26.07.07 Nachhaltige Aktien , Meldungen

26.7.2007: Aktien-News: Schmack Biogas nach dem Kurssturz – Wie beurteilen die Analysten Peter Wirtz, WestLB, und Stephan Wulf, Sal. Oppenheim, die Lage?

Die Aktie des Biogasanlagenherstellers Schmack Biogas AG stand am Morgen mächtig unter Druck. Die Kursnotierung brach zeitweise bis auf 31,10 Euro ein, der Höchstkurs der Anteilscheine hatte am 25. April bei 74,80 Euro gelegen. Marktteilnehmer äußerten sich erstaunt darüber, dass die Aktie bereits am gestrigen Mittwoch unter außergewöhnlich hohen Umsätzen massiv eingebrochen war. Erst am Donnerstagmorgen hatte Schmack eine Ad-hoc-Meldung mit einer Gewinnwarnung veröffentlicht. ECOreporter.de sprach mit Peter Wirtz, Wertpapieranalyst der Düsseldorfer WestLB und Stephan Wulf vom Kölner Bankhaus Sal. Oppenheim über die Aktie.

„Ich glaube, dass der Tenor der Adhoc-Meldung von Schmack falsch ist“, sagt Wirtz, die Nachfrage nach Biogasanlagen sei nicht generell eingebrochen, es habe nur einen Wechsel von Kunden aus der Landwirtschaft zu Finanzinvestoren gegeben. Der Experte sieht einen Zusammenhang zwischen beidem: „Die Finanzinvestoren brauchen die Landwirte, um ihre Projekte zu realisieren. Vor allem für die Rohstoffversorgung suchen sie Partner, die die langfristige Belieferung sicher stellen. Für die Landwirte ist das auch attraktiv, sie werden mit an den Gewinnen der größeren Projekte beteiligt.“ Die Story sei damit weiterhin werthaltig, so Wirtz gegenüber ECOreporter.de.

Wie der Banker weiter ausführt, orientiert Schmack sich aktuell stark auf die Zusammenarbeit mit Energieversorgern. „Diese Projekte sind zurzeit noch sehr aufwändig, weil sie einzeln projektiert werden. Das schlägt auf die Margen durch, die deutlich geringer sind als im Geschäft mit den Landwirten. Es mag noch ein oder zwei Jahre dauern, bis Schmack das in den Griff bekommt.“ Der Experte erwartet, dass die Schmack-Aktie sich in den nächsten neun Monaten nicht wieder erholen wird. Es werde länger dauern, bis sich die Margen wieder erholten haben, so Wirtz. Der Analyst rät dem Anleger, die Aktie zu halten. Das Kursziel der WestLB liege bei 40 Euro. „Damit wollen wir signalisieren, dass wir die Aktie als werthaltig ansehen“, sagt Wirtz: „Bis das Unternehmen wieder positive Margen erzielt, werden nach unserer Einschätzung aber 18 Monate vergehen.“

Oppenheim-Analyst Wulf beurteilt die Situation bei Schmack Biogas ähnlich wie sein Kollege. „Offensichtlich läuft das bisherige Kerngeschäft mit Kunden aus der Landwirtschaft sehr schlecht. Die Rohstoffkosten sind deutlich gestiegen, die Nachfrage ist zurückgegangen. Im Geschäft mit den kleineren Anlagen für Landwirte hat Schmack aber in der Vergangenheit das meiste Geld verdient“, so Wulf.

Generell sei das Unternehmen aber relativ gut positioniert, führt er aus. Schmack habe früh auf neue Märkte gesetzt und baue Großanlagen für Energieversorgungsunternehmen (EVU). Allerdings gelinge es in diesem Bereich noch nicht, attraktive Margen zu erwirtschaften. Die Projekte mit den EVUs könnten das landwirtschaftliche Geschäft nicht ersetzen.

Wulf weiter: „Ich glaube aber, dass das Unternehmen es schaffen wird, die Profitabilität in diesem Bereich zu steigern. Ziel ist es, für den Gesamtkonzern auf 10 Prozent EBIT-Marge zu kommen. In 2008 werden sie das allerdings nicht schaffen.“

Vom Exportgeschäft erwartet der Experte derzeit noch keine wesentlichen Impulse. Es sei noch unklar, wie viel Geld für Schmack in diesem Bereich zu verdienen sei.

Er sehe die Biogasspezialistin „langfristig weiter positiv“, bilanziert Wulf: „Die heutige Gewinnwarnung dürfte aber zu einem Vertrauensverlust geführt haben. Wir raten derzeit trotz des deutlichen Kursrückgangs zur Vorsicht.“

Schmack Biogas AG: ISIN DE000SBGS111 / WKN SBGS11
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