26.07.02

26.7.2002: Deutsche Offshore-Windparks im Überblick: So ist der aktuelle Stand

Von Nicole Paul. Die Zahl der Anträge, die in Deutschland für Offshore-Windparks gestellt werden, nimmt ständig zu. Bereits an die Öffentlichkeit getreten sind in der Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) 18 Projekte - hier liegen der Genehmigungsbehörde das Bundesamt für Seeschiffahrt und Hydrographie (BSH) in Hamburg insgesamt 31 Anträge vor. In den 12-Seemeilenzonen von Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein kommen acht weitere bekannte Projekte hinzu.

Genehmigt ist nur ein einziges Projekt, die Pilotphase des Windparks Borkum West von Prokon Nord. Im Mai genehmigte die Bezirksregierung Weser-Ems auch noch die für die Realisierung des Parks erforderliche Kabeltrasse, die über Norderney nach Hilgenriedersiel in Ostfriesland führen soll. Noch ist Prokon der einzige deutsche Projektierer eines Offshoreparks - doch schon bald könnte die Leerer Gesellschaft bekommen: "Wir wollen nach Möglichkeit dieses Jahr noch vier weitere Genehmigungsverfahren zum Abschluss bringen, deren Standorte sich ebenfalls in der Nordsee befinden", sagt Frank Wischer vom Rechtsreferat des BSH, zuständig für die Bearbeitung der Verfahren.

Das BSH genehmigt in einem ersten Schritt nur Pilotphasen mit maximal 80 Anlagen. Die im neugeregelten Bundesnaturschutzgesetz vom November letzten Jahres angekündigte Ausweisung von besonderen Eignungsgebieten für Offshore-Windparks, die ebenfalls federführend dem BSH obliegt, ist bisher noch nicht erfolgt. Das BSH arbeitet zur Zeit parallel an dieser Ausweisung und an den Anträgen und versucht schon jetzt, die verschiedenen Interessen gleichermaßen zu berücksichtigen.

"Die Antragsteller arbeiten momentan sehr intensiv die erforderlichen Untersuchungen zur Umweltverträglichkeit ab", berichtet Wischer. "Die Kapazitäten im Bereich Forschungsschiffe sind hierzulande bereits knapp geworden."

Die Offshore Bürgerwindpark Butendiek GmbH hat ihre seit Dezember 2000 laufenden Untersuchungen für die Umweltverträglichkeitsstudie (durchgeführt von BioConsult und dem Alfred Wegener Institut) und zum Kollisionsrisiko mit Schiffen (durchgeführt vom Germanischen Lloyd) bereits abgeschlossen. Zusammen mit den aktualisierten Antragsunterlagen wurden die Ergebnisse nun beim BSH eingereicht, das in Zusammenarbeit mit den zuständigen Fachbehörden die Umweltverträglichkeitsprüfung durchführt. Die UVP kann noch einmal mehrere Monate in Anspruch nehmen, parallel sichtet das BSH die Ergebnisse der anderen eingereichten Unterlagen. Wenn es nichts mehr zu beanstanden gibt, hoffen die Butendieker auf eine Genehmigung, über deren möglichen Zeitpunkt sie aber noch nicht spekulieren möchten.

Die große Neuigkeit beim Projekt Sky 2000 war der im Mai bekannt gewordene Einstieg des Energieversorgers E.on: Die E.on Energy Projects hatte 50 Prozent der Anteile an der Show VG, dem Projektträger von Sky 2000 erworben und sich damit 80 Prozent der Bau- und Betriebsrechte an dem Windpark gesichert. Den Planungsauftrag behält weiterhin GEO, die diesen bereits 1999 von der Show VG erhielt und ebenfalls als Gesellschafterin an ihr beteiligt ist. Das Investitionsvolumen von Sky 2000 wird auf rund 200 Millionen Euro geschätzt. "Die restlichen 20 Prozent des Windparks werden als Bürgerwindpark finanziert, dessen Vertrieb und technische Betriebsführung voraussichtlich wir übernehmen werden", berichtet Frank Richert, Projektleiter Offshore bei GEO.

