAX und um fünf Prozent der TecDAX. Der US-amerikanische Dow Jones Industrial Average Index kletterte um drei und der Nasdaq Combined Composite Index um sechs Prozent. in Japan legte der Nikkei-225 drei Prozent zu.

Vestas Wind Systems A.S. hat in Deutschland Marktanteile gewonnen. Das gab der dänische Hersteller von Windturbinen in seiner Quartalsinformation bekannt. Deutschland sei für Vestas weiterhin der größte Markt in Europa. In anderen Ländern kam es nach Unternehmensdarstellung zu Verzögerungen, darunter in den Niederlanden, in Belgien, Italien und - wie erwartet - in den USA. Der Markteintritt in Spanien verzögere sich ebenfalls. Der Auftragsbestand der Dänen liegt laut der Meldung auf dem Niveau vom März des Vorjahres. Vestas bleibt bei seiner Prognose von 1,7 bis 1,8 Milliarden Euro für den Jahresumsatz, reduziert aber die geplante EBIT-Marge um einen Prozentpunkt auf sieben Prozent. Als Gründe für die Gewinnwarnung wurden die Wechselkursverhältnisse angegeben. Analysten aus dem Hause JP Morgan senkten daraufhin ihre Gewinnprognose auf 0,52 Euro pro Aktie für das Gesamtjahr 2003. Den Analysten zufolge liegt der faire Kurs nun bei 52 Dänischen Kronen, sie empfahlen die Aktie "unterzugewichten". Lehman Brothers hingegen nannten die Vestas-Aktie unterbewertet, als Kursziel gaben sie 65 Kronen aus. Die Börsenteilnehmer zahlten bei steigenden Umsätzen bis zu 58 Kronen für die Vestas-Aktie - 24 Prozent mehr als zum Ende der Vorwoche. Vestas veröffentlicht traditionell keine Zahlen für das erste Quartal. Der Halbjahresbericht wurde für den 19. August angekündigt.

Der deutsche Konkurrent auf dem Windanlagenmarkt, die Norderstedter Nordex AG, meldete sinkende Nachfrage nach seinen Produkten. Die Gesamtleistung im zweiten Quartal (Januar bis März) sei auf 56 Millionen Euro eingebrochen, nach 94 Millionen im Vorjahresquartal, teilte Nordex mit. Im Halbjahr sei die Gesamtleistung um 14 Prozent auf 164 Millionen gesunken, der Auftragseingang liege mit 68 Millionen Euro nur bei etwa einem Drittel des Vorjahres. Die unerwartet schwachen Umsätze hätten zu erhöhten Kosten geführt; zudem habe man außerordentliche Rückstellungen für Risiken aus Altprojekten vornehmen müssen, hieß es. Insgesamt fuhr Nordex in den beiden Quartalen einen Verlust vor Zinsen und Steuern (EBIT) von 28,8 Millionen Euro ein. Der Turbinenhersteller kündigte für das Gesamtjahr einen operativen Verlust von 40 bis 45 Millionen Euro an. Im Geschäftsjahr 2004/05 will er wieder schwarze Zahlen schreiben. Analysten der Hamburgischen Landesbank nannten die Entwicklung "dramatisch" und rieten, die Aktien zu "verkaufen". Gleichlautende Empfehlungen gaben Analysten der Landesbank Baden-Württemberg und von HSBC Trinkaus & Burkhardt. Ein Analyst von equinet votierte unverändert mit "halten". Die Nordex-Aktie verlor 21 Prozent auf 1,03 Euro.

Der spanische Maschinenbaukonzern Gamesa (Grupo Auxiliar Metalurgico SA) hat sechs Windparks im Gesamtwert von 188,5 Millionen Euro an den Energieversorger Iberdrola SA verkauft. Dies sei Teil einer Vereinbarung zwischen Iberdrola und Gamesa vom vorigen Jahr, teilte Iberdrola mit. Gamesa soll 136,4 Millionen Euro in bar erhalten, Iberdrola will zudem 52,1 Millionen Euro an Schulden übernehmen. Iberdrola plant nach eigenen Angaben, seinen Bestand an Windkraftwerken bis zum Jahresende auf 2,6 Gigawatt auszubauen. Bis zum Jahr 2006 sollen es 3,8 Gigawatt werden. Für diesen Ausbau stehen nach Angaben von Iberdrola 2,4 Milliarden Euro zur Verfügung. Iberdrola wurde am Freitag in Madrid für 14,86 Euro gehandelt, Gamesa verteuerten sich und schlossen fünf Prozent fester mit 18,85 Euro. Gamesa erzielte im vergangenen Geschäftsjahr knapp die Hälfte seiner Umsätze aus dem Verkauf von Windturbinen, hinzu kommt ein kleiner Umsatzanteil aus dem Verkauf von Windstrom.

