27.05.02

27.5.2002: ECOreporter.de-Wochenrückblick: Schwächephase deutscher Umweltaktien - US-Lebensmittelzusatzhersteller Natural Alternatives gewinnt nach Einigung im Rechtsstreit 43 Prozent

(H.K.) Wieder einmal stand eine Börsenwoche im Zeichen der Konjunkturdaten aus den USA. Während die Auftragseingänge in den USA weiter gestiegen sind, haben sich die Frühindikatoren für den Aufschwung verschlechtert. Die vorläufigen Zahlen für das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) des ersten Quartals wurden nach unten korrigiert; für das zweite Quartal rechnet man mit einem stark abgeschwächten Wachstum. Zu den Sorgen um das Wirtschaftswachst um kommt die Furcht vor dem Aufflammen weiterer Kriegsherde, so zwischen Indien und Pakistan und zwischem dem Irak und den NATO. Die kurzzeitige Sperrung einer New Yorker Brücke ließ erneut Terrorängste aufleben.

Die deutschen Aktienindizes folgten auch in dieser Woche wieder den Vorgaben aus New York. Nach einem Tief am Donnerstag konnte man zuerst in den USA und dann an den deutschen Börsen eine leichte Erholung beobachten. Insgesamt verlor der DAX mit drei Prozent etwa so viel wie der Dow Jones Industrial Average Index; Nemax All Share und Nasdaq Combined Composite Index gaben jeweils fünf Prozent ab. Eine Verbesserung verzeichnete hingegen der japanische Index NIKKEI-225.

Der im Natur-Aktien-Index (NAI) geführte Bekleidungshersteller Timberland Co. (WKN 973525) aus den USA hat sein Aktienrückkauf-Programm um bis zu vier Millionen Stück erweitert. Der Kurs konnte nicht profitieren: Er verlor sechs Prozent auf 39,63 Dollar. Wild Oats Markets Inc. (WKN 903461), Einzelhandelskette für Bio-Lebensmittel, wird einen seiner Märkte im Bundesstaat Ohio aufgeben. Anleger quittierten diese Meldung mit einem Kursverlust von neun Prozent auf 14,99 Dollar.

Natural Alternatives International Inc. (WKN 880900), ein US-amerikanischer Hersteller von Nahrungsmittelzusätzen, teilte mit, dass in einem Rechtsstreit eine Teileinigung erreicht wurde. Dadurch würden dem Unternehmen 2,4 Millionen Dollar zufließen, die sich bereits im Juni-Quartalsbericht niederschlagen würden. Die Aktien machten einen Sprung auf 3,10 Dollar. Nach ersten Gewinnmitnahmen bedeutet der Wochenschlusskurs von 2,90 Dollar immer noch einen Zuwachs um 43 Prozent.

Die ebenfalls NAI-geführte Herman Miller Inc. (WKN 863205) hat ihren Wirtschaftsprüfer gewechselt. Künftig sollen die Bilanzen nicht mehr von Arthur Andersen LLP, sondern von Ernst & Young LLP geprüft werden. Gegen Arthur Andersen läuft ein Strafverfahren; der Gesellschaft werden strafbare Handlungen beim Zusammenbruch des Enron-Konzerns vorgeworfen. Gegen die Wirtschaftsprüfer Ernst & Young laufen allerdings ebenfalls Ermittlungen der amerikanischen Börsenaufsicht.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) hat die Bundesregierung aufgefordert, sich für eine internationale Konvention einzusetzen: Unternehmen sollten verpflichtet werden, überdie ökologischen und sozialen Folgen ihres Tuns zu berichten. Der BUND fordert allgemein gültige ethische Standards für wirtschaftliches Handeln.

Der Wettbewerbskommissar der Europäischen Kommission hat die deutschen Gesetze zur Förderung von Strom aus erneuerbaren Energien (EEG) und zur Kraftwärmekopplung (KWK) abgesegnet. Die Abnahme von Ökostrom zu einem Mindestpreis stelle keine staatliche Beihilfe dar; die Sicherheit für die Anbieter sei damit endgültig hergestellt. Die Kommission bereitet nun eine europaweite Richtlinie zur Förderung von KWK-Anlagen vor. Damit soll die Versorgungssicherheit inder EU erhöht werden, während man gleichzeitig den Kyoto-Verpflichtungen zur Reduzierung der Treibhausgase nachkommen will. Für Deutschland sagt das Internationale Wirtschaftsforum Regenerative Energien voraus, dass der Anteil der erneuerbaren Energien am Stromverbrauch zum Jahresende acht Prozent betragen werde; allein die Stromproduktion aus Windkraft werde um 50 Prozent steigen.