Zusätzlich zu den maximal 50 2 bis 2,5 MW-Anlagen soll Sky 2000 auch ein Testfeld mit fünf Stellplätzen für Prototypen der 5 MW-Klasse beherbergen. Hinzu komme eine Messplattform, die nicht mit den ÈForschungsplattformen in Nord- und OstseeÊ (FiNO) des Bundeswirtschaftsministeriums verwechselt werden dürfe. Auf der Sky 2000-Messplattform sollen aber ähnliche Daten wie auf den FiNO-Plattformen erhoben werden.

"Was die Genehmigungsprozedur angeht, werden wir noch in diesem Monat die Ergebnisse aller Sky 2000 betreffenden Untersuchungen beim Ministerium für ländliche Räume einreichen und den offiziellen Beginn des Raumordnungsverfahrens beantragen. Daran anschließen tut sich dann das Verfahren nach Bundes-Immissionsschutzgesetz, nachdem seit Sommer letzten Jahres alle Windenergieanlagen an Land und in der 12-Seemeilenzone genehmigt werden", so Richert.

Für das Nordsee-Projekt Dan Tysk, bei dem GEO alleiniger Projektträger ist, werden die Untersuchungsergebnisse voraussichtlich im Spätherbst dieses Jahres beim BSH eingereicht. In der Nähe von Dan Tysk soll außerdem Anfang 2003 eine der drei FiNO-Plattformen errichtet werden, die anderen beiden werden bei Borkum und Rügen aufgebaut. GEO will für Dan Tysk mit Butendiek eine gemeinsame Kabeltrasse beantragen, deren Anschluss sich in Böxlund bei Flensburg befindet. Von Dan Tysk bis Böxlund wird die Drehstromtrasse 120 km lang sein, älängere Drehstromverbindungen sind nach derzeitigem Wissensstand nicht machbar,Ù meint Richert.

Ein weiteres Projekt, an dem sich E.on bereits im August letzten Jahres beteiligt hat, ist "Amrumbank West", das von der Rennert Offshore-Energieprojekte GbR beantragt wurde. E.on hat sich zu 50 Prozent an der Amrumbank West GmbH und damit an Planung, Bau und Betrieb des Windparks beteiligt. Die Projektierer haben vor kurzem geotechnische Untersuchungen - konkret eine sehr kostenaufwändige Bohrung am Standort sowie seismische Untersuchungen - abgeschlossen, um ein Fundamentkonzept entwickeln zu können. Das Antragsgebiet liegt in der Important Bird Area (IBA) 123, die von der Vogelschutzorganisation Birdlife International als Schutzgebiet vorgeschlagen wurde. Das Bundesamt für Naturschutz ist derzeit mit der Ausweisung von FFH- und EU-Vogelschutzgebieten befasst, für die auch die IBA-Gebiete geprüft werden. Selbst wenn das IBA 123 zum offiziellen Schutzgebiet würde, sieht Ingo Rennert von der Rennert Offshore-Energieprojekte GbR darin keinen Hinderungsgrund für das Projekt: "Das Gebiet des Windparks Amrumbank West liegt seewärts der 20 m Tiefenlinie. Diese Linie stellt eine erkennbar scharfe Abbruchkante in der Vogelpopulation dar und sollte daher nach unserem Vorschlag als Westgrenze eines Schutzgebietes definiert werden."

