26.05.06 Nachhaltige Aktien , Meldungen

26.5.2006: "Wir haben neue Geschäftsbereiche aufgebaut und sind auf das kommende Wachstum vorbereitet" - ECOreporter.de-Interview mit Achim Winter, Vorstand der CCR Logistics Systems AG

Die Münchener CCR Logistics Systems AG bringt Ordnung in den Abfall. Die börsennotierte Gesellschaft organisiert eigenen Angaben zufolge "retrologistische Netzwerke". Umsatz und Ertrag der CCR steigen seit Jahren, der Aktienkurs kletterte von unter 1,55 Euro im Mai 2004 auf zuletzt 6,99 Euro, der Höchstkurs der letzten 52 Wochen lag bei 8,12 Euro (Kurse: Frankfurter Börse). Achim Winter, Vorstand der CCR, erklärt im Interview, wie das Geschäft seines Unternehmens funktioniert, wo weitere Entwicklungschancen liegen und wie schnell die Münchener in nächster Zeit wachsen wollen.


ECOreporter.de: Für Leser, die die CCR noch nicht kennen: Was verbirgt sich hinter dem Begriff "retrologistische Netzwerke"?
Achim Winter: Wir sind ein internationaler Outsourcing-Partner für die Industrie. Unser Geschäft sind Teile verschiedenster Art, die in der sogenannten "reverse chain" zurückkommen. Verkürzt gesagt: Wir sind zuständig für das Abholen und Behandeln von Abfällen und das Verfolgen von Warenströmen. Wir bieten unseren Kunden ein Vollkonzept an. Das besteht aus Consulting, Software und IT-Entwicklung (Informationsverarbeitung), bis hin zu logistischen Netzwerken. Zu diesen Netzwerken gehören Lagerplätze, Transportunternehmen und Verarbeitungsunternehmen. Ganz wichtig: Wir leisten das Clearing und Reporting für den Kunden. Wir melden für ihn die Erfüllungsquoten in der Verpackungsverordnung. Diese Leistungen bieten wir in vielen Ländern Europas an.

Unsere Kunden sind oft überregional tätige Großunternehmen, sogenannte "Blue Chips". Wir arbeiten gewinnbringend für unsere Kunden. Die Wertschöpfung entsteht durch vermiedene Kosten und die Hebung von Wertpotentialen. Zum Beispiel bei der Gewährleistung und der Nutzung von Altgeräten: Wir sammeln die Gewährleistungsteile, wir ordnen sie und sorgen dafür, dass sie in den entsprechenden Mengen zum Kunden zurückgeführt oder kontrolliert zerstört werden.


ECOreporter.de: Inwiefern qualifiziert sich die CCR Logistics Systems AG auch ökologisch als führendes Unternehmen?
Winter: Wir sind angetreten, um die Welt des herkömmlichen Abfallmanagements grundlegend zu verändern: Die Stoffströme sollten weg von den Deponien hin zum Recycling gelenkt werden. Schon Anfang der 90er Jahre haben wir mit den Partnern BMW und Dow Chemical das Recycling von Kühlerflüssigkeiten entwickelt. Das erfordert eine ausgefeilte Micrologistik. Früher ging das üblicherweise einfach in den Gulli, oder die Abfälle wurden auf die Deponie gefahren. Heute haben wir bei Autohäusern eine Verwertungsquote von über 90 Prozent.

Wir sind natürlich zertifiziert. Auch alle unsere Partner werden jährlich zertifiziert. Darauf legen wir ganz großen Wert. Wir wollen ökologisch auf der sauberen Seite stehen. Übrigens achten wir auch darauf, dass diese Dinge intern gelebt werden.


ECOreporter.de: Wie Ihrem Geschäftsbericht zu entnehmen ist, weisen Sie die Bezüge von Vorstand und Aufsichtsrat einzeln und individuell aus. Viele andere Unternehmen an den deutschen Börsenplätzen lassen sich dagegen durch ihre Aktionäre von dieser Verpflichtung nach dem Corporate Governance Standard freistellen. Was hat sie veranlasst, hier voranzugehen und mehr Transparenz zu schaffen?
Winter: Das haben wir schon immer anders gehandhabt. Wir sind gern an der Börse. Ich wurde kürzlich in den Zulassungsausschuss der Münchener Börse berufen. Unser Unternehmen ist öffentlich finanziert. Ich habe nichts dagegen, wenn die Bezüge öffentlich werden. In Aufsichtsrat und Vorstand gibt es darüber Konsens.


ECOreporter.de: Sie unterhalten Tochtergesellschaften und Gemeinschaftsunternehmen in Spanien, Großbritannien, Italien, Österreich, der Schweiz und Polen. Welche weiteren Ländern sind interessant für die Expansion Ihres Unternehmens?
Winter: Wir sind in weit mehr Ländern tätig, haben dort aber keine eigenen Töchter gegründet, zum Beispiel in Frankreich und Portugal. Tochtergesellschaften errichten wir, wenn wir entsprechende Kunden, Volumina und Aufträge haben. Bei der weiteren Expansion wollen wir uns zunächst auf Europa begrenzen.


