27.01.03

27.1.2003: Dosenpfand: Einigung auf einheitliche Kennzeichnung, aber nicht aufs Rücknahmesystem

Handel und Getränkeindustrie wollen in zwei Monaten über ein System für die Rücknahme von Einwegverpackungen bei Getränken verfügen. Beide Seiten haben sich am Freitag in Köln auf ein Rücknahmesystem ohne Klebe-Etiketten geeinigt. Dosen erhalten eine entsprechende Prägung im Deckel; Flaschen werden mit einem Aufdruck versehen. Beides sind Merkmale, die Pfand-Automaten erkennen können.

Zugleich hat sich der Exekutivausschuss der Arbeitsgemeinschaft Umwelt und Verpackung (AGVU) auf keines der vier konkurrierenden Rücknahmesysteme festgelegt. Das System des norwegischen Pfandautomaten-Herstellers Tomra Systems ASA (WKN 872535) wurde dem Düsseldorfer "Handelsblatt" zufolge ebenso verworfen wie die Systeme konkurrierender Hersteller - die Deutsche Pfand AG, eine RWE Umwelt-Tocher, sowie die Trinkpack AG, Köln-Rodenkirchen, und die Vfw AG (WKN 765 830), Köln. Vor zwei Wochen hatte der Technikausschuss der Arbeitsgemeinschaft noch für das Tomra-System votiert.

Der weltgrößte Automatenhersteller Tomra Systems ASA setzt auf Automaten, die sich laut der Süddeutschen Zeitung besonders in Schweden bewährt haben. Hierbei identifiziert der Rücknahmeautomat Barcode, Form, Gewicht, Material sowie Herstellerland und zahlt das Pfand für jede anerkannte Dose aus. Noch in der Maschine wird die Dose zerdrückt, so dass sie nicht noch ein zweites Mal zurückgegeben werden kann.

Dagegen will die Viersener RWE-Tochter Deutsche Pfand AG die bereits existierenden 80.000 Altglascontainer nutzen. Zusätzlich sollen 20.000 Spezial-Container für PET-Flaschen und Dosen aufgestellt werden. Bevor der Verbraucher die Dose einwirft, muss er wie bei einem Rubbellos eine vom Getränkehersteller aufgedruckte Pfandmarke frei kratzen. Ein Lesegerät am Deckel des Containers gleicht die Daten des Labels mit einer Datenbank ab und schreibt das Pfand auf einer Pfandkarte oder der EC-Karte gut. Kiosk-Besitzer kommen mit einem kleinen Handscanner aus. Dieser prüft das Pfandlabel und gibt es zur Bar-Auszahlung frei. Gleichzeitig wird der Betrag dem Kioskbesitzer von der Clearingstelle gutgeschrieben. So kann auch ein Tante Emma-Laden Hunderte Dosen annehmen, ohne dass die Kasse gesprengt wird.

Die Systemlösung der Trinkpack AG sieht eine klare Trennung zwischen Clearing-Organisation und operativem Geschäft vor. Dabei wird die Clearingorganisation von allen Betroffenen der Pfandpflicht getragen, während das operative Geschäft über einen Systembetreiber wie Trinkpack abgewickelt wird. In Zusammenarbeit mit den Partnern will die Trinkpack AG einen elektronischen Datenaustausch zwischen der Clearing-Organisation und den Handelsunternehmen sowie ein sicheres Finanzmanagement für die Pfandgelder gewährleisten. Durch ein Pfandlabel werden die Einweg-Verpackungen an allen Verkaufsstellen automatisch erkannt, geprüft und über eine in den Rücknahmegeräten eingebaute DSM-Box (Deposit Security Modul) entwertet.

Die AGVU hat beschlossen, die Ausarbeitung des Systems einer weiteren Arbeitsgemeinschaft aus Sicherheitstechnikern und Automatenherstellern zu überlassen. Diese soll zwei Monate Zeit für eine Lösung haben.

Tomras Traum, als Marktführer das Hauptgeschäft übernehmen zu können, scheint mit der Entscheidung vom Freitag geplatzt. Auch die weniger aufwendigen Systeme der Konkurrenz können nun zum Zuge kommen. Entsprechend ist der Kurs der norwegischen Umweltaktie am Montag Morgen um 1,03 Euro auf 6,00 Euro gefallen. Das bedeutet gegenüber Freitag ein Minus von 14,65 Prozent, das Handelsvolumen an der Börse Frankfurt ist relativ hoch: Insgesamt wechselten bis 9:49 Uhr 81.039 Aktien den Besitzer, das Handelsvolumen betrug 534.227,28 Euro.

Das Bundesumweltministerium begrüßte die Entscheidung vom Freitag der Deutschen Presseagentur dpa zufolge als "Einigung von Handel und Industrie". Das Ministerium äußerte zugleich die Hoffnung, dass das bundesweite Rücknahmesystem nun doch vor dem ursprünglich von Handel und Herstellern zugesagten 1. Oktober betriebsbereit sei. Das "Handelsblatt" vermutet hinter der Entscheidung der AGVU, eine Arbeitsgemeinschaft mit der Suche nach einer Einigung für das richtige Rücknahmesystem zu betrauen, jedoch Verzögerungsabsichten. Je mehr sich die Automaten-Einigung hinziehe, desto höher falle in diesem Jahr die Mehrwegquote aus, so die Logik des Blattes. Und je höher der Mehrweganteil, desto mehr Gründe für die Industrie, gegen das Zwangspfand weiter vor Gericht vorzugehen.
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