26.03.04 Nachhaltige Aktien , Meldungen

26.3.2004: "Wir sind wir schon seit Jahren nachhaltig" - ECOreporter.de-Interview mit Dr. Gert-Jan Huisman, Vorstandsvorsitzender der Centrotec AG

Die Centrotec Hochleistungskunststoffe AG aus Brilon hat ihren Firmennamen geändert. Das Unternehmen, das beispielsweise Niedrigenergieheizungs- und -lüftungssysteme herstellt, heißt nun "Centrotec Sustainable AG". Was hat es mit dem neuen Namen auf sich? Ändern sich auch Strategie und Geschäftsmodell des wirtschaftlich erfolgreichen Mittelständlers und wie nachhaltig ist das Unternehmen? ECOreporter.de sprach über diese und weitere Fragen mit Dr. Gert-Jan Huisman, Vorstandsvorsitzender der Centrotec AG.

ECOreporter.de: Herr Huisman, die Centrotec AG soll einen neuen Namen erhalten und in Zukunft Centrotec Sustainable AG heißen. Hintergrund ist der zunehmende Anteil ökoeffizienter Produkte an ihrem Umsatz. Der Begriff "Nachhaltigkeit" ist umfassend und beschreibt sämtliche Beziehungen des Unternehmens zu seinen Stakeholdern. Wie werden Sie dies in der Centrotec AG umsetzen?
Dr. Gert-Jan Huisman: Die Namensänderung haben wir bereits vollzogen. Es bedarf für die endgültige Entscheidung noch eines HV-Beschlusses, an dem wir aber keinen Zweifel haben.
Unseren Nachhaltigkeitsbericht werden wir der Öffentlichkeit vorlegen. Darin werden wir selbstverständlich auf die verschiedenen Stakeholdergruppen wie Mitarbeiter, Aktionäre und Kunden oder die Umwelt eingehen.

Besonderen Wert legen wir neben der Umwelt auf die Motivation unserer Mitarbeiter. Beispielsweise gibt es bei uns "Spielwiesen", wo neue Produktideen und Innovationen am Markt erprobt werden.
Ein wesentlicher Teil unserer Wertschöpfung wird von sozialen Randgruppen gefertigt, hauptsächlich Behinderte und zu resozialisierende Menschen. An unserem größten Produktionsstandort in den Niederlanden gibt es eine permanente Abteilung von circa 10 arbeitsbehinderte Menschen, die so Schritt für Schritt den Weg in das normale Arbeitsleben finden können.

ECOreporter.de: Sehen Sie Ihr Unternehmen vom Selbstverständnis her als "nachhaltige Aktie" und streben Sie die Aufnahme in die Portfolios von nachhaltig ausgerichteten Fonds an?
Huisman: Selbstverständlich! Vom Charakter unseres Unternehmens her sind wir schon seit Jahren nachhaltig. Das wollen wir jetzt deutlicher kommunizieren. Über 70 Prozent unseres Umsatzes besteht aus Energiesparprodukten. Unsere beiden wichtigsten Produktgruppen sind Klimatisierungssysteme mit Wärmerückgewinnung und Abgassysteme für Brennwertheizkessel. In beiden Bereichen sind wir die Nummer eins in Europa und tragen stark zur Verbreitung dieser neuartigen Systeme bei. Mit der Wärmerückgewinnung lässt sich noch mal ein Drittel des Heizenergieverbrauchs einsparen. Wir arbeiten auch an energieschonenden Kühlungsverfahren, zum Beispiel über Wasserverdunstung oder über Phasenübergangsmaterialien.

ECOreporter.de: Wie ist die aktuelle Aktionärsstruktur der Centrotec AG?
Huisman: Die Gründerfamilie Krass hält knapp circa 58 Prozent. Der Free float liegt bei 42 Prozent.

ECOreporter.de: In welchem Umfang sind die durch Ihr Unternehmen hergestellten Kunststoffbauteile recyclingfähig? Können aus den der Verwertung zugeführten Teilen neue Produkte gleicher Qualität hergestellt werden oder handelt es sich um sogenanntes Downcycling?
Huisman: Ja und Nein. Unsere Produkte sind generell recyclingfähig. Allerdings in unterschiedlichem Grad, das hängt entscheidend von der Art der Durchmischung ab. Wenn die Werkstücke beispielsweise Glasfasern enthalten, lassen sie sich nur in bestimmten Anwendungen wiederverwerten. Der größte Teil unserer Produkte kann aber sortenrein recycelt werden. Überwiegend führen unsere Kunden etwa aus der Maschinenbauindustrie oder der Medizintechnik die Verwertung durch, zu uns kommen nur vergleichsweise wenige Erzeugnisse direkt zurück. Das liegt sicher auch an der langen Lebensdauer der Produkte, sie werden oft in Häusern eingebaut und tun dort jahrelang ihren Dienst.

ECOreporter.de: Sie produzieren auch Bauteile für die Luftfahrtindustrie. Wie stark fallen diese Erzeugnisse umsatzmäßig ins Gewicht?
Huisman: Unseren Composite-Materialien zeichnen sich durch extrem niedriges Gewicht bei hoher Belastbarkeit aus. Damit helfen wir Flugzeuge leichter zu machen. Das spart letztendlich Kerosin und entlastet die Umwelt. Wir liefern beispielsweise Teile für den neuen Airbus; 40 Prozent der Bauteile in diesem Flugzeug werden voraussichtlich Composites sein! Damit lassen sich wesentlich schwerere Metallbauteile einsparen, außerdem erhöht sich die Wiederverwertbarkeit.

Der Flugzeugbau ist ein interessanter Markt, allerdings sind diese Produkte für uns umsatzmäßig derzeit von geringerer Bedeutung. Die von uns gelieferten Materialien befinden sich noch in der sogenannten Qualifizierungsphase, sie sind noch nicht endgültig zur Verwendung zugelassen. Außerdem haben Flugzeuge einen sehr langen Produktzyklus, es wird also noch einige Zeit dauern, bis dieses Geschäftsfeld auch wirtschaftlich wichtiger für uns wird.

ECOreporter.de: Herr Huismann, wir danken Ihnen für das Gespräch!


Bildnachweis: Gert-Jan Huisman; Produkte der Centrotec AG / Quelle: Unternehmen
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