27.03.03

27.3.2003: ECOreporter.de-Interview mit Andrew Murphy, Vorstand der SuperNatural AG - "100 Prozent Bio für alle bezahlbar machen"

Die nicht börsennotierte Bonner SuperNatural AG führt zur Zeit eine Kapitalerhöhung durch. Im Rahmen eines sogenannten Private Placement will das junge Unternehmen 600.000 Aktien verkaufen. Die Zeichnungsfrist endet am 30. April 2003. ECOreporter.de sprach mit Andrew Murphy, Vorstand von SuperNatural, über Pläne und Aussichten des Bio-Discounters.

ECOreporter.de: Herr Murphy, Sie bieten zur Zeit Aktien aus einer Kapitalerhöhung der SuperNatural AG zum Preis von 1,50 Euro an. Wie wollen Sie den Erlös von 900.000 Euro verwenden?

Andrew Murphy: Mit den Erlösen aus der Kapitalerhöhung werden wir in den nächsten drei Jahren acht weitere Bio-Discounter eröffnen. Dabei planen wir diese in Eigenregie zu führen. Schon in diesem Jahr wollen wir zwei weitere Biomärkte im Rheinland betreiben.

ECOreporter.de: Wie hoch sind die Kosten der Kapitalerhöhung? Welcher Teil des Verkaufserlöses kommt dem Unternehmen selbst zugute?

Murphy: Die Kosten der Kapitalerhöhung werden bei ca. 5 Prozent der eingeworbenen Gelder liegen. Dabei habe ich hier alle Kosten, also beispielsweise auch Reisekosten und Erstellung der Unternehmensinformation erfasst. Der SuperNatural AG kommen also 95 Prozent der Einnahmen aus der Kapitalerhöhung zugute. Ich glaube, das können nur sehr wenige Unternehmen erreichen.

ECOreporter.de: Die Frist zur Zeichnung der Aktien wurde verlängert, wie ist die bisherige Resonanz auf Ihr Angebot?

Murphy: Wir haben keine große PR-Kampagne um die Kapitalerhöhung gemacht, weil in diesen schwierigen Zeiten viele vom Krieg geschockt sind. Wir gingen davon aus, dass es sehr schwierig sein würde, Investoren auf unser Vorhaben aufmerksam zu machen. Um so erstaunlicher ist die bisherige Resonanz. Wir müssen die Privat Placement Information zur Zeit nachdrucken, weil sie vergriffen ist. Auch die englische Version ist von ausländischen Investoren häufiger angefragt worden, als wir erwartet hatten. Tatsächliche Zeichnungsscheine liegen in Höhe von ca. 15 Prozent vor. Zusammenfassend kann man sagen, dass Bio-Discounter ein aktuelles Thema ist.

ECOreporter.de: Für die SuperNatural AG haben Sie ein spezielles Discounterkonzept entwickelt. Gibt es Vorbilder aus dem konventionellen Bereich, an denen Sie sich orientieren? Wodurch zeichnet sich Ihr Modell im Einzelnen aus?

Murphy: Vorbilder ist ein wenig übertrieben. Wir haben uns gezielt mit Mitarbeitern von Discountern verstärkt, um die Logistik im Hintergrund tatsächlich wie ein Discounter zu gestalten. Vordergründig ist dies durch die Konzentration auf die Qualität für den Kunden erkennbar. Wir führen ein Kernsortiment von ca. 1.500 Produkten. Dabei verzichten wir auf Bedientheken. Der Kunde kann bei uns ungestört in großen SB-Regalen alles finden, was das Bio-Herz begeht. Dadurch sparen wir Kosten ein, Einsparungen, die wir an den Kunden in Form von niedrigeren Preisen weitergeben. Grundlage unseres Schaffens ist es, 100 Prozent Bio für alle bezahlbar zu machen.

ECOreporter.de: Die Konjunktur ist schwach, dennoch wollen Sie mit Ihrem Unternehmen expandieren. Woraus beziehen Sie in so schwierigen Zeiten Ihren Optimismus?

