02.06.06 Nachhaltige Aktien , Meldungen

2.6.2006: Charta für verantwortliches Investment soll die Finanzmärkte erobern

Eine Initiative von institutionellen Investoren, Vermögensverwaltern und Finanzdienstleistern mit einem Anlagevermögen von rund vier Billionen Euro haben sich auf einheitliche Prinzipien für verantwortliches Investment verständigt. Diese "Principles for Responsible Investment" wurden kürzlich von UN-Generalsekretär Kofi Annan der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Unterzeichner der Prinzipien wollen soziale und ökologische Kriterien in der Finanzanalyse etablieren. Vor allem bei langfristigen Anlagen erhoffen sie sich dadurch einen positiven Einfluss auf Risiko und Return.

Institutionelle Anleger, Vermögensverwalter und Finanzdienstleister, die über ein Anlagevermögen von rund vier Billionen Euro verfügen, wollen fortan einheitliche Prinzipien für verantwortliches Investment befolgen. Sie haben die "Principles for Responsible Investment" unterzeichnet, die kürzlich von UN-Generalsekretär Kofi Annan in der New Yorker Börse der Öffentlichkeit vorgestellt wurden. "Diese Prinzipien bieten einen Rahmen für bessere langfristige Investitionen und nachhaltigere Märkte," erklärte Annan. Er forderte internationale Investoren und ihre Geschäftspartner ausdrücklich auf, sich diesen Prinzipien anzuschließen. Die Direktorin des Umweltprogramms der UN (UNEP), Monique Barbut, geht davon aus, dass die vorgelegten Prinzipien wegweisend sein werden für die Geschäftspraktiken des weltweiten Finanzmarktes im 21. Jahrhundert.

Einige der einflussreichsten internationalen Investoren, darunter viele Pensionsfonds wie der weltgrößte Pensionsfonds Calpers, hatten die Prinzipien gemeinsam mit Experten aus aller Welt im Rahmen einer Reihe von Konferenzen entwickelt. Koordiniert wurde der Prozess von der Finanzinitiative des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP FI) und dem UN Global Compact, einem internationalen Netzwerk von Unternehmen, UNO- und Nicht-Regierungsorganisationen für die soziale und ökologische Gestaltung der Globalisierung. Laut Georg Kell, dem Geschäftsführer des Global Compact, ermöglichen die Prinzipien jetzt eine Verlinkung der Finanzmärkte mit unternehmerischer Verantwortung. Sie seien ein Meilenstein bei der Entwicklung universeller Werte für eine nachhaltigere Weltwirtschaft.

Zu den bisherigen Unterzeichnern gehören institutionelle Investoren aus allen fünf Kontinenten und führende Vermögensverwalter wie ABN AMRO oder Credit Agricole. Einziges deutsches Unternehmen ist die Münchener Rück, die sich auch an der Entwicklung der Prinzipien beteiligt hat. Diese erfolgte "im Zusammenspiel abwechselnd tagender Arbeitsgruppen", erläutert Rolf Häßler, beim weltweit größten Rückversicherer Fachmann für nachhaltiges Investment. "70 Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft tauschten ihre Ergebnisse aus mit einer Gruppe aus den Reihen der Investoren, die dann die endgültige Formulierung der Prinzipien übernahm." Das Ergebnis sind sechs recht allgemein gehaltene Richtlinien sowie Checklisten für deren praktische Anwendung. Danach verpflichten sich die Unterzeichner unter anderem, bei Investitionsentscheidungen Aspekte der Bereiche Umwelt, Gesellschaft und Corporate Governance zu berücksichtigen sowie bei der weiteren Verbreitung dieser Prinzipien in der Finanzwelt zusammenzuarbeiten (im Einzelnen sind sie im Internet in englischer Sprache nachzulesen unter: Principles

"Die Beschränkung auf sechs Prinzipien soll die Komplexität begrenzen", begründet Rolf Häßler die Auswahl. Ziel sei es gewesen, "eine handhabbare Zahl von Prinzipien zu entwickeln, die es möglichst vielen Investoren ermöglicht, sich daran zu orientieren. Wichtig war es, eine Basis zu finden, auf der dann aufgebaut werden kann." Es sei einfacher, aus einem breiten Konsens heraus Detailabläufe immer genauer und präziser auszuformulieren als gleich zu Beginn allzu hohe Hürden zu setzen, so der Nachhaltigkeitsexperte der Münchener Rück. Die "Principles for Responsible Investment" könnten dazu beitragen, die zahlreichen bereits bestehenden Initiativen in diesem Themenbereich zu bündeln und so noch kraftvoller zu machen. Sie seien ein Beitrag zur stärkeren Berücksichtigung von sozialen und ökologischen Kriterien im Assetmanagement. Sein Unternehmen halte dies für den richtigen Weg: "Wir sind davon überzeugt, dass die Integration solcher Kriterien in den Investmentprozess einen positiven Einfluss auf Risiko und Return der Anlagen haben und gleichzeitig Risiken auf der Passivseite unserer Bilanz positiv beeinflussen kann."

Die Münchener Rück wendet bereits seit Jahren einen Katalog mit nachhaltigkeitsbezogenen Kriterien bei Investments in Aktien und Unternehmensanleihen an. Angeregt durch die UN-Prinzipien wollen andere nun nachziehen, etwa die französische Caisse des Dépôts. Die hatte bislang nur teilweise Umwelt- und Sozialaspekte bei ihren Investments berücksichtigt. Wie deren CEO Francis Mayer mitteilt, sollen die "Principles for Responsible Investment" fortan auf all ihre Anlagen angewendet werden. Das sei im öffentlichen Interesse. "Wir managen das Vermögen künftiger Generationen", begründet Knut Kjaer, Executive Director des staatlichen norwegischen Pensionsfunds, stellvertretend für andere institutionelle Investoren die Unterzeichnung der Prinzipien. Daher erkenne man die Verbindung zwischen dem verantwortlichen Verhalten von Unternehmen, Märkten und Industrien und langfristigem Profit ausdrücklich an.

Allerdings dürfte es nicht einfach sein, die aufgestellten Prinzipien in der Breite durchzusetzen. "Finanzmärkte tendieren dazu, sich zu sehr auf kurzfristige Erträge zu fokussieren", stellt Denise Napper fest, Schatzmeisterin des US-Bundesstaates Connecticut. Sie vertritt federführend einen 23 Milliarden Dollar schweren Pensionsfonds. Dies geschehe "zu Lasten von langfristigen und nicht rein traditionellen Finanzfaktoren, die aber auch die Basis eines Unternehmens erschüttern können." Doch da viele institutionelle Investoren ihre Anlagen langfristig ausrichteten, bekämen Umwelt-, Sozial- und Governancekriterien in diesem Kontext eine neue Bedeutung, so Napper weiter.

Die "Prinzipien für verantwortliches Investment" lauten:
1. Soziale, Umwelt-, und Corporate Governance-Aspekte fließen in unsere Analysen und Investitionsentscheidungen ein
2. Wir setzen uns als Investor aktiv für Berücksichtigung dieser Aspekte ein
3. Von den Unternehmen, in die wir investieren, verlangen wir ausführliche Informationen über diese Aspekte
4. Wir setzen uns für die Verbreitung der Prinzipien in der Investmentbranche ein
5. Wir arbeiten bei der Umsetzung der Prinzipien zusammen
6. Wir erstatten Bericht über unsere Umsetzung der Prinzipien

Bild: UN-Generalsekretär Kofi Annan präsentierte die Prinzipien in der NYSE / Quelle: UN
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