ECOreporter.de: Die CCR Logistics ist derzeit in drei Geschäftsbereichen aktiv: Automotive, Electronics und Industry &Commerce. Wo rechnen Sie in den nächsten Jahren mit dem größten Wachstumspotential? Wo erzielen Sie die besten Margen?
Winter: Die Sparte Automotives soll zehn Prozent pro Jahr wachsen, das größte Potenzial erwarten wir aber im Bereich Electronics. Zahlen kann ich Ihnen dazu allerdings noch nicht nennen.
Die Marge hängt stark von der Art des Geschäfts ab, bei Leistungen für die mehr Spezialwissen erforderlich ist, liegt sie höher. Rein logistische Leistungen sind dagegen weniger margenstark. Das ist es auch, was den Bereich Electronics so spannend macht, dort können wir international Synergien nutzen.


ECOreporter.de: In welchen Geschäftsfeldern sehen Sie sich dem größten Konkurrenzdruck ausgesetzt? Wo haben Sie einen Vorsprung gegenüber den Mitbewerbern?
Winter: Wir sind sicher nicht der billigste regionale "Abfallkutscher". Aber wenn ein Unternehmen überregional tätig ist, benötigt es eine komplexere Leistung. Dann sind wir im Vorteil. Eine unserer Kernkompetenzen ist die Fokussierung auf relativ wenige Branchen und die Art der Dienstleistung, die wir erbringen. Wir haben ein hohes Know How über diese Branchen, deshalb verstehen wir die Prozesse bei unseren Kunden.
Unsere Wettbewerber sind anders strukturiert. Sie sind nicht so stark international ausgerichtet, sie sind weniger stark spezialisiert. Im Bereich der Systemdienstleistungen kommt uns die Kölner Interseroh AG am nächsten. In Teilbereichen gibt es zahlreiche Mitbewerber.


ECOreporter.de: Wie interessant ist die CCR-Aktie für institutionelle Anleger, insbesondere Fonds?
Winter: Wir sind jetzt erst mal stolz darauf, dass unsere Marktkapitalisierung auf über 50 Millionen Euro gestiegen ist. Das ist eine gewisse Hürde für viele Fonds. Wir wissen definitiv, dass sich bereits Fonds bei uns beteiligt haben. Vor eineinhalb Jahren haben wir uns selbst aktiv an den Kapitalmarkt gewandt, wir waren zum Beispiel beim Kapitalmarktforum der Deutschen Börse und bei verschiedenen Veranstaltungen der Börse München. Inzwischen kommen die Analysten großer Banken selbst zu uns, für die sind wir natürlich noch immer ein "small cap".


ECOreporter.de: Der Umsatz Ihres Unternehmens soll 2006 auf 53 Millionen Euro springen nach 32,6 Millionen in 2005. Über 85 Prozent der Umsatzerlöse entfielen im vergangenen Jahr auf das Inlandsgeschäft. Wie sind Ihre Pläne für die weitere Umsatzentwicklung? Wie entwickelt sich das Geschäft außerhalb Deutschlands für die CCR Logistics?
Winter: Von 2005 auf 2006 werden wir in Ausland und Inland rund 60 Prozent wachsen. In 2007 erwarten wir dann ein überdurchschnittliches Umsatzwachstum - der Bereich Electronics wird seinen Niederschlag finden. Das Ausland wird sicher überproportional zulegen. Unsere Projektpipeline sollte uns auch 2008 beträchtliches Wachstum ermöglichen.


ECOreporter.de: Die CCR-Aktie wird jetzt seit 6 1/2 Jahren an der Börse gehandelt. Vor zwei Jahren wurden die Anteilscheine noch für 1,55 Euro gehandelt (3. Mai 2004), aktuell werden 6,99 Euro notiert (26. Mai 2006). Sind die Papiere nach dem rasanten Anstieg der vergangenen zwei Jahre überbewertet?
Winter: Eine Überbewertung der Aktie sehe ich derzeit nicht; im Gegenteil, ich halte eine weitere Steigerung für durchaus möglich. Das überdurchschnittliche Wachstum in 2007 ist gesichert, damit ist das Potential, dass das Unternehmen hat, nicht klein. Es gibt zwei zentrale "Stellschrauben", den Umsatz und die Profitabilität des Umsatzes, daran drehen wir. Wir haben neue Geschäftsbereiche aufgebaut und sind auf das kommende Wachstum vorbereitet. Die Systeme stehen, in der Zukunft werden wir einiges Potenzial heben können. Unsere EBIT-Marge wollen wir deutlich verbessern. Für 2006 rechnen wir mit einem EBIT von 2,5 Millionen Euro, das entspricht einer Marge von 4,7 Prozent.


ECOreporter.de: Herr Winter, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Bilder: Achim Winter; Abfallsortierung; gepresste Dosen des Vertragspartners Red Bull; Altautoentsorgung / Quelle: Unternehmen
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