Die Umweltkontor Renewable Energy AG legte die Ergebnisse des ersten Geschäftsquartals vor. Der Mitteilung zufolge stieg der Umsatz auf 45,66 Millionen Euro, nach 6,97 Millionen im Vorjahresquartal. Das Konzernergebnis verbesserte sich von minus 1,16 Millionen auf minus 0,37 Millionen Euro. Der Bestand an liquiden Mitteln wuchs auf 19,62 Millionen Euro, so dass die Eigenkapitalquote laut der Meldung nun über 30 Prozent liegt. Die Sparten Wind, Sonne und Wasser hätten profitabel gearbeitet, hieß es, während man mit der Bioenergie weiterhin rote Zahlen schrieb. Grund seien technische Optimierungen beim Hochfahren der Biodieselraffinerie Schwarzheide gewesen; ab dem zweiten Quartal würden auch hier schwarze Zahlen erwartet, so Umweltkontor. Die Aktie des Erkelenzer Unternehmens verteuerte sich um zehn Prozent auf 1,38 Euro. Nach Einschätzung der Analysten von SES Research hat Umweltkontor eine langfristige Perspektive, sie bewerteten die Aktie mit "Marketperformer".

Die EU-Richtlinie zur Förderung von Biokraftstoffen ist Mitte Mai 2003 in Kraft getreten. Sie sieht vor, dass bis Ende 2005 mindestens zwei Prozent aller Otto- und Dieselkraftstoffe für den Verkehrssektor als Biokraftstoff oder anderer erneuerbarer Kraftstoff verfügbar sein müssen. Dieser Anteil soll danach weiter steigen. Das Umweltkontor-Segment Bioenergie könnte davon profitieren. Negativ könnten sich Frost und Trockenheit der vergangenen Monate auswirken, die nach Angaben des Statistischen Bundesamts (Destatis) zu "beträchtlichen Schäden" unter anderem an Winterraps geführt haben. Eine Verknappung des Rohstoffs könnte erhöhte Einkaufspreise für Umweltkontor zur Folge haben.

Die Plambeck Neue Energien AG, ein Windparkentwickler aus Cuxhaven, teilte mit, dass ihr Aufsichtsratsvorsitzender Norbert Plambeck für weitere fünf Jahre wiedergewählt wurde. Das Unternehmen gab zudem Hintergründe zur Akquisition der dänischen SSP-Technology A/S bekannt. Der Kurs der Plambeck- Papiere konnte sich wieder leicht auf 3,93 Euro erholen. Bei zwei anderen norddeutschen Projektierer-Gesellschaften gab es deutlichere Kurszuwächse: Energiekontor AG stiegen um fünf Prozent auf 2,85 Euro, P&T Technology AG um zwölf Prozent oder vier Cent auf 0,37 Euro.

Der Bonner Solarkonzern SolarWorld AG hat nach eigenen Angaben Kreditvereinbarungen über rund 50 Millionen Euro unterzeichnet. Die Verträge seien von Bundes- und Landesbürgschaften in Höhe von 80 Prozent flankiert, hieß es. Das Geld soll dem Vernehmen nach für die Erweiterung der Solarzellen- und Modulproduktion in Freiberg (Sachsen) eingesetzt werden. SolarWorld beantragte laut der Meldung bei der Frankfurter Wertpapierbörse die Aufnahme in das Börsensegment Prime Standard. Der Aktie bescherten die Nachrichten einen Aufschwung um fünf Prozent auf 4,60 Euro.

Die condomi AG hat im abgeschlossenen Neunmonatszeitraum ihren Umsatz um 17,6 Prozent steigern können. Das EBIT betrage minus 2,1 Millionen Euro und sei durch Sondereinflüsse belastet, hieß es. Der Kurs des Kölner Kondomherstellers gab vier Prozent auf 2,56 Euro nach.

Der Schienenverkehrstechnik-Konzern Vossloh AG konnte auf der Hauptversammlung in Werdohl über Umsätze und Gewinne berichten, die in den vergangenen Monaten höher als erwartet ausfielen. Aus diesem Grunde erhöhte der Vorstand die Prognose für das Gesamtjahr: Der Umsatz soll nun auf annähernd 890 Millionen Euro und das EBIT auf 97 Millionen Euro gesteigert werden. Die zuvor stark gestiegene Vossloh-Aktien verloren fünf Prozent auf 31,30 Euro.