Aktienanalysten haben eine Schwächephase bei den deutschen Umweltwerten ausgemacht. Vor allem die erneuerbaren Energien stünden unter Druck, obwohl die fundamentale Lage dieses Sektors gut sei, sagte ein Analyst von SES Research. Einige Umweltaktien standen in der zurückliegenden Woche im Blickpunkt der Aktienexperten. So empfahlen Journalisten der "Actien-Börse", der Magazine "TradeCentre.de" und "Der Aktionär" sowie der "Wirtschaftswoche" übereinstimmend, die Papiere der Wedeco AG (WKN 514180) zu kaufen. Das Düsseldorfer Unternehmen ist Weltmarktführerin in der chemikalienfreien Wasseraufbereitung. Nach Bekanntgabe des Geschäftsabschlusses war es im im April zu einem starken Kursverfall gekommen. Wedeco notierten am Freitagabend um sechs Prozent schwächer bei 21,89 Euro.

Das Konkurrenzunternehmen Trojan Technologies Inc. (WKN 902023) aus Kanada legte derweil neun Prozent auf 11,05 kanadische Dollar (rund 7,82 Euro) zu.

Analysten der West LB Panmure und der HypoVereinsbank bewerteten den Windturbinen-Hersteller Nordex AG (WKN 587357) gleichlautend mit "outperform". Bei der West LB wies man jedoch vorsorglich darauf hin, dass man für das Gesamtjahr nur schlecht eine Prognose abgeben könne. Da der Hauptteil der Geschäfte im zweiten Halbjahr gemacht werde, erwarten die Analysten mehr Klarheit, wenn Nordex im Rahmen des Halbjahresberichts am heutigen Montag Einblick in die Auftragslage gibt. Vorab fiel der Kurs schon einmal um zwölf Prozent auf 5,35 Euro.

Jeweils mehr als ein halbes Dutzend Analysten beschäftigten sich mit den Windpark-Projektierern Umweltkontor und P&T Technology. Die Erkelenzer Umweltkontor Renewable Energy AG (WKN 760810) hat ihre Beteiligung an der mdp (Mitteldeutsche Windenergieplanungsbüro Schönfeldt & Kutzeer GmbH, Drohndorf/Magdeburg) von 33,6 auf 50,01 Prozent erhöht. Die Beteiligung habe sich schon im vergangenen Geschäftsjahr als lukrativ erwiesen; das prognostizierte Wachstum sehe Umweltkontor nun als gesichert an. Die Analysten bewerteten diesen Schritt durchweg positiv, behielten aber großteils ihre zunächst abwartende Haltung zur Aktie bei. Der Kurs war vor der Bekanntgabe dieser Meldung bis auf 4,31 Euro gesunken, konnte sich dann wieder auf 4,65 Euro erholen - ein Wochenverlust von elf Prozent.

Überrascht zeigten sich die Analysten von den Quartalsergebnissen der P&T Technology AG (WKN 685280). Das Hamburger Unternehmen, das für das Gesamtjahr eine Umsatzverdopplung anstrebt und den Gewinn sogar um 120 Prozent steigern will, meldete für die ersten drei Monate einen Verlust. P&T begründete die schwachen Zahlen mit erhöhten Ausgaben für das geplante starke Wachstum sowie mit wetterbedingten Verzögerungen der Bauprojekte. An den Prognosen halte man fest. Analysten von sechs Investmenthäusern bekräftigten ihre Empfehlung, die Aktie zu kaufen: Das erste Quartal sei in der Windenergie-Branche wenig aussagekräftig. Einzig die West LB Panmure stufte die Papiere mit "neutral" ein; zwar sei das Unternehmen unterbewertet, man glaube aber nicht, dass der Kapitalmarkt bereits jetzt die "aggressiven" Wachstumspläne mit höheren Kursen honoriere. P&T sanken um elf Prozent auf 5,21 Euro.

Der Bremer Projektierer Energiekontor AG (WKN 531350) hat, wie angekündigt, seinen Businessplan überarbeitet. Für die kommenden drei Jahre erhofft der Vorstand nun ein jährliches Umsatzwachstum von 32 Prozent, der Gewinn vor Steuern soll um jeweils mehr als 35 Prozent steigen.

Einen Sturz um 14 Prozent verzeichnete der Kurs der Cuxhavener Plambeck Neue Energien AG (WKN 691032). Plambeck hatte am 17. Mai seine Hauptversammlung abgehalten.