Murphy: Meinen Optimismus ziehe ich aus den Ergebnissen unserer Filiale. Wir haben in den letzten sechs Monaten den Umsatz um 40 Prozent steigern können. Das Konzept geht auf. Die schwierigen Zeiten - in denen Man und Frau sparen müssen - führt Sie zu uns. Wir wollen die Preisführerschaft und versuchen unseren Kunden für Ihre Treue entgegenkommen. SuperNatural hat in den letzten Monaten die Preise deutlich senken können. Dies allein durch Einsparungen im eigenen Unternehmen. Einen Transfair Kaffee können wir nicht billiger als andere einkaufen und trotzdem verkaufen wir ihn preiswerter.

ECOreporter.de: Wie reagieren die Hersteller von Öko-Nahrungsmitteln und wie die "Kollegen" aus den Bioläden auf Ihr Konzept?

Murphy: Die Notwendigkeit einer Weiterentwicklung des Naturkostbereiches wird von niemandem in Zweifel gezogen. Schon jetzt baut der Großhändler Denree eine eigene Einzelhandels-Kette auf. Ich bin der Überzeugung, dass sich nur zwei Konzepte durchsetzen werden, und das eine sind wir. Uns liegen Angebote von Biomärkten vor, die gerne ihren Biomarkt zu einem SuperNatural ausbauen möchten. Ich kann mir vorstellen, die SuperNatural auf viele Beine zu stellen.

ECOreporter.de: Im Lebensmitteleinzelhandel sind niedrige Margen üblich, noch geringer sind die Gewinnspannen bei den Discountern. Welche Margen haben Sie für die SuperNaturalmärkte zugrunde gelegt?

Murphy: Wir kalkulieren bei allen Bio-Lebensmitteln gleich. So ist die Marge für uns bei jedem Produkt vergleichbar und für den Kunden nachvollziehbar. Da wir auf Qualität achten, ist die Marge sicherlich niedriger als in anderen Biomärkten. Durch unsere niedrigen Preise kommen aber mehr Kunden zu uns, wir haben also einen höheren Umsatz pro Mitarbeiter. Deswegen erzielen wir im Endeffekt einen höheren Umsatz und Ertrag als viele Supermärkte.

ECOreporter.de: SuperNatural legt nach Ihren Angaben großen Wert auf faire Handelsbedingungen, gerade bei Rohstoffen aus Entwicklungsländern. Wie wollen Sie diesen Anspruch praktisch umsetzen?

Murphy: Nun ja, wir schauen uns die Zertifizierungen der einzelnen Produkte genau an. Wenn wir feststellen, dass ein Öko-Siegel nicht unseren Ansprüchen genügt, nehmen wir das Produkt aus dem Handel. Bis jetzt ist es noch nicht dazu gekommen. Auch "Gerüchten" gehen wir selbst nach. So wurde an uns herangetragen, dass einer unserer Weine aus einer Umstellungswinzerei stamme. Wir haben die Sache überprüft, bis wir die Gewissheit hatten: Der Wein ist ökologisch! Außerdem verfolgen wir die Wertschöpfungskette der ökologischen Lebensmittel, besuchen Erzeuger, schauen uns Betriebe an und führen Gespräche mit Zwischenhändlern.

ECOreporter.de: Wann genau und wo planen sie die Eröffnung weiterer Niederlassungen?

Murphy: Bonn steht fest, ein weiterer Standort im Rheinland ist in Vorbereitung. Wir werden uns in den nächsten Jahren bei der Eröffnung eigener Bio-Discounter vornehmlich in Nordrhein-Westfalen bewegen. Das hat logistische Gründe, die intensive Betreuung eines einzelnen Standortes beispielsweise in Passau ist im Moment noch schwierig.

ECOreporter.de: Wie viele Mitarbeiter beschäftigen Sie zur Zeit in Ihrem Unternehmen?

Murphy: Wir beschäftigen sieben Mitarbeiter. Da wir bei unserem Konzept auf ein strammes Kostenmanagement Wert legen, schauen wir auch darauf, dass unsere Bio-Discounter mit ausreichend, aber nicht zu viel Personal ausgestattet sind. Durch den Verzicht auf Bedientheken können wir mehr Wert auf die Qualität der Beratung legen.

ECOreporter.de: Herr Murphy, wir danken Ihnen für das Gespräch.
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