Der Hersteller von Biogaskraftwerken farmatic biotech energy AG teilte in einer Pflichtmeldung mit, dass nach dem Ermessen des Vorstands die Hälfte des Grundkapitals durch Verluste aufgezehrt ist. Dies habe sich aus neuen Abschreibungen und Wertberichtigungen sowie dem Ausbleiben geplanter Erträge ergeben. Die Umsetzung eines Finanzierungskonzeptes, das sowohl das Fremd- als auch das Eigenkapital erhöhen solle, stehe kurz vor dem Abschluss, hieß es. Farmatic kletterten 13 Prozent auf 1,70 Euro.

Aus einem Brief der Planus AG an die Aktionäre geht hervor, dass der Vorstand Insolvenzantrag gestellt hat. Grund sollen Schwierigkeiten bei der Finanzierung einer Produktionsstätte für LED-Lichttechnik sein. Die Planus-Aktie verlor fast ohne Umsätze rund 60 Prozent ihres Wertes, sie notierte am Freitag bei 10 Cent.

Die Adcon Telemetry AG, ein Telemetrie-Anbieter aus Österreich, gab die Insolvenz ihrer holländischen Tochter Adcon RF Technology B.V. bekannt. Für die Adcon Telemetry AG könne dies Wertberichtigungen zur Folge haben. Der Vorstandsvorsitzende Günther Walcher habe sein Amt niedergelegt, die für den 30. Juni anberaumte Hauptversammlung werde verschoben, hieß es weiter. Die Adcon-Gruppe hat laut der Mitteilung im vergangenen Quartal rückläufige Umsätze verbucht. Nach 3,18 Millionen Euro im Vorjahresquartal waren es nur noch 2,77 Millionen. Das EBIT habe sich von minus 1,87 Millionen auf minus 1,58 Millionen Euro verbessert. Adcon stürzten um 24 Prozent auf 0,68 Euro ab.

Die österreichische SW Umwelttechnik AG berichtete über Quartalsumsätze in Höhe von 8,3 Millionen Euro, fast 13 Prozent weniger als im ersten Quartal des Vorjahres. Ursachen für den Rückgang seien der lange Winter in Zentral- und Osteuropa sowie die stagnierende Baukonjunktur gewesen. Das Unternehmen wies darauf hin, dass im ersten Quartal üblicherweise nur zehn bis 15 Prozent des Jahresumsatzes generiert würden. Das EBIT betrage minus 2,3 Millionen Euro, nach minus 1,3 Millionen im Vorjahresquartal. Der Auftragsbestand sei um 13 Prozent auf 25 Millionen Euro gestiegen, die Umsatzentwicklung im April sei "erfreulich", so dass man einen gedämpft optimistischen Ausblick geben könne, so der Vorstand. Die Aktie gab in Wien unter geringen Umsätzen um drei Prozent auf 16,60 Euro nach.

Einen kräftigen Kursschub um zehn Prozent auf 11,40 Euro erfuhr die Vorzugsaktie des schwäbischen Tondachziegelherstellers Creaton AG. Ohne dass aktuelle Nachrichten bekannt geworden wären, legten auch die vier US-amerikanischen Umweltaktien Capstone Turbine Corp., Herman Miller Inc., Spire Corp. und Transmeta Corp. zweistellig zu.

Adcon Telemetry AG (ISIN AT0000793658 / WKN 922220)
Capstone Turbine Corp. (ISIN US14067D1028 / WKN 615344)
condomi AG (ISIN DE0005444905 / WKN 544490)
Creaton AG (ISIN DE0005483036 / WKN 548303)
Energiekontor AG (ISIN DE0005313506 / WKN 531350)
farmatic biotech energy AG (ISIN DE0006051923 / WKN 605192)
Gamesa (ISIN ES0143416016 / WKN 589858)
Herman Miller Inc. (ISIN US6005441000 / WKN 863205)
Iberdrola SA ISIN ES0144580018 / WKN 851357)
Nordex AG (ISIN DE0005873574 / WKN 587357)
P&T Technology AG (ISIN DE0006852809 / WKN 685280)
Plambeck Neue Energien AG (ISIN DE0006910326 / WKN 691032)
Planus AG (ISIN DE0006929508 / WKN 692950)
SolarWorld AG (ISIN DE0005108401 / WKN 510840)
Spire Corp. (ISIN US8485651074 / WKN 870534)
SW Umwelttechnik AG (ISIN AT0000808209 / WKN 910497)
Transmeta Corp. (ISIN US89376R1095 / WKN 564775)
Umweltkontor Renewable Energy AG (ISIN DE0007608101 / WKN 760810)
Vestas Wind Systems A.S. (ISIN DK0010268606 / WKN 913769)
Vossloh AG (ISIN DE0007667107 / WKN 766710)




Dieser Umweltaktien-Wochenrückblick erscheint mit freundlicher Unterstützung der UmweltBank.
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