Auch die Enova-Unternehmensgruppe aus Bunde bei Leer ist überzeugt, mit den beantragten Flächen sehr gute Standorte im Rennen zu haben. "Mit dem Projekt North Sea Windpower haben wir relativ spät begonnen, weil erst im Dezember letzten Jahres die Freigabe unseres Gebietes durch die Bundesmarine kam. Unsere Fläche liegt im ehemaligen U-Boottauchgebiet Area Ems. Die Umweltuntersuchungen werden seit der Freigabe zügig fortgesetzt", berichtet Diplom-Ingenieur Ralf Brinkema. "Für den Standort spricht außerdem, dass er in einer der potenziellen Eignungsflächen für die Windenergienutzung aus dem Strategiepapier der Bundesregierung vom Januar diesen Jahres liegt", ergänzt Dirk Warnecke, Projektleiter Windenergie.
Für das Projekt Enova Riffgat in der niedersächsischen 12-Seemeilenzone fiel im Mai eine ähnliche positive Entscheidung: Die Landesregierung definierte das Seegebiet bei Borkum neben einem zweiten nordöstlich von Wangerooge ebenfalls als potenzielles Eignungsgebiet für Windenergieanlagen. Bis Ende 2003 soll geprüft werden, ob die Gebiete als tatsächliche Eignungsgebiete ausgewiesen werden können.

Die Bremer Energiekontor AG möchte noch in diesem Jahr die Untersuchungsergebnisse für Borkum Riffgrund und Nordergründe beim BSH beziehungsweise bei der BZR Lüneburg einreichen. Beim BSH wird damit die Errichtungsgenehmigung beantragt, bei der BZR Lüneburg die Eröffnung des Raumordnungsverfahrens. äDie ersten Ergebnisse der nunmehr abgeschlossenen einjährigen Untersuchungen für Borkum Riffgrund stimmen uns zuversichtlich für den planmäßigen Fortgang,Ù meint Christoph Reuter, Projektkoordinator Offshore bei Energiekontor. Für die Genehmigung der Kabeltrasse, die für Borkum Riffgrund im Bereich der 12-Seemeilenzone von der BZR Weser-Ems genehmigt wird, laufen laut Reuter bereits Abstimmungsgespräche mit der BZR, außerdem werden Studien zur Ermittlung der optimalen Trassenführung durchgeführt. Was den Apell von Landes- und Bezirksregierung betrifft, sich für die Trasse mit den anderen Projektierern im Seegebiet bei Borkum abzustimmen, sagt Unternehmenssprecher Martin Bretag: "Wir streben eine Konsensfindung an, aber nur soweit sie wirtschaftlich machbar ist."

Auch beim einzigen deutschen Projekt der Umweltkontor AG "Adlergrund" in der Ostsee geht das Genehmigungsverfahren seinen normalen Gang. Das Erkelenzer Unternehmen rechnet sich Vorteile dadurch aus, dass im Antragsgebiet seit mehreren Jahrzehnten Kiesabbau durch die OAM Baustoffe GmbH betrieben wird, der bereits "zu einer gewissen Vorschädigung des Biotops geführt" habe, wie Unternehmenssprecher Andreas Köster erklärt. Die OAM Baustoffe hat Umweltkontor auf ihrem Gebiet exklusive vertragliche Rechte eingeräumt. Umweltuntersuchungen muss Umweltkontor trotzdem noch einmal machen, mit denen im März dieses Jahres begonnen wurde.

Als geringes Problem stuft Umweltkontor die Schiffahrt am Standort ein, denn die Untiefe Adlergrund wird von Schiffen gemieden und die nächste Hauptschiffahrtslinie ist rund zehn Kilometer entfernt. Zur Finanzierung der Projektentwicklung hat das Unternehmen außerdem einen Fonds namens "blue sea" aufgelegt, an dem Anleger sich mit einer Mindestsumme von 15.000 Euro beteiligen können. Mit dem Fonds sollen die Entwicklungskosten für bis zu fünf verschiedene Offshore-Projekte, darunter auch das spanische Projekt Cabo de Trafalgar, aufgebracht werden. Wenn eines oder mehrere Projekte keine Baugenehmigung erhalten, ist ein Teil der Einlage möglicherweise für den Anleger verloren. "Es gibt aber die Möglichleit, aus dem Fonds vorzeitig auszusteigen und einen Teil des investierten Geldes zurück zu erhalten, es handelt sich somit nicht um reines Risikokapital", meint Köster.

Diesen Beitrag veröffentlichen wir mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift "Sonne, Wind und Wärme", in der er zuerst erschienen ist.
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