Der Bonner Solarkonzern SolarWorld AG (WKN 510840) gab Pläne bekannt, zusammen mit dem Chemiekonzern Degussa AG ein Gemeinschaftsunternehmen zu gründen, welches solares Silizium herstellen wird. Der für die Solarindustrie dringend benötigte Rohstoff soll nach einer Technologie der SolarWorld am Standort der Degussa in Antwerpen gewonnen werden. Um ihre ehrgeizigen Wachstumspläne zu verwirklichen, führt die SolarWorld gegenwärtig eine Kapitalerhöhung durch.

Die farmatic biotech energy AG (WKN 605192) hat einen Kooperationsvertrag mit der CarboTech Anlagenbau GmbH geschlossen. farmatic erhofft sich dadurch Vorteile für die weltweite Vermarktung seiner Biogas-Technologie. Der Kurs der Farmatic-Papiere hatte zwischenzeitlich 20 Prozent verloren, schloss dann aber mit 10 Euro unverändert zur Vorwoche. Internationale Expansion plant auch die Krefelder G.A.S. Energietechnologie GmbH, nach eigenen Angaben Spezialistin für die Energieerzeugung aus Deponie-, Bio- und Grubengas.

Auf der Hauptversammlung der Jenbacher AG (WKN 851442) wurde die Ausschüttung einer um 25 Prozent erhöhten Dividende beschlossen. Der Vorstand des österreichischen Spezialisten für KWK-Anlagen ließ sich zudem ein erweitertes Aktienrückkauf-Programm genehmigen. Die Jenbacher-Aktie stieg geringfügig auf 16,55 Euro an.

Der spanische Energiekonzern Endesa (Empresa Nacional de Electricidad SA, WKN 871028) verkauft in zunehmendem Maße Strom, der aus erneuerbaren Quellen gewonnen wird. In den nächsten Monaten rechnet Endesa mit der Baugenehmigung für weitere Windkraftanlagen, die der Konzern dann betreiben wird. Analysten von Merrill Lynch erwarten für das Gesamtjahr ein deutlich verbessertes Ergebnis und empfahlen die Aktien auf mittelfristige Sicht stark zu kaufen. An der Frankfurter Börse notierte die Aktie unverändert bei 16,80 Euro.

Seine Neunmonats-Zahlen gab der Kölner Kondomhersteller Condomi AG (WKN 544490) bekannt. Die neue Produktionsstätte in Erfurt sei in Betrieb genommen worden, teilte das Unternehmen mit. Condomi verteuerte sich leicht auf 15,90 Euro.

Die Schweizer Precious Woods Holding AG meldete gestiegene Einnahmen für das abgelaufene Geschäftsjahr. Precious Woods besitzt Wälder in Lateinamerika,die nachhaltig bewirtschaftet werden. Sämtliche Geschäftszweige von Precious Woods sind nach den Richtlinien des FSC (Forest Stewardship Council) zertifiziert. Der Kurs steht unverändert bei 63 Schweizer Franken (rund 43,19 Euro).

Stora Enso Oyj (WKN 871004), schwedisch-finnischer Holz- und Papierkonzern, will seinen Waldbesitz restrukturieren. Damit soll Kapital für die weitere Entwicklung der Kerngeschäftsfelder freigesetzt werden. Stora Enso hatte im April erheblich gesunkene Gewinne melden müssen. An der Frankfurter Börse zog der Kurs nun um drei Prozent auf 15,40 Euro an.

Seit einigen Wochen schwankt der Kurs der Penny-Stock-Aktie WorldWater Corp. (WKN 909889) auffällig stark. Nach einer Meldung über ein weiteres Projekt auf den Philippinen stieg der Kurs wieder einmal um 43 Prozent auf 0,20 Dollar. Das US-Unternehmen wird eine solarbetriebene Batterie-Ladestation errichten und betreiben.

Ohne erkennbare Gründe stiegen die Papiere der B.U.S Berzelius Umwelt-Service AG. Das Aufbereitungsunternehmen für industrielle metallische Rückstände hatte im April mitgeteilt, die Möglichkeiten eines vollständigen Rückzugs von der Börse prüfen zu wollen. In der zurückliegenden Woche stiegen die Stammaktien (WKN 528570) um 17 Prozent auf 6,70 Euro, die Vorzugsaktien legten um 13 Prozent auf 5,90 Euro zu.


Dieser Umweltaktien-Wochenrückblick erscheint mit freundlicher Unterstützung der UmweltBank.
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x